Matthias Luserke Sturm und Drang

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Inhaltsangabe zu „Sturm und Drang“ von Matthias Luserke

Die wenigen Jahre zwischen 1770 und 1780 tragen in der Literaturgeschichte den schwungvollen Titel des Sturm und Drang und gelten als eine Periode innerhalb der Epoche der Aufklärung. Matthias Luserke interpretiert die Werke der "Stürmer und Dränger" - der junge Goethe, Jacob Michael Reinhold Lenz, Friedrich Maximilian Klinger, Heinrich Leopold Wagner, die Lyriker des "Göttinger Hain" - darum im Kontext dichterischer Gruppenbildung. Außerdem fächert er die poetischen und poetologischen Themen auf, die die Dichter in die Literatur der Aufklärung neu einbrachten: Genieästhetik, das Konzept der Volkspoesie, das Nachdenken über menschliche Natur und Leidenschaften jenseits des Disziplinierungsgebots.

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  • Rezension zu "Sturm und Drang" von Matthias Luserke

    Sturm und Drang

    Heike110566

    04. November 2010 um 09:04

    Spricht man vom Sturm und Drang, dann fällt den meisten Menschen wohl als erstes "Die Leiden des jungen Werther" (1774) vom jungen Johann Wolfgang Goethe ein. Und sicher ist es auch eines der eindrucksvollsten Zeugnisse dieser kurzen literarischen Epoche, die vor allem in den 1770er Jahren ihre Spuren setzte. Aber keineswegs ist dieser Roman nun typisch für die Stürmer und Dränger. Was ist nun aber charakteristisch für den Sturm und Drang? Was waren die Themen, die Formen, die Grundlagen, die Intentionen, die Mittel usw? - Damit beschäftigt sich genau dieses Buch. Matthias Luserke gibt hier einen sehr guten Einblick in diese Zeit der Genies und bietet einen breit gefächerten Überblick in das Schaffen jener Dichter. Ausführlich wird auf die geistigen Grundlagen eingegangen, die Merkmale vorgestellt und erläutert und auch die Ursachen für das Herausbilden dieser Dichtergeneration dargestellt. Am Schluss dieses Teils geht der Autor auf die Bedeutung dieser ziemlich kurzen Epoche, die im Grunde nur wenige Jahre und auch nur wenige Autoren umfasste, für die späteren Dichtergenerationen ein. Der Hauptteil dieses Büchleins beschäftigt sich dann mit der Literatur dieser Dichter selbst. Systematisch und methodisch gut aufbereitet und auch verständlich wird das besondere der einzelnen Dichter und Werke herausgestellt. Dabei werden auch nicht die Vorläufer, zB Heinrich Wilhelm Gerstenbergs Drama "Ugolino" (1768), vergessen. Sein Hauptaugenmerk legt der Autor natürlich auf die Genie-Autoren-Generation und deren Schaffen. Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Maximilian Klinger, Heinrich Leopold Wagner, Johann Anton Leisewitz und Jakob Michael Reinhold Lenz stehen mit ihren Dramen und Erzählungen besonders im Mittelpunkt. Neben den inhaltlichen und formalen Betrachtungen zu den Werken, erhält der Leser auch Hintergrundinformationen zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte und auch den Kontext zu den Dichtern. Eingehend wird ebenfalls die Lyrik dieser Epoche beleuchtet. Der Göttinger Hain, Christian Friedrich Daniel Schubart und Johann Wolfgang Goethe stehen dabei besonders im Fokus. Abgeschlossen wird dieser Hauptteil mit einen Blick auf Randfiguren und Ausläufer. Es ist sehr viel, was dieses Buch an Material aufarbeitet und dennoch ist das Thema nicht wirklich vollständig damit ausgeleuchtet. Fast völlig vernachlässigt werden die Werke des jungen Friedrich Schiller, wie "Die Räuber" (1781), "Kabale und Liebe" (1784) oder "Der Verbrecher aus verlorener Ehre" (1785), die aus meiner Sicht auch zu dieser Epoche zu rechnen sind. Luserke sieht sie aber als zu spät erschienen an, grenzt sie so aus. Epochengrenzen so radikal eng zu setzen und dabei so bedeutende Werke auszufiltern, halte ich für keine gute Idee. Der Sturm und Drang endete ja nicht an einem bestimmten Tag und danach schrieb keiner mehr in der Art. Epochen sind nicht starr, sie sind fließend. Dies wird von Luserke meiner Auffassung nach zu wenig berücksichtigt. Die Betrachtung der Epoche des Sturm und Drang durch Luserke ist deshalb keineswegs eine abschließende, sondern eine, die sehr diskussionswürdig erscheint. Sie ist dennoch zu empfehlen. - Die Literaturwissenschaft ist eine Geisteswissenschaft. Wie schon bei der Grenzziehung der Epochen deutlich wird, gibt es hier viel Spielraum für Denkmodelle, die mit den Denkern variieren. Dies macht es aber auch wieder spannend und je mehr man sich mit dieser interessanten Epoche auseinandersetzt, desto mehr wird man sich dann auch seinen eigenen Standpunkt erarbeiten, seine eigenen Denkansätze bilden. Dieses Buch ist deshalb genauso für Literaturwissenschafts- bzw Germanistikstudierende geeignet, wie auch für literaturinteressierte Laien empfehlenswert. Die im Buch angehängte umfangreiche Bibliographie bietet dann auch noch weitere Hinweise für den geneigten Leser, wie er noch tiefer in diese Materie eintauchen kann.

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