Matthias Müller

 4 Sterne bei 503 Bewertungen

Lebenslauf

Matthias Müller, geboren 1950, übersetzte u.a. John Cheever, Don DeLillo, Colum McCann, Rohinton Mistry und Amitav Ghosh. Seit 1997 lebt er in Amsterdam.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches So nah am Rand (ISBN: 9783907296349)

So nah am Rand

Erscheint am 31.08.2024 als Taschenbuch bei Caracol Verlag der Autorinnen & Autoren.

Neue Rezensionen zu Matthias Müller

Cover des Buches Der Himmel unter der Stadt (ISBN: 9783499226960)
dunis-lesefutters avatar

Rezension zu "Der Himmel unter der Stadt" von Colum McCann

Drastische Schilderung eines Leben jenseits des normalen
dunis-lesefuttervor 10 Monaten

Dunkel, schmutzig und kalt war es in diesem Roman, der mich von der ersten Seite an in seinen Bann geschlagen hat.


Auf zwei Zeit Ebenen befinden wir uns in einem New York, dass man als Tourist wohl nicht zu Gesicht bekommt. 1916 arbeitet nächsten Nathan Walker als Tunnelarbeiter und gräbt mit seinen drei Freunden an einer Verbindung unter dem East River nach Brooklyn. Eine schmutzige und harte Arbeit, die die Fortschritt schafft, aber Menschen zerstört. Das Leben von Walker ist von mehreren Brüchen durchzogen. Wir begleiten nahezu ein ganzes Leben und erleben wir er mehreren Schicksalsschlägen trotzt. 

1991 begegnen wir Treefrog der mit weiteren Verlorenen im unterirdischen Tunnelsystem New Yorks lebt. Seine Obdachlosigkeit wird von Beginn an sehr drastisch dargestellt. Die Kälte, den Schmutz, das Elend und die Gewalt stieß gleichzeitig ab und fesselte mich. Die Vorstellung, dass sich jemand in so dieser unmenschlichen Umgebung ein zu Hause schafft und vor allen Dingen, wie das umgesetzt war, löste in mir einen Voyeurismus aus dem ich mich nicht entziehen konnte. Ich wollte wissen, wie man so leben kann - ausprobieren möchte ich es natürlich nicht. Und so konnte ich teilhaben an einer Parallelwelt die mir im realen Leben hoffentlich erspart bleibt. Ein großer Treiber für die Geschichte war zu erfahren, was die beiden Männer verbindet. Und so tasten sich die erzähl Strenge nach und nach an, bis sich zum Ende des Buches in alles miteinander vermischt. 

Der Grund, warum Treefrog buchstäblich in den Untergrund ging, hat mich betrübt. Als Leser*in ist man bis zum Schluss nicht sicher, ob er lügt oder verwirrt ist, oder die Deutung der anderen der Wahrheit entspricht. 

Colum McCann schreibt, packend und poetischen einem. Er schafft es eine Bild Sprache zu vermitteln, die uns neue Welten erschließt. Dabei verknüpft er die Beziehungen geschickt und schafft es, das sich beklemmende und wütende Gefühle breitmachen. New York, die große schillernde Metropole, beherbergt nicht nur sehr reiche Menschen. Hier gibt er den Vergessenen, Schuftenden eine Stimme, die diese Stadt geschaffen haben, um dann von ihr richtig mies behandelt zu werden. Sehr interessant finde ich, wie McCann die Parallelen von Treefrog und Walker dargestellt hat, die sich aber erst am Ende wirklich erschließen: Die Liebe zu einem besonderen Werkzeug, der eine arbeitet tief unter Tage der andere hoch oben über allem, doch beide bringen sie die Entwicklung der Metropole weiter. Der eine wird aus den Tiefen ausgespuckt, der andere wieder hineingesaugt. Die Ambivalenz zwischen Mitgefühl für den Obdachlosen und Unverständnis für seine Reaktionen halten sich die Waage. Sehr geschickt gemacht! Der Autor ist für mich ein ganz großer Erzähler, der nicht genug gewürdigt werden kann. Solltet ihr nun auch wissen wollen wie viel Leid Menschen aushalten können und wie sie sich damit arrangieren dann ist dieses Buch vielleicht was für euch.

Cover des Buches Das Gleichgewicht der Welt (ISBN: 9783596512621)
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Rezension zu "Das Gleichgewicht der Welt" von Rohinton Mistry

wunderbar, tragische Geschichte, gekonnt geschrieben
Reisebaerenvor einem Jahr

Der Autor flechtet das Leben vierer Inder kunstvoll ineinander. Zum einen ist da Diana, eine mittellose Witwe, die sich aus der Unabhängigkeit ihres Bruders kämpft. Maneck, ein junger Student, der  lieber zu Diana zieht, als in einer unzumutbaren Studentenwohung zu hausen. Und Ishvar und sein Neffe, die ein trauriges Schicksal in die Stadt verschlägt. 

Die vier beginnen eine Wohngeschmeinschaft, erst schlecht und aus der puren Not heraus. Doch Stück für Stück entwickelt sich wahre Freundschaft, Zuneigung und eine ungewohnte Hilfsbereitschaft zwischen den Bewohnern. 

Die Geschichte spielt in Bombay im Jahr 1975 und die Ungerechtigkeit, die den Bewohnern in dieser Zeit passiert ist zwischendurch schwer auszuhalten. Die Geschichte nimmt ihren Lauf und es ist absolut unmöglich den weiteren Verlauf oder gar das Ende zu erahnen. Nebenbei treten noch skurrile, mal mehr mal weniger sympathische, Mitstreiter auf.

Es ist mein erster Roman von Rohinton Mistry und ich bin begeistert von seinem Schreibstiel und der Art, wie er die Personen zum Leben erwachen lässt. Die vier sind mir sehr ans Herz gewachsen und jeder ihrer Schicksalsschläge ist mir sehr nahe gegangen. Manche Passagen sind schwer auszuhalten. Die Ungerechtigkeit und Hilflosigkeit der Protagonisten tut fast schon am eigenen Leibe weh. So war ich dann doch froh, als ich das Buch durch hatte und mich einem "fröhlicheren" Roman widmen könnte. Ein wunderbares Buch, aber eben ein hartes Schicksal. 

Cover des Buches I CAN SPEAK!™ (ISBN: 9783954380282)
Jorokas avatar

Rezension zu "I CAN SPEAK!™" von George Saunders

Großeltern-die-Doritos-lieben treffen die Böhmischen
Jorokavor einem Jahr

Mein erstes Buch von George Saunders. Den Namen hatte ich schon mal gehört, konnte mir aber nichts Näheres vorstellen. Nun also ein Band mit 12 Erzählungen, die für mich miteinander in keinem erkennbaren Zusammenhang stehen. Das Buch fängt gut an, mit drei Science-Fiction- angehauchten Geschichten:


1 „I can Speak!“: Babys mit Sprachmasken, die es ihnen ermöglichen, mit ihren Eltern pseudo zu kommunizieren, bevor sie eigentlich der Sprache mächtig sind. Das Ganze in Form eines Briefes des Kundendienstvertreters an eine unzufriedene Nutzerin. Köstlich.


2 „Mein schillernder Enkel“: Die schöne neue Werbewelt der Zukunft, in der man gezwungen ist, zum Wohle der Allgemeinheit, die individuelle Werbung über sich ergehen zu lassen und von ihr regelrecht belagert wird. Ein Opa fährt mit seinem Enkel zu einem Musical nach New York, verstößt gegen die Regeln und macht so die Werbewächter auf sich aufmerksam.


3 „Jon“: Ein Lager für privilegierte junge Menschen, die als Testpersonen für Produkte, in Vorreiterfunktion quasi Kultstatus in der Bevölkerung genießen. Ungewollte Schwangerschaften bringen jedoch das System durcheinander. Da hilft nur, den Chip mit Teilen des Gehirns aus dem Kopf zu operieren.


Die weiteren Geschichten die folgen waren für mich dann nicht mehr so entzückend. Manche empfand ich als langweilig, andere drifteten für mich total ins Groteske und kaum noch Nachvollziehbare ab.


Ein Text-Beispiel (aus 'Überzeugungstäter).„Als sich der Kanonenrauch lichtete, sehen wir die Apfelsine/Oma/Mann-der-kurz-etwas-mit-dem-Ding-Dong-hatte/Matschhaufen/penisloser-Mann-Koalition hinter der Kanone stehen, die den tödlichen Schuss auf das GrandeChickenBoatCombo abgefeuert hat.“


Gesellschafts-, Religions- oder Werbekritik? Satire? Für mich war einfach nicht klar, was Saunders damit bezwecken möchte. Vielleicht wollte er ja auch nichts. Oder, er hat manche Texte während eines Drogenrausches niedergeschrieben? Als Leser hat ich Probleme zu folgen und Sinnhaftigkeit zu erkennen.


Fazit: Die ersten drei Geschichten fand ich klasse (5 Sterne), mit den weiteren konnte ich zum Teil rein gar nichts mehr anfangen (1-2 Sterne). Gesamtbewertung ist so schwierig. Ganz schwache 3.

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