Matthias Müller Hilfe, sie kommen!

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Inhaltsangabe zu „Hilfe, sie kommen!“ von Matthias Müller

Ziel aufsuchender Hilfen ist es, Menschen, die im sozialen Kontext Unterstützung brauchen, dort aufzufangen, wo sie sonst auf sich alleine gestellt wären: direkt bei sich zu Hause. Der direkte Kontakt in Form von Hausbesuchen ermöglicht es, die jeweiligen Umstände und Lebensmilieus der Besuchten kennenzulernen und schneller zu erfassen, welche Interventionen passen können. Andererseits trägt er das Risiko in sich, die Intimsphäre der Besuchten zu verletzen, Grenzen zu überschreiten und als Übergriff empfunden zu werden. Insofern unterscheidet sich das aufsuchende Arbeiten in vielen Aspekten von der Arbeit in selbst gestalteten Arbeitsräumen.In diesem Handbuch wird das aufsuchende Setting sowohl theoretisch beschrieben als auch im Hinblick auf die Praxis in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern bzw. Zielgruppen beleuchtet. Dabei werden sowohl aktuelle Forschungsergebnisse als auch praxisorientierte Instrumente und Manuale vorgestellt, die die tägliche Arbeit erleichtern und effizienter machen. Die 30 Beiträge repräsentieren ein breites Spektrum im Bereich der aufsuchenden Hilfen. In ihrer Summe machen sie die vielfältigen Wirkungen und Nebenwirkungen dieser Hilfeform greifbar und zeigen Möglichkeiten der weiteren Entwicklung auf.

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  • Rezension zu "Hilfe, sie kommen!" von Matthias Müller

    Hilfe, sie kommen!
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    08. June 2011 um 13:51

    Wenn das zu Hause ein Ort der Probleme ist „Trautes Heim, Glück allein“, dieses geflügelte Wort der 50er Jahre beschrieb letztlich noch nie die Wirklichkeit hinter den Wohnungstüren. Immer auch konnte das „zu Hause“ ein Ort auch problematischer Situationen sein. Da, wo dieser familiäre Ort ein Ort der Vernachlässigung, der Gewalt oder des Missbrauchs ist, da ist dann jene „aufsuchende Hilfe“ gefragt, die sich die Herausgeber des Buches zum Thema gemacht haben. Wie gelingt es, einerseits als „Fremde“ Vertrauen zu gewinnen, diesen privaten Ort konstruktiv aufsuchen zu dürfen und andererseits oft verschwiegene, gar nicht sehen wollende Probleme ebenso konstruktiv zu bearbeiten? Unbestritten ist, dass der direkte Kontakt in vertrauter Umgebung hohe Interventionsmöglichkeiten bietet, Hilfe im sozialen Kontext zu leisten. Das Buch bereitet aus systemischer Sicht, eher wissenschaftlich-theoretisch denn zupackend praktisch (auch wenn Beispiele und Konstrukte aus der Praxis hier und da zur Verdeutlichung einfließen und Mehtoden und Instrumente vorgestellt werden) jene Ambivalenz des 2einerseits Hilfe benötigen“ und des andererseits aus mannigfaltigen Gründen jener „Hilfe von außen“ kritisch gegenüberstehend in vielfacher Sichtweise und mit differenzierten Beiträgen aus. Übergeordnete Themen sind zunächst die besonderen Aspekte des aufsuchenden Settings aus systemischer Sichtweise, in den Beiträgen wird die genannte Ambivalenz gut beschrieben, aber auch die Wirksamkeit und Effektivität in den Blick nehmend. Die durchaus verschiedenen Arbeitsfelder der aufsuchenden Arbeit finden in einem zweiten Teil den Ort der Beschreibung (Hebammen, sozialpädagogische Hilfestellung, sozialpädagogische Intensivbetreuung, Familientherapie und anderes). All diese Bereiche werden jeweils konsequent auf dem Hintergrund systemischer Arbeitsweisen interpretiert und mit Hinweisen für ein reflektiertes Arbeiten versehen. Eine Reflektion, die im dritten Teil des Buches anhand praxisorientierter Manuale und Instrumente mit ausgewählten Interventionsmöglichkeiten versehen wird. Allerdings bedürfen auch diese Einlassungen einer weiteren Anpassung für das eigene Berufsfeld und die eigenen Ziele, „einfach so“ können nicht alle der vorgestellten Techniken übernommen und angewendet werden (was aber auch gar nicht der Anspruch des Buches ist, ein „Ratgeber“ liegt hier nicht vor, eine gründliche, theoretisch orientierte Untersuchung und Darstellung des gegenwärtigen Standes der Diskussion triff es bei weitem mehr). In weiteren Teilen des Buches werden die Helfer selbst in Ressourcen und Ambivalenzen der Arbeit aufgegriffen, sowie ein internationaler Blick der aufsuchenden Arbeit abschließend in den Raum gestellt. Wie sehr es bei der aufsuchenden Arbeit, neben der notwendigen Kompetenz und Sensibilität der professionellen Helfer, „auf den Anfang ankommt“ und wie wichtig die Chance eines, wo nötig, frühzeitig korrigierenden Eingreifens ist, das stellt profund das Kapitel über die Arbeit der Hebammen dar. Ein Wissen, dass durchaus beginnt, um sich zu greifen, dass aber durch das Buch in einer weiteren Vertiefung bestens angeregt wird. Ebenso wie das an manchen Orten durchaus drängende Thema der Schulaversie, welches Eckhard Zierep auch in seinen Grenzen verständlich darzustellen weiß. Neben der Darstellung von Möglichkeiten der konstruktiver Zugehensweise in der aufsuchenden Arbeit werden die systemischen Anteile (die in der Familienarbeit quasi ihr „Heimspiel“ finden) in den einzelnen Beiträgen sauber benannt und differenziert vorgestellt. Die Wichtigkeit der aufsuchenden Arbeit stellt sich bei der Lektüre noch einmal eindringlich vor Augen. Ein Buch, dass auf hohem Niveau allerdings vornehmlich zur Reflektion der Arbeit und der Vertiefung der Methoden dient und weniger dem direkten Zugang zu „Tipps und Tricks“ für die Arbeit vor Ort in den Häusern. Mit vielfachen Betrachtungsweisen des breiten Arbeitsfeldes ist das Buch ein Gewinn für jeden, der mit diesem Arbeitsfeld mittel- oder unmittelbar in Kontakt steht, als allgemein Lektüre allerdings weniger geeignet.

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