Matthias Politycki Jenseitsnovelle

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Inhaltsangabe zu „Jenseitsnovelle“ von Matthias Politycki

Eine mitreißende Liebesgeschichte - und ihr schlimmster Albtraum zugleich. In einer Novelle von bedrückender Dichte erzählt Matthias Politycki vom Glück und Unglück der Liebe und wie der Tod all ihre Gewissheiten zunichtemachen kann. Eine atemlose Reise in die Abgründe von Treue und Betrug, das Drama einer Liebe in unserer Zeit.§Hinrich Schepp ist unter die Sehenden geraten. Nach Jahrzehnten starker Kurzsichtigkeit möchte er den Frauen und ihrer grandioser Unbegreiflichkeit endlich auf den Grund kommen. Umso mehr, als er in seiner Stammkneipe eine verführerische Schönheit an der Bar beobachtet, die - für einen Schepp entsetzlich verwerflich und glückverheißend zugleich - von ihrer Begleiterin erst geküsst, dann sogar in den Hals gebissen wird. Sein Leben gerät endgültig in Schieflage, als ebenjene Frau wenig später wieder in seiner Kneipe auftaucht - als Bedienung. Aber was hat das alles mit den Notizen seiner Frau Doro zu tun, die er eines Morgens auf dem Schreibtisch findet? Und was mit dem dunklen kalten See, in den die Frischverstorbenen laut Doro alle hineinmüssen, um darin ein zweites Mal zu sterben?

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  • Wohin geht die Liebe?

    Jenseitsnovelle
    jenvo82

    jenvo82

    31. October 2014 um 20:48

    Ein Roman voller Andeutungen und unausgesprochener Wünsche zwischen langen Sätzen, ein Buch mit bedeutungsschwerem Inhalt . . . Wie kann sie aussehen – die Idylle einer dreißigjährigen Ehe? Wie viel Illusion steckt in den Idealen der Partner? Hinrich Schepp und seine Frau Doro sind sich scheinbar treu ergeben, versprachen sie sich doch einst die Liebe bis in den Tod, sogar darüber hinaus. Leider bleibt dann tatsächlich ungesagt, was zahlreiche Ehejahre verdorben hat und die wertvolle Zeit zu Zweit verliert ihren Sinn. Der schlimmste Albtraum einer ehemals glücklichen Beziehung und gleichzeitig eine Hommage an Offenheit und emotionale Nähe in der Partnerschaft. Liebe gedeiht durch Respekt und bleibt durch Interesse erhalten – oder sie verliert sich im Nichts . . .

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  • Rezension zu "Jenseitsnovelle" von Matthias Politycki

    Jenseitsnovelle
    rallus

    rallus

    Was leben wir in einer unruhigen, zersetzten Welt. Wenn ich mir die Bestsellerlisten anschaue springen mir Titel wie "Leichenblässe", "Verdamnis" und "Zerstörung" entgegen, werden Menschen umgebracht und ein Auge entfernt, weil man diese sammelt. Menschen zerstückelt, zersetzt, gefoltert gequält, dafür geben viele Mitmenschen viel Geld aus. Das Buch "Jenseitsnovelle" springt mir ins Auge, wieder ein Titel mit dem Tod? Warum Novelle...doch dazu gleich mehr. Von einem meiner Lieblingsrezententen gelesen (Mr.Rail) und gleich versinke ich in seine Beschreibung; Hmmm das ist etwas Anderes. Gleich auf der ersten Seite bemerkt Hinrich Schepp das "Andere", Ungewohnte. Es wird Schepp im Leben von Hinrich. Der Leser ahnt was passiert ist, Hinrich muss sich erst orientieren; sind seine Augen nicht gut? Seine Frau ist tot. Sie sitzt am Schreibtisch und hat noch ein vergessenes Manuskript von ihm bearbeitet. Er liest die letzten Zeilen, kann es nicht glauben, versinkt in Schmerz ob ihres Todes und bettet sie auf die Chaiselongue. Hier erinnert er sich an die ersten Tage, mit ihr. Er lernte sie kennen, sie hat Angst vor dem Tod. Das Jenseits ist für sie nur eine Novelle, nach dem Tod kommt man an einen See, den man überqueren muss. In der Mitte des Sees hat man keine Kraft mehr und ertrinkt, stirbt zum weiten Mal. Im Jenseits gibt es einen Zwischenbereich - eine Novelle. Er nahm sie an der Hand, das erste Mal, daß er jemanden an die Hand nahm, hielt sie fest und es gab dann ein Versprechen, daß Einer am See auf den anderen wartet um gemeinsam herüber zu schwimmen. Er schwimmt in die Gegenwart zurück und fängt an diese zu begreifen, er fängt er an zu denken, zu lesen was seine große Liebe mit der er 2 Kinder hat und mit der er 29 Jahre gelebt, gedämmert hat, hinterlassen hat. Er ist entsetzt, sie hat sein Stück "Marek der Säufer" kommentiert, er beginnt zu lesen, er verspricht es ihr. Dieses Buch im Buch ist stilistisch ganz anders als die Novelle als ob jemand anders dieses beschriebene Leben gelebt hat. Nach und nach findet er heraus, daß Doro alles gewusst hat, was er im Verborgenen dachte. Er tobt will einen Dialog anfangen - mit einer Toten. Die Ehe fault in der Geschwindigkeit, wie der Körper zersetzt wird. Ich will nicht allzuviel verraten, ich bin in dem Buch geschwommen der Erzählstil ist unheimlich dicht, ich versinke, doch ist es luftig genug um meine Gedanken zu entfalten, ich leide mit Hinrich, fühle meine Mannsein angegriffen - dann kommt das Ende und ich bin versöhnt. Ein Buch über die Wirrungen der Liebe, die nicht immer heiter ist und ein atemloses, stilsicheres Dokument über Abschied nehmen - von der Liebe, dem Leben was ich gelebt habe, von mir.

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  • Rezension zu "Jenseitsnovelle" von Matthias Politycki

    Jenseitsnovelle
    Binea_Literatwo

    Binea_Literatwo

    29. May 2011 um 20:44

    „Wir sehen uns.“ Dieser Satz klingt mir in den Ohren, wenn ich das Buch sehe. Außerdem spielt sich vor mir der Trailer zum Buch ab und ein ganz bestimmtes Bild habe ich in meinem Kopf, selbiges liegt ausgedruckt in meiner eigenen Jenseitsnovelle. Ich bin gerührt, emotional, labil, Tränen laufen entlang meiner Wange und dennoch ist und kommt alles anders. Aber was da kommt und was Matthias Politycki mit seinen Worten erzählt, geht tief ins Herz, beflügelt aber dennoch ungemein. Die größte Angst ist es mit jemandem im Streit auseinander gegangen zu sein und denjenigen dann nie wieder zu sehen. Genauso schlimm ist es auch, wenn man sich jemandem nicht mehr erklären kann, nichts mehr richtig stellen kann, nichts mehr, einfach nichts mehr tun kann, denn derjenige ist tot. Einfach tot, kein zurück holen mehr möglich. Hinrich Schepp und Doro, ein eingespieltes Paar über viele Lebensjahre, ein gleichmäßiger Rhythmus. Doch heute scheint alles anders zu sein. Es riecht anders, es fühlt sich anders an und Schepp merkt, Doro ist tot. Beim Korrigieren seines Manuskript gestorben, einfach gestorben. Schepp wollte immer zuerst sterben, am See auf Doro warten, um dann gemeinsam weiter zu gehen. Schepp will Doro halten, vertreibt die lästige Fliege und versucht noch Wärme in ihr zu spüren. Liest, was sie zuletzt geschrieben hat, zwischen seine Zeilen. Aber da ist noch mehr, sie hat sein Manuskript weiter geführt. Sie hat sein Leben, seine biographischstes Werk verändert, ergänzt und korrigiert, Dinge erfahren, die sie nie erfahren sollte und ihm Dinge erzählt, von denen er nicht einmal etwas im Traum erahnen konnte. Gemeinsam wollten sie gehen, nun ist Doro gegangen und sie muss verletzt gegangen sein. Die Einsamkeit macht sich breit und mit ihr die Fragen nach dem richtigen Handeln. Und nun? Eine Rechtfertigung unmöglich. Und da ist es das Gefühl des Buches, was beim Lesen und darüber schreiben oder sprechen aufkommt. Das Gefühl in mir drinnen, tief drinnen, Schmerz, Trauer, eine Mischung aus Kloß im Hals, aber eher in der Magengegend. Und dann kommt das kleine Stückchen Glück dazu und ein winziges Lächeln, das breiter wird. Liebesgeschichte und Albtraum vereint Matthias Politycki in der Novelle, seiner „Jenseitsnovelle“. „Wir sehen uns.“

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  • Rezension zu "Jenseitsnovelle" von Matthias Politycki

    Jenseitsnovelle
    The iron butterfly

    The iron butterfly

    26. April 2011 um 07:25

    Gleich zu Beginn will ich sagen, dass die "Jenseitsnovelle" von Matthias Politycki mich nicht überzeugen konnte. Der Klappentext hatte mir mehr, anderes versprochen. Polityckis Erzähltaktik ist zwar gekonnt, mit Ausnahme der Erzählung in der Erzählung, die den Lesefluß für mich durch ihre ungeschliffene Dialektform extrem gestört hat, jedoch bleiben die Akteure für mich bis zum Schluß uninteressant und oberflächlich dargestellt. Seinen ergreifenden Ansatz vom Auffinden der toten Ehefrau sowie der zarten, unbeholfenen Totenwache, Hinrichs Rückblick auf die gemeinsamen Jahre, die Erkenntnis, dass man sich auch nach dreißig Jahren Eheleben noch fremd sein kann, hat Politycki meiner Ansicht nach regelrecht an eine Altherrenphantasie verschwendet. Schade!

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  • Rezension zu "Jenseitsnovelle" von Matthias Politycki

    Jenseitsnovelle
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    26. February 2011 um 11:13

    Politycki beschreibt in dieser Novelle die Lebens-Liebe des Professor Schepp, der eines morgens seine Frau tot vorfindet. Aus seiner Perspektive sehen wir die Beziehung der beiden an uns vorbei ziehen. Wunderbar verrückt, schön geschrieben (fast ein bisschen zu schön also theatralisch) und vor allem phantasievoll. Ein schönes Buch - das ich aber trotzdem schon vor der Hälfte aus der Hand gelegt habe. Denn Matthias Politycki baut alles auf der Jenseitsvorstellung der toten Geliebten auf - die irgendwie aus der Luft gegriffen scheint und mich gar nicht interessierte. Das mag daran liegen, dass ich als Buddhist damit sehr klare und nicht allzu düstere Vorstellungen mit dem Tod und dem Sterben verbinde. Dann habe ich Politycki Unrecht getan. Ich fand das Buch ja wirklich lesenswert - aber wenn der rote Faden jegliche Spannung verliert... Trotzdem: Lest selber...

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  • Rezension zu "Jenseitsnovelle" von Matthias Politycki

    Jenseitsnovelle
    Mr. Rail

    Mr. Rail

    Selten fühlte ich mich beim Lesen eines Buches so sehr getroffen - vielleicht sogar persönlich getroffen. Ja vielleicht. Es zu rezensieren reißt genau die Wunden auf, die es beim Lesen so schmerzhaft verursacht hat. Darüber zu schreiben ist fast so, als würde ich es erneut in die Hand nehmen - diesmal aber wissend, welche Wendungen die Geschichte nimmt, welche Irrwege der Leidenschaft beschritten werden und an welchem Punkt ich als Leser die Geschichte verlasse. Mir einzureden, dass es mir mit diesem Wissen besser geht, das scheint Illusion. Egal wie tief man in diese Geschichte fällt - egal mit welchem Protagonisten man sympathisiert, am Ende ist man am Anfang und am Anfang ist man am Ende. Hinrich Schepp und seine Frau leben in eingespielter Symbiose. Nicht nur im Leben sind sie einander ergeben, auch über den Tod hinaus haben sie sich versprochen, aufeinander zu warten, wenn es darum geht, den Partner über den letzten tiefen See auf die andere Seite der Existenz zu begleiten. Er schreibt, sie korrigiert, er philosophiert, sie ist gelehrte Wegbegleiterin. Und obwohl Schepp schon lange nichts mehr geschrieben hat, entdeckt er seine Frau früh morgens am Schreibtisch, scheinbar mit der Korrektur eines Manuskriptes beschäftigt. Scheinbar nur, denn schnell realisiert er, dass seine Frau über dieser Arbeit eingeschlafen ist. Ihr Schlaf jedoch ist der Schlaf des Todes und Schepp verzweifelt bei dem Gedanken, dass sie in den letzten Momenten ihres Lebens über einem Manuskript saß, das sie besser nie zu Gesicht bekommen hätte. Ihre Kommentare und Bemerkungen am Rand der Seiten lassen ihn schnell erkennen, dass sie die Schepp´sche autobiographische Seite dieser Geschichte erkannte und auf diese Weise mehr über die geheimen Sehnsüchte und gelebten Verfehlungen ihres Mannes erfahren haben musste, als es Schepp lieb sein konnte. Das Schlimmste jedoch ist, dass der Tod ihm jegliche Gelegenheit genommen hat, sich zu rechtfertigen, zu erklären, was erdacht und was real ist an diesem Manuskript. Er bleibt zurück mit seiner toten Gefährtin und einem völlig neuen Manuskript, das nun ihre Handschrift trägt. Matthias Politycki hat mit der "Jenseitsnovelle" ein großes kleines Buch geschrieben. Es beinhaltet verschiedene Handlungsstränge, die zwangsläufig zueinander führen und doch nicht so enden, wie man es sich in seinen kühnsten Leserträumen erdenken wollte. Das Buch im Buch macht die Novelle zu einem vielschichtigen Beziehungswerk, dessen bittere Konsequenzen weit über das eigentliche Leben hinaus reichen. Es bleibt die Frage wie sehr man verletzt, wenn man geht oder schon verletzt, wenn man bleibt und nur an das Gehen denkt. Es bleibt ein Gefühl der Angst, am Ende alleine zu stehen - an einem Ort, den man nicht alleine erreichen möchte. Es bleibt das Gefühl, etwas Großes gelesen zu haben. Einfach anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=uUXQeI00kgg

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    • 6
  • Rezension zu "Jenseitsnovelle" von Matthias Politycki

    Jenseitsnovelle
    Leserrezension2010

    Leserrezension2010

    24. August 2010 um 21:55

    A193 Jenseitsnovelle von Matthias Politycki Kategorie: Allgemein Was leben wir in einer unruhigen, zersetzten Welt. Wenn ich mir die Bestsellerlisten anschaue springen mir Titel wie "Leichenblässe", "Verdamnis" und "Zerstörung" entgegen, werden Menschen umgebracht und ein Auge entfernt, weil man diese sammelt. Menschen zerstückelt, zersetzt, gefoltert gequält, dafür gebenn viele Mitmenschen viel Geld aus. Das Buch "Jenseitsnovelle" springt mir ins Auge, wieder ein Titel mit dem Tod? Warum Novelle...doch dazu gleich mehr. Von einem meiner Lieblingsrezententen gelesen (Mr.Rail) und gleich versinke ich in seine Beschreibung; Hmmm das ist etwas Anderes. Gleich auf der ersten Seite bemerkt Hinrich Schepp das "Andere", Ungewohnte. Es wird Schepp im Leben von Hinrich. Der Leser ahnt was passiert ist, Hinrich muss sich erst orientieren; sind seine Augen nicht gut? Seine Frau ist tot. Sie sitzt am Schreibtisch und hat noch ein vergessenes Manuskript von ihm bearbeitet. Er liest die letzten Zeilen, kann es nicht glauben, versinkt in Schmerz ob ihres Todes und bettet sie auf die Chaiselongue. Hier erinnert er sich an die ersten Tage, mit ihr. Er lernte sie kennen, sie hat Angst vor dem Tod. Das Jenseits ist für sie nur eine Novelle, nach dem Tod kommt man an einen See, den man überqueren muss. In der Mitte des Sees hat man keine Kraft mehr und ertrinkt, stirbt zum weiten Mal. Im Jenseits gibt es einen Zwischenbereich - eine Novelle. Er nahm sie an der Hand, das erste Mal, daß er jemanden an die Hand nahm, hielt sie fest und es gab dann ein Versprechen, daß Einer am See auf den anderen wartet um gemeinsam herüber zu schwimmen. Er schwimmt in die Gegenwart zurück und fängt an diese zu begreifen, er fängt er an zu denken, zu lesen was seine große Liebe mit der er 2 Kinder hat und mit der er 29 Jahre gelebt, gedämmert hat, hinterlassen hat. Er ist entsetzt, sie hat sein Stück "Marek der Säufer" kommentiert, er beginnt zu lesen, er verspricht es ihr. Dieses Buch im Buch ist stilistisch ganz anders als die Novelle als ob jemand anders dieses beschriebene Leben gelebt hat. Nach und nach findet er heraus, daß Doro alles gewusst hat, was er im Verborgenen dachte. Er tobt will einen Dialog anfangen - mit einer Toten. Die Ehe fault in der Geschwindigkeit, wie der Körper zersetzt wird. Ich will nicht allzuviel verraten, ich bin in dem Buch geschwommen der Erzählstil ist unheimlich dicht, ich versinke, doch ist es luftig genug um meine Gedanken zu entfalten, ich leide mit Hinrich, fühle meine Mannsein angegriffen - dann kommt das Ende und ich bin versöhnt. Ein Buch über die Wirrungen der Liebe, die nicht immer heiter ist und ein atemloses, stilsicheres Dokument über Abschied nehmen - von der Liebe, dem Leben was ich gelebt habe, von mir.

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  • Rezension zu "Jenseitsnovelle" von Matthias Politycki

    Jenseitsnovelle
    Clari

    Clari

    23. August 2010 um 22:43

    Wer kann sich das Jenseits schon vorstellen? Mit Angst und Bangen schaut die noch junge Dorothee Wilhelmine Renate Gräfin von Hagelstein auf ihr Ende, weil sie die unmöglichsten Jenseitsvorstellungen plagen. Sie gehörte in jungen Jahren zu den hoffnungsvollsten Sinologen an der FU in Berlin! Als der angehende und etwas glücklose Professor Schepp, ebenfalls Sinologe, sich mit ihr zusammen tut, kann er sie trösten. Vor einem Bild in der Nationalgalerie mit einem Felsen im See hält er ihre Hand und verspricht ihr, sie in ferner Zeit zu dem imaginären See zu begleiten, hinter dem Doro das Jenseits vermutet. Bald darauf ist sie mit ihm verheiratet! Nun sind sie alt geworden und der große See ist nicht mehr fern! Schepp findet seine Frau eines Morgens tot am Schreibtisch. Der unerwartete Tod versetzt ihn in Schock, Trauer und Erklärungsnotstand, denn seine Frau hat ihm ein schriftliches Vermächtnis hinterlassen. Auf diese Weise kommt eine lang’ verborgene Wahrheit ans Licht. Das scheinbar korrekte Bild seiner Ehe mit Doro zerfällt nach ihrem plötzlichen Tod in viele Einzelteile, die den Leser irre machen und vielfältige Assoziationen wecken. Während Schepp beim Studieren der vorgefundenen Zeilen unter dem toten Haupt seiner Gattin nach den Ursachen und Quellen furchtbarer Eröffnungen sucht, berührt die Erzählung mit den beschriebenen Gerüchen und der Totenstarre ganz irdische Züge. Sie holen den Leser immer wieder rechtzeitig in die Gegenwart zurück. Hin und her gerissen zwischen irdischem Sein und der sich eröffnenden Perspektive auf eine ganz und gar nicht so reine Ehe, wie sie uns Schepp weismachen will, erfahren wir Wahrheiten aus dem Leben eines Mannes, der sich im schönen Schein gesonnt hat. Matthias Polyticki scheut vor keinem makaberen Detail zurück. Der Stil wechselt zwischen weihevoller und bürgerlicher Wohlanständigkeit und der Lebensgier eines ausgehungerten Fauns ähnlich dem berühmten Professor Unrat aus Heinrichs Manns ebenso berühmten Roman, den wir in der Figur des Hinrich Schepp wieder erkennen. Wer ist dieser Mann, der sich hinter dem verborgenen Schein eines Wesens versteckte, das seine Frau zu durchschauen glaubte? Ausgeburten von Fantasien beschreiben Szenen, in denen man sich den Professor durchaus als ausschweifenden Lüstling vorstellen kann. Er ist verklemmt, umständlich und erscheint als Sonderling. Mit 65 Jahren steht er vor den Scherben seines vermeintlichen Glücks. Noch jetzt, im Angesicht des Todes, kann er nicht fassen, was er da zu lesen bekommt. Ist er ein Tölpel? Hat er den Anschluss an die Realitäten des Lebens verpasst? Wir dürfen uns überraschen lassen! Mit spitzer Feder und den fein beobachteten Fehleinschätzungen von Hinrich Schepp und seiner Frau Doro demonstriert uns der Autor die Wirklichkeit. Das gelungene Soziogramm einer Ehe kann uns das Fürchten lehren über die Grenzen von Verständnis, die Eifersucht und die verwegenen Pfade, in denen eheliche Beziehungen enden können. Dem Autor ist mit der Geschichte des unglücklich- glücklichen Hinrich Schepp eine brisante und ausgezeichnete, kurze und inhaltsreiche Novelle gelungen, die mit Erkenntnissen aus dem wahren Leben zwischen Mann und Frau aufwartet. Man ist entzückt über so viel Lebensweisheit und die realistisch -bezaubernde Geschichte, die uns die Welt so nahe bringt und den ganzen Reichtum des Lebens in sich birgt.

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  • Frage zu "Jenseitsnovelle" von Matthias Politycki

    Jenseitsnovelle
    Nebelreiterin

    Nebelreiterin

    Wurdet ihr auch so emotional getroffen, als ihr das Buch "Jenseitsnovelle" von Matthias Politycki gelesen habt? Ein wirklich sehr emotionales Buch…
    Möchte hier auch nicht so viel verraten. Lest es, ihr werdet es nicht bereuen!

    • 3
  • Rezension zu "Jenseitsnovelle" von Matthias Politycki

    Jenseitsnovelle
    Lebensbaum

    Lebensbaum

    10. July 2010 um 17:20

    Ich habe eine sehr persönliche Rezension zu diesem Buch gefunden, die mich zum Lesen und Denken brachte. Ich brauche noch Zeit dies zu verarbeiten. Ein Buch voller Emotion und Angst vor Emotion. Ich weiß nicht, was ich nach dem Lesen der Novelle denken und fühlen soll. Nicht oft hat mich ein Buch fast aus der Bahn geworfen. Wenn der Mann ein Doppelleben führt und seine Frau die Geschichte seines Lebens mit feinen Schnitten seziert, sich dann im Nichts des Ehemaligen auflöst und ihrem ehemaligen Gefährten damit alle Grundlage der übersinnlichen Zukunft entzieht, dann sitze ich heulend da und frage mich, ob es das jemals Wert gewesen sein kann. Ich bin nachdenklich und habe ein starkes Stück Buch gelesen.

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  • Rezension zu "Jenseitsnovelle" von Matthias Politycki

    Jenseitsnovelle
    mehrsonntag

    mehrsonntag

    Das Unbenennbare. Tot sein, dachte er, heißt vor allem, dass man nichts mehr entschuldigen kann, nichts mehr verzeihen und versöhnen, dass es nichts mehr zu vergeben, nur noch zu vergessen gibt. Vielmehr, dass es nichts mehr zu vergessen, nur noch zu vergeben gibt. Entweder es hat geregnet oder die Bahnschranke war zu. Da sitzt er, faltet ihre Hände, die Leichenstarre schon beträchtlich vorangeschritten, drückt sie, nun nicht mehr erschrocken oder ängstlich ob der Kälte, die von ihr ausging, drückte ihre kleinen Hände so fest, so fest er konnte, mehr, denn er je ihre Hände gedrückt hatte. Er wußte nun, warum er sich vor dreißig Jahren in Doro verliebt hatte. Er erschlug die Fliege, mehr so nebenbei, spürte es nicht einmal, es gab nichts mehr zu spüren, nicht einen Hauch. Die Turmuhr des Guten Hirten schlägt, viermal lang, viermal kurz. Er lenkt seine Schritte über das Parkett, er hat sie verloren. Sie wird nicht warten, dort, am See, am großen See um mit ihm gemeinsam zu versuchen, das Jenseits zu erreichen. Wie still er liegt, kein Lüftchen kräuselt das Wasser! Und was für eine Anziehungskraft es hat, man möchte hineinsteigen, es zumindest versuchen. Er hat den Rest seines Lebens. Er ist allein. Verlassen. Rückwirkend gesehen, welch Schmach, hat er seine Frau verloren, er würde die Post von ihrem Anwalt bekommen, auch die Kinder wüßten schon bescheid hat sie geschrieben. Wie endgültig doch der Tod ist. Schepp, als es fast elf Uhr ist, lenkt seine Schritte aus seinem Zimmer kommend zu ihr, wie sie dort sitzt, am Schreibtisch, ihr langes Haar.. Doch welches Manuskript hat sie dort vor sich? Vergessen hat sie, die Kappe auf den Füllfederhalter zu schrauben, er wird ausgetrocknet sein. Zu Beginn hatte ich das Gefühl, wo führt das hin, wo führt mich das hin so endlos, so feingliedrig, weitgefächert, unscheinbar und doch intensiv schienen die Seiten gefüllt. Bis ich hin und wieder, immer häufiger, aufsah und meinen Blick wieder ins Buch lenkte, wieder aufsah, nachdachte, das Gelesene noch einmal las, wieder aufsah, wieder nachdachte. Unbeschreiblich packte es mich dann, als, schon gegen Ende der Novelle, Doro direkt ins Spiel gelangte. Das Unbenennbare. Hier in Worte gehüllt. Eine Hymne an das Leben und die wunderbare Kraft der Liebe, die man nutzen sollte, lebenslang.

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    • 3
    mehrsonntag

    mehrsonntag

    25. June 2010 um 14:28
  • Rezension zu "Jenseitsnovelle" von Matthias Politycki

    Jenseitsnovelle
    dyabollo

    dyabollo

    Die Jenseitsnovelle ist gar nicht so einfach zu beschreiben, und sogar noch schwieriger zu bewerten. Hinrich, der Protagonist, findet eines schönen Tages seine Frau tot über Papieren gebeugt auf. Doch statt zu trauern und den Arzt zu holen beginnt Hinrich zu lesen. Zuerst springen ihm ein paar Kommentare in Auge. "Fahr doch zur Hölle" Warum schrieb seine Doro so etwas? Ist es an ihn adressiert? Nun kann Hinrich nichts anderes als sich Satz für Satz durchzukämpfen. Nach und nach wird ihm bewusst, dass seine Frau etwas vermutete. Dachte sie etwa er habe sie betrogen? Wie konnte sie nur darauf kommen? Im Grunde durchlebt Hinricht alle möglichen Gefühle. Nicht nur Trauer, sondern auch Wut erwachen in ihm und dann die traurige Erkenntinis und die Einsamkeit. Das Ende der Novelle zeigt eine völlig unerwartete Wendung. Im Grunde geht der Autor davon aus, dass sogar kleine Entscheidungen das komplette Leben verändern können. Ist unser Leben, so wie es ist nur ein Zufallsprodukt? Würden wir uns in einer Situation anders entscheiden, hätten wir dann ein ganz anderes Ende zu erwarten? Gerade dieses Ende hat mich dazu gewegt dieser Novelle die volle Punktzahl zu geben. Denn zuvor war ich noch ein wenig enttäuscht - das Buch schien sich in die völlig falsche Richtung zu entwickeln doch der Autor hat es doch noch geschafft etwas tolles daraus machen.

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    • 3
  • Rezension zu "Jenseitsnovelle" von Matthias Politycki

    Jenseitsnovelle
    Monsignore

    Monsignore

    28. January 2010 um 15:35

    "Nach dem Tod geht es mit dem Sterben erst so richtig los." - Dieser herausragend schöne Satz steht exemplarisch für viele ungewöhnlich gute Sätze in einer schmalen Novelle, die den Leser auf diversen Handlungsebenen von einer Überraschung in die nächste wirft. Kunstvoll verschachtelt, mit feiner Ironie geschrieben und mit einem völlig unerwarteten Ende erwartet einem ein Lesevergnügen, wie man es noch auf Seite 10 nicht erwartet. Tipp: Bei Google zu diesem Buch auf die Suche gehen, man findet tolle Interviews mit dem Autor und jede Menge Hintergrundinformationen. Und die sind so schräg wie das Buch - z.B. hat der Autor seiner Hauptperson den Nachnamen eines tatsächlich existierenden Totengräbers gegeben.

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  • Rezension zu "Jenseitsnovelle" von Matthias Politycki

    Jenseitsnovelle
    Hasewue

    Hasewue

    01. November 2009 um 21:52

    Als der 65 – jährige Professor Hinrich Schepp an einem sonnigen Herbsttag ins Wohnzimmer zu seiner Frau kommt, findet er diese tot. Kurz vor ihrem Tod hat sie wie jedes Mal seine Arbeiten und Bücher korrigiert. In diesem Fall aber hat sie sein neuestes Werk, das gleichzeitig sein Leben erzählt, nicht nur korrigiert, sondern auch kommentiert. Durch persönliche Kommentare spricht sie zu ihm und Schepp muss erkennen, dass durch ihr plötzliches Ableben viel Ungeklärtes zwischen ihnen steht. Matthias Politycki erzählt in „Jenseitsnovelle“ die Geschichte eines Mannes, der mit dem plötzlichen Tod seiner Frau zurecht kommen muss und dabei merkt, dass vieles mehr Schein als Sein war. Dabei bedient sich Politycki an einer sehr anspruchsvollen Sprache, wobei er zwischen den zwei Erzählungen variiert und sie je nach Situation anpasst. Zum einen schreibt er sehr hochgestochen, wenn es um die Geschichte des Professors geht. Zum anderen wechselt er in die Umgangssprache, wenn er die Handlung von Schepps Buch „Marek, der Säufer“ schildert. Es ist vor allem am Anfang etwas schwierig sich dadurch zurecht zu finden, man gewöhnt sich aber relativ schnell daran. Die Handlung ist auch sehr genau beschrieben, auf jedes Detail wird genauestens eingegangen und durch einen unglaublich prägenden Schreibstil wird das Buch auch keinesfalls langatmig. Durch das überraschende Ende regt er den Leser zusätzlich zum Nachdenken an. Der Autor beschäftigt sich sehr viel mit dem Jenseits, was durch den Titel „Jenseitsnovelle“ auch zu erwarten war. Matthias Politycki schafft es mit seinem detaillreichen und ausschmückenden Schreibstil eine Atmosphäre zu schaffen, in der der Leser sich trotz einem Gefühl von Distanziertheit wohl fühlt. 4 von 5 Sternen!

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