Matthias Stiehler

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Autor von Väterlos, Partnerschaft ist einfach und weiteren Büchern.

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Väterlos

Väterlos

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Erschienen am 26.11.2012
Partnerschaft ist einfach

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Erschienen am 18.11.2016
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Erschienen am 04.03.2014

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Rezension zu "Väterlos" von Matthias Stiehler

Rezension zu "Väterlos" von Matthias Stiehler
WinfriedStanzickvor 6 Jahren

In seinem 2010 erschienenen Buch „Der Männerversteher“ zeichnete der Männerforscher Matthias Stiehler materialreich die Veränderung des Selbstbildes von Männern in den vergangenen Jahrzehnten nach und stellte, mit Recht, fest, dass, nicht nur durch die Frauenbewegung, die Situation des ehemals "starken Geschlechts" als katastrophal schlecht bezeichnet werden muss. Dass Männer früher sterben und ungesünder leben, das war schon früher so und hat viel mit falsch verstandenen Männlichkeitsidealen zu tun. Dass aber in den letzten Jahrzehnten die Mädchen und Frauen die Jungen und Männer in fast alle gesellschaftlichen Bereichen schon lange abgehängt haben, hat andere Gründe. In einer Welt, in der kleine Jungen kaum noch Männern begegnen auf ihrem Weg durch die Sozialisationsinstanzen, in einer Welt , in der ihre eigenen Väter, so sie noch da sind und präsent, selbst gar nicht mehr wissen, was Mannsein eigentlich ist, und mit den unterschiedlichen Erwartungen, die die Frauen und die Gesellschaft an sie stellen, schon lange nicht mehr zurechtkommen, in einer solchen Umwelt können Jungen keine eigene männliche, von den Mädchen unterschiedene Identität mehr ausbilden. Stattdessen beleihen sie zweifelhafte Vorbilder aus den Medien.

Von einem Mann, so Stiehler damals, wird heute sowohl männliche Potenz erwartet, aber sie soll "domestiziert, rücksichtsvoll und sanft" sein. Das gleicht mitunter der Quadratur des Kreises, und so nehmen, wie der Rezensent beobachtet, Krankheiten wie schwere Depression, die jahrzehntelang eine Domäne der Frauen waren, nun auch bei schon jungen Männern extrem zu.

Stiehler machte in diesem ersten Buch nachvollziehbare Vorschläge, wie Männer wieder zu einem positiven Selbstverständnis finden können.

In dem nun erschienen Buch „Väterlos“ treibt Stiehler seine Analyse weiter und weitet sie aus zu einer sozialpsychologischen Sicht. Er gesteht zu und bewertet das durchaus positiv, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Väter ihr Vatersein entdecken. Ein Viertel der Väter nahm 2011 die angebotene Elternzeit wahr, wobei, wie der Rezensent hinzufügen möchte, es keinerlei Daten darüber gibt, wie die einzelnen Männer diese Zeit gestalteten und vor allen Dingen, was sie für die Zeit danach an bleibenden Erfahrungen mitgenommen haben.

Doch Fakt ist, und es deckt sich auch mit meinen Beobachtungen in Kindergärten und Schulen: immer mehr Männer wollen bewusst Väter sein. Doch was ihnen fehlt, so die These von Matthias Stiehler, ist Väterlichkeit. Eine Eigenschaft, eine innere Haltung, eine Form der Persönlichkeit, die sehr viel zu tun hat mit Männlichkeit, sich aber nicht in ihr erschöpft, sondern mehr ist. Sehr wohl können die heutigen Väter definieren, was sie nicht sein wollen: nicht herrisch, nicht abwesend, ihre Macht nicht ausspielend. „Und so bleibt für viele Väter die Frage offen, was eigentlich eigenständige Väterlichkeit ist und ob diese heute überhaupt gebraucht wird.“

Stiehler beschreibt, um deutlich zumachen, von was er n i c h t spricht, drei Formen falscher Väterlichkeit. Hans Joachim Maaz hat sie in seinem 2007 erschienenen Buch „ Die Liebesfalle“ „Väterlichkeitsstörungen“ genannt.

* die „abwesende Väterlichkeit“. Sie zieht sich zurück, missachtet die
eigenen Prinzipien von Anstrengung und Lebensgestaltung. Sie basiert
auf der Verweigerung des triangulierenden Prinzips

* die „neue Väterlichkeit“ oft auch als „unväterlicher Vater“ bezeichnet.
Diese Form hat sich auch in Reaktion auf die vermeintliche
Forderung der Frauenbewegung massenhaft ausgebreitet. „Hier weicht
Väterlichkeit den Wesensmerkmalen der Eigenständigkeit und des
Anderseins aus, aber auch der Vermittlung von Frustration,
Anstrengung und der moralischen Prinzipien.“ Eine Väterlichkeit, die
sich der Realität verweigert.

* die traditionelle Väterlichkeit mit ihrer Willkür bis hin zur Gewalt
„Die Grenze dieser Form zu echter Väterlichkeit zu ziehen, ist
deswegen schwer, weil in unserer Gesellschaft schnell das
Unangenehme, das Sperrige und das Frustrierende, das
notwendigerweise zur Väterlichkeit dazugehören muss, zu dieser Form
falscher Väterlichkeit hinzugezählt wird. Unter dem Deckmantel,
Gewalt und Willkür abzulehnen, wird zu schnell eine eigenständige,
den eigenen spezifischen Aufgaben nachgehenden Väterlichkeit
diskreditiert.“

Wir müssen als Männer und Väter uns dieses lange Zeit selbstverständliche Wissen um die Eigenschaften einer richtigen Väterlichkeit zurückerobern. Der Rezensent ist sich aus eigener Erfahrung ganz sicher, dass dies nicht nur unseren Kindern, Mädchen genauso wie Jungen, gut tun würde, sondern auch den Beziehungen zu unseren Frauen. Dass unsere Gesellschaft eine solche Väterlichkeit braucht, ist offensichtlich. Wenn die Männer und Väter, die sich von den oben genannten falschen Väterlichkeiten verabschiedet haben, Neues probieren und dies auch mit anderen Vätern und Müttern( das ist nicht immer leicht, wie der Rezensent aus eigener Erfahrung in weiblich dominierten Sozialisationsinstanzen weiß) diskutieren, dann könnte sich daraus durchaus etwas entwickeln, was unsere Gesellschaft braucht.

Und, ganz wichtig: unsere Söhne wachsen auf mit Vätern, die ihnen dereinst eine eigene Väterlichkeit ermöglichen und eine seiner Männlichkeit bewusste Haltung und Beziehung zum weiblichen Geschlecht.

Eine letzte Bemerkung: es kann sein, liebe Väter, dass ihr mit diesen Versuchen gerade bei den Müttern eurer Kinder erst einmal auf Granit beißt. Gebt nicht auf. Versucht mit Geduld und mit Selbstbewusstsein das zu werden, was ihr schon immer sein wolltet, seit ihr erfahren habt, dass ihr Vater werdet.

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