Matthias Toplak

Autor*in von Arab.

Lebenslauf

Matthias Toplak, geboren 1984 in Oberhausen, studierte Skandinavistik, Ur- und Frühgeschichte sowie Mittlere und Neue Geschichte in Köln und Stockholm. Seine Promotion schloss er an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen ab, wo er derzeit als Archäologe zu den Wikingern forscht. Zu seinen Schwerpunkten zählen Bestattungsriten, die Kiewer Rus und Living History.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Matthias Toplak

Cover des Buches Arab (ISBN: 9783806241754)

Arab

(6)
Erschienen am 15.04.2021

Neue Rezensionen zu Matthias Toplak

Cover des Buches Die Wikinger (ISBN: 9783806242904)
mabuereles avatar

Rezension zu "Die Wikinger" von Matthias Toplak

mabuerele
Arabische Geschichte - sachlich und ausführlich analysiert

„...Um zu verstehen, woraus sich die arabische Identität speist – die ja bei aller Uneinigkeit und Differenz zwischen den Arabern der Anlass dafür ist, dass sie das Traumgespinst von politischer Einheit wahrzumachen versuchen – müssen wir darum auf ihre Sprache hören und weit in die Zeiten vor der Entstehung des Islam zurückgehen...“


Diese Worte stammen aus einem Sachbuch, dass von den Anfängen bis zur Gegenwart die Geschichte der Araber untersucht und darlegt. Dabei ziehen sich zwei Schwerpunkte wie ein roter Faden durch das Buch. Das ist zm einen die Entwicklung der Sprache, zum anderen der Gegensatz zwischen Sesshaften und Beduinen.

Der teilweise sachliche und stellenweise fast poetische Schriftstil verlangt viel Aufmerksamkeit. Das ist mit Sicherheit kein Buch, das man am Stück hintereinander liest.

Ich möchte mich in meiner Rezension auf wenige Schwerpunkte konzentrieren und die mit Zitaten belegen.


„...Trotz des erheblichen Unterschiedes sollte inzwischen klar sein, wie falsch es ist, die „arabische Geschichte“ mit dem Islam oder den „Arabern“ anfangen zu lassen. Das Fundament der Geschichte bilden die Südaraber, die sich in ihrer Blütezeit nie auch nur entfernt als Araber betrachteten...“


Der Autor geht weit zurück bis ins Jahr 900 vor Christi. Er zeigt die geografischen Besonderheiten auf und legt dar, welche Völker und Stämme in der damaligen Zeit existiert haben. Schon damals bilden sich in den bewässerten Teilen sesshafte Völker heraus, während in der Wüstengegend das Nomadentum überlebenswichtig war.


„...Ihre semitischen Wurzeln einten sie, doch die semantischen Verzweigungen trennten sie...“


Einer der Schwerpunkte ist die Entstehung der Schrift, bevor sich der Autor dann dem Islam zuwendet. Ausführlich werden Kriege und Konflikte beschrieben. An vielen Stellen zitiert der Autor Originaldokumente und zeigt damit die Vielfalt des kulturellen Lebens auf. Dem haben auch die dauernden Kämpfe nur selten geschadet. Was dabei aber geändert hat, ist die Sprache. Hocharabisch war nie die Sprache aller Araber und doch war sie das verbindende Glied. Mohammed nutzt die Schrift .


„...Worauf es im Koran ankommt, ist nicht das, was er sagt, sondern wie er es sagt. Es ist nicht die Logik, die zählt, sondern die Magie...“


Es folgen Jahre des Aufstiegs und des Niedergangs. Die Ausbreitung des Islam bis nach Spanien und der kulturelle und wissenschaftliche Aufstieg der arabischen Welt sind begleitet von Kriegen und Auseinandersetzungen. Die Vermischung verschiedener Stämme und dem Auf und Ab der Entwicklung gibt der Autor viel Raum. Der folgende Satz scheint für die arabische Welt gjundlegend zu sein.


„...Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen...“


Dabei arbeitet der Autor unter anderen zwei Punkte heraus, die nun entscheidend für die weitere Entwicklung waren. Das ist zum einen der Überfall der Mongolen, zum anderen die Erfindung des Buchdruckes. Letzteres war für die arabische Schrift ein Desaster.

Interessant fand ich, wie weit sich arabische Begriffe über andere Kontinente verbreitet haben.

Ausführlich beschäftigt sich der Autor mit der jüngeren Vergangenheit.


„...Die imperialen Linienzieher haben in dieser Hinsicht eine Menge zu verantworten...“


Gerade dieser Satz wird von ihm mit vielen Beispielen unterlegt. In dieser Gegend der Welt zählen eben nicht in erster Linie Völker, sondern Stämme. Die Spuren der Vergangenheit sind heute noch tief verwurzelt. Und das sorgt für Gegensätze, statt für Einheit. Das kann man auch sehr poetisch formulieren:


„...Zeit lässt sich als Sanduhr betrachten, aber ebenso als Ziehharmonika – eine, die Variationen sehr alter Motive spielt...“


Was mich sehr überrascht hat, ist der äußerst kritische Blick des Autors auf Israel und seine Stellung in diesem Teil der Welt.

Ein inhaltsreiches Nachwort, mehrere Karten und ein umfangreicher Anhang ergänzen das Buch.

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es hat meinen Blick für einen Teil der Geschichte geschärft.

Gerade aus dem Geschehen der letzten Tage heraus möchte ich meine Rezension mit einem dazu ausgewählten Zitat beenden, über das man durchaus kontrovers diskutieren kann:


„...Freiheit kann niemand gegeben werden; Freiheit nimmt man sich, und jeder ist so frei, wie er will...“




Cover des Buches Arab (ISBN: 9783806242126)
Lesewunders avatar

Rezension zu "Arab" von Matthias Toplak

Lesewunder
Ein gelungener Beitrag zum Verständnis der arabischen Welt

Der Autor gibt in seinem Buch einen guten Überblick über die wechselhafte Geschichte der arabischen Welt. Beginnend mit dem 2. Jahrtausend vor Christus auf der arabischen Halbinsel bis zum heutigen Konflikt im Jemen und Syrien bietet er Erklärungen für die nicht existente Einheit der Araber an und veranschaulicht , dass es keine arabische Nation im Staatssinne gibt, sondern die Klammer für "die Araber " die gemeinsame Sprache ist. Dabei sind nicht die verschiedenen Dialekte und Sprachen gemeint, die im Alltag zu hören sind, sondern das alte Hocharabisch, das in der Dichtkunst und im Koran seine Verwendung findet. 

Trotz der gemeinsamen Sprache und damit verbunden dem  gemeinsamem kulturellen Erbe finden und fanden erbitterte Kämpfe zwischen  den verschiedenen Stämmen statt. Alle Versuche "mit einer Stimme " zu sprechen waren nicht von Dauer. Der Autor hält die Gegensätze zwischen Sesshaften und Beduinenstämmen für die Ursache die bis heute fortdauern und ihren Ursprung in vorislamischer Zeit auf der arabischen Halbinsel haben. Die Bewohner der fruchtbaren Gebiete bildeten Gemeinwesen, die durch die Raubzüge der Beduinen, die in den Wüstengebieten wohnten, bedroht waren. In der späteren geschichtlichen Betrachtung sah man in der Lebensart der Beduinen den wahren Kern der Araber. Heute haben Jeep und Maschinengewehr das Kamel und die Armbrust ersetzt.

Ein weiterer Grund liegt nach Ansicht des Autors in den verschiedenen Glaubensrichtungen des Islam, besonders der Spaltung in Schiiten und Sunniten. Im Kern gehe es in den Konflikten nicht um Religion , sondern um Macht und Geld.

Diese Thesen belegt der Autor mit vielen Beispielen aus der Geschichte .

Ich habe das Buch gelesen mit dem Ziel, die Araber besser zu verstehen. Meine Vorkenntnisse würde ich allenfalls als rudimentär bezeichnen, deshalb waren auch die ersten Seiten eine Herausforderung. Das hat sich aber schnell gebessert, weil der Autor nicht müde wird, im laufe des Buches auf vorangegangenes Bezug zu nehmen und so den roten Faden auch für mich als Laien sichtbar zu halten. Ich habe viel gelernt und war verblüfft über viele Zusammenhängen bis in die heutige Zeit, die ich bisher so nicht gesehen habe. Ich hatte einige Aha-Erlebnisse.

Mein Leseziel habe ich auf jeden Fall erreicht. Mein Blick auf den arabischen Sprachraum hat sich verändert und mein Verständnis für politische Entwicklungen wurde gefördert.

Auch wenn es keine leichte Lektüre ist, so lohnt es sich doch für jeden, der die arabische Kultur besser verstehen will.


Cover des Buches Die Wikinger (ISBN: 9783806242904)
Sikals avatar

Rezension zu "Die Wikinger" von Matthias Toplak

Sikal
Interessantes über das Leben der Wikinger

Unser heutiges Bild über die Wikinger ist am ehesten den Raubzügen geschuldet und so werden diese meist als Kämpfer und Plünderer dargestellt – wilde angriffslustige Männer, die über andere Völker Tod und Chaos bringen. Vor allem plünderten sie Kirchen und Klöster. Somit überrascht es nicht, dass die Überlieferungen christlicher Mönche eher subjektiv waren.

 

Mit diesem Buch erfahren wir mehr über die gefürchteten Nordmänner. Sachlich fundiert und gut recherchierte Kapitel berichten über die Bedeutung der Waffen, über die Interpretation der Schriften und Sagen. Es werden Schiffe und Wehranlagen sowie die Strategien an Land und auf See vorgestellt. Man erfährt über die Spuren religiöser Praktiken und die bevorzugten Ziele Normandie und Britannien.

 

Interessant ist beispielsweise, dass das Auffinden von Waffen in Gräbern, nicht unbedingt bedeutet, dass diese auch tatsächlich in der Funktion der Waffe dort platziert wurden. Viele Dinge hatten mehrere Funktionen.

Man liest auch Interessantes über die Rolle der Frauen, über Sklaven oder über die Konstruktion der Langschiffe.

 

Der Autor und Archäologe Matthias Toplak (und weitere) stellen hier die neuesten Forschungen in den Mittelpunkt und berichten sehr sachlich, Mythen werden widerlegt. Nichtsdestotrotz liest sich das Buch flüssig und durch die vielen Bilder bekommt man schnell einen guten Überblick.

 

Eine informative Zusammenfassung. Für Einsteiger in das Thema perfekt geeignet, für Leser, die sich bereits tiefer mit den Wikingern auseinandersetzten, hat das Buch sicherlich wenig Neues zu bieten. Von mir gibt es auf jeden Fall dafür 5 Sterne.

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