Matthias Zschokke Lieber Niels

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Inhaltsangabe zu „Lieber Niels“ von Matthias Zschokke

Dieses Buch gönnt dem Genre Roman eine Pause. Es sprengt dessen Grenzen und kreiert ein ganz eigenes Format. Ein Tagebuch? Ja, aber. Fast täglich schreibt Zschokke zwischen 2002 und 2008 auf, was ihm durch den Kopf geht und festgehalten werden muss: Es sind Auseinandersetzungen mit der Welt, der Zeit, der Literatur, mit der Musik, dem Theater, der Kunst: Kollegenbeschimpfungen, Reiseberichte, ja, sogar politische Marginalien. Aber all das ist nicht zur Selbstreflexion bestimmt, sondern hat ein Du. Was Zschokke notiert, ist für ein Gegenüber, den Freund Niels, bestimmt. Also ein Briefroman in seiner modernen Form, der Mail? Ja, aber. Niemals waren die Mails, als sie geschrieben wurden, zur Veröffentlichung bestimmt. Das erklärt ihre Frische und Spontaneität. Der sie schreibt, ist ein wacher, staunender, spöttisch ironischer und selbstironischer Mensch. Er fragt etwas, sich selbst oder das Gegenüber, er probiert Antworten, poltert los, nimmt alles zurück und kommt zu ganz neuen Einsichten. Und Fragen! Eine mitreißende Neugier zieht sich durch alles, und man selbst gerät ins Staunen und sieht plötzlich klarer auf die Dinge. Eine Fundgrube ist dieses Buch, ein Wunderding.

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  • Rezension zu "Lieber Niels" von Matthias Zschokke

    Lieber Niels
    HeikeG

    HeikeG

    17. April 2012 um 16:03

    Ein Überfall auf die Leserschaft . Literatur und Laute für besinnliche Stunden offerieren die aktuellen Zeilen von Matthias Zschokke nicht. Dafür passt der Text des in Berlin lebenden Schweizer Autors einfach zu wenig in ein zur Muse animierendes literarisches Genre. "Lieber Niels" ist die Veröffentlichung des E-Mail-Wechsels zweier exzessiver Kommunikatoren und Lebensfreunde. Hinter dem titelgebenden Namen verbirgt sich übrigens der Dramaturg, Kritiker und Publizist Niels Höpfner. Jener überredete Zschokke, seine Tausende von elektronischen Briefen zu sozialisieren und zu publizieren. . Nun hört sich dieses Unterfangen alles andere als interessant und eher nach einer hageren Anthologie, einem epischen Rinnsal an. Denn was bitte, wird man sich fragen, geht einem die private Korrespondenz zweier Männer an. Auch wenn die Texte, wie Niels Höpfert im Vorwort erläutert, "formal geglättet und orthografisch gebügelt, (...) auf ihren Kern konzentriert & destilliert und manchmal auch in bewährter Elisabeth-Förster-Nietzsche-Manier gekürzt" wurden, so bleibt doch fraglich, was einen unidirektionalen Mailverkehr (nur die Mails von Matthias Zschokke an Niels Höpfner sind abgedruckt) für die Öffentlichkeit so unterhaltsam macht, dass diese gewillt ist, ein derartiges Buch zu konsumieren? . Allen Vorurteilen zum Trotz kann diesem, in seinem Format qualitativ und quantitativ eigene Wege gehenden Erzählband nur eine große Leserschaft gewünscht werden. Denn Zschokkes exzentrische, egomanische, "fahrig, verfuchtelt, zufällig" zu Wörtern und Sätzen geformte Gedankengänge präsentieren sich als ein literarisches Feuerwerk par excellence. Seine "Auseinandersetzungen mit Literatur, Theater, Musik, Kunst und Alltag; irdischen Befindlichkeiten; Geld- und Mietsorgen", sein verzweifelter Kampf mit dem PC nebst diversen Kollegenbeschimpfungen, jeder Menge eingestreuter Reiseberichte und "sogar politischer Marginalien" zeugen von einer unglaublichen Spontaneität und Frische. Zschokkes Texte - man ist gewillt sie beinahe Bonmots zu nennen - schillern in den allerschönsten Farben zwischen Wut, Zorn, Spott, Sarkasmus sowie Begeisterung, Jubel und stillen Glücksmomenten. Der Wahlberliner der eben noch frech, keck, schwärmerisch und gutgelaunt berichtet, offenbart schon wenig später seine "petrolige Art zu schreiben". Dann hasst, verurteilt, grummelt er mit der gleichen Emphase wie zuvor und präsentiert sich als gehöriger Misanthrop. Gleichzeitig wartet das Buch mit einer Fülle an Literaturempfehlungen auf. Auf Grund dieses Lesevergnügens der Extraklasse verzeiht man den Schweizern doch glatt, dass sie die Deutschen verächtlich "Horste" nennen, denn, so Zschokke: "Wir leiden darunter, keinen Kleist hervorgebracht zu haben. Überhaupt: Die Bachs und Hölderlins nehmen wir euch ewig übel." . "Lieber Niels" ist ein Buch, das man häppchenweise oder als opulentes Sechs-Gänge-Menü genießen kann und das keineswegs als "klassisch fette Fünfzigerjahre-Nachkriegsschweinefleischcuisine mit Zucker am Salat" daherkommt, wie der Autor auf einer Reise nach Ungarn beklagt. Wenn schon ein Vergleich, dann würden wohl eher neuseeländische Opposumsocken, die Matthias Zschokke zu allergrößtem Entzücken hinreißen, als treffende Metapher gereichen. Denn die "Söcklein sind federleicht und daunenzart. Sie wären das Ideale für Deine nächtlichen Internet-[oder Lese-]stunden: Nackt auf Deinem Elefantenfuß sitzend, nur mit Opossumsöckchen an den Füßen." Eines ist auf jeden Fall ersichtlich: Matthias Zschokkes Mails sind ein beredtes Zeugnis weg von der Oberflächlichkeit. Sie lesen sich "knackfrisch und quieken wie die Ferkel im Frühling." Ein außerordentliches Vergnügen. Danke!

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