Histokrimis mag ich vor allem, wenn sie nicht im üblichen Mittelalter-Setting spielen. Augsburg im Jahr 1518, gewissermaßen der Vorlauf zur frühen Neuzeit klang da richtig spannend. Und tatsächlich: Das Buch hat mir viele der Dinge geboten, die ich an diesem Genre schätze. Aber nicht alles.
Zuerst das Positive: Die Atmosphäre ist großartig. Man spürt das Leben einer Stadt, die nicht mehr ganz im Mittelalter, kurz vor der Reformation steckt. Das Handwerk, die religiösen Spannungen, die politischen Ränkespiele. Ich mochte besonders die Beschreibungen der Werkstätten und der Gassen, das Gefühl von Dichte und Nähe. Gerwald versteht sein Handwerk, wenn es darum geht Geschichte lebendig zu machen.
Aber: Es zieht sich manchmal. Gerade im Mittelteil verliert die Geschichte etwas an Spannung. Die titelgebende Hetzjagd ist mehr ein Motiv als ein durchgehendes Tempo. Unterm Strich würde ich sagen: Ein solide geschriebener historischer Roman, sorgfältig recherchiert, dem nur ein bisschen mehr erzählerische Straffung und Gefühlswucht gut getan hätten. Ich war zufrieden, aber nicht überwältigt.













