Maureen Grimm

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Autor von Still geboren.

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Still geboren

Still geboren

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Erschienen am 24.03.2011

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Rezension zu "Still geboren" von Maureen Grimm

Rezension zu "Still geboren" von Maureen Grimm
Vinschenvor 7 Jahren

Mitte November vergangenen Jahres, auf einer Podiumsdiskussion in Berlin, hörte ich erstmals von dem Buch „Still geboren“. Das Thema der Veranstaltung lautete „Wenn plötzlich alles ganz anders ist“ und Kernpunkt des Abends war eben dieses Buch: „Still geboren“ von Maureen Grimm und Anja Sommer, erschienen im Panama Verlag.
„Still geboren“ beschäftigt sich mit dem Thema Kindstod, genauer gesagt mit dem sehr frühen Kindstod: Wenn Kinder während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder kurz darauf sterben – ein absolutes Tabuthema innerhalb unserer Gesellschaft, in der der Tod an sich bereits stark tabuisiert wird. Ein Tabu im Tabu also. Das Buch möchte genau hier ansetzen und zu einem offeneren Zugang zu dem Thema beitragen, was den Autorinnen und dem Verlag auf eindrucksvolle Weise gelingt.
Das Buch ist einfühlsam, leicht verständlich, aber dennoch mit starken Ausdrücken geschrieben. Das Thema ist schwer zu transportieren, den Autorinnen gelingt jedoch eben dies. Es ist der Aufbau, die Konzeption und natürlich auch die Sprache, die dieses Buch zu einer interessanten, aber vor allem sehr bewegenden Lektüre machen. Maureen Grimm und Anja Sommer geben dem Leser einen Leitfaden an die Hand, an dem er Halt finden kann. Was auch nötig ist, geht es doch um den Verlust eines Kindes zu einem Zeitpunkt, der von erwartungsvoller Freude und Spannung der jungen Eltern geprägt ist – wenn, ja wenn alles normal laufen würde. Aber was ist schon normal für die Eltern, die ihr Kind während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt verlieren? Was passiert da mit ihnen? Wie gehen sie mit dieser Situation um, unmittelbar danach und im weiteren Leben? Wer hilft ihnen, was kann ihnen helfen? Und wie gehen die beruflich involvierten Menschen, Ärzte, Hebammen, Krankenschwestern, Seelsorger und Bestatter, damit um?
In erster Linie ist „Still geboren“ sicher kein Ratgeber. Es ist ein Helfer. Es hilft anhand von erzählten, fiktiven, aber sicher so oder ähnlich möglichen und tatsächlichen Geschichten. Es hilft, das Geschehene zu verstehen, sich damit auseinanderzusetzen. Historisches Verhalten – denn natürlich sind in der Menschheitsgeschichte immer Kinder gestorben – findet hier ebenso und im Verlaufe des Buches immer wieder Beachtung. Der Leitfaden durchquert alle Aspekte einer Schwangerschaft bis hin zur Geburt und darüber hinaus, und somit auch jeden möglichen Zeitpunkt, zu dem das Tragische zur grausamen Realität für die Angehörigen werden kann. Stark sind viele einzelne Statements von Betroffenen, von Müttern, Vätern, Ärzten, Krankenschwestern, Hebammen und vielen mehr. Am Ende bleiben der Abschied und die wichtigen Rituale, die damit einhergehen. Diese Rituale sind wichtiger Bestandteil des Trauerprozesses – jedoch ist das noch lange nicht in jedem Krankenhaus in Deutschland bekannt. Verfügen die Eltern zum Beispiel über Gegenstände, wie ein Namensbändchen? Oder gibt es Post-mortem-Zeichnungen, Fotografien, die zu einem späteren Zeitpunkt erheblich hilfreich sein können, um zu erkennen, zu begreifen, dass es da ein Kind gab, nämlich das eigene Kind?
Das Buch „Still geboren“ bewegt und regt zum Nachdenken an. Die Ethnologin Maureen Grimm hat selbst diese Erfahrung mit der Frühgeburt ihrer Erstgeborenen gemacht und sich aus einem wissenschaftlichen Ansatz heraus intensiver mit der Thematik beschäftigt. Die Künstlerin Anja Sommer hat einen anderen, einen künstlerischen Ansatz gewählt. Ihre Post-mortem-Aquarelle geben dem Leser nicht nur eine Vorstellung von den kleinen Körpern, sondern auch dem Buch eine Seele. Der Ansatz und die gelungene Umsetzung der Autorinnen macht „Still geboren“ zu einem besonders wichtigen Buch.

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