Mauri A. Numminen

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Rezension zu "Tango ist meine Leidenschaft" von Mauri A. Numminen

Rezension zu "Tango ist meine Leidenschaft" von Mauri A. Numminen
antjemuevor 9 Jahren

Im Jahr 2003 hatte er seinen Auftritt auf dem Tanz&FolkFest in Rudolstadt. Das ist das größte Folk- und Weltmusikfestival Deutschlands und findet jährlich am 1. Juliwochenende (dieses Jahr feierte ich dort meinen 40.) statt. Bereits im Vorverkauf hatten wir, wie immer, Karten und Programmheft erworben.

So stand bfür uns fest, dass wir den Beitrag des finnischen Musikers M. A. Numminen auf jeden Fall sehen wollten. Von einer CD aus dem Musikexpress kannten wir seine Tangoparodie "Mit meiner Braut im Parlamentspark" und waren gespannt auf seine anderen neo-rustikalen Werke. Wir wurden nicht enttäuscht, nein im Gegenteil, für mich war es einer der Höhepunkte des damaligen Festivals.

Auch eine Lesung Numminens war in diesem Programmheft angekündigt, leider hatten wir diese dann aufgrund anderer kultureller Genüsse verpasst.

Der 1940 geborene und im Lempäälä (Finnland) lebende Mauri Antero Numminen ist nämlich nicht nur Komponist, Filmemacher, Sänger (mit Kieksstimme) und Entertainer, sondern auch Autor. Den von ihm geschriebenen Roman hatte ich mir sofort nach meiner Rückkehr aus Rudolstadt bestellt.

Er ist im Jahr 2003 als Neuauflage beim Diana Verlag erschienen (im Jahr 2000 erschien er bereits beim Züricher Haffmanns Verlag) und wurde von Eike Fuhrmann aus dem finnischen übersetzt). Preis: 10,00 Euro.

Die Lieferung ließ damals ganz schön auf sich warten, kam aber noch rechtzeitig um das Buch mit in den nun so lang zurückliegenden letzten richtigen Urlaub mitzunehmen. So konnte ich auf einem tschechischen Zeltplatz die komische aber tragisch endende Geschichte des Finnen Virtanen, gepaart mit Lehrstunden über die Geschichte des finnischen Tango konsumieren.

Der 35-jährige Virtanen ist seit seinem 15. Lebensjahr ein glühender Verehrer des finnischen Tango. Dieser wird meistens in Moll gepielt, denn je trauriger der Tango, desto glücklicher sind die Finnen. Virtanen tanzt den Tango auch seit dieser Zeit, obwohl er nie eine Tanzstunde besuchte. Seine 1. Tanzpartnerin war ein Besen und die notwendigen Tanzschritte hatte er aus Tanzbüchern.

Ebenfalls seit seinem 15. Lebensjahr verehrt er den Philosophen Platon. Dieser stellte die These auf, dass eine Frau mit 24, ein Mann erst mit 35 reif für den Geschlechtsakt ist. Aus diesem Grund hat es sich Virtanen zum Grundsatz gemacht, sich nicht vor seinem 36. Geburtstag einem Geschlechtsakt hinzugeben. Er sieht das als eine Art Privatwettstreit mit Meister Platon und möchte ihn um ein Jahr besiegen.

Solange er noch mit dem Besen tanzte, war das kein Problem. Mittlerweile tanzt (eigentlich geht, denn der finnische Tango wird gegangen) er jedoch in einschlägigen Tanzlokalen Helsinkis und hat dort immer äußerst attraktive Damen zur Tanzpartnerin.

Es geschieht nicht selten, dass er, der sich eindeutig zu Frauen hingezogen fühlt, mitten auf der Tanzfläche eine heftige Errektion hat. Trotzdem läßt er sich von seinem Grundsatz nicht abbringen und bestraft sein ungezogenes Glied auf der nächsten Toilette solange mit Peitschenhieben, bis es wieder Ruhe gibt.
Die Damenwelt, die die leidenschaftliche Art Virtanens, den Finn-Tango zu tanzen, schätzt, liegt ihm zu Füßen, aber erst Anja, die Frau, in die er sich ernsthaft verliebt, macht es ihm wirklich schwer seine selbstgewählte Askese durchzustehen.

Er lebt bereits mit ihr zusammen und kommt mit ihr überein, bis zu seinem 36. Geburtstag zu warten. Doch Anja verzweifelt mehr und mehr an seiner Enthaltsamkeit, was letztendlich zur Katastrophe für beide wird. Eine skurrile, teilweise komische und leider tragisch endende Geschichte.

Der Schreibstil ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, weil die Geschichte um Virtanen, die dieser in der "Ich-Form" erzählt, immer wieder durch die Erklärungen über den finnischen Tango, die ein "Dritter" gibt unterbrochen wird.

Zunehmend liest man sich jedoch hinein und man merkt, wie wichtig diese sind. Letztendlich verschmilzt es zu einem, da der "Dritte" Virtanen mehr und mehr in die Erklärungen integriert und auch Virtanen seine musischen Empfindungen erklärt.

Im Anhang gibt es dann noch eine Finn-Tango-Chronik, eine Auflistung der Tango-Dynastien von 1985 - 1999 sowie eine Auflistung aller im Buch erwähnten Titel (immerhin 296 Stück) mit Komponist und Texter.

Ein Einblick in das Leben eines Durchschnittsfinnen und ein gutes Stück Kultur. Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen, da ich für viele Musikrichtungen offen bin und auch mit den Erklärungen etwas anfangen konnte. Jedem, der noch handgemachte Musik mag und bereit ist, sich einem anderen Kulturkreis zu öffnen, kann ich das Buch voll empfehlen.

Wer allerdings nur unterhalten werden möchte, wird die Erklärungen als Längen empfinden und sollte lieber die Finger davon lassen.

Fazit: Mal was ganz anderes!

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