Maurice Druon Lilie und Löwe

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Inhaltsangabe zu „Lilie und Löwe“ von Maurice Druon

'Druons Romane sind echte Pageturner: Sie sind die Grundlage des ›Game of Thrones‹!'

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  • Die letzten Kapetinger

    Lilie und Löwe

    Stefan83

    09. October 2011 um 12:58

    "Lilie und Löwe" ist der vorläufig erst einmal letzte Band der deutschen Neuveröffentlichung des im Original sieben Bände umfassenden Romanzyklus "Les Rois Maudits". Und man kann nur hoffen, dass der Fischer Verlag sich in nicht allzu ferner Zeit geneigt zeigt, auch den abschließenden Teil, welcher im Jahre 1977 unter dem Titel "Quand un roi perd la France" (dt. Ein König verliert sein Land) erschienen ist, neu aufzulegen. Es wäre nicht nur aufgrund der Lektüre selbst wünschenswert, sondern gleichfalls eine Ehrung des Autors Maurice Druon, welcher im April des Jahres 2009 verstorben ist, und der sich mit diesem epischen Mammutwerk aus der Zeit der letzten Kapetinger ein Denkmal im Genre des historischen Romans gesetzt hat. Ein Denkmal, das im Falle von "Lilie und Löwe", welches mit "La Louve de France" und "Le Lis et le Lion" den fünften und sechsten Teil des Epos umfasst, über 675 Seiten zu bannen und fesseln weiß. Im Gegensatz zum doch über lange Zeit eher faden Vorgänger "Das Gift der Krone", nimmt die Geschichte hier nun endlich Fahrt auf, was auch schlichtweg an der Tatsache zu liegen scheint, dass man sich dem Ausbruch des 100-jährigen Krieges und einer von vielen Umwälzungen beherrschten Epoche angenähert hat. Das Buch beginnt, nach einem kurzen Prolog der die Ereignisse im Anschluss an "Das Gift der Krone" rückblickend zusammenfassend, im England des Jahres 1324. Genauer gesagt im Tower von London. Dort sitzt Roger Mortimer, der ehemalige Baron von Wigmore, welcher bei der Niederschlagung der Revolte gegen die einflussreichen Despensers dem König als Gefangener in die Hände gefallen ist. Nach nun fast 2 Jahren Kerkerhaft plant er seine Flucht, die ihn bis nach Frankreich führen soll, wo er schließlich zum Geliebten der englischen Königin Isabella wird. Gemeinsam sammelt man Kräfte um sich, um mit einer Invasionsarmee in England zu landen und den Marionetten-König Eduard II. samt den Despensers vom Thron zu stoßen. Ein Unternehmen, das auch dank der Einflussnahme des robusten Robert von Artois gelingt, welcher einige Jahre später seinem Vetter Philipp IV. ebenfalls zur Krone verhelfen soll. Diesmal gegen den Willen Isabellas, die mittlerweile mit tatkräftiger Unterstützung Roger Mortimers ihren Mann hat ermorden lassen und für ihren Sohn Eduard III., dem letzten direkten Nachkommen Hugo Capets (Kapetinger), gleichsam den Thron Frankreichs fordert. Es ist der Grundstein für einen Konflikt, der nicht nur das Verhältnis beider Nationen zueinander verändern, sondern auch entscheidend zur Herausbildung eines Nationalgefühls der Franzosen und Engländer beitragen wird: Der Hundertjährige Krieg ... Bevor es dazu kommt, schildert Maurice Druon einmal mehr auf faszinierende Art und Weise detailliert die Geschehnisse, wobei er diesmal auch näher auf die Geschichte der Engländer eingeht. An der Seite Titelgebenden "Wölfin von Frankreich" Isabella verfolgt man die Stürzung des unfähigen Eduards II. bis zu dessen Ableben, das auch, wie historisch überliefert, in allen Einzelheiten beschrieben wird. Dennoch ist man nicht versucht vom "rauen Mittelalter" zu sprechen, denn die politischen Winkelzüge, die trotz ihrer verworrenen Ausmaße gut nachvollziehbar bleiben, haben etwas erschreckend Modernes an sich, was den endgültigen Ausbruch des Krieges nur umso tragischer macht. Druon weiß dabei auf faszinierendste Weise zu unterhalten, und stützt sich mehr auf die historisch überlieferten Ereignisse als im Vorgänger. Eine meiner Meinung nach gute Entscheidung, hat doch die Nebenhandlung mit dem Italiener Guccio den Vorgänger stellenweise zu arg gestreckt und Lesespaß bereits im Aufbau zunichte gemacht. Geduld bleibt trotzdem ein an den Leser gestelltes Erfordernis, da der gesamte Rahmen noch komplexer geworden ist und das diplomatische Tennisspiel mitunter genaues Hingucken erfordert. Erfrischende Auflockerung ist da dann einmal mehr die Figur Robert von Artois, dem Druon diesmal noch mehr Aufmerksamkeit widmet und welcher mit seinen Schrullen aufs amüsanteste unterhält. Insgesamt ist "Lilie und Löwe" ein gewaltiges Stück eines noch gewaltigeren Epos, das völlig zu Recht zu den Klassikern unter den historischen Romanen zählt und wie kein anderes mir bekanntes Buch spannend die Vorgeschichte des Hundertjähriges Krieges aus der Sicht beider Seiten schildert. Ein Stück Arbeit sicher, die man jedoch gern bewältigt und beim Leser unwillkürlich das Interesse am "Dunklen Zeitalter" wecken wird.

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