Mauricio Borinski

 4.7 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Arschloch!.

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Arschloch!

Arschloch!

 (3)
Erschienen am 27.09.2010

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Rezension zu "Arschloch!" von Mauricio Borinski

Rezension zu "Arschloch!" von Mauricio Borinski
Vesper_Goldvor 6 Jahren

Rezension „Arschloch“

„Einmal möcht ich ein Böser sein …“ sang schon 2005 die österreichische Popformation EAV und genauso einer begegnet einem auch in dem von Mauricio Borinski ersonnenen Charakter Moritz Becker.

Wenn es nicht schon an sich verwerflich wäre, ein Meerschweinchen Susan Stahnke zu nennen, um wieviel mehr ist es dann hassenswert, dieses in der Waschmaschine im Kochwaschgang durchzuschleudern und danach zu versuchen, den Körper in einem braunen Erfrischungsgetränk aufzulösen?

Um ehrlich zu sein, brauchte ich recht lange, bis mir diese perfide Art von Humor tatsächlich auch beim Lesen Genuss bereiten konnte. Zu lange habe ich darüber nachgedacht, was für eine bipolare Störung dieser Moritz haben könnte, um sich derart über Moral, Formen und das Mensch-Sein hinwegzusetzen.
Das Mirakel dahinter: Längst schon befinden wir uns in einem Moritz-Paralleluniversum und das Buch war der befreiende Schlag auf den Hinterkopf, damit einem die Schuppen von den Augen fliegen.

Ein böses, bitterböses Buch, das seinen Schabernack mit mir trieb und mir meine Bigotterie aufzeigte, denn während ich vor Jahren noch begeistert die Zeilen der EAV mitgrölte, finde ich mich jetzt in einer Gegenposition zu mir selbst.
Das kann ja nicht jedes Buch von sich behaupten.

Bewertung: Vier tote Meerschweinchen auf einer Skala von fünf.

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Periplanetas avatar

Rezension zu "Arschloch!" von Mauricio Borinski

Rezension zu "Arschloch!" von Mauricio Borinski
Periplanetavor 8 Jahren

Jeder der sich in seiner Konsumentenkarriere auch schon das ein oder andere Mal in endlosen Telefonwarteschleifen befunden hat, weiß spätestens nach diesem Buch warum. Denn der Protagonist des Romans „Arschloch!“ ist ein Call-Center Mitarbeiter. Während die Anrufer in den Warteschleifen ihre Runden drehen, macht er alles mögliche - nur eben nicht arbeiten.

Von seiner Arbeit und seinem Leben gelangweilt, überschreitet Moritz Becker immer wieder die Grenzen von Moral und Ethik. Diese Worte scheinen in seinem Vokabular schlicht und ergreifend nicht vorzukommen. Er mag und tut einfach alles, was obszön, ekelig und menschenverachtend ist, ohne dabei an die Konsequenzen zu denken. Er betrügt, konsumiert und verarscht seine Mitmenschen, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt.

Moritz Becker findet sich cool, lässig und gerissen, der Leser findet ihn eher abstoßend, ekelhaft und plump. Zum Beispiel bereitet der arbeitsscheue Ich-Erzähler in der Büroküche für sich und seinen Arbeitskollegen Thomas eine Mahlzeit zu. Allerdings soll es für Thomas statt Goulasch Hundefutter geben. Der Witzbold merkt allerdings erst beim ersten Bissen, dass er aus Versehen die Teller vertauscht hat. Dafür gibt er Thomas die Schuld und schmiedet umgehend einen Racheplan. Und noch während er an der Durchführung der "Operation Kneifzange" arbeitet, gerät einiges außer Kontrolle.

In unserer Gesellschaft gibt es nach Ansicht des Autors so einige Perversitäten, wie Konsumgeilheit, das Fehlen von Mitgefühl und ein erschreckend hohes Maß an Ignoranz. Der Autor will uns allerdings in seinem Roman nicht mit erhobenem Zeigefinger auf diese Missstände hinweisen. Viel mehr lässt er sie uns gleich durch seinen Protagonisten miterleben, was die Wirkung der Geschichte noch intensiviert. Die schlagartige Erkenntnis, die den Leser ereilt, wird natürlich durch viele Überspitzungen und Übertreibungen erreicht. Zusammen mit Moritz absurden Selbstverständnis und seiner analytischen Neugier bewirkt das eine ausgeprägte Komik. Der Leser erwischt sich dabei, an Stellen zu lachen, die eigentlich gar nicht witzig sind. Eigentlich ist es nämlich nicht besonders komisch, wenn jemand sein Meerschweinchen in die Waschmaschine steckt, die Mitmenschen mobbt oder umbringt.
Gedanken, die bei uns nur in den dunkelsten Ecken unseres Gehirnes schlummern und die wir niemals aussprechen würden, denkt Moritz zu Ende und setzt sie in die Tat um. Und er hat da so seine ganz eigenen Lösungen...

Mauricio Borinski erschafft aus all dem Unaussprechlichen, dem Widerlichen und dem Lächerlichen einen Protagonisten, über den man tragischerweise lachen muss. Das und seine zahlreichen moralphilosophischen Anspielungen machen den Roman „Arschloch!“ zu etwas ganz besonderem. Wenn man zart besaitet ist, sollte man sich allerdings die beschriebenen Aktionen nicht ganz so genau vorstellen...

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