Maurizio de Giovanni Nacht über Neapel

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Inhaltsangabe zu „Nacht über Neapel“ von Maurizio de Giovanni

Neapel in den 30er Jahren: Commissario Ricciardi befindet sich in einer schweren persönlichen Krise. Und er findet keine Ablenkung im Beruf, denn er hat nur kleine Fälle zu bearbeiten, was ihn frustriert. Doch dann bittet ihn die schöne Contessa Bianca di Roccaspina, in einem Fall zu ermitteln, der längst abgeschlossen ist. Ihr Mann hat gestanden, den Geldverleiher Piro umgebracht zu haben, aber die Contessa glaubt nicht an seine Schuld. Ricciardi reizt der Fall, und zum ersten Mal in seiner Laufbahn stellt er ohne offiziellen Auftrag Nachforschungen an. Seine klandestine Ermittlung verläuft jedoch ganz anders als geplant. Schließlich kommt Ricciardi der Wahrheit auf die Spur – und gerät in tödliche Gefahr ...

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  • Atmosphärisch dichter, fast poetischer Kriminalroman

    Nacht über Neapel

    michael_lehmann-pape

    21. September 2016 um 12:31

    Atmosphärisch dichter, fast poetischer Kriminalroman„Die Einsamkeit, die er seit seiner Kindheit kannte, war ein wie zartes und doch immerwährendes Unbehagen gewesen, eine Erinnerung an den Schmerz, der immer wieder von neuem erblühte, um die Oberfläche seiner Existenz zu zerstören“.Eine Sprache mit poetischer Kraft, bildreich und emotional zugleich, das ist, was von der äußeren Form her die Romane von de Giovanni zu einem einprägsamen Leseerlebnis gestaltet.Wie kaum ein anderer versteht es de Giovanni, mit dem Leser einzutauchen in die Melancholie seiner Hauptperson, in die Atmosphäre der Personen, der Stadt, dieses einsamen, beobachtenden Lebens.Die alte Kinderfrau Rosa gestorben. Die Nachbarin, Ziel sehnsüchtiger Blicke des Kommissars bei Nacht (ohne jede persönliche Bekanntheit, versteht sich), hat „einen anderen“. Die letzten Reste von Lebensenergie werden verschlungen von dunklen Gedanken in schlaflosen Nächten.Da hilft es auch nicht, dass Rosas Nichte geräuschlos deren Rolle übernommen hat. Da ist es zum Grämen für Maione, den treuen Untergebenen, den „Mann der Sorgen“ mit seiner lebensbejahenden Frau und seiner turbulenten Familie, dass er einfach keinen Weg findet, „seinen“ Kommissar Ricciardi aufzuheitern.„Und doch war diese neue Gefährtin namens Einsamkeit im Vergleich zur vorigen wie das Meer im Vergleich zu einem See“.Da sitzt eines Tages diese ruhige, verhärmt wirkende Frau vor der Tür seines Büros. Schön und elegant, doch innerlich zermürbt. Nicht nur, weil ihr Mann das gesamte Vermögen am Spieltisch gelassen hat, sondern zudem noch den Mord an einem Geldverleiher auf sich genommen hat. Zumindest hat er diese Gewalttat gestanden.Doch Bianca di Roccaspina kennt ihren Mann und weiß, dass er zur fraglichen Zeit gar nicht am Tatort gewesen sein kann.Was hat es auf sich mit diesem Geflecht an Geld, Schuld, Macht, Intrige in dieser dunklen Seite der Gesellschaft? Welche Rolle spielt der begabte Gitarrist, der im Prolog seinen Meister findet?Offiziell ist der Fall abgeschlossen und doch lässt Ricciardi die Sache nicht los. Etwas Wichtiges zu tun haben statt der Routinefälle, die seit längerem nur anstehen, sich diffus hingezogen fühlen zu dieser Frau, sich, wie immer und Teil seiner Natur, festbeißen an den Unregelmäßigkeiten des Falles.Ricciardi spürt, zumindest im Ansatz, den Anflug von Interesse, Lebenskräften, ein inneres Zucken in tiefer Melancholie.Doch selbst er hätte wohl nicht gedacht, in welches Wespennest er im Zuge seiner privaten Ermittlungen eindringen wird und welche Gefahren, nicht nur für ihn, auf diesem Weg warten. Denn wo viel Geld im Spiel ist, wo es um organisierte Kriminalität geht, da hört jeder Spaß und jede Ironie auf und bitterer ernst tritt in den Raum.Ein sprachlicher Genuss, wieder einmal, den de Giovanni in diesem zugleich klug inszenierten Fall mit sich beständig steigernder Spannung bietet. Bis zur letzten Seite lässt der Autor nicht locker, den Leser immer wieder auch emotional tief mit hineinzunehmen in das Erleben seines „Personals“ und zugleich Stadt und Menschen in dichter Atmosphäre als Hintergrund zu setzen. Und damit auch Neapel als zugleich romantischen Sehnsuchtsort und überaus gefährliches Pflaster, wieder einmal, auf den Punkt zu treffen.Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

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