Mauro Corona Im Tal von Vajont

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Inhaltsangabe zu „Im Tal von Vajont“ von Mauro Corona

Severino Corona, genannt Zino, wächst Ende des 19. Jahrhunderts in einem kleinen Bergdorf im Friaul auf, als Waisenjunge. Als er später den jungen Raggio kennen lernt und sich mit ihm anfreundet, beschließen die beiden, eine Käserei aufzumachen. Die floriert auch bald… Aber da versucht Raggios Frau, Zinozu verführen. Ein Drama von biblischem Ausmaß nimmt seinen Lauf. Zino verstrickt sich immer tiefer in Schuld: Am Ende gibt er Raggio zerstoßene Tollkirsche, ein tödliches Gift. Raggio aber stirbt nicht, sondern wird verrückt…In der Einsamkeit der Bergwelt, in einer ebenso schönen wie unbarmherzigen Natur mit langen, eisigen Wintern und sengend heißen Sommern, sind die Menschen Gefangene ihrer Triebe, ihres Aberglaubens, ihres Argwohns. Mit seiner von der Bergwelt geprägten Sprache erzeugt Corona eine Mischung aus Härte und Poesie. Einfach, kraftvoll, wie gemeißelt ist jeder Satz wie ein Stein, der auf den vorangegangenen fällt.

Gutes Buch. Karg, erdig und berührend.

— makaay343
makaay343

Abgebrochen, war mir zu gruselig.

— Akelara
Akelara

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  • Rezension zu "Im Tal von Vajont" von Mauro Corona

    Im Tal von Vajont
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    24. January 2013 um 14:29

    Nachdem der Riemann Verlag im Jahr 2001 zwei Bücher des 1950 in einem Bergdorf im Friaul als Sohn von fahrenden Händlern geborenen Bildhauers, Bergsteigers und Schriftstellers Mauro Corona veröffentlicht hatte, war es in Deutschland lange still um einen bemerkenswerten Autor, dessen Bücher in Italien mittlerweile 1,5 Millionen mal verkauft wurden. Alle Geschichten, die er in seinen Bücher erzählt, die sich lesen wie die Gegend, in der er lebt, stammen ausschließlich aus dem abgelegenen Tal seiner Kindheit um Erto im Friaul. Das hier vorliegende, in Italien schon 2005 erschienene Buch beginnt er mit einer Einleitung, in der er berichtet, wie Ende November 2003 ein Mann in sein Bildhaueratelier in Erto kommt und ihm ein Manuskript seines Vaters übergibt, wohl in der Absicht, dass Corona es als Schriftsteller der Öffentlichkeit zugänglich macht. Nicht verwandt mit dem schon lange verstorbenen 1879 in Erto geborenen Verfasser seiner handschriftlichen Lebensaufzeichnungen, Severino Corona, übernimmt Mauro den Auftrag und hat bis auf die Korrektur offensichtlicher Fehler aus dem unveränderten Text einen Roman gemacht. Einen Roman, der handelt von einer Geschichte zwischen zwei Männern, die ein Leben lang Freunde zu sein glaubten, zwischen denen es aber zu einer verhängnisvollen Geschichte aus Schuld, Liebe und Gewalt kommt. Severino Corona, von Schuld- und Reuegefühlen zerfressen, hat sie in großer Hast in seinen letzten Lebensmonaten aufgeschrieben. Er beginnt mit seiner Kindheit, die er als Waisenjunge Ende des 19. Jahrhunderts verbringt. Es ist eine harte Kindheit in der kargen Umwelt einer Bergwelt mit einer ebenso schönen wie umbarmherzigen Natur. Lange eisige Winter wechseln sich mit extrem heißen Sommern ab. Die Menschen dort haben gelernt, mit ihren Lebensumständen zu recht zu kommen, aber sie haben ihren alten Aberglauben und ihren Argwohn mit ins neue, das 20. Jahrhundert mitgenommen. Im jugendlichen Alter lernt Severino den etwa gleichaltrigen Raggio kennen. Sie freunden sich an, ihre Freundschaft scheint so dick wie Blut. Irgendwann beschließen die beiden, etwas Neues zu wagen und eröffnen eine Käserei. Ihren Projekt ist großer Erfolg beschieden. Sie produzieren hervorragenden Käse und bieten den Bauern so in Zeiten hoher Milchproduktion ihrer Kühe eine willkommene Zusatzeinnahme. Doch bald schon legt sich ein Schatten über die Freundschaft der beiden, jedenfalls aus der Sicht von Severino. Denn die junge Frau von Raggio versucht sich an Severino heranzumachen und ihn zu verführen. Der zeigt sich zunächst standhaft, ahnt er doch, dass eine sexuelle Affäre mit Raggios Frau der Anfang vom Ende seiner Freundschaft zu ihm wäre. Die aber lässt sich locker, lauert ihm auf, zeigt ihm ihre Blöße und beschimpft ihn als einen Schlappschwanz, der es einer Frau nicht besorgen könnte. Völlig ihrer Triebhaftigkeit ausgeliefert, wird Severino eines Tages schwach, obwohl er doch genau weiß, dass er sich seinem Freund Raggio hätte öffnen und ihm die Wahrheit hätte sagen sollen. Doch wäre das nicht genauso das Ende ihrer Freundschaft gewesen? Und so entscheidet sich Raggio für die kurzfristige Lust. Einmal erfolgreich, will die triebhafte Frau Raggios immer mehr und verlangt von dem von Schuldgefühlen zerfressenen Severino, dass er ihren Mann tötet. Zino, wie Severino von allen genannt wird, weigert sich, gibt seinem Freund aber eines Tages eine zerstoßene Tollkirsche, von deren Verzehr Raggio nicht stirbt, aber seine Seele und sein Geist sind danach für immer dem Wahn verfallen. Die sexuellen Begegnungen mit Raggios Frau werden seltener, hören schließlich ganz auf, weil auch sie sich zu einer verschrobenen Persönlichkeit entwickelt. Was nicht aufhört bis zu seinem bitteren Ende, sind die Gefühle von Schuld und Verdammnis, die Zino quälen , bis er in der Niederschrift seiner verzweifelten Geschichten so etwas erhofft wie Vergebung. „Im Tal des Vajont“ ist ein bewegendes und erschütterndes Lebenszeugnis eines Mannes, dessen Verrat an seinem Freund sein ganzes Leben zerstört. Es führt den Leser in eine ebenso grausame wie schöne Bergwelt des Friaul, die auch heute noch etwas von der Einsamkeit ausstrahlt, in der die Menschen des 19.Jahrhunderts lebten. Es ist zu hoffen, dass der Graf Verlag nach diesem Buch der deutschsprachigen Öffentlichkeit noch weitere Bücher dieses Schriftstellers zugänglich macht.

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  • Rezension zu "Im Tal von Vajont" von Mauro Corona

    Im Tal von Vajont
    Eselsohren-Werner

    Eselsohren-Werner

    17. June 2012 um 19:11

    Wir lernen ein abgelegenes Bergdorf kennen, schon um 1900 von der Zivilisation abgeschnitten, und seine einfachen, an meist negative Magie glaubenden Bewohner, die von Gebirgs-Ackerbau und Viehzucht leben. Handwerklich kann dort jeder alles und auch sein Geld verdient man sich mal als Hirte, mal als Bauer oder auch als Käser. Obwohl das alles glaubwürdig wirkt, habe ich meine Zweifel am Frauenbild, das Corona vermittelt. – Liefen und laufen (Berg-)Bäuerinnen tatsächlich brünstig durch die Gegend und machen Männer wehrlos und sich untertan? Zumindest ist Zino einer von diesen „echten Männern“, die ihr „unverdientes“ Unglück auf „böse“ Frauen schieben. Nunja, so etwas wird es auch in abgelegenen Bergdörfern geben.

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  • Rezension zu "Im Tal von Vajont" von Mauro Corona

    Im Tal von Vajont
    Clari

    Clari

    28. March 2012 um 17:14

    Leben im Dunstkreis archaischer Lebensformen. Abseits in einem Tal des Vajont in dem Dorf Erto im Friaul wächst Severino Corona am Ende des 19. Jahrhunderts auf. Mauro Corona ist der Nachfahre des legendären Urvaters, dessen Geschichte er hier in der Form des Romans erzählt. Das Friaul ist ein Gebiet am Rand der Südalpen, das später in die nördliche italienische Tiefebene übergeht. Wir erleben hier eine archaische, bäuerliche und urwüchsige Welt. In ihr geht es simpel zu. Liebe, Eifersucht, Mord und Heimtücke, Tod, Leidenschaft und ungehemmter Sex zusammen mit den Urgewalten des Klimas bestimmen das Leben der Bergbewohner. Zino, wie der Held auch genannt wird, wurde mit seinem acht Jahre jüngeren Bruder früh zum Waisen. Der Vater war von einem eifersüchtigen Verehrer der Mutter erschlagen worden. Nur ein Jahr später starb die Mutter vor Gram um den Tod ihres Mannes. Im Stil rudimentärer Quellen zwischen Gut und Böse setzt Mauro Corona seine Erzählung fort. Im Dorf des Vajont lebt man von der Aufzucht von Ziegen und Kühen und von der Milchwirtschaft und Handwerksbetrieben aller Art. Immer wieder erlebt Zino die Güte, Zuwendung und Freundlichkeit von Männern, die zu Freunden werden. Deren Frauen, die ihn umgarnen und zu sexuellen Handlungen auffordern, denen er nicht widerstehen kann, zerstören jedoch seine besten Freundschaften und schaffen ein Klima der Angst, des Neides, der Eifersucht, von Rache und Mordgelüsten. In diesem Milieu erlebt Zino ein Leben voller Unruhe, in Furcht und beladen von Schuldgefühlen. Doch reingelegt vom Sog, den die Frauen auf ihn ausüben, sucht er nach immer neuen Ausflüchten in Ortswechseln und im Kampf um das eigene Überleben. Sein Freund Raggio wird durch die ihm verabreichten vergifteten Pflanzen verrückt, andere sterben durch eigene Hand. Frauen bringen ihre ungeborenen und in Schande gezeugten Babys um oder sterben selber eines qualvollen Todes. Nur das letzte der von Zino außerehelich gezeugten Kinder überlebt in der Familie eines großzügigen Gutsbesitzers. Nicht nur die hitzigen Temperamente der Protagonisten beleben die dargestellten Szenen. Auch der Aberglaube beherrscht das Leben der Anwohner. Die gewaltige Natur mit ihren heißen und kalten Wintern, den steilen Berghängen und dem reißenden Fluss Tagliamento bedrohen düster dräuend das Leben der Dorfbewohner. Nicht jedem werden diese Urgewalten, von denen die Lektüre strotzt, behagen. Der Autor Mauro Corona, der selbst in einem Bergdorf im Friaul als Kind von fahrenden Händlern geboren wurde, erzählt urwüchsig und kraftvoll vom Leben in dieser abgelegenen Gegend und der Welt seiner Vorfahren. Er ist Bergsteiger, Bildhauer und Schriftsteller und lebt in dem Dorf Erto im Friaul.

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