Max Annas

 3.7 Sterne bei 42 Bewertungen
Autor von Die Mauer, Die Farm und weiteren Büchern.
Autorenbild von Max Annas (©Michele Corleone)

Lebenslauf von Max Annas

Max Annas, gebürtiger Kölner, lebte eine lange Zeit in Südafrika um sein Forschungsprojekt zu südafrikanischem Jazz an der University of Fort Hare in East London zu betreiben. Der Journalist und Redakteur wurde geboren im Jahre 1963 und schrieb zahlreiche Bücher zu Popkultur, Politik und Sport. Sein Debüt-Roman "Die Farm" wurde, als drittbestem Kriminalroman, im Jahre 2014 für den Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet und sein zweiter Roman "die Mauer" erhielt den ersten Platz im Jahre 2017, derselben Auszeichnung. In seiner Sachbuch-Reihe "Absolute" verfasste er bisher erfolgreiche Biografien zu Claude Levi Strauss und Black Beats und sein Kriminalroman "Finsterwalde", beschreibt eine dystopische Zukunftsvision Europas, wo es die europäische Union nicht mehr gibt und der Rechtsradikalismus blüht.

Alle Bücher von Max Annas

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Buchformat:
Cover des Buches Die Mauer (ISBN:9783499271632)

Die Mauer

 (13)
Erschienen am 21.05.2016
Cover des Buches Die Farm (ISBN:9783037347010)

Die Farm

 (10)
Erschienen am 25.09.2014
Cover des Buches Illegal (ISBN:9783498001018)

Illegal

 (9)
Erschienen am 10.03.2017
Cover des Buches Finsterwalde (ISBN:9783499291685)

Finsterwalde

 (7)
Erschienen am 23.07.2019
Cover des Buches GENFOOD (ISBN:9783936086454)

GENFOOD

 (0)
Erschienen am 01.07.2009
Cover des Buches Frieda Grafe. 30 Filme (ISBN:9783940048189)

Frieda Grafe. 30 Filme

 (0)
Erschienen am 01.10.2013

Neue Rezensionen zu Max Annas

Neu

Rezension zu "Morduntersuchungskommission" von Max Annas

Ein spannender Krimi, der seinen Finger in eine gesamtdeutsche Wunde legt
schillerbuchvor 10 Tagen

Von Max Annas hatte ich schon öfter gehört, aber noch nichts gelesen. Sein neuer Krimi interessierte mich jedoch sehr, denn er spielt in der DDR der frühen 80er Jahre und es geht um den Tod eines Mosambikaners. Da ich vor kurzem eine Graphic Novel über Gastarbeiter aus Mosambik in der DDR gelesen hatte, war ich gespannt auf diesem Krimi und danke dem Rowohlt Verlag, der mir ein kostenloses Leseexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Der Inhalt

Otto Castorp ist Oberleutnant in der Morduntersuchungskommission aus Gera. Eines Tages werden er und seine Kollegen an einen Tatort nahe Jena gerufen, dessen Anblick ihm und dem gesamten Team die Sprache verschlägt: Neben den Bahngleisen liegt die grausam entstellte Leiche eines Mosambikanischen Gastarbeiters. Zu Beginn ihrer Ermittlungen tappen Otto und seine Kollegen völlig im Dunkeln: Wer ist der Mann, wohin war er unterwegs, warum wurde er auf derart brutale Weise umgebracht? Als sie feststellen, daß möglicherweise rassistische Motive hinter dem Mord stehen könnten, kommt die Weisung von höherer Stelle, die Ermittlungen einzustellen. Aber Otto ermittelt auf eigene Faust weiter und das ist gefährlich.

Meine Meinung

Es hat eine Weile gedauert, bis ich in diesen Krimi reingekommen bin, aber nachdem ich mich in den Tonfall und die Denkweise der Morduntersuchungskommission hineingefunden hatte, entwickelte der Roman für mich eine Spannung, die sich langsam, aber stetig steigerte.  Max Annas nimmt seine Leser:innen mit in die Welt der DDR und eine Ermittlergruppe, die sich ganz dem Sozialismus verpflichtet fühlt. Unter diesen Vorzeichen stehen auch die Ermittlungen: Mosambik ist ein sozialistischer Bruderstaat, die Menschen, die von dort in die DDR kommen, um zu arbeiten, sind also Freunde. Und es kann nicht sein, daß es Konflikte gibt zwischen den einheimischen Bürgern und den Gastarbeitern, denn Rassismus gibt es natürlich nicht in der DDR. Es gibt auch keine Nazis, weil es die nicht geben darf. Und doch stößt Otto bei seinen Ermittlungen auf eine veritable, lebendige Neonaziszene mit besten Verbindungen in den Westen.

Max Annas schreibt diesen Krimi sehr sachlich, fast gibt er ihm ein wenig den Tonfall eines Berichtes. Die Ermittler leisten akribische Polizeiarbeit, nehmen es aber widerspruchslos hin, daß ihnen der Fall abgenommen wird. Nur Otto eben nicht und aus seiner Perspektive wird die Geschichte erzählt. Otto ist ein sehr guter Polizist und Ermittler und dieser Fall lässt ihm keine Ruhe. Er hat Familie und eine Geliebte. Manchmal trinkt er einen über den Durst und würde gerne mit seiner Frau oder seiner Geliebten über diesen Fall sprechen, aber das ist ihm nicht erlaubt. Mit seinen Kollegen kommt er gut zurecht, mit den einen mehr, den anderen weniger. Es handelt sich um reine Arbeitsbeziehungen. Ottos Bruder ist bei der Stasi und warnt ihn, seine heimlichen Ermittlungen fortzusetzen. Er gesteht Otto freimütig ein, daß es sehr wohl eine Naziszene gibt in der DDR, die beobachtet wird. Dieses Gespräch mit seinem Bruder desillusioniert Otto völlig und Max Annas sorgt am Ende für einen völlig unerwarteten Schluss, der mir kurz die Luft nahm und nach dem ich mich frage, ob Otto Castorp wohl im nächsten Fall für die Mordermittlungskommission wieder ermitteln wird.

Mein Fazit: Ein spannender, wirklich lesenswerterKrimi, mit einem Thema, das nichts von seiner Aktualität verloren hat und der mehr ist, als ein historischer DDR – Krimi. Max Annas legt einen Finger in eine gesamtdeutsche Wunde, denn auch im Westen hat es bis vor wenigen Jahren noch geheißen „Nazis? Bei uns nicht!“.

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Rezension zu "Morduntersuchungskommission" von Max Annas

Jena 1983
walli007vor einem Monat

An einem Bahndamm bei Jena wird die übel zugerichtete Leiche eines Vertragsarbeiters, der aus Mosambik stammte, gefunden. Der Polizist Otto Castorp und seine Kollegen beginnen mit den ersten Ermittlungen. Die Verletzungen des Opfers sind so eigenartig, dass sich zunächst kein schlüssiges Szenario ergibt. Schwierig gestaltet sich auch die Identifikation des Toten. Die befragten Vertragsarbeiter, unter denen man einen Bekannten des Verstorbenen zu finden hofft, ist nicht sehr auskunftsfreudig. Andere Todesfälle und auch Castorps Ehefrau und seine Geliebte fordern die Aufmerksamkeit. 


Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, ist diese Morduntersuchung ausgesprochen schwierig. In der DDR gibt es keine Morde und solche mit politischem Bezug schon garnicht. Der brave Polizist Otto Castorp müht sich redlich, das wenige in Erfahrung zu bringen, was sich in Erfahrung bringen lässt. Nach und nach beißt er sich an dem Fall fest. Auch als von oben bestimmt wird, dass die Untersuchung einzustellen ist, bleibt Castorp im Gegensatz zu seinen Kollegen am Ball. Fast schon heimlich verfolgt er die wenigen Spuren. Das Misstrauen seiner Frau, der die Überstunden langsam etwas reichlich vorkommen, hält er aus. Schließlich hat er tatsächlich was zu verbergen, auch wenn er hier bei der Wahrheit bleibt. 


So wie es heißt, gibt es nicht viele Kriminalromane, die in der ehemaligen DDR angesiedelt sind. Schließlich gab es in dem idealen Staat auch kaum Verbrechen, und wenn wurden sie eher von Westlern verübt. Der in diesem Roman geschilderte Fall basiert in gewisser Weise auf tatsächlichen Begebenheiten. Und wenn die Handlung insgesamt eher aus Routinen besteht, so sind einige Schilderungen doch so eindringlich, dass es kaum auszuhalten ist. Gewissenhaft fischen die Beamten im Trüben und genauso gewissenhaft folgen sie den Anweisungen. Manchmal möchte man es nicht glauben und fragt sich gleichzeitig, ob es im Westen nicht hin und wieder ähnlich läuft. Verschließt man nicht mal die Augen, weil man einfach nicht sehen will? Wehret den Anfängen, wenn es dafür nicht schon zu spät ist. Dieser Krimi verläuft zwar in ruhigen Bahnen, hinterlässt aber einige Beklemmung.

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Rezension zu "Die Farm" von Max Annas

Aussergewöhnlich
patrick2804vor 5 Monaten

In einer Winternacht irgendwo in Südafrika. Eine Farm wird belagert und beschossen. Im Farmhaus verschanzt sich ein Querschnitt der Gesellschaft. Und bald kämpfen alle Beteiligten um das nackte Überleben.

Was liegt hier vor? Ein Thriller? Ein Krimi? Eine Gesellschaftsstudie? Ein Überblick über die Situation der Menschen in Südafrika? Alles zusammen! Auf knapp 200 Seiten gelingt Max Annas ein Überblick über ein Südafrika, das man so nicht von Postkarten und Bildbänden kennt und gleichzeitig wird man Zeuge eines Kampfes. Dem Kampf zu überleben. Sofort im Geschehen wechselt die Perspektive im Minutentakt und das über den Zeitraum von rund neun Stunden. 

Das Farmhaus dient als Symbol für die Gesellschaft, die Herrenrasse vermischt mit ihren schwarzen Arbeitern. Da hat jeder seinen Platz, auch am Ende der Apartheid. Der Boss, der Waffen verteilt, aber bloß nicht an die Schwarzen. Das Hausmädchen, das selbst unter Beschuss Kaffee und Kuchen serviert. Die Tochter des Hauses, die als erste und unbedingt mit ihren Kindern in Sicherheit gebracht werden muss. Die Unfähigkeit der Polizei. Das alles in einer Sprache, die die Grausamkeit und die Brutalität hervorragend transportiert. Am Ende weiß man alles und doch nichts. Ein Thriller, der keinen klaren Gewinner auf irgendeiner Seite erkennen lässt, aber das braucht es auch gar nicht.

Am Ende gibt es nur einen Gewinner: Den Leser. Für mich zu Recht ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimipreis, denn hier werden dem Genre wirklich neue Impulse gegeben.

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