Max Annas

 3.7 Sterne bei 31 Bewertungen
Autor von Die Mauer, Die Farm und weiteren Büchern.
Max Annas

Lebenslauf von Max Annas

Max Annas, gebürtiger Kölner, lebte eine lange Zeit in Südafrika um sein Forschungsprojekt zu südafrikanischem Jazz an der University of Fort Hare in East London zu betreiben. Der Journalist und Redakteur wurde geboren im Jahre 1963 und schrieb zahlreiche Bücher zu Popkultur, Politik und Sport. Sein Debüt-Roman "Die Farm" wurde, als drittbestem Kriminalroman, im Jahre 2014 für den Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet und sein zweiter Roman "die Mauer" erhielt den ersten Platz im Jahre 2017, derselben Auszeichnung. In seiner Sachbuch-Reihe "Absolute" verfasste er bisher erfolgreiche Biografien zu Claude Levi Strauss und Black Beats und sein Kriminalroman "Finsterwalde", beschreibt eine dystopische Zukunftsvision Europas, wo es die europäische Union nicht mehr gibt und der Rechtsradikalismus blüht.

Alle Bücher von Max Annas

Die Mauer

Die Mauer

 (11)
Erschienen am 21.05.2016
Die Farm

Die Farm

 (9)
Erschienen am 25.09.2014
Illegal

Illegal

 (8)
Erschienen am 10.03.2017
Finsterwalde

Finsterwalde

 (3)
Erschienen am 24.07.2018
Finsterwalde

Finsterwalde

 (0)
Erschienen am 23.07.2019
absolute Black Beats

absolute Black Beats

 (0)
Erschienen am 01.10.2003
Morduntersuchungskommission

Morduntersuchungskommission

 (0)
Erschienen am 23.07.2019

Neue Rezensionen zu Max Annas

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Svenjas_BookChallengess avatar

Rezension zu "Finsterwalde" von Max Annas

Unbequem, brisant, schockierend und meisterhaft geschrieben
Svenjas_BookChallengesvor 4 Monaten

Vor fast genau einem Jahr habe ich mit Max Annas´ *Illegal* einen Roman gelesen, der mich aufgewühlt und schockiert hat - und mir beziehungsweise uns Deutschen, uns Menschen auf sehr schmerzhafte Art und Weise einen Spiegel vorgehalten hat. Mir war deswegen eigentlich klar, dass Max Annas seiner Linie auch mit seinem neuen Buch "Finsterwalde" treu bleibt - er tut genau das und legt dabei noch einmal eine ordentliche Schippe drauf. Alleine beim Überfliegen des Klappentextes geschweige denn beim Lesen der eigentlichen Geschichte hat man fast augenblicklich einen fetten Kloß im Hals - und das ist gut so.

Während Alltagsrassismus mittlerweile wieder salonfähig geworden ist und die neuesten Entgleisungen einer gewissen Partei in der Öffentlichkeit oftmals nur halbherzig mit dem Spruch "Die Geschichte soll sich nicht wiederholen" kommentiert werden, labert Max Annas nicht lange um den heißen Brei herum. Er verliert sich nicht in "Was wäre, wenn..."-Visionen, sondern er zeigt auf sehr drastische und sehr aufrüttelnde Art und Weise, was die logische Konsequenz daraus wäre, würde in Deutschland erneut eine nationalistische, eine fremdenfeindliche Partei an die Macht kommen. Dass er dieser Partei in seinem Roman kein Gesicht und ihr den schlichten, aber aussagekräftigen Namen "D" gibt, spricht meiner Meinung nach Bände. Mich hat dabei Annas´ deutlicher Fokus sehr beeindruckt: Denn er lässt "D" sozusagen als Puppenspieler im Hintergrund agieren. Der Leser und auch die Figuren bekommen die Parteiangehörigen nicht zu Gesicht. Das ist ein großartiger schriftstellerischer Kniff, denn so erreicht Annas, dass der Leser sich nicht auf "D" als das pure Böse, den einwandfrei Schuldigen oder auch den Bösewicht stürzt. Stattdessen zeigt er auf, was die Machtübernahme der Partei und die Auflösung der EU mit den Bürgern machen. Wie die Menschen in Deutschland ganz ohne viel "Hilfe" von außen zu den Instrumenten einer fremdenfeindlichen Regierung werden.

Ein ebenso beklemmendes wie beeindruckendes Szenario. Denn es zeigt einfach, wie sich die Männer und Frauen an der Spitze bequem zurücklehnen können, während die Bürger ihre Ideale aus Eigenitiative leben und ihre absurden Gesetze rigoros umsetzen. So kann sich auch der kleine Mann als stolzer Deutscher fühlen. Ehrlich gesagt gruselt es mich bei der Vorstellung und ich bekomme Gänsehaut. Denn es ist einfach exakt das, was den Nationalsozialismus so verheerend gemacht hat. Es war schließlich das Volk, das einen grausamen Diktatoren an die Spitze gebracht und seine unvorstellbaren Methoden begrüßt, gefeiert, umgesetzt und geduldet hat. Und wie sich die Geschichte tatsächlich wiederholen kann, wenn wir Rassismus und Nationalismus eine Plattform geben, wenn sich die Menschen erneut kopflos von einer offen fremdenfeindlichen Partei instrumentalisieren lassen, hält Max Annas uns in "Finsterwalde" bis ins Detail vor Augen.

Er erschafft ein Deutschland, das vor allem farbige Menschen beziehungsweise generell Menschen mit ausländischen Wurzeln rigoros verfolgt, ihnen die deutsche Staatsbürgerschaft aberkennt, ihnen verbietet, zu arbeiten, sie zusammenpfercht und ihnen die Menschenwürde nimmt. Sie in der Folge in die Verzweiflung, den Tod, die Flucht oder die Kriminalität treibt. Das klingt bekannt und genau das macht die Situation in "Finsterwalde" so erschreckend authentisch und lebendig. Man mag es sich nicht vorstellen, aber man muss es sich vorstellen, um es zu begreifen. Und wie schon in "Illegal" findet Max Annas klare Worte, er schreibt schnörkellos, ungeschönt und auf den Punkt - und anders kann man es auch gar nicht machen. Annas will dem Leser nichts diktieren, er will demonstrieren, aufrütteln und den Leser zur Selbsterkenntnis kommen lassen. Und bei mir ist ihm das auf herausragende Weise gelungen.

Jetzt habe ich schon unheimlich viele Worte über die Ausgangssituation und das Setting verloren. Aber auch die Figuren spiegeln Annas´ Konzept durch und durch wider. Sowohl Marie und ihren Kindern als auch Theo und seiner Familie steht man von Anfang an unvoreingenommen gegenüber. Man kann sie nicht einschätzen, versteht sie und ihre Beweggründe auch nicht unbedingt, aber man beobachtet sie. Man beobachtet sie die ganze Zeit über, verfolgt, wie sie sich verändern, wie sie aus verschiedenen Gründen aufeinander zugehen. Annas bildet in seinem Roman auf fesselnde Art und Weise ab, was ein solches Regime, eine solche Stimmung in der Gesellschaft aus unterdrückten Menschen wie Marie und aus eigenständig denkenden Menschen wie Theo macht. Ohne zu werten. Denn das obliegt dem Leser.

Ein Konzept, das absolut aufgeht. Einen kleinen Wermutstropfen gab es für mich aber schließlich doch noch, denn die Handlung habe ich insgesamt als nicht so brisant, spannend und fesselnd empfunden wie das Setting selbst. Der Ausbruch aus Finsterwalde, die Suche nach den Kindern, Theos Faszination für eine Frau, die er gar nicht kennt: All das hat unglaublich viel Potenzial, die Handlung schleppt sich aber trotzdem vor allem in der Mitte stellenweise mühsam dahin. Ich weiß nicht, ob sie mir hier und da zu konstruiert wirkte oder ob ich nicht vielleicht doch etwas mehr hätte erfahren wollen üer "D" und die Zustände in Deutschland (obwohl ich es andererseits wie gesagt absolut passend finde, dass Annas zu großen Teilen den Leser einbindet und vieles dessen Fantasie überlässt). Jedenfalls hat mir der letzte Funke gefehlt, um "Finsterwalde" zum realistisch-dystopischen Meisterwerk zu machen. Nichtsdestotrotz polarisiert die Geschichte, schockiert das Drumherum, schnüren einem Annas´ deutliche Worte die Kehle zu. Und insofern hat der Roman meine Erwartungen absolut übertroffen.

Mein Fazit
Mit "Finsterwalde" hat Max Annas wieder einen Roman geschrieben, der den Leser ordentlich durch die Mangel dreht, der ihn einbezieht und selbst denken lässt. Der uns einen Spiegel vorhält und uns mit einem unguten Gefühl zurücklässt. Leichte Kost ist das sicher nicht, vor allem weil der Fokus gar nicht so sehr auf einer packenden Handlung, sondern vielmehr auf diesem düsteren Setting, der beklemmenden Atmosphäre und dem Wandel der Charaktere liegt. Dabei aber geht Max Annas so geschickt und klug vor, dass man die Augen einfach nicht abwenden kann von diesem erschreckend realistischen Roman. Deswegen gibt es von mir auch eine ganz klare Leseempfehlung.

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Xirxes avatar

Rezension zu "Die Farm" von Max Annas

Eine gnadenlose Nacht in Südafrika
Xirxevor einem Jahr

Gerade mal knappe 200 Seiten hat dieses Buch, das ich weder als einen Krimi noch als einen Thriller bezeichnen möchte, denn es gibt weder eine Auflösung noch einen Höhepunkt, auf den das Ganze zuläuft. Es beschreibt stattdessen 'nur', was sich in einer Winternacht auf einer Farm in Südafrika abspielt.
Gegen 18 Uhr werden plötzlich die Menschen auf der Farm von Muller beschossen, ohne dass jemand eine Ahnung hat, weshalb. Es gibt einen ersten Toten, die Anderen verbarrikadieren sich im Haus. Doch nun steht das Haus unter Beschuss und die Eingeschlossenen wissen, dass sie um ihr Leben kämpfen müssen.
Der Autor lässt beinahe schon im minütlichen Wechsel die Eingeschlossenen abwechselnd zu Wort kommen, wobei aus deren Sicht die Situation sowie ihre Gedanken emotionslos geschildert werden. So erhält man fast beiläufig, häufig nur durch einen Halbsatz, Hintergrundinformationen nicht nur zu den Beteiligten, sondern ebenso zur Lage in Südafrika. Nach und nach werden die Perspektiven der Angreifer miteinbezogen, was langsam etwas Licht in diese fast schon kriegsähnliche Situation hineinbringt.
Ein außergewöhnliches Buch, das auf engstem Raum spielt, gerade einmal eine halbe Nacht umfasst und dennoch in knappen Sätzen eine Vielzahl von Beziehungen offenlegt. Dazu noch spannend und brutal - nichts für schwache Gemüter.

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Svenjas_BookChallengess avatar

Rezension zu "Illegal" von Max Annas

So brisant, so brandaktuell, so gut!
Svenjas_BookChallengesvor einem Jahr


Diese Geschichte musste ich erstmal zwei Tage sacken lassen, bevor ich mich an die Rezension setzen konnte. Max Annas liefert eine Menge Input - sein Roman ist vollgepackt mit hoch brisanten Themen, die auf solch eine klare und unbequeme Art und Weise umgesetzt sind, dass es einem teilweise eiskalt den Rücken runterläuft. Dass es so kommen würde, hat mir quasi bereits der Klappentext verraten: Es geht um Kodjo, einen jungen Mann aus Ghana, der vor einigen Jahren nach Deutschland kam und sich seit seiner Scheidung illegal in Berlin aufhält. Schon diese Ausgangssituation ist bedrückend und wirft beim Leser einige Fragen auf. Die drängendste lautete für mich: Wie kann ein Mann "illegal" sein, der seit Jahren in einem Land lebt, arbeitet und sich absolut rechtschaffen verhält? Wie kann ein Mensch überhaupt illegal sein? Die Illegalität von Einwanderern und Flüchtlingen stellt Max Annas in seinem Roman definitiv auf den Prüfstand.


Sein Protagonist ist ein stinknormaler, sympathischer und relativ unauffälliger Mann - ein Durchschnittstyp, der einfach seiner Wege geht und vor allem in Ruhe sein Leben leben möchte. Das geht allerdings nicht, denn Kodjo lebt jeden Tag mit der Angst, verhaftet und abgeschoben zu werden. Dabei kann er gut Deutsch, hat jede Menge Freunde in Berlin, eine gute Ausbildung und einen Job. Für den Leser ist Kodjos Situation von Anfang an unfair und gleichzeitig hält sie einem auf unbequeme Weise den Spiegel vor: Mit Kodjo gibt Max Annas all den Menschen ein Gesicht, die wir nicht wahrnehmen, die unter dem Radar fliegen, um hier bleiben zu können. Weil man sie hier nicht will. Kodjo muss quasi rundum die Uhr wachsam sein, der Polizei permanent aus dem Weg gehen - nicht gerade leicht für einen Schwarzen unter Weißen. Einen Schwarzen, der grundsätzlich misstrauisch beäugt und verdächtigt wird, wie er selbst immer wieder feststellt. (Anmerkung: Das Wort "Schwarzer" verwendet Kodjo für sich selbst, deswegen verwende auch ich es in meiner Rezension.)


Max Annas gelingt es dabei unglaublich gut, Kodjos Ängste und Befürchtungen in Worte zu fassen. Seine Situation ist bedrückend und vor allem greifbar, seine Angst überträgt sich auf den Leser. Und so fiebert man von der ersten Seite an mit Kodjo mit, nimmt Anteil an seiner Geschichte und das ist es, was Illegal so wichtig und unfassbar gut macht. Max Annas' klare, direkte und ehrliche Sprache gibt der Handlung etwas Beklemmendes und erzeugt eine ganz bestimmte Atmosphäre. Vor allem in Kombination mit den rassistischen Anfeindungen und all den Vorurteilen, mit denen Kodjo konfrontiert wird. Es ist etwas ganz Anderes, das Land, in dem wir leben, durch die Augen eines Menschen zu betrachten, der hier ganz offensichtlich nicht willkommen ist beziehungsweise sich nicht willkommen fühlt. Das zeigen nicht nur direkte Angriffe auf Kodjo, sondern insbesondere die vielen subtilen Kommentare, die kleinen Dinge, die ihn die Ablehnung der Menschen spüren lassen.


Annas treibt das Ganze auf die Spitze, indem er Kodjo den Mord an einer Prostituierten beobachten lässt - einen Mord, der von einem Weißen begangen wird. Durch ein Missverständnis gerät Kodjo in den Fokus der Ermittler und augenblicklich setzt eine Hetzjagd auf einen Schwarzafrikaner ein - ein gefundenes Fressen für die Medien. Als Leser weiß man, wie ungerecht diese voreiligen Schlussfolgerungen sind und was für Folgen sie für den unschuldigen Kodjo haben. Aber es ist erschreckend, wie glaubwürdig und vorstellbar dieses Vorgehen ist. Wir haben es schon dutzende Male erlebt und es wird leider auch in Zukunft so sein, dass man zuerst den zwielichtigen "Schwarzen" verdächtigt. Eine traurige Tatsache, die Annas zur Sprache bringt und durch Kodjos verzweifelte Flucht vor der Polizei und den Handlangern des Mörders anprangert.


Der Kriminalfall selbst ist in meinen Augen etwas müde konstruiert und ohne den "illegalen" Kodjo als Verdächtigen und Opfer der Justiz wäre er sicherlich nicht annähernd so brisant und spannend. Hier hätte es für meine Begriffe ruhig etwas mehr sein können - mehr Spannung, mehr subtile Bedrohung. Aber ich glaube, der Mord an der Prostituierten bildet tatsächlich nur den Rahmen für Kodjos Geschichte und soll zeigen, wie leicht es ist, einen Menschen zu verurteilen. Und wie fatal. Denn das Ende bricht derart unerwartet und grausam über den Leser herein, dass es schwer fällt, sich allzu schnell von dieser schockierenden Geschichte zu lösen. Man sollte definitiv auf alles vorbereitet sein!


Mein Fazit:


Max Annas' Illegal ist ein brandaktuelles Buch, das so klar und ehrlich geschrieben ist, dass es einen zu keiner Zeit loslässt. Es liefert definitiv eine Menge Stoff zum Nachdenken und setzt sich kritisch mit der Politik und der Justiz in Deutschland auseinander. Etwas, das wir alle hin und wieder tun sollten. Kodjo ist so eine Romanfigur, die einen so schnell nicht loslässt und auch wenn der Kriminalfall für meinen Geschmack etwas intensiver ausgearbeitet hätte werden können, konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Rasant, fesselnd und bedrückend unbequem - eine unbedingte Leseempfehlung!

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