Max Annas Illegal

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Inhaltsangabe zu „Illegal“ von Max Annas

Ein Krimi, ein politisches Buch, ein Gesellschaftsroman. Kodjo lebt in Berlin, seit Jahren schon. Doch Spuren hinterlassen hat er nirgends. Seine Adresse wechselt so oft wie seine Gewohnheiten, Kodjos Tagesablauf wird von zwei Dingen bestimmt: Überleben. Nicht auffallen. Denn Kodjo ist illegal im Land.
Der junge Mann aus Ghana kennt sämtliche dunklen Ecken der Großstadt. Weiß genau, wie er der Polizei entgeht. Tut alles, um unsichtbar zu sein - und um unsichtbar zu bleiben. Dann kommt der Tag, der alles verändert: Von einem Abrisshaus aus beobachtet Kodjo einen Mord. Sieht den Täter davonfahren. Kodjo reagiert wie gewohnt: Verstecken, sich in Luft auflösen. Warten, dass der Mörder gefasst wird. Doch der hat ihn gesehen. Und schickt dem unbequemen Zeugen seine Männer hinterher. Kodjo wird gejagt. Und die Polizei sucht den Mordverdächtigen: Einen jungen schwarzen Mann.

http://www.nixzulesen.de/index.php/2017/04/01/max-annas-illegal/

— toertchen

Der illegal in Berlin lebende Kodjo beobachtet einen Mord. Als Illegaler kann er nicht zur Polizei. Er wird gejagt und sucht selbst...

— Jahreszeiten

Interessante Momentaufnahme aber irgendwie konnte es mich nicht wirklich packen...

— sahni

Ein so brisantes, brandaktuelles und gutes Buch habe ich lange nicht gelesen - unbedingt lesen!

— Svenjas_BookChallenges

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    Illegal

    Svenjas_BookChallenges

    13. July 2017 um 18:32

    Diese Geschichte musste ich erstmal zwei Tage sacken lassen, bevor ich mich an die Rezension setzen konnte. Max Annas liefert eine Menge Input - sein Roman ist vollgepackt mit hoch brisanten Themen, die auf solch eine klare und unbequeme Art und Weise umgesetzt sind, dass es einem teilweise eiskalt den Rücken runterläuft. Dass es so kommen würde, hat mir quasi bereits der Klappentext verraten: Es geht um Kodjo, einen jungen Mann aus Ghana, der vor einigen Jahren nach Deutschland kam und sich seit seiner Scheidung illegal in Berlin aufhält. Schon diese Ausgangssituation ist bedrückend und wirft beim Leser einige Fragen auf. Die drängendste lautete für mich: Wie kann ein Mann "illegal" sein, der seit Jahren in einem Land lebt, arbeitet und sich absolut rechtschaffen verhält? Wie kann ein Mensch überhaupt illegal sein? Die Illegalität von Einwanderern und Flüchtlingen stellt Max Annas in seinem Roman definitiv auf den Prüfstand.Sein Protagonist ist ein stinknormaler, sympathischer und relativ unauffälliger Mann - ein Durchschnittstyp, der einfach seiner Wege geht und vor allem in Ruhe sein Leben leben möchte. Das geht allerdings nicht, denn Kodjo lebt jeden Tag mit der Angst, verhaftet und abgeschoben zu werden. Dabei kann er gut Deutsch, hat jede Menge Freunde in Berlin, eine gute Ausbildung und einen Job. Für den Leser ist Kodjos Situation von Anfang an unfair und gleichzeitig hält sie einem auf unbequeme Weise den Spiegel vor: Mit Kodjo gibt Max Annas all den Menschen ein Gesicht, die wir nicht wahrnehmen, die unter dem Radar fliegen, um hier bleiben zu können. Weil man sie hier nicht will. Kodjo muss quasi rundum die Uhr wachsam sein, der Polizei permanent aus dem Weg gehen - nicht gerade leicht für einen Schwarzen unter Weißen. Einen Schwarzen, der grundsätzlich misstrauisch beäugt und verdächtigt wird, wie er selbst immer wieder feststellt. (Anmerkung: Das Wort "Schwarzer" verwendet Kodjo für sich selbst, deswegen verwende auch ich es in meiner Rezension.)Max Annas gelingt es dabei unglaublich gut, Kodjos Ängste und Befürchtungen in Worte zu fassen. Seine Situation ist bedrückend und vor allem greifbar, seine Angst überträgt sich auf den Leser. Und so fiebert man von der ersten Seite an mit Kodjo mit, nimmt Anteil an seiner Geschichte und das ist es, was Illegal so wichtig und unfassbar gut macht. Max Annas' klare, direkte und ehrliche Sprache gibt der Handlung etwas Beklemmendes und erzeugt eine ganz bestimmte Atmosphäre. Vor allem in Kombination mit den rassistischen Anfeindungen und all den Vorurteilen, mit denen Kodjo konfrontiert wird. Es ist etwas ganz Anderes, das Land, in dem wir leben, durch die Augen eines Menschen zu betrachten, der hier ganz offensichtlich nicht willkommen ist beziehungsweise sich nicht willkommen fühlt. Das zeigen nicht nur direkte Angriffe auf Kodjo, sondern insbesondere die vielen subtilen Kommentare, die kleinen Dinge, die ihn die Ablehnung der Menschen spüren lassen.Annas treibt das Ganze auf die Spitze, indem er Kodjo den Mord an einer Prostituierten beobachten lässt - einen Mord, der von einem Weißen begangen wird. Durch ein Missverständnis gerät Kodjo in den Fokus der Ermittler und augenblicklich setzt eine Hetzjagd auf einen Schwarzafrikaner ein - ein gefundenes Fressen für die Medien. Als Leser weiß man, wie ungerecht diese voreiligen Schlussfolgerungen sind und was für Folgen sie für den unschuldigen Kodjo haben. Aber es ist erschreckend, wie glaubwürdig und vorstellbar dieses Vorgehen ist. Wir haben es schon dutzende Male erlebt und es wird leider auch in Zukunft so sein, dass man zuerst den zwielichtigen "Schwarzen" verdächtigt. Eine traurige Tatsache, die Annas zur Sprache bringt und durch Kodjos verzweifelte Flucht vor der Polizei und den Handlangern des Mörders anprangert.Der Kriminalfall selbst ist in meinen Augen etwas müde konstruiert und ohne den "illegalen" Kodjo als Verdächtigen und Opfer der Justiz wäre er sicherlich nicht annähernd so brisant und spannend. Hier hätte es für meine Begriffe ruhig etwas mehr sein können - mehr Spannung, mehr subtile Bedrohung. Aber ich glaube, der Mord an der Prostituierten bildet tatsächlich nur den Rahmen für Kodjos Geschichte und soll zeigen, wie leicht es ist, einen Menschen zu verurteilen. Und wie fatal. Denn das Ende bricht derart unerwartet und grausam über den Leser herein, dass es schwer fällt, sich allzu schnell von dieser schockierenden Geschichte zu lösen. Man sollte definitiv auf alles vorbereitet sein!Mein Fazit:Max Annas' Illegal ist ein brandaktuelles Buch, das so klar und ehrlich geschrieben ist, dass es einen zu keiner Zeit loslässt. Es liefert definitiv eine Menge Stoff zum Nachdenken und setzt sich kritisch mit der Politik und der Justiz in Deutschland auseinander. Etwas, das wir alle hin und wieder tun sollten. Kodjo ist so eine Romanfigur, die einen so schnell nicht loslässt und auch wenn der Kriminalfall für meinen Geschmack etwas intensiver ausgearbeitet hätte werden können, konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Rasant, fesselnd und bedrückend unbequem - eine unbedingte Leseempfehlung!

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