Max Brod

 3.5 Sterne bei 16 Bewertungen
Autor von Über Franz Kafka, Der Meister und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Max Brod

Max Brod (1884-1968) war vor und nach dem Ersten Weltkrieg einer der bekanntesten Vertreter der Prager deutschsprachigen Literatur, heute ist er vor allem als Herausgeber der Werke Franz Kafkas berühmt.

Quelle: Verlag / vlb

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Rezension zu "Wie Männer sich die Frau von morgen wünschen" von Max Brod

Aktuell trotz fast eines ganzen Jahrhunderts Fortschritt
aus-erlesenvor 5 Monaten

Ein echtes Buch für Männer! Ein Buch für echte Männer! Und ein Titel zu dem man sofort eine Meinung hat bzw. etwas zu sagen hat. Mal im Spaß, mal im Ernst.
Doch so einfach macht es sich die Herausgeberin Barbara Sichtermann nicht! Es sind Texte die fast ein ganzes Jahrhundert alt sind. Der Begriff „moderne Frau“ oder eben „Frau von morgen“ existiert bereits. Die Goldenen Zwanziger sind schon Geschichte, wenn auch noch greifbar, da bat der E. A. Seemann Verlag Männer mit Gewicht in der Stimme Texte zu diesem Thema zu schreiben. 1929 sollten sie (und wurden auch) veröffentlicht werden. Zehn Jahre nach dem das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. Frauenwahlrecht eingeführt? Ja so sachlich nannte man es damals – heute würde auch weniger Leidenschaft in die Formulierung gelegt werden. So viel hat sich seitdem also auch nicht verändert. Frauen durften wählen. Punkt!
Die wohl bekanntesten Namen in diesem Buch sind Stefan Zweig und Max Brod. Auch ihnen entging nicht, dass das vorherrschende Klischee der Frau am Herd wohl bald der Vergangenheit angehören wurde. Die industrielle Revolution – von Männerhand erdacht und erschaffen – zog in langen Bahnen auch den Kampf für faire Bedingungen am Arbeitsplatz hinter sich her. Sozialversicherungen wurden eingeführt. Alles so weit in Ordnung, doch die Frau durfte ihr angestammtes Revier, Herd und Bett, nicht verlassen. 
Fast allen Texten – von den bereits erwähnten beiden Schriftstellern über den Journalisten Alfons Paquet und Robert Musil bis hin zu Otto Flake und Frank Thiess – ist es gemein, dass Inhalt und Überzeugung nicht die gesamte Strecke Hand in Hand gehen. Wüste Theorien aus utopo-kommunistischen Zeiten, in denen Kinder nach der Geburt in Kinderlagern erzogen werden, Frauen und Männer gleichberechtigt ausgebeutet werden, und Zeiten, in denen das Individuum in der Masse untergeht. Von Familie keine Spur. Nicht gerade realistisch. Aber das sollten die Texte vielleicht auch nicht sein.
Die Frau geht in ihrer Rolle als Sie neben Ihm auf. So war es und nach Ansicht der Autoren wird sich daran auch nicht so viel ändern. Überspitzt gesagt, ein bisschen mehr Haushaltsgeld und Entscheidungsfreiheit, was auf den Tisch kommt, dürfte für den Anfang reichen. Die gegenwärtigen Verhältnisse können modifiziert, aber um keinen Preis der Welt aus den Fugen geraten. Natürlich spricht das keiner offen aus. Wahrscheinlich denkt kaum einer in diese Richtung. Zu festgefahren sind die Rollenbilder. 
Ist dieses Buch nun ein Buch für echte Männer? Aber ja doch. Nicht, um zu recherchieren, was an Katastrophen auf einen zukommt á la „man muss den Feind kennen, um ihn besiegen zu können“. Wie in so vielen Texten liegt die Wahrheit in den Worten und zwischen den Zeilen. So mancher Chauvi wird sich erstaunt die Augen reiben, was es denn tatsächlich bedeutet Gleichberechtigung Eins zu Eins umzusetzen. Es gehört mehr dazu als sich die meisten vorstellen können. Wem dieses Thema auch nach der Lektüre immer noch zu fremd und zu fern ist, der hat zumindest klangvolle Ideen gelesen, die trotz des Alters immer noch aktuell sind. 

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Rezension zu "Stefan Rott oder Das Jahr der Entscheidung" von Max Brod

Ein Meisterwerk
Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren

Im April 1914 lernt man den Prager Gymnasiasten Stefan Rott kennen. Er ist ein guter Schüler und entstammt einem ebenso guten Hause. Die Welt ist noch in Ordnung. Stefan kümmert sich um die Schule und seinen Freundeskreis. Er führt tiefe Gespräche über die Fragen des Lebens und der Moral mit seinem Religionslehrer, dem Katecheten Professor Werder. Er ist hin- und hergerissen von diesen Gesprächen, denn der Professor warnt ihn eindringlich vor Hochmut und böser Begierde zwei Eigenschaften, die dem 17-jährigen nicht fremd sind, begehrt er doch die Mutter seines engsten Freundes Anton Liesegang innigst. Mit seinem Freund Anton entzweit er sich, kommt ihm später aber wieder näher, noch mehr nähert er sich aber Phyllis Liesegang an.

Max Brod hat einen Roman geschrieben, der sehr ruhig und ausführlich den Alltag im Frühjahr und Frühsommer des Jahres 1914 schildert. Es geschieht nicht sehr viel. Die Schüler gehen in die Schule, haben ihre ganz normalen Probleme, Zwistereien und erste Verliebtheiten. Aber es würde dem Roman nicht gerecht, würde man ihn auf diese Sphäre der Handlung reduzieren. Der Autor gibt ein sehr genaues Zeitbild ab. Ein Erzähler überblickt die Zusammenhänge und vermittelt diese dem Leser in dem Maße, wie es für das Verständnis der Handlung erforderlich ist. Er schildert alltägliche Begebenheiten ebenso wie die vorherrschen politischen Strömungen, dabei bedient sich der Autor einer Sprache, die den verstaubten Charme der k. u. k. Monarchie aufleben lässt. Sein Sprachstil ist durchaus anspruchsvoll. Seine langen und mitunter verschachtelten Sätze, die man sich häufig auf der Zunge zergehen lassen muss, fordern dem Leser Konzentration auf den Text ab. Dafür wird man aber mit einem völligen Eintauchen in die Welt des Stefan Rott in seine Gedanken und Gefühle und die historische Situation entschädigt. Dieser Roman hat etwas sprachlich so Erhabenes, das ihn aus der Massen- und Mainstreamliteratur deutlich hervorragen lässt. Stefan Rott, sein Freund Anton und beider Mitschüler Dlouhý stehen für verschiedene politische Strömungen.

Das Attentat von Sarajewo hat nicht nur Auswirkungen auf die Weltpolitik, auch der kleine Prager Kosmos um unsere Protagonisten ändert sich schlagartig. Auch im Max Rotts Welt wird jetzt geschossen.

„Stefan Rott oder Das Jahr der Entscheidung“ ist ein ganz wundervoller Roman über eine Jugend und das Zerbrechen einer heilen Welt. Leser, die Freude an ruhiger Erzählweise und grandiosem Sprachgebrauch haben, werden diesen Roman mit Sicherheit mögen.

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Rezension zu "Der Meister" von Max Brod

Rezension zu "Der Meister" von Max Brod
AuroraBorealisvor 7 Jahren

„Wir sind alle Darsteller von Nebenrollen, ohne allzuviel vom Stück zu wissen.“

Der israelische, deutschsprachige Schriftsteller Max Brod ist unter Freizeitliteraten und Hobbyleser (zu denen auch ich mich zähle) nicht unbedingt für seine Werke oder Zitate bekannt. Er hat nichts erfunden und auch keine Krankheit geheilt. Aber trozdem ist Max Brod in Verbindung mit Franz Kafka für viele ein Name, denn ihm ist es zu verdanken, dass viele Werke Franz Kafkas nicht verbrannt oder in einer Kiste verotteten, sonder ans Licht der Literaturwelt gelangten.
Der 1884 in Prag geborene Autor schrieb jedoch selbst viele Bücher und ich hätte nie gedacht, dass sich so eines mit dem Titel "Der Meister" in unserem Bücherregal befinden könnte. Kurzerhand entschloss ich mich, den Roman mit den schon vergilbten Blättern und dem schlichten Einband, genauer unter die Lupe zu nehmen.
Die 7 Kapitel mit nicht eindeutiger Überschrift und selbst der Titel liesen vorerst für mich nicht genaue Rückschlüsse zu, mit was ich es denn letztendlich wirklich zu tun hatte. Mit Sprache und Wortwahl tat ich mich am Anfang sehr schwer. Ich, die doch eigentlich gerne den "Was geschieht als Nächstes"- Handlungsverlauf bevorzugt.
Wenn man sich einmal an die schwer verdaulichen Schachtelsätze und reichlich ausgeschmückten, detailierten und sinnübergreifenden Zusammenhänge gewöhnt hat, versteht man die Gedanken der Hauptfigur Meleagros. Dieser junge Grieche geht in seinem Leben wohl mehr durch Tiefen als durch Höhen und ist mehrere Male unglücklich verliebt. Mehrere Male steht ihm auch sein Freund Jason mit verletztendem Spott, jedoch in kniffligen Situationen auch mit Hilfe zur Seite. Nach einer Versetzung des Mückendichters Meleagros trifft er auf Schoschana, die ihm, wie so viele Frauen im Geschehen,den Kopf verdreht. Durch sie trifft er eigentlich erst auf die Kultur des Judentums. Schoschana ist zufälligerweise auch die Schwester des Mannes, den die Anhäger "den Meister" nennen. Er beginnt sich mit der Geschichte, mit den Bräuchen und verschiedensten Schriften auseinander zu setzten. Sein ganzes Weltbild, die ihm eingeprägte Lehre des Epikurs , ethische Richtigkeit, alles stellt sich Kopf. Auf der Suche nach der Wahrheit und zu Schoschana, die ihn anders liebt als die anderen Frauen in seinem bisherigen Leben, trifft er auf den Meister Jeschua, Jesus von Nazareth. Seine Wunder sind in aller Munde und Meleagros ist hin und her gerissen zwischen Folgebereitschaft und Skepsis. Zum Ende scheint sich alles zu verdichten und da überraschenderweise tritt auch "der Herzensfreund" Jason erneut ins Geschehen. Der, welcher sein zweitgrößtes Problem immer im viel zu großen Haarverlust sah, welcher immer an den Weltuntergang glaubte und sich abwehrend gegenüber des Judentums zeigte, ausgerechnet er wird im weiteren Verlauf von übergroßer Bedeutung sein.

Das Buch besticht nicht mit seiner Handlung, eher mit seiner Tiefgründigkeit. Man beginnt über Glaube, Enstehung des Judentums und auch über sinnlose Liebschaften nachzudenken. Man überlegt an was man glauben soll und ob man nun Nebenrolle oder Hauptfigur ist, man lernt auch viel über andere Lehren und Weltanschauungen, wird aber doch irgendwo trotz der Skepsis von der widersprüchlichen Gestalt des Jeschua beeindruckt. Für Philosophen genau das Richtige. Das Buch erfordert meiner Meinung nach für das bessere Verständnis ein gewisses Grundwissen über die Lehre des Epikur und annäherungsweise der Stoa und auch das damalige Leben. An dieser Stelle war ich das erste Mal dankbar, damals in der 7.Klasse Latein gewählt zu haben. Es erinnert ein wenig an "Sofies Welt", ist jedoch weniger frisch und jugendlich. Für Menschen die sich für schwere Kost und ethische Fragen begeistern können -> ein Gedicht.

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