Max Brod

 3.4 Sterne bei 15 Bewertungen
Autor von Über Franz Kafka, Der Meister und weiteren Büchern.

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Rezension zu "Stefan Rott oder Das Jahr der Entscheidung" von Max Brod

Ein Meisterwerk
Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren

Im April 1914 lernt man den Prager Gymnasiasten Stefan Rott kennen. Er ist ein guter Schüler und entstammt einem ebenso guten Hause. Die Welt ist noch in Ordnung. Stefan kümmert sich um die Schule und seinen Freundeskreis. Er führt tiefe Gespräche über die Fragen des Lebens und der Moral mit seinem Religionslehrer, dem Katecheten Professor Werder. Er ist hin- und hergerissen von diesen Gesprächen, denn der Professor warnt ihn eindringlich vor Hochmut und böser Begierde zwei Eigenschaften, die dem 17-jährigen nicht fremd sind, begehrt er doch die Mutter seines engsten Freundes Anton Liesegang innigst. Mit seinem Freund Anton entzweit er sich, kommt ihm später aber wieder näher, noch mehr nähert er sich aber Phyllis Liesegang an.

Max Brod hat einen Roman geschrieben, der sehr ruhig und ausführlich den Alltag im Frühjahr und Frühsommer des Jahres 1914 schildert. Es geschieht nicht sehr viel. Die Schüler gehen in die Schule, haben ihre ganz normalen Probleme, Zwistereien und erste Verliebtheiten. Aber es würde dem Roman nicht gerecht, würde man ihn auf diese Sphäre der Handlung reduzieren. Der Autor gibt ein sehr genaues Zeitbild ab. Ein Erzähler überblickt die Zusammenhänge und vermittelt diese dem Leser in dem Maße, wie es für das Verständnis der Handlung erforderlich ist. Er schildert alltägliche Begebenheiten ebenso wie die vorherrschen politischen Strömungen, dabei bedient sich der Autor einer Sprache, die den verstaubten Charme der k. u. k. Monarchie aufleben lässt. Sein Sprachstil ist durchaus anspruchsvoll. Seine langen und mitunter verschachtelten Sätze, die man sich häufig auf der Zunge zergehen lassen muss, fordern dem Leser Konzentration auf den Text ab. Dafür wird man aber mit einem völligen Eintauchen in die Welt des Stefan Rott in seine Gedanken und Gefühle und die historische Situation entschädigt. Dieser Roman hat etwas sprachlich so Erhabenes, das ihn aus der Massen- und Mainstreamliteratur deutlich hervorragen lässt. Stefan Rott, sein Freund Anton und beider Mitschüler Dlouhý stehen für verschiedene politische Strömungen.

Das Attentat von Sarajewo hat nicht nur Auswirkungen auf die Weltpolitik, auch der kleine Prager Kosmos um unsere Protagonisten ändert sich schlagartig. Auch im Max Rotts Welt wird jetzt geschossen.

„Stefan Rott oder Das Jahr der Entscheidung“ ist ein ganz wundervoller Roman über eine Jugend und das Zerbrechen einer heilen Welt. Leser, die Freude an ruhiger Erzählweise und grandiosem Sprachgebrauch haben, werden diesen Roman mit Sicherheit mögen.

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AuroraBorealiss avatar

Rezension zu "Der Meister" von Max Brod

Rezension zu "Der Meister" von Max Brod
AuroraBorealisvor 6 Jahren

„Wir sind alle Darsteller von Nebenrollen, ohne allzuviel vom Stück zu wissen.“

Der israelische, deutschsprachige Schriftsteller Max Brod ist unter Freizeitliteraten und Hobbyleser (zu denen auch ich mich zähle) nicht unbedingt für seine Werke oder Zitate bekannt. Er hat nichts erfunden und auch keine Krankheit geheilt. Aber trozdem ist Max Brod in Verbindung mit Franz Kafka für viele ein Name, denn ihm ist es zu verdanken, dass viele Werke Franz Kafkas nicht verbrannt oder in einer Kiste verotteten, sonder ans Licht der Literaturwelt gelangten.
Der 1884 in Prag geborene Autor schrieb jedoch selbst viele Bücher und ich hätte nie gedacht, dass sich so eines mit dem Titel "Der Meister" in unserem Bücherregal befinden könnte. Kurzerhand entschloss ich mich, den Roman mit den schon vergilbten Blättern und dem schlichten Einband, genauer unter die Lupe zu nehmen.
Die 7 Kapitel mit nicht eindeutiger Überschrift und selbst der Titel liesen vorerst für mich nicht genaue Rückschlüsse zu, mit was ich es denn letztendlich wirklich zu tun hatte. Mit Sprache und Wortwahl tat ich mich am Anfang sehr schwer. Ich, die doch eigentlich gerne den "Was geschieht als Nächstes"- Handlungsverlauf bevorzugt.
Wenn man sich einmal an die schwer verdaulichen Schachtelsätze und reichlich ausgeschmückten, detailierten und sinnübergreifenden Zusammenhänge gewöhnt hat, versteht man die Gedanken der Hauptfigur Meleagros. Dieser junge Grieche geht in seinem Leben wohl mehr durch Tiefen als durch Höhen und ist mehrere Male unglücklich verliebt. Mehrere Male steht ihm auch sein Freund Jason mit verletztendem Spott, jedoch in kniffligen Situationen auch mit Hilfe zur Seite. Nach einer Versetzung des Mückendichters Meleagros trifft er auf Schoschana, die ihm, wie so viele Frauen im Geschehen,den Kopf verdreht. Durch sie trifft er eigentlich erst auf die Kultur des Judentums. Schoschana ist zufälligerweise auch die Schwester des Mannes, den die Anhäger "den Meister" nennen. Er beginnt sich mit der Geschichte, mit den Bräuchen und verschiedensten Schriften auseinander zu setzten. Sein ganzes Weltbild, die ihm eingeprägte Lehre des Epikurs , ethische Richtigkeit, alles stellt sich Kopf. Auf der Suche nach der Wahrheit und zu Schoschana, die ihn anders liebt als die anderen Frauen in seinem bisherigen Leben, trifft er auf den Meister Jeschua, Jesus von Nazareth. Seine Wunder sind in aller Munde und Meleagros ist hin und her gerissen zwischen Folgebereitschaft und Skepsis. Zum Ende scheint sich alles zu verdichten und da überraschenderweise tritt auch "der Herzensfreund" Jason erneut ins Geschehen. Der, welcher sein zweitgrößtes Problem immer im viel zu großen Haarverlust sah, welcher immer an den Weltuntergang glaubte und sich abwehrend gegenüber des Judentums zeigte, ausgerechnet er wird im weiteren Verlauf von übergroßer Bedeutung sein.

Das Buch besticht nicht mit seiner Handlung, eher mit seiner Tiefgründigkeit. Man beginnt über Glaube, Enstehung des Judentums und auch über sinnlose Liebschaften nachzudenken. Man überlegt an was man glauben soll und ob man nun Nebenrolle oder Hauptfigur ist, man lernt auch viel über andere Lehren und Weltanschauungen, wird aber doch irgendwo trotz der Skepsis von der widersprüchlichen Gestalt des Jeschua beeindruckt. Für Philosophen genau das Richtige. Das Buch erfordert meiner Meinung nach für das bessere Verständnis ein gewisses Grundwissen über die Lehre des Epikur und annäherungsweise der Stoa und auch das damalige Leben. An dieser Stelle war ich das erste Mal dankbar, damals in der 7.Klasse Latein gewählt zu haben. Es erinnert ein wenig an "Sofies Welt", ist jedoch weniger frisch und jugendlich. Für Menschen die sich für schwere Kost und ethische Fragen begeistern können -> ein Gedicht.

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