Max Dernet Bella und die Marodeure

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Inhaltsangabe zu „Bella und die Marodeure“ von Max Dernet

München, gegen Ende des großen Reibach. Alles marschiert dem Fortschritt hinterher, doch ein kleines Häufchen bleibt versunken, ja schier vernarrt in die eigene Ratlosigkeit zurück: Bella, die ihren Platz im Leben nicht finden wollte, Max, der ihr dabei half, wo er nur konnte, ein Häuflein Artverwandter dazu. Die Geschichte erzählt von einer, die auszog, das Flüchten zu lernen und von ihren Fluchthelfern, ist also keine Liebesgeschichte, obwohl sie so gerne eine geworden wäre.

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  • Rezension zu "Bella und die Marodeure" von Max Dernet

    Bella und die Marodeure

    HeikeG

    07. August 2010 um 19:48

    Das Leben - ein großes Krisenexperiment verlorener Illusionen . „... ich hoffe, dass ich eines Tages mit viel Glück in eine Geschichte hineingerate, aus der mich niemand mehr vertreiben kann.“ Diese Worte - ausgesprochen von einer jungen Frau, der titelgebenden Figur in Max Dernets Debütroman - drücken ein ganzes Universum innerer Selbstzweifel und Verlorenheit aus. Aber ist man in diesem Alter, wo man gerade den Sprung in die Welt der Erwachsenen versucht, überhaupt schon irgendwo angekommen? Kann man sein Ich bereits gefunden haben? Will man sich nicht gerade erst aufmachen zum Profilieren seiner selbst? . Die Adoleszenz stellt eine wichtige Phase im Leben eines Heranwachsenden dar. Die jungen Menschen versuchen ihre eigene Identität zu finden. Neue, möglicherweise widersprüchliche Wertvorstellungen werden entdeckt. Auch Bella und Max, der Ich-Erzähler, befinden sich an dieser entscheidenden Lebensschwelle. Im München der 70er Jahre siedelt der Autor ihre widersprüchliche Liebesgeschichte an. Sie finden und verlieren sich, kommen erneut zusammen und gehen im gleichen Atemzug abermals getrennte Wege. Beide können nicht ohneeinander, aber miteinander funktioniert es auch nicht, „weil wir diesen Abgrund nicht aushielten, der sich jedes Mal auftat, wenn wir uns nahe kamen und den wir deshalb wie Schmierenkomödianten überspielten.“ Die vielgerühmte Unbeschwertheit der Jugend scheint einen Bogen um die Zwei zu machen. Wird Bella von inneren Selbstzweifeln zerfressen, da sich ihre depressive Mutter das Leben nahm, offenbart sich Max als Vieles in Frage stellender Träumer. Scheut letzterer ein allzu heftiges Wechselwirken mit der Welt, weil er „aus dem Zustand aller Möglichkeiten auf eine Wirklichkeit reduziert werden“ könnte, klafft zwischen Isabella und der Realität eine Art Kluft, die es ihr erschwert, ihren Platz zu finden: Sie - die Weltflüchterin, er - der Grübler und das Leben als Sonderfall betrachtende Weltfremde. . „Max, du bist ein seltsamer Vogel.“, sagte sie nach einer Weile. „Du aber auch!“ „Ja, wir sind beide seltsam und deshalb kann, nein, konnte es nicht gutgehen zwischen uns.“ . In dreißig Kapitel hat der Münchner Max Dernet seinen Roman gegliedert, die jeweils mit einer Überschrift eingeleitet werden. „Liebe vor Alpenpanorama“, „Der Affe auf dem Rücksitz“ oder „Nachsuff“ lassen erahnen, dass trotz des melancholischen und philosophischen Grundtenors, der Humor im Buch nicht zu kurz kommt. Auch wenn Dernets Alter Ego, der zudem seinen Namen trägt, von Zeit zu Zeit in grüblerischen Überlegungen versinkt, sprüht der Duktus vor jugendlicher Leichtigkeit. In vielen authentisch wirkenden Dialogen zeichnet er feinfühlig und mitunter ironisch, die Zerrissenheit seiner Protagonisten. Kurze klare Sätze, die gelegentlich in einen kumulierenden Höhepunkt münden, lassen den Roman leicht und flüssig lesen, offenbaren gleichzeitig jedoch viele nachdenkenswerte Passagen. Das Buch durchzieht ein feingesponnenes Netz von tiefen Gedanken, Assoziationen und Reflexionen, die so manches Mal innehalten lassen, ob ihrer „selbstständige[n], närrisch vor sich hin brabbelnden Wesenheit“. Und wenn im Roman behauptet wird, dass „literarische Figuren keine Rückseite“ haben, so muss dem vehement widersprochen werden. Dernets Protagonisten sind äußerst plastisch gezeichnet und verschmelzen im Kopf des Lesers zu Vertrauten. . Letztendlich ist Isabellas zu Beginn geäußerte Hoffnung eingetreten: Max Dernet hat sie in eine Geschichte gesetzt, aus der sie niemand mehr vertreiben wird, obwohl „sich im Grunde nichts geändert hatte, da ich nicht wollte, dass sich etwas ändert.“, wie Max am Ende feststellt. Seine Leser lässt der Autor jedenfalls gekonnt in der Schwebe und Schrödingers Katze in der Kiste.... . Fazit: „Bella und die Marodeure“ ist weder eine klassische Liebesgeschichte, noch ein herkömmlicher Entwicklungsroman. Eher sind es Gedanken und Betrachtungen über das Leben an sich, verpackt in persönlichen Erinnerungen des Autors. Max Dernets Erzählung „lässt einen mit dem traurigen Wissen zurück, wie kostbar und wie flüchtig das ist, was wir an denen haben, die wir lieben oder zu lieben glauben, was im Grunde dasselbe ist.“ Auf seinen nächsten Roman, an dem er zur Zeit arbeitet, darf man gespannt sein. . „Normalität ist keine Eigenschaft, die man erlernen kann, sie resultiert aus der Abwesenheit unnormaler Zustände.“

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