Max Frisch Entwürfe zu einem dritten Tagebuch

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Inhaltsangabe zu „Entwürfe zu einem dritten Tagebuch“ von Max Frisch

Die Entdeckung glich einer Sensation: Im August 2009 wurde im Max-Frisch-Archiv in Zürich das Typoskript eines bislang unbekannten Werkes des großen Schweizer Autors gefunden. Die Resonanz auf die Veröffentlichung war gewaltig und machte das Buch zum Bestseller. Nach den legendären Tagebüchern, die 1950 und 1972 erschienen, arbeitete Max Frisch seit 1982 an einem dritten. Wieder werden äußere Ereignisse zu Kristallisationspunkten: Das Verhältnis zu einer viel jüngeren Frau, der Kalte Krieg, der Krebstod eines engen Freundes – Frisch verarbeitet sie zu brillanten Nachdenklichkeiten über Leben und Sterben, Momente des Glücks und die Last des Alterns. Frisch komponiert Augenblicksnotizen und längere reflexive Passagen zu einem kunstvollen Ganzen und hebt das scheinbar flüchtig hingeworfene Notat in den Rang des Literarischen: »ein Lebens- und Todesbuch, ein Glücks- und Verzweiflungsbuch – und ein stilistisches Juwel«. Andreas Isenschmid, NZZ am Sonntag

Ein Tagebuch voller gescheiter Einsichten

— HansDurrer
HansDurrer

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    Entwürfe zu einem dritten Tagebuch
    HansDurrer

    HansDurrer

    07. June 2017 um 08:48

    Anlässlich der Veröffentlichung dieses Tagebuchs publizierte die Weltwoche einen Artikel darüber, wer denn nun eigentlich die Deutungshoheit über Frisch habe, Professor Muschg oder Professor von Matt. Ganz so, als ob es einer Autoritätsdeutung bedürfe. Nun ja, ich kann selber lesen und mir auch selber eine Meinung bilden. Und diese weicht von derjenigen des Herausgebers von Matt gelegentlich ab.    Ein Beispiel: Frisch schreibt: „Mittags am Bach, das Wasser ist kieselklar, aber kalt, die Felsen sind warm von der Sonne und die Luft riecht nach Wald, nach Pilzen, man hört nichts als das Wasser und es gibt nichts zu denken.“ Das klingt für mich sehr Zen-mässig. Von Matt sieht das anders: „Die Aussage 'es gibt nichts zu denken' schwebt unentscheidbar zwischen Resignation und Erleichterung. Sie fordert aber die Entscheidung und setzt dadurch das verleugnete Denken selbst in Bewegung.“ Schon verblüffend, was der Mann da hinein liest – nur steht es nicht dort.   Schön, dass es dieses Tagebuch gibt. Ich habe es gerne und mit Gewinn gelesen. Unter anderem wegen Passagen wie dieser:  „Leben als Oase - der Tod als die Wüste ringsum - Woher will ich das wissen?“  Oder dieser: „ICH MÖCHTE NUR NOCH SPIELEN Günter Eich kurz vor seinem Tod: ICH MÖCHTE NUR NOCH SPIELEN.“   Erstaunt war ich darüber: „Dass ich Alkoholiker sei, habe ich früher schon gesagt. Jetzt ist es keine Koketterie mehr. Ich bin Alkoholiker. Nur in einer Klinik gelingt der völlige Entzug.“ Das Geständnis ist das Eine, die Überzeugung, dass der Entzug nur in einer Klinik gelingen könne, das Andere. Ich weiss nicht, ob Frisch wegen Alkohol schon einmal in einer Klinik gewesen ist, vermute jedoch, dass dem nicht so war, denn dann hätte er den letzten Satz wohl nicht geschrieben.   Die hier vorgelegten Texte, schreibt Herausgeber von Matt, seien „keineswegs flüchtige und vorläufige Niederschriften.“ Schon möglich, obwohl für alles in diesem Band Gedruckte würde ich das nicht gelten lassen. Etwa: „Hänge ich am Leben? Ich hänge an einer Frau. Ist das genug?“   Unmittelbarer Anlass, mich mit diesem Buch zu beschäftigen, war, dass ich irgendwo gelesen habe, Frisch äussere sich darin auch über das Sterben seines Freundes, des Strafrechtsprofessors Peter Noll. Zu diesem ist unter anderem zu lesen: „Im Gegensatz zu Peter kenne ich meine Todesursache noch nicht – was nicht heisst, dass ich mehr Zeit habe als er. Zeit wofür? Ich mähe den Rasen.“ Und: „Was ich (ohne persönliche Verstricktheit) nie verdaut habe: seine tollpatschigen Offerten an Frauen.“    Noch einmal Herausgeber von Matt: „Was an den einzelnen Texten immer neu fasziniert, ist ihr Gefälle auf ein Ende hin, das gleichzeitig abschliesst und öffnet. Selbst wenn sie mit dem klar formulierten Ergebnis einer Beobachtung oder eines Denkablaufs enden, steht dieses da als etwas, das Weiterdenken verlangt.“ Das trifft es sehr gut.

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  • Rezension zu "Entwürfe zu einem dritten Tagebuch" von Max Frisch

    Entwürfe zu einem dritten Tagebuch
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    11. July 2012 um 13:15

    Er selbst hatte alle Kopien der hier nun doch veröffentlichten Texte vernichtet. Niemals wollte er sie einem Publikum präsentieren. Wenn man sie kritisch durchliest, kann man sich auch vorstellen, warum. Nun, lange nach dem Tod von Max Frisch, dem großen und widersprüchlichen Autor aus der Schweiz, wurde in der Wohnung seiner ehemaligen Sekretärin eine unautorisierte Fassung entdeckt. Ein Vorabdruck einiger Texte im Literaturmagazin der ZEIT löste eine kontroverse Debatte aus. Während der Schweizer Germanist Peter von Matt der Meinung ist, in den nachgelassenen Tagebuchblättern handele es sich um eine "Sammlung höchst verdichteter Texte", um "Zeugnisse einer Prosa, die vor Verschwiegenem förmlich lebt", ist der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg ganz anderer Meinung. Er hält die Texte zu "müde auch des Anspruchs an sich selbst". Muschg hat gegen die Veröffentlichung plädiert, von Matt dafür. Beide sind Mitglieder des Stiftungsrats des Max -Frisch - Archivs, der sich mit Mehrheit für eine Publikation entschieden hat. In der Schweiz ist darüber eine heftige kulturpolitische Debatte entbrannt, die man hierzulande kaum nachvollziehen kann. Auf der einen Seite steht der erklärte Wille von Max Frisch, gegen den hier gehandelt wurde, auf der anderen Seite geben die Texte ein wichtiges Zeugnis aus der letzten Lebensphase von Max Frisch und seinen Auseinandersetzungen vor allem mit den Phänomenen des Alters. Sprachlich können die hier zu lesenden zum Teil sehr kurzen Texte überhaupt nicht mit den ersten beiden Tagebüchern mithalten, aber wer sich für das Leben und das Gesamtwerk von Max Frisch interessiert , wird hier eine Fülle von Erkenntnissen finden.

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