Max Frisch Meine Name sei Gantenbein.

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Inhaltsangabe zu „Meine Name sei Gantenbein.“ von Max Frisch

Blind vom Auge oder doch von der Seele..?

— hmosach
hmosach

Gantenbein gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Romanen und macht spielerisch und ideenreich einen Blinden zum Sehenden.

— Aliknecht
Aliknecht
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  • Verwirrspiel in typisch Frisch'scher Manier!

    Meine Name sei Gantenbein.
    hmosach

    hmosach

    22. May 2017 um 08:30

    Schein oder Sein - dies ist die Frage. Ist es, könnte es sein - oder gibt es gar keinen Unterschied?

    Interessant, doch nicht einfach zu lesen und verstehen.


  • Ein Blinder sieht

    Meine Name sei Gantenbein.
    Aliknecht

    Aliknecht

    29. January 2017 um 10:49

    Max Frisch macht spielerisch und ideenreich einen Blinden zum Sehenden.   Klappentext: Der Verfasser von Stiller (1954) und Homo Faber (1957) hat in seinem dritten großen Roman Mein Name sei Gantenbein (1964) sein zentrales Thema, das Problem der Identität, die Spannung des Ichs zum anderen, nicht verlassen. Radikaler erfasst, entfaltet es sich heiterer, reicher als bisher. Der Komplexität des Themas entspricht die Form. Der Roman spiegelt die Verschiebung von Realität und Phantasie im Bannkreis einer Situation, die die erprobte Rolle eines Menschen in Frage stellt sein Ich freilegt. Die Geschichten des Buches sind nicht Geschichten in üblichen Sinn, es sind Geschichten wie Kleider, die man probiert. Es sind Rollen, Lebensrollen, Lebensmuster, die die Wirklichkeit erraten haben. Inhalt: "Ich sitze in einer Wohnung: - Meiner Wohnung... Lang kann's nicht her sein, seit hier gelebt worden ist."  Nach einer Trennung stellt sich der Ich-Erzähler ein anderes Leben vor. Ein Mann hat einen Unfall und liegt mit verbundenen Augen im Hospital. Vielleicht verliert er sein Augenlicht. Eines Morgens wird der Verband gelöst, und er sieht, dass er sieht, aber schweigt; er sagt es nicht, dass er sieht, niemand und nie. Sein Name sei Gantenbein.  Daraus ergeben sich eine Fülle von überraschenden Möglichkeiten im gesellschaftlichen und ehelichen Leben mit der Schauspielerin Lila. Sie ist die schillernde weibliche Zentralfigur im Roman, um die auch zwei andere Daseinsentwürfe des Ich-Erzählers kreisen, der Architekt Svoboda und der Kunsthistoriker Enderlin. Dieser hat einen Ruf nach Harvard, fliegt aber zuletzt nicht ab in Kloten. Die Prostituierte  Camilla Huber schätzt Gantenbein als Gentleman, der ihre Profession übersieht. Er kommt regelmässig zur Maniküre, wie auf ihrer Visitenkarte vermerkt. Da staunt selbst die Züricher Kantonspolizei.  Die Schwierigkeiten mit der Rolle als Blinder liegen im Detail. Wenn Lila und Gantenbein Gäste haben, sieht sie weder volle Aschenbecher noch leere Gläser. Gantenbein muss unauffällig abhelfen und nie wundert sich ein Gast, was einen Blinden an vollen Aschenbechern stört. Gantenbein holt Lila ab vom Flughafen. Sie kommt mit ihrem Liebhaber  Händchen haltend  übers Rollfeld. Dieser lässt los und geht vorbei, während sie Gantenbein zur Begrüßung umarmt und küsst. Stil und Sprache: Frisch entwirft zahlreiche verschiedene Rollen und Geschehen in lockerer Abfolge. Der Ich-Erzähler stellt sich etwas vor. Erzählt wird im Präsens.  Die Denkweise ist Möglichkeitsform , aber nicht notwendigerweise grammatikalisch Konjunktiv. Dem Leser, der eine Handlung sucht, fällt das Lesen vielleicht schwer. Vor allem der Einstieg in den Roman mag Mühe bereiten. Frisch entwickelt Varianten und Möglichkeiten fast wie dahin gesprochen. Die Abläufe geschehen weder räumlich noch zeitlich geordnet. Ein Bewusstseinsstrom ergießt sich in den Leser. Stil und Sprache erscheinen auch im Jahr 2017 noch überraschend zeitgemäß. Die Veröffentlichung erfolgte ja noch vor dem kulturellen Turbo-Schub der zweiten Hälfte der 60er-Jahre.  Wer sich den Vorstellungen des Autors hingeben kann, erfährt höchstes Lesevergnügen und gewinnt manche Einsicht. Fazit: Max Frischs Mein Name sei Gantenbein gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen literarischen Werken des 20. Jahrhunderts. Sein relatives Gewicht im Verhältnis zu seinen anderen großen Romanen wird wahrscheinlich mit der Zeit sogar noch weiter steigen. Max Frisch ist hinreißend und macht spielerisch und ideenreich den Blinden zum Sehenden. In unseren Tagen wünsche ich dem blinden Gantenbein, dass Lila ihre Dessous doch bei Agent Provocateur in Zürich in der Bärengasse beziehen möge.   Autor:  Max Frisch wurde am 15.5.1911 in Zürich geboren und starb dort am 4.4.1991. Der Schweizer Architekt und Schriftsteller veröffentlichte mit großem Erfolg Romane, Erzählungen, Theaterstücke und Tagebücher. Er erfuhr zahlreiche Ehrungen, darunter den Georg-Büchner-Preis (1958) und den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1976). Sein Liebesleben wäre eine separate Darstellung wert. So war er etwa zeitweise liiert mit Ingeborg Bachmann, die sich damals in Rom in den Untergang trank.   Ausgabe: Max Frisch: Mein Name sei Gantenbein  Suhrkamp  Taschenbuch 286 (1977)

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