Stiller

von Max Frisch 
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Stiller
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Doppelbödig und absolut genial geschrieben - zu Recht einer der großen Klassiker!

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"Ich bin nicht Ben Stiller!"

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Inhaltsangabe zu "Stiller"

Bei seiner Einreise in die Schweiz wird Mister White festgenommen, weil er für die Polizei mit dem verschwundenen Bildhauer Anatol Lud­wig Stiller identisch ist. Frühere Freunde bestätigen den Verdacht. Er aber widersetzt sich dieser Festlegung, seine Aufzeichnungen in der Untersuchungshaft wehren sich gegen diese Behauptung mit der Feststellung: »Ich bin nicht Stiller!«.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518462348
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:451 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:11.03.2011
Das aktuelle Hörbuch ist am 08.04.2011 bei Der Hörverlag erschienen.

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    awogflis avatar
    awogflivor 4 Monaten
    Weinerliche dilletantische Selbstanalyse, Beziehungspsychologie und ein paar Abenteurgeschichteln

    Was ja in der Literaturwelt offensichtlich hinlänglich bekannt sein dürfte, ist der Umstand, dass Max Frisch in diesem Roman einen Kunstgriff - für mich aber quasi eine verlogene Finte - gewählt hat, um über sich selbst zu schreiben und sich selbst von außen zu analysieren, indem er den Protagonisten dem Verdacht aussetzt, die Identität des Herrn Stillers aufzuweisen. Dies weist die Hauptfigur des Romans aber ganz entschieden von sich und geht ihrerseits nun heran, diesen Herrn Stiller, für den er fälschlicherweise beziehungsweise nicht fälschlicherweise gehalten wird, aus der Perspektive des externen Beobachters zu betrachten, allmählich zu erforschen und zu analysieren.

    Diesen Kunstgriff mag man genial finden, muss man aber nicht. Mir stößt so etwas aus mehreren Gründen sehr sauer auf. Erstens finde ich es extrem eitel, sich selbst zu analysieren, ohne seine eigene Person ins Spiel zu bringen. Natürlich haben oft Figuren von Autoren autobiografische Züge, dann werden sie aber entweder von Innen- oder von der Außenansicht her beschrieben, aber in diesem Fall spielt Frisch gleichzeitig Patient der leidet, Therapeut der interpretiert und versucht zu heilen und Videokamera, die beobachtet (man kann als Analogie auch nicht, Gesetzgeber, Staatsanwalt, Verteidiger, Richter und Exekutive gleichzeitig sein, auch in der Psychologie sollte es sinnvollerweise eine Gewaltenteilung geben). So etwas ist erstens nicht zielführend, kann nicht funktionieren und ist auch ethisch recht verwerflich, deshalb ist es ja auch Therapeuten untersagt, sich selbst zu analysieren, im Gegenteil, sie sind verpflichtet, in regelmäßigen Abständen einen anderen professionellen Therapeuten aufzusuchen. Was also bei dieser sogenannten "Analyse" sinnvollerweise herauskommen kann, ist nie eine richtige Analyse sondern nur eine eitle larmoyante, selbstverliebte peinliche Rechtfertigung des Charakters und der Taten ohne einen Millimeter Weiterentwicklung, die ja bei einer derartigen Selbstzentrierung gar nicht stattfinden kann. Ach ja die gemeinhin oftmals hineininterpretierte Identitätsfindung kann ich nicht finden.

    Selbst bei einem relativ normalen Menschen funktioniert das nicht, bei einem egozentrischen selbstverliebten Menschen wie dem Herrn Frisch-Stiller,  ich will nun nicht das Wort Narzissmus in den Mund nehmen, denn das ist eindeutig eine Persönlichkeitsstörung, die ich mir nicht anmaße zu treffen (aber 6 meiner wirklich guten Freundinnen könnten das, wenn Sie das Buch gelesen hätten), ist die ganze hier ausgebreitete therapeutische Geschichte nur ein gähnend langweiliges Kreisen von Rechtfertigungen um eine nicht gerade spannende Persönlichkeit auf Grund ihrer atemberaubenden Egozentrik.

    Da kommen wir nun zu einem weiteren Ärgerfaktor. Wenn ich mir überlege, wieviele junge Burschen diese Hauptfigur (Stiller - bzw. Nicht Stiller) und auch den Staatsanwalt Rolf, der so ein bisschen aus der NLP-Ecke (die es ja damals als NLP noch nicht gab sondern nur die psychoanalytischen Grundlagen) zu stammen scheint, weil er permanent als krasses Gegenteil zu "Stiller" soviel seiner Partnerin spiegelt und doch soviel manipuliert, als zwei wesentliche männliche Role-Models in den schwierigen Zeiten der Pubertät vorgesetzt bekommen haben, dann steigen mir wirklich die Grausbirnen auf. Ich wundere mich dann wirklich nicht, dass auch noch in so vielen Köpfen ein derart arges unrealistisches duldendes Frauenbild der Frau Julika, die auch noch selbst schuld ist, wenn sie krank am Boden liegt und der man natürlich auch jede Hilfe verwehren muss. Oh ja, da sind wir wieder bei einem grausamen menschenverachtenden Charakterzug, der hier ganz ordentlich bis fast auf die letzten Seiten ausgewalzt und glorifiziert wird, dass man einer Partnerin nicht helfen will, denn erstens hat sie die Kalamitäten durch was auch immer - Gott oder was anderes - selbst verdient, zweitens ist man ja selbst der Leidende, weil man mit der Schwäche des Partners belästigt wird und drittens wenn man hilft, erniedrigt man sich selbst und wird unmännlich. Was für ein Scheißdreck.

    Das ganze gipfelt sogar in ernstgemeinten nicht widersprochenen Aussagen wie zum Beispiel der Umstand, dass sich eine Frau, die sich intensiv um ihr Kind kümmert, das aus purem Narzissmus tut? WTF für ein egozentrischer MUMPITZ. Hier wird wie vieles andere ein Männerbild propagiert  von Typen, die auch in Kauf nehmen würden, dass ihr Baby stirbt, nur weil sie die Nr. 1 Position bei der Frau auch nach der Geburt des Kindes nicht aufgeben wollen. Im Roman das dreißigste Jahr habe ich die Kurz-Geschichten von Ingeborg Bachmann um derartige zahlreiche Figuren stark kritisiert, da ich ein solches allgemeines Männerbild bei all meinen feministischen Ansichten einfach nicht für zulässig halte und Bachmann vier oder fünf unterschiedliche Figuren ausschließlich mit solchen Charakterzügen konzipiert hat. Wäre sie ehrlich gewesen und hätte nur über eine Figur, respektive Max-Frisch oder ein Pseudonym seiner Person geschrieben, dessen charakterliche Einzelaspekte offensichtlich in nahezu alle Figuren im dreißigsten Jahr einflossen, dann hätte ich dieses Werk für viel wahrhaftiger gehalten, denn ein bis zwei faule Äpfel im Meer der männlichen Achetypen sind doch zulässig und realistisch und vernadern nicht die gesamte restliche Männerwelt.

    So nun komme ich von meiner persönlichen Meinung wieder mal weg in weit objektivere Gefilde. Durch diese stilistische Konstruktion, quasi eine autobiografische Rechtfertigung getarnt als Analyse schreiben zu wollen, ohne sich selbst ins Spiel zu bringen, ist der Plot des Romans total  unglaubwürdig und komplett verhunzt - so ein richtiger Schwachsinn. Da ich manisch plotorientiert bin und logische Fehler mich zur Weißglut treiben, kann mich mir folgende Anklagen an den Autor nicht verkneifen: Warum wird Stiller von allen in Untersuchungshaft derart hofiert? Warum hat in der Schweiz ein Untersuchungshäftling Freigang? Wenn kein Kapitalverbrechen oder Verdunkelungsgefahr vorliegt, muss er entweder völlig enthaftet werden und sich regelmäßig melden oder er sitzt rund um die Uhr in Einzelhaft - etwas dazwischen ist komplett unlogisch. Einen Freigang unter Tags gibt es nicht vor einer Gerichtsverhandlung, sondern nur danach bei leichteren unbedingten Delikten oder bei schweren Delikten kurz vor der Entlassung mit Reststrafe auf Bewährung. Ich kenne mich da wirklich gut aus. Habe doch fast 35 Jahre in Krems und Steyr gleich neben Justizanstalten für Schwerverbrecher gelebt und gearbeitet.

    Frisch erzählt also nicht wirklich eine konsistente Geschichte, was für mich aber in einem Roman unabdingbar ist - tut aber so als ob-  und das kann ich gar nicht leiden. Gewürzt ist der Plot noch mit abstrusen münchhausischen Abenteuergeschichtln, die nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun haben, die auch das männliche junge Publikum, das offensichtlich noch nicht aus seiner Karl May-Phase herausgewachsen ist, adressiert und verleiten soll, den Roman zu mögen und gnädig zu beurteilen.

    Die Vierecks-Beziehungsgeschichte ist auf Grund der verkappten und sehr gestörten Persönlichkeiten auch eher mühsam und alles andere als spannend.

    Das einzige, was Stiller für mich persönlich den zweiten Stern eingebracht hat, ist die brilliante Gesellschaftskritik am Wesen des Schweizers- des Schweizer-Seins. Wenn Max Frisch nach außen analysiert, kann er das plötzlich extrem glaubwürdig, mit spitzer Feder, etwas boshaftem Humor und gnadenloser Brillanz. Ich habe vier Saisonen also insgesamt 12 Monate in diesem Land gelebt und gearbeitet und musste oft herzlich lachen. Zu jeder Aussage des Autors kann ich mehrere  Gschichtln aus eigener Erfahrung dazusteuern. Da wird beispielsweise die Affenliebe zum Militär, das überhebliche selbstüberschätzende Großmannstum (quasi wird dem Ausländer [Uslanda] immer die inkompetente kleine Maus, die brüllte vorgeführt, alles ist am besten am schönsten und am intelligentesten in der Schweiz), die Unfähigkeit zur Selbstkritik, der Nationalismus, und die Fiktion von unendlicher nationaler Freiheit in einer total unfreien Gesellschaft voller Konventionen. Alles wird sehr treffend zerlegt oder auch der Umstand thematisiert, dass die Körperpflege der Schweizer  in bemerkenswertem Widerspruch zur sonstigen Reinemacherei steht. Wie gesagt, zu jedem dieser Gesellschaftskritikpunkte habe ich mindestens ein eigenes kurioses Erfahrungs-Gschichtl.

    Was mich auch noch schockiert hat, sind tatsächlich kapitale Deutschfehler des Surkamp-Verlages, so etwas muss ich nicht dem Autor ankreiden, denn wozu gibt es denn Lektoren. Ich versteh das wirklich nicht🤔, die Erstausgabe ist auf Deutsch erschienen, ergo fallen Übersetzungsfehler weg. z.B.
    -Wir [Hier] können wir nicht stehenbleiben S.80,  
    - Daß Ostern waren [war], zeigte sich hier, nach dem Verstummen der [des]morgendlichen Kirchengeläute[s], nur noch an einem übermäßigen Verkehr auf der Überlandstraße. S.414

    Ihr seht schon, in den eckigen Klammern habe ich gleich den Rotstift angesetzt. Das sind nur zwei krasse Beispiele, andere habe ich nicht angezeichnet, aber noch ein paar Fallfehler und falsche Präpositionen gefunden. Ich bin ja die erste, die drüberliest, weil mein Hirn gern und recht gut antizipiert, aber wenn es sogar mir auffällt, ist es ein gravierendes Problem....

    Uff! Das war jetzt leider ein bisschen lang - ich hoffe, Ihr habt Euch noch nicht gelangweilt.

    Fazit: Dieser Klassiker ist für mich für die Tonne. Jetzt stellt sich nun aber die Frage, ob dieses Buch wirklich im Vergleich zu anderen von Frischs Werken wie Andorra oder Homo Faber, die ich in der Pubertät begeistert gelesen habe, so abstinkt, oder ich mich vielleicht weiterentwickelt habe. Das ist hier nämlich die Einserfrage. Wiewohl ich mir schenke, Andorra und Homo Faber erneut zu lesen und einer aktuellen Bewertung zu unterziehen. Dazu ist mir einfach meine Lebens- bzw. Lesezeit zu schade, und mein SUB ist auch noch bei 280 real verfügbaren Büchern, die gelesen werden wollen. Es einfach gibt zu viele Werke, die so brilliant sind und sehnsüchtig auf meine Endeckungsreise warten. Deshalb schließe ich mit einer Aussage, die ich sicher tätigen kann. Jede Zeit hat auch ihr Buch und ihre spezifische Bewertung. Das kann ich eindeutig sagen. 🙂

    Kommentare: 6
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    Steffens avatar
    Steffenvor 2 Jahren
    ›Du sollst dir kein Bildnis machen!‹

    Was Max Frischs Stiller (1954) zu einem so herausragenden und komplexen Werk macht, ist nicht eine besonders stilisierte oder anspruchsvolle Sprache. Es ist auch nicht die Handlung, die zwar fesselt, aber rasch erzählt ist. Vielmehr sind es die tiefen Einblicke in die Seele des Protagonisten; in seine Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen und Bewusstseinsprozesse. Stiller ist eine durchdachte, ebenso hochinteressante wie prekäre Figur, deren Schicksal der Leser gefesselt miterlebt.

    Die wahre Kunst Frischs besteht aber darin, die Subjektivität und Perspektivität seiner Figuren sprachlich überzeugend darzustellen. So erhält der Leser Einblicke in Situationen, die zuerst aus der Sicht Stillers wahrgenommen werden – später aber wechselt die Perspektive und dieselbe Situation wird erneut geschildert, diesmal aber aus der Perspektive und Gefühlslage der Geliebten, die das Geschehen ganz anders erlebt, empfindet und deutet. So haben wir es mit gänzlich differierenden Eindrücken und Erlebnissen zu tun, die aber doch auf ein und dieselbe Situation rekurrieren. Und eben diese Beziehungen zwischen den Figuren sind es denn auch, die uns so authentisch und überzeugend erscheinen und die den Roman zu etwas ganz Besonderem machen.

    Kernthema des Textes ist dabei die Frage nach der eigenen Identität, nach der Eigen- und Fremdwahrnehmung. – Wer hat sich nicht selbst schon einmal gewünscht, ein neues Leben zu beginnen, alles Vergangene hinter sich zu lassen, in ein anderes Land zu reisen und als neuer Mensch alles anders zu machen? … Um dann aber am Ende festzustellen, dass das Leben der Vergangenheit in die Gegenwart hineinreicht, sie prägt und beeinflusst – dass es also letztlich unmöglich ist, sich von Grund auf zu ändern. Und selbst wenn dies teilweise gelingt: die Freunde und Bekannten kennen uns noch immer als denselben Menschen, der wir vor unserer ›Verwandlung‹ waren und sehen uns so, wie sie uns schon immer gesehen haben und sehen wollten. Eben dies ist das grundlegende Problem des Bildhauers Stiller.

    Wir machen uns ein Bild von anderen Menschen, sehen sie in bestimmten Rollen, nehmen sie so wahr, wie wir sie wahrnehmen wollen. Auch der ›stille‹ und selbstbezogene Stiller will zu seiner Ehefrau Julika vordringen, sie zu einer anderen Person machen; einer Person, die fähig ist zu lieben. Er sehnt sich zwanghaft danach, von ihr geliebt zu werden – will das Bild, das er sich von ihr gemacht hat, verwirklichen. So erhebt er sich zum bildenden Schöpfer und formt sie im buchstäblichen Sinn in seinen Kunstwerken. Die lebendige Julika aber lässt sich nicht formen, bleibt kalt und tot wie seine Werke – und daran zerbricht der liebesbedürftige Stiller.

    Wenn es einen Appell gibt, den uns der Roman auf den Weg geben möchte, so ist es dieser: »Jedes Bildnis ist eine Sünde. Es ist genau das Gegenteil von Liebe […]. Wenn man einen Menschen liebt, so läßt man ihm doch jede Möglichkeit offen und ist trotz allen Erinnerungen einfach bereit, zu staunen, immer wieder zu staunen, wie anders er ist, wie verschiedenartig und nicht einfach so, nicht ein fertiges Bildnis«.

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    lesemauss avatar
    lesemausvor 2 Jahren
    Stiller

    Ein Mann wird festgenommen und es wird ihm eine Identität gegeben, die nicht stimmt. Können wir aber dem Erzähler, dem Schreiber glauben?
    Der Protagonist erzählt seine "Lebens"Geschichte. Schritt für Schritt lernen wir ihn kennen. Ein Mann, der Künstler ist, und nicht zufrieden mit seinem Leben ist. Seine Frau, die Lungenkrank ist, liebt ihn, aber bekommt diese Liebe nicht zurück.

    Das erste Buch von Max Frisch war Homo Faber, und ich habe das Buch geliebt. Dieses Buch aber ist um einige hundert Seiten dicker und beschreibt jedes kleinste Detail, so dass man langsam andriftet und überliest.

    Es ist ein Buch, für das man viel Zeit einplanen muss und sich auch Zeit nehmen muss. 

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    littleowls avatar
    littleowlvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Doppelbödig und absolut genial geschrieben - zu Recht einer der großen Klassiker!
    Stiller

    Worum geht’s?

    Bei einer Passkontrolle wird Mister White festgenommen, weil die Polizei überzeugt ist, dass er der seit Jahren verschollene Künstler Anatol Ludwig Stiller ist. Unerbittlich reden Behördenvertreter auf ihn ein, um ihn dazu zu bringen, seine „Selbstverleugnung“ aufzugeben. Verwandte, Ehefrau Julika und frühere Freunde, die ihn im Gefängnis besuchen, glauben ebenfalls, dass er der Verschwundene ist. Trotzdem beteuert White in seinen Aufzeichnungen aus der Untersuchungshaft es immer wieder: „Ich bin nicht Stiller!“

    Meine Meinung

    Ich habe die Inhaltszusammenfassung diesmal bewusst kurz gehalten, weil ich glaube, dass man an das Abenteuer, das dieses Buch ist, unvoreingenommen herangehen sollte. Dabei ist „Stiller“ nicht gerade leichte Kost, ganz im Gegenteil. Ein so doppelbödiger Roman bringt einen während und auch noch lange nach dem Lesen ins Grübeln. Max Frisch lässt seinen Lesern viel Raum für Interpretation, fordert sie geradezu dazu heraus, eigene Schlüsse zu ziehen. Ich denke, gerade weil der Autor Botschaften in seinen Romanen nicht auf dem Silbertablett serviert, hallen seine Geschichte noch lange nach und bieten Denkanstöße. Identität ist auf jeden Fall ein zeitlos aktuelles Thema, mit dem sich wohl jeder schon einmal beschäftigt hat. Frischs Romane sind kontrovers und aufwühlend, weil er Gedanken und Gefühle in Worte fasst, die wohl viele Menschen haben, sich aber nie eingestehen würden.

    Max Frisch ist ohne Zweifel ein Schriftsteller, der sein Handwerk virtuos beherrscht, das zeigt schon der komplexe Aufbau dieses Romans. Die Aufzeichnungen des Ich-Erzählers in Untersuchungshaft füllen 7 Hefte, diese bilden den ersten Teil, während der viel kürzere zweite Abschnitt aus einem Nachwort des Staatsanwalts besteht. Letztendlich sind hier aber noch einige Perspektiven mehr verwoben, denn der Protagonist protokolliert, was andere ihm berichten. Dabei verwendet der Autor Sprache ganz gezielt dazu, Botschaften zu vermitteln. So sind die Tagebücher oft fragmentarisch und ungeordnet, während der Staatsanwalt sehr klar, vernünftig und chronologisch erzählt. Trotz durchweg langer Sätze habe ich den Roman überhaupt nicht als ermüdend empfunden, denn Frischs anschaulicher, bildhafter Schreibstil erlaubt es einem, richtig in eine Szene einzutauchen.

    Fazit

    Ein hintergründiger, aufwühlender, einfach grandioser Roman – zu Recht einer der ganz großen Klassiker!

    Kommentare: 2
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    Dorfwolfs avatar
    Dorfwolfvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Das Buch ist ein bisschen Langwierig, dennoch würde es durch eine Kürzung viel verlieren.
    Bisschen Langwierig, dennoch ein super Buch!

    Als ich das Buch anfing konnte ich mir nicht vorstellen, wie die Geschichte sich 400 Seiten halten kann, was sie aber geschafft hat.
    Die ersten Hefte (wie Sie im Buch genannt werden) fand ich spannend zu lesen, doch als dann die Beziehungsgeschichten anfingen, hat bei mir die Spannung und Freunde nachgelassen. Doch ohne diese Beziehungsgeschichten währe das Buch nicht mal halb so gut, da man durch sie Stillers Entschlüsse und Taten versteht.

    Im großen und ganzen ist das Buch sehr gut, da es eine Geschichte erzählt, die zum nachdenken erregt und sich die meisten ein kleines bisschen mit den Protagonisten identifizieren kann.

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    W
    Wellenreitervor 8 Jahren
    Rezension zu "Stiller" von Max Frisch

    Das beste Buch ever!

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    luckyups avatar
    luckyupvor 8 Jahren
    Rezension zu "Stiller" von Max Frisch

    Wer ist Stiller? Und wer alles stellt diese Frage? Welche Geschichten und welche Ereignisse treiben Stiller von seinem Ich weg und warum?

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    ralluss avatar
    rallusvor 9 Jahren
    Rezension zu "Stiller" von Max Frisch

    Ein Klassiker, der sich um die Ich-Farge und die Realität dreht. Jeder versucht - vergeblich - ein Andere zu sein und kann dies aber nicht ohne ein eigenes Ich zu haben. Hier ist dieses Ich verschwunden, der Leser tappt in verschiedene pschologische Fallen. Höchster Lesegenuß

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    Vyannes avatar
    Vyannevor 9 Jahren
    Rezension zu "Stiller" von Max Frisch

    "Szenen einer Ehe", die erschreckend viel Wirklichkeit intensiver Beziehungen in sich tragen. Die Neurosen zweier Menschen treffen aufeinander, verzerren den jeweils anderen und kreieren eine Welt, in der es sich nicht aushalten lässt, aus der man aber auch nicht flüchten kann. Stillers Selbstverleugnung (bei der meines Erachtens nicht klar ist, ob er Theater spielt oder tatsächlich psychologisch gestört ist) erscheint fast als bewundernswert konsequente Reaktion auf die Unzulänglichkeiten seines Lebens. Unglaublich vielschichtig, mit einigen Spritzern Schweizkritik :-) und enorm guter Charakterisierung.

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    m_maxwells avatar
    m_maxwellvor 10 Jahren
    Rezension zu "Stiller" von Max Frisch

    Da dieses Buch von vielen als sehr gut beschrieben wurde, habe ich es auch gelesen - und war leider enttäuscht. Zwar wurden die Probleme des modernen Menschen ergründet und erörtert, jedoch meiner Meinung nach literarisch schlecht umgesetzt. Vieles wirkt umständlich und krampfhaft.

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