Max Haberich

 3 Sterne bei 13 Bewertungen

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Max HaberichArthur Schnitzler
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Arthur Schnitzler
Arthur Schnitzler
 (13)
Erschienen am 03.03.2017
Max HaberichZiegel und Elfenbein
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Ziegel und Elfenbein
Ziegel und Elfenbein
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Erschienen am 11.12.2017

Neue Rezensionen zu Max Haberich

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Rezension zu "Arthur Schnitzler" von Max Haberich

Werkschau mit zeitgeschichtlichem Antisemitismushintergrund
awogflivor einem Jahr

Wer mit diesem Sachbuch eine Biografie erwartet hat, die dem Leser den Menschen und Literaten Arthur Schnitzler näherbringt – so wie ich – der wird leider sehr enttäuscht sein.

Irgendwie schaut das Werk auf drei Viertel seines Umfangs so aus, als ob es ursprünglich als literaturwissenschaftliche Arbeit eines Doktoranden konzipiert worden wäre, der seinem Germanistikprofessor beweisen wollte, wie viel er von Schnitzler gelesen hat und wie gut er dessen Werke nacherzählen kann. Das sich wahrscheinlich daraus ergebende ohne wesentliche Änderungen publizierte Buch passt sich so gar nicht an die Bedürfnisse und Erwartungen des Lesers an. Als Werkschau werden im Stakkato die Stücke von Schnitzler im Telegrammstil sinnlos und lähmend zusammengefasst – teilweise drei bis vier Stücke auf einer Seite. Wenn ich als Leserin die Werke Schnitzlers kennenlernen will, geh ich zum Schmied und nicht zum Schmiedl, ergo lese ich entweder vorher oder parallel noch die wichtigsten Stücke des Autors, die mir fehlen, oder an die ich mich nicht mehr so gut erinnern kann.

Als Charakterstudie des Literaten, der im Untertitel auch noch als Anatom des Fin de Siècle bezeichnet wird, ist dieses Sachbuch recht ordentlich misslungen. Lediglich wenn Max Haberich Schnitzlers Identität als Deutsch/Österreicher und als Jude thematisiert und auch den in Europa grassierenden Antisemitismus zeitgeschichtlich aufrollt, wird der Inhalt endlich sehr spannend und leidlich biografisch. Ansonsten wird aber fast gar nichts zur Persönlichkeit Schnitzlers enthüllt: Nebensätze zu seiner Krankheit und Hypochondrie, kurze Anspielungen zu Frauen und Kindern. Das hätte Schnitzler so gar nicht gefallen. Nur auf seine jüdische Identität und auf den Antisemitismus reduziert und nicht als Mensch dargestellt zu werden – da wär dieser literarische Meister und Analyst der menschlichen Psyche total ausgeflippt.

"Ich betrachte mich keineswegs als einen jüdischen Dichter, sondern als einen deutschen Dichter, der, soweit sich so etwas überhaupt nachweisen läßt, der jüdischen Rasse angehört.[…]

Ich schreibe in deutscher Sprache, lebe innerhalb des deutschen Kulturkreises, verdanke gewiss von allen Kulturen der Deutschen am meisten […]

Daran, dass ich ein deutscher Dichter bin, wird mich weder jüdisch-zionistisches Ressentiment, noch die Albernheit und Unverschämtheit deutscher Nationalisten, im geringsten irre machen; nicht einmal der Verdacht, dass ich mich beim Deutschtum oder gerade bei seinen kläglichsten Vertretern anbiedern möchte, wird mich daran hindern, zu fühlen was ich fühle, zu wissen was ich weiß […]


Auch die Parallelen im literarischen Werk durch den ursprünglichen Beruf als Arzt, die Rolle als Militärarzt und einfließende, damals aktuelle Methodiken der Psychoanalyse, Traumdeutung und Hypnose – ergo der Einfluss von Freud und Konsorten auf Schnitzlers Werk – wurden so gut wie gar nicht breiter untersucht.

Erst am Ende des Buches, als seine Tochter Lili Selbstmord begeht, blitzt ein bisschen der Mensch Schnitzler aus dieser Wüste an Werksbeschreibungen und Zeitgeschichte hervor. Dabei bräuchte man hier gar nicht spekulieren, es gibt tonnenweise Material – wie dieses vor den Nazis gerettet und auf abenteuerliche Weise nach Cambridge gebracht wurde, verschweigt uns Haberich natürlich auch geflissentlich. Der Briefverkehr mit seiner Frau, der dem Leser klar die Eheprobleme im Hause Schnitzler darlegt, wird auch nicht analysiert sondern gleich in den Anhang verschoben, soll sich der Leser doch selbst bemühen, die Geschichte zu schreiben und sich eine Meinung bilden. Insofern waren das letzte Kapitel und der Anhang der spannendste Teil des Sachbuchs.

Fazit: Ich bin überhaupt nicht begeistert, da ich mir eine richtige Biografie erwartet habe, dennoch habe ich ein paar Informationen mitgenommen. Erstens habe ich zur Eskalation des Antisemitismus um die Jahrhundertwende in Österreich einige neue Fakten gelernt. Zweitens habe ich durch dieses Buch recherchiert und bin zufällig darüber gestolpert, dass das Theaterstück Prof. Bernardi im November 2017 Premiere in der Josefstadt hat. Da muss ich unbedingt hin. Drittens werde ich die Novellen Der Sohn und die Traumnovelle demnächst lesen. Und viertens und letztens weiß ich endlich, wo das Schnitzlerhaus steht, das in der Praterstraße weder ausgeflaggt, noch auf den offiziellen Tourismuskarten verzeichnet ist, was mich wieder mal in meiner Meinung bestätigt, dass Wien selten sehr nett zu seinen berühmten Söhnen und Töchtern ist, vor allem wenn sie renitent waren bzw. keine Volksmusiksänger oder Wintersportler sind. 😜 2,5 Sterne, da ich die Tendenz zur Mitte habe, auf 3 Sterne mit viel Bauchweh aufgerundet.

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Rezension zu "Arthur Schnitzler" von Max Haberich

Schnitzler ein interessanter Mensch, den ich nur an der Oberfläche kennengelernt habe.
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

Ich hatte mich sehr auf die Biographie gefreut, nämlich darauf Arthur Schnitzler kennenzulernen. Er und seine Werke scheinen sehr vielschichtig zu sein.

Sprachlich fand ich das Buch angenehm zu lesen, da hat mich Haberich durchaus überzeugt. Was ich auch positiv anmerken möchte, es sind einige Fotos (zahlreich ist etwas übertrieben) und Tagebuchausschnitte eingearbeitet, es hätte gerne mehr davon sein dürfen. Auch schön zu lesen war der Briefwechsel zum Ende des Buches zwischen Arthur und Olga, auch der hat noch einmal ein etwas persönlicheres Licht auf die Eheleute geworfen. Haberich hat das Buch chronologisch aufgebaut, das Leben Schnitzlers in Abschnitte eingeteilt. Politisch wandelt sich Europa, vorallem eben auch Österreich, wie der Autor dies einbaut in die Biographie fand ich durchaus spannend. Nun direkt zu meinen Kritikpunkten und warum es nur zwei Sterne geworden sind. Wenig ansprechend fand ich, dass Haberich, so scheint es über Schnitzlers Werke versucht an ihn heranzukommen. Alle Werke werden vorgestellt/zusammengefasst, Schwerpunkte herausgearbeitet und in Kontext zu Schnitzlers Leben und die Gesellschaft zu der Zeit gesetzt. Der Autor hat unglaublich viel produziert, so dass ich von einem Werk zum anderen geschleift wurde. Es hat sich leider unglaublich gezogen. Zum einen habe ich beim Lesen nicht nur den Überblick verloren, sondern noch viel schlimmer die Lust an Schnitzler und seinen Werken. Jemand der sich schon mit Schnitzler auseinandergesetzt hat und seine Werke besser kennt als ich dies tue, hat sicherlich einen ganz anderen Bezug zu diesem Buch hier und kann wahrscheinlich viel neues bzw kontroverses mitnehmen. Ich hingegen konnte dies leider nicht. Somit war ich vielleicht nicht die richtige Person für das Buch und das Buch (so leid es mir tut, den Verlag mag ich sehr gern) wurde aus meiner Sicht missverständlich positioniert. Auf der Vorderseite steht Biographie und auch der Klappentext weist darauf hin. Im Vorwort hat der Autor selbst aber geschrieben er sieht sein Buch eher als Begleitung zu Schnitzlers Werken, das trifft es für mich deutlich besser.

Unterm Strich bleibt mir der Mensch Arthur Schnitzler leider fremd.



* Rezensionsexemplar über Lovelybooks / Verlag


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W

Rezension zu "Arthur Schnitzler" von Max Haberich

Ein Individualist und Frauenversteher
Waschbaerinvor einem Jahr

Das vorliegende Buch wird auf dem Umschlag als „Die Biografie“ angekündigt.

Vorweg möchte ich sagen, dass mir der flüssige Schreibstil von Anfang an gefiel und es mir Freude machte, das Buch zu lesen, wenngleich ich es nicht als Biografie bezeichnen würde.

In der Einleitung erfahren wir eine kurze Zusammenfassung über seine Werke, es werden einige Weggefährten genannt und der Leser erfährt einige Dinge aus seinem Leben. 

Für mich war es sehr interessant, das Kapitel Wien – Gegenwart zu lesen. Ich muss gestehen, dass ich keine Ahnung hatte, wie weit verbreitet der Antisemitismus im Wien zu dieser Zeit war. Es hat mich geschockt, dass die Menschen diese Einstellung einfach hinnahmen und auch tolerierten. Die Einteilung in gute oder schlechte Juden, war mir ebenfalls so nicht geläufig. Dass der intellektuelle Hintergrund der Juden aus dem Osten im krassen Gegensatz zu denen aus dem Westen stand ist, wenn man die geschichtlichen Entwicklungen zu dieser Zeit in Ost und West als Grundlage nimmt, wohl weniger verwunderlich. Aber dass sich die westl. als besser Juden empfanden als die aus dem Osten, erscheint mir nun doch bigott. Nun ja, so war der Zeitgeist.  

Dies ist ein sehr interessantes Kapitel, das ich zweimal gelesen habe und mit dem ich mich noch öfters beschäftigen werde. Auf diesem Antisemitismus, der im alltäglichen Leben offensichtlich allgegenwärtig war, den man zur Kenntnis nahm aber dem man nichts entgegen setzte, lag wohl eine der Wurzeln dessen, was im 20. Jahrhundert über Europa hereinbrach oder besser gesagt von vielen bejubelt wurde. Ich frage mich, haben die Menschen damals die Anfänge verschlafen oder nur nicht sehen wollen?

Arthur Schnitzler steht dazu, dass er Jude ist. Seite 133: „..... In seinen eigenen Worten: “Ich bin oesterreichischer Staatsbürger jüdischer Race, zur deutschen Kultur mich bekennend“.

Doch obwohl er zu seiner jüdischen Abstammung steht, hat er eine recht kritische Sicht auf die jüdischen Rituale. Warum kann der Sabbath nicht an einem Sonntag sein – fragt er. Dann Seite 134: „  .. Ferner, so Schnitzler, sollten die Rabbiner, statt religiösen Aberglaube zu verbreiten, die Juden „endlich einmal aufklären“. Was er stets verachtete war diese Unterwürfigkeit von Juden, gegenüber der nicht-jüdischen Mehrheit.

Doch was erfahren wir sonst von dem Menschen Arthur Schnitzler? Er bleibt in dieser Biografie seltsam unsichtbar. Wir erfahren zwar, dass er aus einer Arztfamilie stammte und er, als auch seine Brüder Medizin studierten, aber von dem, was ihn in jungen Jahren bewegte, umtrieb, erfahren wir so gut wie nichts. Schnell weiß er, dass er den Beruf des Arztes im Grunde nicht ausüben, sondern eine künstlerische Laufbahn will. Doch sein Vater hofft inständig, dass der Sohn noch zur Besinnung kommt.

Arzt ist für Arthur Schnitzler Broterwerb, doch seine Berufung ist das Schreiben.

Im Grunde setzt sich das Buch aus ausführlichen Erläuterungen seiner Werke zusammen, was zwar sehr interessant zu lesen ist, aber nicht der angegebenen Thematik Biographie entspricht.

Immer wieder erfahren wir von seinen vielen Liebschaften, mal nur mit einer Frau, mal mit mehreren. Demzufolge muss er wohl ein charmanter Mann gewesen sein. Zudem ein eifriger Liebhaber. Wie sonst ist es zu erklären dass er genau Buchführung über die Häufigkeit sexueller Kontakte pro Jahr führte. Auf diese absurde Idee muss erst mal jemand kommen!

Seine Werke zeugen von einem Frauenversteher der es schaffte, Einblick in die verborgenen Winkel der Seelen von Frauen zu geben. Woher kannte er die geheimsten Wünsche, Sehnsüchte und Gedanken der Frauen seiner Zeit? Vielleicht öffneten sich ihm seine Patientinnen und redeten sich in seinem Sprechzimmer alles Unaussprechliche von der Seele, da er als Arzt zur Verschwiegenheit verpflichtet war? Auch Freud lebte in Wien und sie kannten sich. Vielleicht bekam A. Sch. durch Gespräche, Fachsimpelei,  einen Einblick in die weibliche Psyche? Diese spannenden Fragen bleiben unbeantwortet.

Was ich vermisste waren Aussagen von Weggefährten. Dabei gab es doch einige mit bekanntem Namen.

Am Ende des Buches wird ein Briefwechsel zwischen ihm und seiner Frau abgedruckt, der dem Leser diese seltsame Beziehung des Ehepaares etwas näher bringt. 

Auch wenn das Buch meine Erwartungen nicht erfüllen konnte, hat es mir gefallen. Wenngleich der Schriftsteller A. Schnitzler etwas nebulös bleibt, so habe ich doch einen tieferen Einblick in seine Werke bekommen – ja ich muss sagen, dass ich richtig neugierig geworden bin, mich näher damit zu beschäftigen.

Mit der Bewertung habe ich mit mir gerungen. Es sind nur drei und dreiviertel Sternchen, da etwas zu wenig "Biographie" vorkommt.

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Gespräche aus der Community

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Verlag_Kremayr-Scheriaus avatar

Worum geht's?

Schnitzler wird bis heute als der Dichter literarischer Grazie und unverbindlicher Erotik betrachtet. In Wirklichkeit zeigt sich bereits in seinen frühen Dramen beißende Sozialkritik an der bürgerlichen Doppelmoral seiner Zeit und an der Ausbeutung junger Frauen. Wie kaum ein anderer entlarvte er die wohlhabenden, unbeschäftigten Lebemänner und die Leere vieler zwischenmenschlicher Beziehungen.

Max Haberich hat an der Universität Cambridge über Schnitzler promoviert, hat die Quellen dort und im Literaturarchiv Marbach durchforstet, vor allem auch jene, die in den bisherigen Schnitzler-Biografien noch nicht berücksichtigt werden konnten – etwa die ausführliche Korrespondenz mit seiner Frau Olga. Dadurch ist es Max Haberich möglich, den Jahrhundert- Autor in einem völlig neuen Licht zu zeigen: als sozialkritischen Autor, der sich über Jahrzehnte mit seiner jüdischen Herkunft auseinandersetzte und mit messerscharfer Beobachtung den stetig zunehmenden Antisemitismus in den Blick nahm.


Max Haberich


geboren 1984 in Philadelphia, USA, aufgewachsen in Hawaii und München. Studium der Geschichte, Kunstgeschichte und Neueren deutschen Literatur in York, Aix-en-Provence und Tübingen. Promotion an der Universität Cambridge über die deutsch-jüdische Identität von Arthur Schnitzler und Jakob Wassermann. Derzeit bereitet er sein nächstes wissenschaftliches Projekt zur Entstehung einer deutschen kulturellen Identität im späten 18. Jahrhundert vor.



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