Arthur Schnitzler

von Max Haberich 
3,0 Sterne bei13 Bewertungen
Arthur Schnitzler
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Dieses Buch macht neugierig auf die Werke von Arthur Schnitzler.

Kritisch (5):

Begleitung zu den Werken. Als Biographie konnte es mich leider nicht überzeugen. Sehr schade

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Inhaltsangabe zu "Arthur Schnitzler"

Schnitzler wird bis heute als der Dichter literarischer Grazie und unverbindlicher Erotik betrachtet. In Wirklichkeit zeigt sich bereits in seinen frühen Dramen beißende Sozialkritik an der bürgerlichen Doppelmoral seiner Zeit und an der Ausbeutung junger Frauen. Wie kaum ein anderer entlarvte er die wohlhabenden, unbeschäftigten Lebemänner und die Leere vieler zwischenmenschlicher Beziehungen.

Max Haberich hat an der Universität Cambridge über Schnitzler promoviert, hat die Quellen dort und im Literaturarchiv Marbach durchforstet, vor allem auch jene, die in den bisherigen Schnitzler-Biografien noch nicht berücksichtigt werden konnten – etwa die ausführliche Korrespondenz mit seiner Frau Olga. Dadurch ist es Max Haberich möglich, den Jahrhundert- Autor in einem völlig neuen Licht zu zeigen: als sozialkritischen Autor, der sich über Jahrzehnte mit seiner jüdischen Herkunft auseinandersetzte und mit messerscharfer Beobachtung den stetig zunehmenden Antisemitismus in den Blick nahm.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783218010641
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:Kremayr & Scheriau
Erscheinungsdatum:03.03.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    awogflis avatar
    awogflivor einem Jahr
    Werkschau mit zeitgeschichtlichem Antisemitismushintergrund

    Wer mit diesem Sachbuch eine Biografie erwartet hat, die dem Leser den Menschen und Literaten Arthur Schnitzler näherbringt – so wie ich – der wird leider sehr enttäuscht sein.

    Irgendwie schaut das Werk auf drei Viertel seines Umfangs so aus, als ob es ursprünglich als literaturwissenschaftliche Arbeit eines Doktoranden konzipiert worden wäre, der seinem Germanistikprofessor beweisen wollte, wie viel er von Schnitzler gelesen hat und wie gut er dessen Werke nacherzählen kann. Das sich wahrscheinlich daraus ergebende ohne wesentliche Änderungen publizierte Buch passt sich so gar nicht an die Bedürfnisse und Erwartungen des Lesers an. Als Werkschau werden im Stakkato die Stücke von Schnitzler im Telegrammstil sinnlos und lähmend zusammengefasst – teilweise drei bis vier Stücke auf einer Seite. Wenn ich als Leserin die Werke Schnitzlers kennenlernen will, geh ich zum Schmied und nicht zum Schmiedl, ergo lese ich entweder vorher oder parallel noch die wichtigsten Stücke des Autors, die mir fehlen, oder an die ich mich nicht mehr so gut erinnern kann.

    Als Charakterstudie des Literaten, der im Untertitel auch noch als Anatom des Fin de Siècle bezeichnet wird, ist dieses Sachbuch recht ordentlich misslungen. Lediglich wenn Max Haberich Schnitzlers Identität als Deutsch/Österreicher und als Jude thematisiert und auch den in Europa grassierenden Antisemitismus zeitgeschichtlich aufrollt, wird der Inhalt endlich sehr spannend und leidlich biografisch. Ansonsten wird aber fast gar nichts zur Persönlichkeit Schnitzlers enthüllt: Nebensätze zu seiner Krankheit und Hypochondrie, kurze Anspielungen zu Frauen und Kindern. Das hätte Schnitzler so gar nicht gefallen. Nur auf seine jüdische Identität und auf den Antisemitismus reduziert und nicht als Mensch dargestellt zu werden – da wär dieser literarische Meister und Analyst der menschlichen Psyche total ausgeflippt.

    "Ich betrachte mich keineswegs als einen jüdischen Dichter, sondern als einen deutschen Dichter, der, soweit sich so etwas überhaupt nachweisen läßt, der jüdischen Rasse angehört.[…]

    Ich schreibe in deutscher Sprache, lebe innerhalb des deutschen Kulturkreises, verdanke gewiss von allen Kulturen der Deutschen am meisten […]

    Daran, dass ich ein deutscher Dichter bin, wird mich weder jüdisch-zionistisches Ressentiment, noch die Albernheit und Unverschämtheit deutscher Nationalisten, im geringsten irre machen; nicht einmal der Verdacht, dass ich mich beim Deutschtum oder gerade bei seinen kläglichsten Vertretern anbiedern möchte, wird mich daran hindern, zu fühlen was ich fühle, zu wissen was ich weiß […]


    Auch die Parallelen im literarischen Werk durch den ursprünglichen Beruf als Arzt, die Rolle als Militärarzt und einfließende, damals aktuelle Methodiken der Psychoanalyse, Traumdeutung und Hypnose – ergo der Einfluss von Freud und Konsorten auf Schnitzlers Werk – wurden so gut wie gar nicht breiter untersucht.

    Erst am Ende des Buches, als seine Tochter Lili Selbstmord begeht, blitzt ein bisschen der Mensch Schnitzler aus dieser Wüste an Werksbeschreibungen und Zeitgeschichte hervor. Dabei bräuchte man hier gar nicht spekulieren, es gibt tonnenweise Material – wie dieses vor den Nazis gerettet und auf abenteuerliche Weise nach Cambridge gebracht wurde, verschweigt uns Haberich natürlich auch geflissentlich. Der Briefverkehr mit seiner Frau, der dem Leser klar die Eheprobleme im Hause Schnitzler darlegt, wird auch nicht analysiert sondern gleich in den Anhang verschoben, soll sich der Leser doch selbst bemühen, die Geschichte zu schreiben und sich eine Meinung bilden. Insofern waren das letzte Kapitel und der Anhang der spannendste Teil des Sachbuchs.

    Fazit: Ich bin überhaupt nicht begeistert, da ich mir eine richtige Biografie erwartet habe, dennoch habe ich ein paar Informationen mitgenommen. Erstens habe ich zur Eskalation des Antisemitismus um die Jahrhundertwende in Österreich einige neue Fakten gelernt. Zweitens habe ich durch dieses Buch recherchiert und bin zufällig darüber gestolpert, dass das Theaterstück Prof. Bernardi im November 2017 Premiere in der Josefstadt hat. Da muss ich unbedingt hin. Drittens werde ich die Novellen Der Sohn und die Traumnovelle demnächst lesen. Und viertens und letztens weiß ich endlich, wo das Schnitzlerhaus steht, das in der Praterstraße weder ausgeflaggt, noch auf den offiziellen Tourismuskarten verzeichnet ist, was mich wieder mal in meiner Meinung bestätigt, dass Wien selten sehr nett zu seinen berühmten Söhnen und Töchtern ist, vor allem wenn sie renitent waren bzw. keine Volksmusiksänger oder Wintersportler sind. 😜 2,5 Sterne, da ich die Tendenz zur Mitte habe, auf 3 Sterne mit viel Bauchweh aufgerundet.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Begleitung zu den Werken. Als Biographie konnte es mich leider nicht überzeugen. Sehr schade
    Schnitzler ein interessanter Mensch, den ich nur an der Oberfläche kennengelernt habe.

    Ich hatte mich sehr auf die Biographie gefreut, nämlich darauf Arthur Schnitzler kennenzulernen. Er und seine Werke scheinen sehr vielschichtig zu sein.

    Sprachlich fand ich das Buch angenehm zu lesen, da hat mich Haberich durchaus überzeugt. Was ich auch positiv anmerken möchte, es sind einige Fotos (zahlreich ist etwas übertrieben) und Tagebuchausschnitte eingearbeitet, es hätte gerne mehr davon sein dürfen. Auch schön zu lesen war der Briefwechsel zum Ende des Buches zwischen Arthur und Olga, auch der hat noch einmal ein etwas persönlicheres Licht auf die Eheleute geworfen. Haberich hat das Buch chronologisch aufgebaut, das Leben Schnitzlers in Abschnitte eingeteilt. Politisch wandelt sich Europa, vorallem eben auch Österreich, wie der Autor dies einbaut in die Biographie fand ich durchaus spannend. Nun direkt zu meinen Kritikpunkten und warum es nur zwei Sterne geworden sind. Wenig ansprechend fand ich, dass Haberich, so scheint es über Schnitzlers Werke versucht an ihn heranzukommen. Alle Werke werden vorgestellt/zusammengefasst, Schwerpunkte herausgearbeitet und in Kontext zu Schnitzlers Leben und die Gesellschaft zu der Zeit gesetzt. Der Autor hat unglaublich viel produziert, so dass ich von einem Werk zum anderen geschleift wurde. Es hat sich leider unglaublich gezogen. Zum einen habe ich beim Lesen nicht nur den Überblick verloren, sondern noch viel schlimmer die Lust an Schnitzler und seinen Werken. Jemand der sich schon mit Schnitzler auseinandergesetzt hat und seine Werke besser kennt als ich dies tue, hat sicherlich einen ganz anderen Bezug zu diesem Buch hier und kann wahrscheinlich viel neues bzw kontroverses mitnehmen. Ich hingegen konnte dies leider nicht. Somit war ich vielleicht nicht die richtige Person für das Buch und das Buch (so leid es mir tut, den Verlag mag ich sehr gern) wurde aus meiner Sicht missverständlich positioniert. Auf der Vorderseite steht Biographie und auch der Klappentext weist darauf hin. Im Vorwort hat der Autor selbst aber geschrieben er sieht sein Buch eher als Begleitung zu Schnitzlers Werken, das trifft es für mich deutlich besser.

    Unterm Strich bleibt mir der Mensch Arthur Schnitzler leider fremd.



    * Rezensionsexemplar über Lovelybooks / Verlag


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    Waschbaerinvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Dieses Buch macht neugierig auf die Werke von Arthur Schnitzler.
    Ein Individualist und Frauenversteher

    Das vorliegende Buch wird auf dem Umschlag als „Die Biografie“ angekündigt.

    Vorweg möchte ich sagen, dass mir der flüssige Schreibstil von Anfang an gefiel und es mir Freude machte, das Buch zu lesen, wenngleich ich es nicht als Biografie bezeichnen würde.

    In der Einleitung erfahren wir eine kurze Zusammenfassung über seine Werke, es werden einige Weggefährten genannt und der Leser erfährt einige Dinge aus seinem Leben. 

    Für mich war es sehr interessant, das Kapitel Wien – Gegenwart zu lesen. Ich muss gestehen, dass ich keine Ahnung hatte, wie weit verbreitet der Antisemitismus im Wien zu dieser Zeit war. Es hat mich geschockt, dass die Menschen diese Einstellung einfach hinnahmen und auch tolerierten. Die Einteilung in gute oder schlechte Juden, war mir ebenfalls so nicht geläufig. Dass der intellektuelle Hintergrund der Juden aus dem Osten im krassen Gegensatz zu denen aus dem Westen stand ist, wenn man die geschichtlichen Entwicklungen zu dieser Zeit in Ost und West als Grundlage nimmt, wohl weniger verwunderlich. Aber dass sich die westl. als besser Juden empfanden als die aus dem Osten, erscheint mir nun doch bigott. Nun ja, so war der Zeitgeist.  

    Dies ist ein sehr interessantes Kapitel, das ich zweimal gelesen habe und mit dem ich mich noch öfters beschäftigen werde. Auf diesem Antisemitismus, der im alltäglichen Leben offensichtlich allgegenwärtig war, den man zur Kenntnis nahm aber dem man nichts entgegen setzte, lag wohl eine der Wurzeln dessen, was im 20. Jahrhundert über Europa hereinbrach oder besser gesagt von vielen bejubelt wurde. Ich frage mich, haben die Menschen damals die Anfänge verschlafen oder nur nicht sehen wollen?

    Arthur Schnitzler steht dazu, dass er Jude ist. Seite 133: „..... In seinen eigenen Worten: “Ich bin oesterreichischer Staatsbürger jüdischer Race, zur deutschen Kultur mich bekennend“.

    Doch obwohl er zu seiner jüdischen Abstammung steht, hat er eine recht kritische Sicht auf die jüdischen Rituale. Warum kann der Sabbath nicht an einem Sonntag sein – fragt er. Dann Seite 134: „  .. Ferner, so Schnitzler, sollten die Rabbiner, statt religiösen Aberglaube zu verbreiten, die Juden „endlich einmal aufklären“. Was er stets verachtete war diese Unterwürfigkeit von Juden, gegenüber der nicht-jüdischen Mehrheit.

    Doch was erfahren wir sonst von dem Menschen Arthur Schnitzler? Er bleibt in dieser Biografie seltsam unsichtbar. Wir erfahren zwar, dass er aus einer Arztfamilie stammte und er, als auch seine Brüder Medizin studierten, aber von dem, was ihn in jungen Jahren bewegte, umtrieb, erfahren wir so gut wie nichts. Schnell weiß er, dass er den Beruf des Arztes im Grunde nicht ausüben, sondern eine künstlerische Laufbahn will. Doch sein Vater hofft inständig, dass der Sohn noch zur Besinnung kommt.

    Arzt ist für Arthur Schnitzler Broterwerb, doch seine Berufung ist das Schreiben.

    Im Grunde setzt sich das Buch aus ausführlichen Erläuterungen seiner Werke zusammen, was zwar sehr interessant zu lesen ist, aber nicht der angegebenen Thematik Biographie entspricht.

    Immer wieder erfahren wir von seinen vielen Liebschaften, mal nur mit einer Frau, mal mit mehreren. Demzufolge muss er wohl ein charmanter Mann gewesen sein. Zudem ein eifriger Liebhaber. Wie sonst ist es zu erklären dass er genau Buchführung über die Häufigkeit sexueller Kontakte pro Jahr führte. Auf diese absurde Idee muss erst mal jemand kommen!

    Seine Werke zeugen von einem Frauenversteher der es schaffte, Einblick in die verborgenen Winkel der Seelen von Frauen zu geben. Woher kannte er die geheimsten Wünsche, Sehnsüchte und Gedanken der Frauen seiner Zeit? Vielleicht öffneten sich ihm seine Patientinnen und redeten sich in seinem Sprechzimmer alles Unaussprechliche von der Seele, da er als Arzt zur Verschwiegenheit verpflichtet war? Auch Freud lebte in Wien und sie kannten sich. Vielleicht bekam A. Sch. durch Gespräche, Fachsimpelei,  einen Einblick in die weibliche Psyche? Diese spannenden Fragen bleiben unbeantwortet.

    Was ich vermisste waren Aussagen von Weggefährten. Dabei gab es doch einige mit bekanntem Namen.

    Am Ende des Buches wird ein Briefwechsel zwischen ihm und seiner Frau abgedruckt, der dem Leser diese seltsame Beziehung des Ehepaares etwas näher bringt. 

    Auch wenn das Buch meine Erwartungen nicht erfüllen konnte, hat es mir gefallen. Wenngleich der Schriftsteller A. Schnitzler etwas nebulös bleibt, so habe ich doch einen tieferen Einblick in seine Werke bekommen – ja ich muss sagen, dass ich richtig neugierig geworden bin, mich näher damit zu beschäftigen.

    Mit der Bewertung habe ich mit mir gerungen. Es sind nur drei und dreiviertel Sternchen, da etwas zu wenig "Biographie" vorkommt.

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    leserattebremens avatar
    leserattebremenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Leider etwas langatmig und wenig leserfreundlich
    Kommentar zum Werk statt Biographie

    In seinem Buch zu „Arthur Schnitzler. Anatom des Fin de Siècle“ setzt sich Max Haberich intensiv mit Leben und Werk des Autors auseinander. Dies geschieht unabwendbar auch vor dem politischen Hintergrund von Schnitzlers Lebenszeit und betrachtet dabei auch den Einfluss von Schnitzlers Gegenwart auf seine Werke.
    Als Untertitel trägt das Buch den Begriff „Biographie“, was ich jedoch nicht gut gewählt finde. Im Gegenteil handelt es sich bei dem Buch eher um eine Aufsatzsammlung, die sich mit dem Werk Schnitzlers zwar intensiv auseinandersetzt, jedoch nur wenig Einblick in das private Leben von Arthur Schnitzler gibt. Besonders die zu Beginn langwierige Aufzählung der frühen Stücke von Schnitzler mit Inhaltsangabe empfand ich beim Lesen als zu langatmig, während an späterer Stelle des Buches relativ viel Vorwissen über die Veröffentlichungen von Schnitzler vorausgesetzt wird, um den Abschnitten folgen zu können. Besonders das Zusammenspiel von Schnitzler mit berühmten Personen seiner Zeit wie Hoffmansthal und Freud kommt für mich in dem Buch viel zu kurz, auch seine persönlichen Beweggründe für Entscheidungen sind wenig ausgearbeitet. Das ist besonders Schade, da Schnitzler Zeit seines Lebens intensiv Tagebuch führte und daher viel mehr Material dagewesen wäre, als hier genutzt wurde.
    Alles in allem handelt es sich meiner Meinung nach bei diesem Buch mehr um ein Werk, dass sich an Literaturwissenschaftler richtet, quasi als Kommentar zu Schnitzlers gesammelten Werken, keinesfalls jedoch um eine für fachfremde Leser gut aufbereitete Biographie. Daher konnte mich das Buch nicht wirklich überzeugen. 

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    Sikals avatar
    Sikalvor einem Jahr
    Arthur Schnitzler – eine Werksergänzung

    Der österreichische Schriftsteller Arthur Schnitzler (1862 – 1931) gilt als einer der bedeutendsten Dramatiker seiner Zeit und Vertreter der Wiener Moderne. Neugierig auf den Menschen hinter den vielfach gerühmten Werken, wie z.B. „Der Reigen“, „Professor Bernardi“, Lieutnant Gustl“ freute ich mich auf die Biografie von Max Haberich. Doch was soll ich sagen – erst quälte ich mich Kapitel für Kapitel durch dieses Buch (den Ausdruck Biografie möchte ich gar nicht verwenden) und nun fällt es mir schwer, dies sachlich zu rezensieren.

    Nachdem es anfangs eine knappe Einleitung gibt, die politischen Wirrungen und bereits aufkommenden antisemitischen Neigungen mit Details aus Schnitzlers Leben vernetzt werden, wurde bald klar, dass der Autor mich mit seinem Herangehen an dieses Werk nicht beeindrucken kann.  Die ausführlichen politischen Hintergründe fand ich sehr gelungen, eingebettet darin die unterschiedlichen Ansichten der Politiker, die Unterscheidung zwischen „guten“ und „schlechten“ Juden sowie auch das Heraushalten Schnitzlers aus diversen politischen Auseinandersetzungen.

    Positiv hervorheben möchte ich auch die Auszüge aus den Tagebüchern Schnitzlers sowie die Korrespondenz mit seiner Frau Olga, die einen tieferen Einblick in Charakter und den Menschen Schnitzler zulassen.

    Leider wurden diese Sequenzen äußerst kurz gehalten, der Fokus des Autors liegt meist auf den Werkszusammenfassungen und die Aneinanderreihung eben dieser. Hier werden jeweils kurze private Begegnungen, Einblicke oder Schicksale erwähnt, die Schnitzler dann jeweils in den unterschiedlichen Werken „verarbeitet“.  Hier wird erkennbar, dass das Buch weit von einer Biografie entfernt ist. Diese Inhaltsangaben bzw. Zusammenfassungen der Werke nehmen den Hauptpart ein, die Persönlichkeit des Dramatikers bleibt bis zuletzt wie ein Schatten.  Ebenso für Verwirrung sorgen teilweise die Kapitelüberschriften, die letztendlich dem Inhalt nicht gerecht werden.

    Erwartet hätte ich mir Verbindungen mit zeitgenössischen Mitstreitern, seine Zusammenkünfte und Bekanntschaft wie z.B. mit Freud oder Hoffmannsthal. Doch stattdessen wurde des Öfteren auf bereits bekannte bzw. anderweitig erwähnte Forschungen verwiesen. Ist es eine Voraussetzung, um dieses Buch lesen zu können, bereits ein Schnitzler-Kenner zu sein? Mehrmals wurde hier dieser Eindruck vermittelt. Die eigentliche Zielgruppe dieses Buches konnte ich bis zuletzt nicht ausmachen, denn für ein Fachpublikum ist es wohl zu oberflächlich und der „normale“ Leser will keine Aneinanderreihung von Inhaltsangaben, denn hier kann man ja dann die Werke auch eigenständig lesen. Vielleicht eine Ergänzung zum Gesamtwerk? Das wäre für mich noch die einzig schlüssige Erklärung, doch so richtig schlau wurde ich nicht.

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    ChantalSchs avatar
    ChantalSchvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein interessantes Buch, vor allem für Schnitzler-Belesene - aber per Definitionem keine Biographie.
    Viel Zeitgeschichte, viel Literaturgeschichte, wenig Persönliches

    Man versteht Schnitzler wahrscheinlich als Autor besser, wenn man dieses Buch gelesen hat - vorausgesetzt, man hat seine Werke nicht nur alle (oder großteils) gelesen, sondern auch noch präsent. 
    Man versteht allerdings den Mann und Menschen Schnitzler nicht unbedingt besser, erst gegen Ende der Biographie, die eigentlich keine ist, beginnt man, mit ihm mitzufühlen und sich ihm anzunähern.
    Ich sehe das Buch mehr als eine Werkschau mit vielen zeitgeschichtlichen Querverweisen, und als solche ist es interessant zu lesen, ein einigermaßen umfangreiches Schnitzler-Wissen, wie gesagt,  vorausgesetzt. Zwar wird die Handlung der meisten besprochenen Werke skizziert, dennoch ist man ein bisschen verloren, wenn man nicht von vorn herein mehr darüber weiß.
    Vieles an Privatem, Persönlichem wird angedeutet, aber nicht ausgeführt: Mehr gehört hätte ich gerne über die Freundschaften zu Zeitgenossen wie Zweig oder Hofmannsthal, sein Verhältnis zu Thomas Mann, aber auch über die Beziehung zu seinen Kindern und seiner Frau. Das sind alles Dinge, die man von einer Biographie erwartet. Als solche ist das Buch eine ziemlich glatte Themenverfehlung (vielleicht zwei, maximal drei Sterne). Wenn man das als Leser aber verkraftet hat ;-), und es schafft, sich auf ein literaturwissenschaftlich und historisch hochinteressantes Buch einzulassen, dem nur fälschlicherweise (vermutlich aus Marketinggründen) das "Biografie-Mäntelchen" umgehängt wurde - wenn man es also als das sieht, was es ist, eine Besprechung des Gesamtwerks mit episodisch eingefügten biografischen Momenten und Auszügen aus privater Korrespondenz und Tagebüchern, dann ist es durchaus 4 Sterne wert. 

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    Buchgespensts avatar
    Buchgespenstvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Eine interessante Darstellung von Schnitzlers Werk und seine Einordnung in biografische und zeitgenössische Bezüge!
    Literatur und Biografie

    Arthur Schnitzler – der Autor des Fin de Siècle, der der Gesellschaft den Spiegel vors Gesicht hielt und selbst in ihr gefangen war. Als Mediziner trat er in die Fußstapfen seines Vaters, als Autor folgte er seinem inneren Drang und als Mensch war er ein Gefangener der schizophrenen, strengen bürgerlichen Konventionen.

    Der vorliegende Band verwebt biografische Momente mit Schnitzlers literarischem Schaffen. Gesellschaftliche Hintergründe und geschichtliche Ereignisse spielen dabei eine genauso große Rolle wie Schnitzlers persönliches Leben. Seine Werke werden detailliert vorgestellt mit Inhalt, Motivation ihrer Entstehung, der zeitgenössischen Aufnahme und der ihnen heute zugemessenen Bedeutung. Das fördert einerseits das Verständnis des Lesers, doch andererseits führt es zu langatmigen Wiederholungen und ermüdender Ausführlichkeit.

    Briefe und Tagebucheinträge sowie Fotografien lockern die Lektüre auf und geben dem Leser ein Gefühl für den Menschen Schnitzler und seine Zeit.

    Die politische und gesellschaftliche Rolle der Juden ist ebenfalls ein Element, das hier in seiner Bedeutung für Schnitzler und der geschichtlichen Entwicklung gründlich beleuchtet wird. Interessant geschrieben und mit ausführlicher Bibliographie lädt das Buch zum Weiterschmökern ein.

    Trotz allem bleibt ein großer Kritikpunkt: eine Biografie liegt hier nicht vor!

    Wie in der Einleitung bereits formuliert, ist dieses Buch als Bergleitband der Gesammelten Werke gedacht. Der historische Kontext und die Entstehungsgeschichte zu Schnitzlers Werken steht hier im Mittelpunkt sowie Schnitzlers österreichisch-jüdische Identität – deswegen auch die immer wieder ausführlichen Ausflüge zur Problematik der Juden im Kaiserreich, im Ersten Weltkrieg und wie alles schließlich nach Schnitzlers Tod in der Katastrophe münden konnte. Seine biografischen Momente sind auf diese Bezugspunkte beschränkt. Damit liegt hier ein interessanter literaturwissenschaftlicher Ansatz vor, doch wer eine Biografie sucht, sollte zu anderen Werken greifen.

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    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Leider kommt man mit dieser Biographie dem Schriftsteller nicht näher - schade!
    Wer war Arthur Schnitzler wirklich?

    Der österreichische Schriftsteller und Arzt Arthur Schnitzler (1862 – 1931) gilt heute als einer der größten Dramatiker seiner Zeit. Wie in Österreich üblich, wurde er in seiner Heimat anfangs angefeindet.

    Selten habe ich mich so durch ein Buch geplagt.
    Stellenweise hatte ich den Eindruck, mich mit einer Dissertation auseinanderzusetzen. Das ist ja grundsätzlich einmal nicht verwerflich, aber unter einer Biographie verstehe ich etwas Anderes.

    Der Autor setzt ein detailliertes Sach- und Fachwissen über Schnitzler voraus. Viele Kapitelüberschriften erwecken Hoffnungen, die dann nicht erfüllt werden. Z.B. „Aufstieg zum Ruhm - Leutnant Gustl“ – hier verhungert der Leser bei einer äußerst knappen Zusammenfassung dieser Novelle, deren Angriff auf den Ehrenkodex des Militärs einen veritablen Skandal hervorgerufen hat. Immerhin hat man Schnitzler den Offiziersrang aberkannt.

    Obwohl die Frauen aus Schnitzlers Leben viel Raum in diesem Buch einnehmen, sind weder sie noch der Schriftsteller in ihren Wesen für mich greifbar.

    Gut gelungen ist die Darstellung des historischen Umfelds. Der wachsende Antisemitismus in der sterbenden Donaumonarchie, zu Beginn wird noch zwischen „Ghetto-Juden“ und Assimilierten unterschieden, später nicht mehr. Interessant, dass Schnitzler zwar mit Theodor Herzl bekannt/befreundet war, aber den Zionismus ablehnte.

    Schnitzler ist einer der wenigen, die bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs nicht „mit klingendem Spiel“ in die Kriegsbegeisterung einstimmt. Das macht ihn richtig sympathisch. Doch sonst ist in diesem Buch wenig von der Persönlichkeit Schnitzlers, dem „Anatom des Fin de Siècle“ zu spüren.
    Die vielen Fotos, Zeitungsausschnitte und persönliche Briefe ergänzen das Buch.

    Fazit:

    Der Mensch, Liebhaber, Ehemann und Vater, Arthur Schnitzler bleibt mir nach wie vor verborgen. Ich kann leider nur zwei Sterne vergeben.

    Kommentare: 3
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    Kopf-Kinos avatar
    Kopf-Kinovor 2 Jahren
    Enttäuschung nach Verzückung

    Arthur Schnitzler (1862 – 1931) gilt als einer der größten Dramatiker seiner Zeit und bedeutsamster Vertreter der Wiener Moderne. Mit kritischen und für die damalige Zeit „provokanten“ wie „skandalösen“ Werken, wie beispielsweise 'Lieutenant Gustl' oder „Der Reigen“, hinterließ er nicht nur bedeutsame Spuren in der deutschsprachigen Literaturgeschichte, sondern skizzierte ebenfalls ein Portrait der damaligen Gesellschaft samt Doppelmoral. Das vorliegende Buch beschäftigt sich laut Klappentext als „umfassende Biografie“ mit Schnitzlers Leben, Werken und Wirken.

    Bevor ich auf Einzelheiten zu sprechen komme, möchte ich vorab erwähnen, dass mir eine Rezension samt Bewertung selten so schwer fiel wie bei diesem Buch. Woran das lag, wird im Folgenden (hoffentlich) deutlich.

    Bestenfalls beginne ich mit meinen Erwartungen, die ich an Biographien stelle, damit, was ich mir beim Lesen jenes Genres verspreche: Von einer Biographie erhoffe ich mir einen tieferen Einblick in das Leben der jeweiligen porträtierten Person, um ein Gefühl, was für ein Mensch diese Person war, zu bekommen. Leider blieb mir Schnitzler nach Beendigung des Buches viel zu blass. Zwar werden viele Daten und Fakten seines Lebens benannt, aber – meiner Meinung nach - tendenziell selten beleuchtet. Ich fühlte mich beim Lesen eher an einen Wikipedia-Artikel erinnert: Ereignis reiht sich schal an Ereignis. Ein ähnliches Schema lässt sich ebenfalls bei den meist kurzen Zusammenfassungen seiner Werke vorfinden – dazu aber später mehr.

    In diesem Punkt enttäuschte mich das als Biographie beworbene Buch. Was aber ist es dann? Die Herangehensweise des Autors und einige Textstellen weckten bei mir zunehmend den Eindruck, ein literaturwissenschaftliches Werk in Händen zu halten, da es unter anderem auf (teils unveröffentlichte) Dissertationen verwies oder Vorwissen voraussetzte. Gleichzeitig jedoch blendete das Buch Punkte, wie beispielsweise den gegenseitigen Einfluss von Freud und Schnitzler oder die ambivalente Freundschaft zwischen Schnitzler und Hoffmannsthal, aus, was mich in der Mischung bezüglich Letzteres wiederum mehr sehr irritierte.

    Irritierend fand ich manchmal ebenfalls die Wahl der Kapitelüberschriften, da diese mit falschen Erwartungen spielten und mich schließlich nur enttäuschen konnten. Beispiel: Ein großes Kapitel trägt den Titel 'Aufstieg zum Ruhm: Leutnant Gustl und […]', aber alles, was ich zum besagten Werk bekam, war eine mehr als knappe Zusammenfassung und den Hinweis, dass bereits andere Forschungen sich zu Genüge damit auseinandergesetzt hätten. Somit setzte Haberich einen Punkt zu diesem groß angekündigten Thema und ließ mich mit hochgezogenen Augenbrauen zurück. Hierbei war ich nicht nur enttäuscht, sondern legte sogar das Buch für einen Tag wütend beiseite. Um nicht ungerecht zu sein, möchte ich einräumen, dass eine Handvoll andere Werke, wie beispielseweise „Professor Bernardi“ näher betrachtet werden, was mich zum Schwerpunkt dieser „Biographie“ kommen lässt.

    Das Buch geht der Frage, wie Schnitzler dem damalig aufkeimenden und mehr als deutlich gelebten Antisemitismus gegenüberstand und seine Identität als gebürtiger Österreicher mit jüdischer Herkunft definierte, gut und nachvollziehbar auf den Grund. Um die prekäre Lage zu verdeutlichen, streut Haberich im gesamten Verlauf des Buches Einblicke in den gesellschaftlich-politischen Kontext ein, was ich sehr begrüßte. Hier sehe ich die klaren Stärken des Buches, da hierbei Schnitzler und das eine oder andere betreffende Werk tatsächlich an Tiefe gewinnen. Über die Schwächen des Buches konnte mich dies summa summarum dennoch nicht hinwegtrösten.

    Bereichernd fand ich die eingebauten Zeitungsartikel, Tagebucheinträge und Briefe; besonders im Anhang bekommt der geneigte Leser zahlreiche Auszüge aus dem Briefwechsel zwischen Schnitzler und seiner Frau Olga. Schade wiederum fand ich, dass Haberich auf Widersprüche zwischen Schnitzlers eigenem Verhalten und den Idealen seiner Werke weder einging noch darauf hinwies. Zwar bin ich nicht der Meinung, dass ein Buch dem Leser alles vorkauen sollte, aber einen kleinen Schubs erwarte ich dann doch, zumindest dann, wenn es um Zusammenhänge aus dem Vollen geht.

    Abschließend möchte ich sagen, dass ich dank des Buches einiges Interessantes für mich entdecken konnte, aber gleichzeitig Mängel und Luft nach oben sehe. Eine „umfassende Biographie“ hielt ich hier bei bestem Willen nicht in Händen. Unklar bleibt, wer die „richtige“ Leserschaft für dieses Buch sein soll. Das Fachpublikum bräuchte das ganze Drumherum wohl nicht, zumal auf einige Themen nicht eingegangen wird. Was nun? Im Vorwort wird erwähnt, dass man das Buch als Begleitbuch zum Gesamtwerk Schnitzlers lesen könne – aber weshalb dann die zahlreichen Zusammenfassungen? Beim Lesen hatte ich vermehrt den Eindruck, dass die (gut geschriebenen) Schwerpunkte des Buches bereits unter Dach und Fach waren und erst im Nachhinein alles andere drumherum „gebastelt“ wurde – und siehe da, die Danksagung bekräftigt meinen Eindruck indirekt...

    Ich möchte dem Autor nicht unterstellen, keine Recherchearbeit geleistet zu haben, aber für mich war dieses Buch weder Fisch noch Fleisch. Schade, da Schnitzler gewiss eine spannende Person mit Licht- und Schattenseiten war. Von mir gibt es deshalb 2,5 Sterne.

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    VroniMarss avatar
    VroniMarsvor 2 Jahren
    Eine Werksgeschiche für das literaturwissenschaftsinteressierte Publikum


    In Max Haberichs Biographie über den österreichischen Autor Arthur Schnitzler wird dieser und sein Werk beleuchtet. Dabei werden auch bisher unberücksichtigte Quellen herangezogen wie Korrespondenz zwischen dem Jahrhundert-Autor und seiner Frau Olga. 


    In vierzehn Kapitel (inkl. Prolog und Epilog) wird das Leben des jüdischen Autors und seine Werksgeschichte dargestellt. Dabei sind die einzelnen Kapiteln in kürzere Abschnitte untergliedert. Der historische und literarische Kontext wird jeweils erläutert, so dass man einen guten zeitgenössischen Eindruck bekommt. Zudem werden besondere Erlebnisse oder entscheidende Einflüsse bzw. Personen aus dem Leben des Schriftstellers aufgeführt und in Beziehung zu seinen zahlreichen Werken gesetzt. Unvorteilhaft empfinde ich die Aneinanderreihung von Inhaltsangaben seiner sämtlichen Werke. Der Fokus auf die bedeutendsten Werke und der Verweis auf die anderen hätten mir persönlich genügt. Durchbrochen wird der Text durch einige Fotografien des Autors und hauptsächlich seiner Familie genauso wie durch Zitate aus dem Tagebuch Schnitzlers, seinen Briefen und Werken, aber auch aus anderen zeitgenössischen Schriften. Deutlich für mich geworden sind Schnitzlers Position zu seiner jüdischen Herkunft und die Auseinandersetzung mit dem wachsenden Antisemitismus genauso wie sein differenziertes, durchaus modernes Frauenbild.


    Haberich fokussiert sich sehr auf den Zusammenhang zwischen Schnitzlers Leben und der fiktionalen Umsetzung. Obwohl es sich hier um eine Biographie handelt / handeln soll, hab ich das Gefühl, den Autor noch nicht richtig kennengelernt zu haben. Die Inhaltsangaben nehmen einfach zu viel Raum ein, weshalb ich dieses Buch eher als Werksgeschichte bezeichnen möchte. Von großem Vorteil ist es deshalb bereits einige Dramen und Erzählungen Schnitzlers rezipiert zu haben. Für andere wird es sich schwieriger gestalten, hier am Ball zu bleiben. Meiner Meinung nach ist dieses Buch vor allem an Germanisten bzw. Leser, die sich ausführlich mit Literaturgeschichte beschäftigt haben, adressiert. Das habe ich besonders an manchen Stellen gemerkt, die ein gewisses Vorwissen voraussetzen. Ein Durchschnittsleser wird wahrscheinlich weniger Gefallen daran finden. 

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Verlag_Kremayr-Scheriaus avatar

    Worum geht's?

    Schnitzler wird bis heute als der Dichter literarischer Grazie und unverbindlicher Erotik betrachtet. In Wirklichkeit zeigt sich bereits in seinen frühen Dramen beißende Sozialkritik an der bürgerlichen Doppelmoral seiner Zeit und an der Ausbeutung junger Frauen. Wie kaum ein anderer entlarvte er die wohlhabenden, unbeschäftigten Lebemänner und die Leere vieler zwischenmenschlicher Beziehungen.

    Max Haberich hat an der Universität Cambridge über Schnitzler promoviert, hat die Quellen dort und im Literaturarchiv Marbach durchforstet, vor allem auch jene, die in den bisherigen Schnitzler-Biografien noch nicht berücksichtigt werden konnten – etwa die ausführliche Korrespondenz mit seiner Frau Olga. Dadurch ist es Max Haberich möglich, den Jahrhundert- Autor in einem völlig neuen Licht zu zeigen: als sozialkritischen Autor, der sich über Jahrzehnte mit seiner jüdischen Herkunft auseinandersetzte und mit messerscharfer Beobachtung den stetig zunehmenden Antisemitismus in den Blick nahm.


    Max Haberich


    geboren 1984 in Philadelphia, USA, aufgewachsen in Hawaii und München. Studium der Geschichte, Kunstgeschichte und Neueren deutschen Literatur in York, Aix-en-Provence und Tübingen. Promotion an der Universität Cambridge über die deutsch-jüdische Identität von Arthur Schnitzler und Jakob Wassermann. Derzeit bereitet er sein nächstes wissenschaftliches Projekt zur Entstehung einer deutschen kulturellen Identität im späten 18. Jahrhundert vor.



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    Letzter Beitrag von  Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr
    das Nachwort fand ich ganz griffig. runder Abschluss
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