Die Sache mit Peter

von Max Meier-Jobst 
5,0 Sterne bei1 Bewertungen
Die Sache mit Peter
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Faszinierend, aber auch erschreckend. Trotz kleiner Fehler gut geschrieben, vor allem sehr realistisch. Werde noch lange drüber nachdenken.

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Inhaltsangabe zu "Die Sache mit Peter"

Seit seinem sechsten Lebensjahr ist dem Jungen bewusst, dass er schwul ist (auch wenn er damals noch nicht einmal das Wort dafür kannte). Und bereits mit dreizehn verliert er seine Unschuld - an den 30-jährigen Peter. Davor: eine scheinbar normale Kindheit, zumindest nach außen hin, mit Fußball, Videospielen, Raufereien, geheimen Schwärmereien, ersten Küssen und Kippen, verbotenem Pornokonsum und leider auch einem zerfallenden Elternhaus in einer brüchigen Vorstadt-Reihenhausidylle. Danach: eine Achterbahnfahrt namens Pubertät, erschwert vom eigenen Anderssein, einem unmöglich erscheinenden Coming Out und natürlich durch die heimliche Beziehung mit dem großen Freund.
Eine Geschichte nicht nur von Grenzen, die fließend sind und dennoch leicht verletzbar. Sondern tatsächlich auch von Liebe. Und ein Roman, der - obwohl von einem Profi geschrieben - von großen Verlagen abgelehnt wurde, weil er ohne ein Blatt vor dem Mund mit einem der letzten Tabus bricht: dem Aufdecken der Grauzone zwischen erster Liebe und sexuellem Missbrauch, zwischen Homosexualität und Pädophilie.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783743141841
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:348 Seiten
Verlag:Books on Demand
Erscheinungsdatum:14.02.2017

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    Cirillavor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Faszinierend, aber auch erschreckend. Trotz kleiner Fehler gut geschrieben, vor allem sehr realistisch. Werde noch lange drüber nachdenken.
    Faszinierend - aber auch erschreckend


    Soeben habe ich Die Sache mit Peter beendet - nachdem ich es ein Wochenende lang überhaupt nicht aus der Hand legen konnte. 
    Ich bin mit gemischten Gefühlen an das Buch herangegangen, da das Thema sehr heikel und, so wie ich das verstanden habe, zumindest zum Teil (wenn nicht sogar ganz) autobiografisch ist. 
    Aber ich bin keine Schwarz-Weiß-Denkerin, im Gegenteil. Ich schaue gerne hinter die Fassade, höre mir immer alle Seiten an und bilde mir dann meine Meinung. 

    Der Junge, unser Protagonist ohne Namen, lässt uns in der Ich-Perspektive an einem Stück seiner Kindheit teilhaben.
    Es beginnt noch eine ganze Weile vor Peter, mit den ersten Gefühlen für das eigene Geschlecht, der ersten Schwärmerei, den erwachenden sexuellen Gefühlen, dem ersten Pornokonsum, dem Internet, der Familie, den Freunden, dem Fußballtraining, der Schule... all das war so realistisch beschrieben, dass ich mich in meine eigene Kindheit der 90er zurückversetzt fühlte.
    Ich gehöre auch zur LGBT-Community... als B(i).
    Diese Seite an mir habe ich zwar lange ignoriert und unterdrückt, trotzdem konnte ich mich in der Verliebtheit, den Gefühlen, Wünschen und der Neugier des Jungen wiederfinden und bin heute sehr glücklich damit. 
    Bei diesem Teil der Geschichte hatte ich nicht nur nostalgische Gefühle, sondern musste auch öfter über den gekonnt eingestreuten Humor schmunzeln. 

    Die Familiensituation fühlte sich einfach so echt an. Ich hatte abwechselnd Mitleid mit Mutter, Vater und natürlich auch dem Jungen. Es gab heftige Probleme, die aber zum Glück nicht komplett überdramatisiert waren. 
    Meine Heldin war die ältere Schwester, die zwar faul, rotzig und frech sein konnte, aber eben auch wahnsinnig unabhängig, mutig und sogar liebevoll. 
    Danni, den besten Freund des Protagonisten, mochte ich auch richtig gern.

    Am besten gefallen hat mir aber, dass der Fokus hier ganz und gar auf dem Jungen lag und alle aufkommenden Gefühle aus seiner Sicht geschildert waren. Vor allem das sexuelle Erwachen, das recht früh beginnt... oder eben nicht, denn natürlich haben bereits Kinder schon eine Sexualität. Das können Erwachsene so scheiße finden, wie sie wollen, ändern tut es daran nichts. 
    Der Junge hat niemanden, um darüber zu reden, was für ein Kind schon schlimm genug ist. Wenn dann noch die Homosexualität hinzu kommt, wird es richtig schwierig.
    Leider sind "Homo", "schwul" und "Schwuchtel" ja bis heute Schimpfwörter - was mich richtig abnervt und von mir immer und überall vehement ausgebremst wird, sollte ich es hören. 
    Trotzdem kein Wunder, dass der Junge eine internalisierte Homophobie entwickelt, "Tunten" nicht ausstehen kann und diese Wörter selbst benutzt, um andere zu beleidigen.  

    Peter taucht dann erst nach über 40% der Story auf.
    Die Schilderung der Beziehung zwischen den beiden war gut: Eine zarte Freundschaft auf dem Bolzplatz, das immer größer werdende Vertrauen, die Neugier, Aufregung und Erregung des Jungen.
    Peter ist kein grausames Monster, er liebt ihn aufrichtig, will eigentlich das Beste für ihn und leidet selbst unter seiner Neigung.
    Zwischen den beiden entwickelte sich mehr und ich war stille Beobachterin mit (wieder mal) gemischten Gefühlen. 

    Und an der Stelle komme ich zu Punkten, die ich ein bisschen kritisieren muss, für die ich aber keinen Stern abziehe, weil mich das Buch einfach so extrem gefesselt und mir eine neue Sichtweise eröffnet hat. 

    Das erste Stichwort ist Consent (kleiner Spoiler). Peter fragt zwar immer wieder nach, ob das in Ordnung so ist, was er macht, allerdings antwortet der Junge nicht immer, zuckt mit den Schultern oder schweigt. Für mich extrem grenzwertig, weil keine richtige Zustimmung.
    Später läuft dann alles viel einvernehmlicher und damit konnte ich dann überraschenderweise auch gut leben.
    Eine Szene allerdings, in der Peter viel zu weit geht, war für mich leider eindeutig eine Vergewaltigung und schwer zu ertragen - so kurz sie auch war und trotz Entschuldigung hinterher.

    Zum zweiten geht es mir um den Schreibstil. Der war wirklich gut, ich war komplett drin in der Story. Allerdings hat sich so einige male der Fehlerteufel eingeschlichen: Wörter stehen doppelt da, ein Buchstabe fehlt oder es ist ein Dreher drin... da müsste man nochmal drüber gucken. 

    Punkt drei ist das Ende (Spoiler!). Es liest sich als wären der Junge und Peter nach all den Jahren noch zusammen und Peter befriedigt seine Neigung mit... Pornos?
    (Bei denen mir ehrlich gesagt schon beim Gedanken daran richtig schlecht wird...)
    Dafür steht doch der Keller, oder? Vielleicht ist das auch nur meine Interpretation. 
    Wenn es autobiografisch ist, dann ist es eben so und der Autor war ehrlich. Befremdlich finde ich es trotzdem, bei allem Verständnis, das ich für beide aufbringen kann. Sorry. 
    Ein paar lose Enden und ungeklärte Fragen sind leider auch geblieben (was wurde z.B. aus der Familie, wie haben sie reagiert, ist der Kontakt abgebrochen, was wurde aus Danni etc). Obwohl ich natürlich verstehe, dass der Autor die Menschen in seiner Umgebung schützen und nicht zu viel verraten will. (Spoiler Ende!)

    Beim letzten Punkt geht es mir einfach nur nochmal darum, deutlich zu sagen, dass Homosexualität nicht gleich Pädophilie ist!
    Pädophile sind tatsächlich häufiger hetero-, als homosexuell, das eine hat mit dem anderen also nichts zu tun. Neigung und Orientierung sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe und das weiß auch der Autor, der hier sicher nicht versucht hat, irgendwas zu verallgemeinern. Ich schreibe es nur dazu, weil ich mich in meiner längeren Aktivismuszeit extrem oft mit Homophobie konfrontiert sah, die Homosexualität (bei Männern) mit Pädophilie, bzw. noch schlimmer: mit Kindesmissbrauch, gleichsetzte. Das ist natürlich totaler Bullshit!

    Mein Fazit: Das Buch war spannend, aufwühlend, augenöffnend, faszinierend, erschreckend und teilweise sehr schwer zu lesen, da ich natürlich vieles überhaupt nicht gutheiße. 
    Ich hatte tausend (auch sehr negative) Gefühle beim Lesen, konnte es kaum weglegen und werde wohl noch eine ganze Weile viel darüber nachdenken.
    Ich würde es allen empfehlen, die keine starren Weltbilder, dafür aber ein offenes Herz und einen offenen Geist haben und bereit sind, über den Tellerrand zu schauen.
    Wer jedoch beim Gedanken an sehr junge Menschen, die ihre Sexualität entdecken (und ausleben, teils mit älteren) schon wieder Schnappatmung bekommt, sollte es besser lassen. 


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