Seite für Seite vergräbt Max Oravin seine Handlung in inneren Monologen, die in der Zeitachse ein absolutes Chaos verursachen und den Lesenden maximal herausfordern. Toni und Toni sind ein Paar, dass bei einem Tanzwettkampf versagt und jeder für sich daraufhin in seiner Welt verschwindet. Aus Sicht des Protagonisten werden die Erlebnisse, doch vor allem die eigenen Gedanken und Gefühle in Ketten von sprachlichen Bildern erzählt. Chapeau vor dieser Autorenleistung, die die Worte zeitweise ganz ohne Interpunktionen über mehrere Seiten hinweg zu einem anschaulichen Gebilde aneinanderreihen. Doch leider wird das Potenzial der menschlichen Beziehung von Toni und Toni zueinander nicht ausgeschöpft. Die weibliche Toni ist letztlich nur ein Beiwerk, damit der männliche Toni einen Grund hat, in den Tiefen seiner teils depressiv wirkenden Gedanken zu versinken.
Max Oravin
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Toni & Toni
Neue Rezensionen zu Max Oravin
Toni & Toni. Ein Paar. Ein Paar, welches in einem Drama festsitzt, dass sich nach und nach vor den Lesenden entfaltet. Antonia und Thomas finden über ein Tanzprojekt zueinander, Sie, die Tänzerin und er, der Pförtner. Sie sind ungleich, zumindest könnte man durch ihre Lebensläufe darauf kommen. Doch sind sie das wirklich? Denn irgendetwas verbindet sie ja anscheinend auch. Und diese Verbindung ist stark, auch wenn sie momentan auf etwas wackelnden Füßen steht. Sie erleben und durchleben die Obsession, in vielfältiger Weise. Nicht nur im Tanz, ebenso in ihren Gefühlswelten oder in ihren Lebenswelten, aber auch im Substanzmissbrauch. Und diese Bereitschaft zur Obsession hat ja bei beiden ihre Gründe, ihre Ursachen. Einiges davon wird angeschnitten in dem kurzen Text, anderes kann man sich wieder denken. Ein Drama lässt das Dunkle in ihnen wieder in den Vordergrund treten, beide durchleben diese Dunkelheit anders, vielleicht ist nicht unbedingt immer ein vollkommenes Verständnis für den Anderen da, aber eine Akzeptanz durchaus. Und sie bleiben beieinander. Keiner geht. Keiner flieht. Was ja auch auf eine Verbindung hindeutet.
Sehr gefallen an dem Text hat mir die Intensität und der Sog der Schreibe. Sehr gefallen hat mir die Zeichnung der beiden Charaktere. Hier wird ein Istzustand gezeichnet, der auf seine Entstehung schaut, aber weniger auf den Weg hier heraus. Dies könnte man als Mängel begreifen. Ich für mich mache dies jedoch nicht. Denn Toni & Toni bilden für mich trotz des erlittenen Dramas irgendwie auch eine Einheit, die doch so einiges verbindet. Sehr gefallen hat mir die Gestaltung der Charaktere, trotz der Kürze des Textes geraten beide recht greifbar. Ich fühle eine gewisse Nähe. Ich komme nicht zum Brennen, dies nicht. Aber diese Nähe in mir empfinde ich als durchaus ausreichend. Ansonsten hat mir die Zeichnung der beiden Persönlichkeiten, der beiden Tonis sehr gefallen. Es hat mir sehr gefallen, dass der Autor hier die Leser ins Dunkle schauen lässt und damit eine dunkle Welt anderen greifbar und erlebbar macht. Selbstverletzungen, Depressionen und Substanzmissbrauch erlebe ich in meinem Arbeitsfeld ständig, andere kennen so etwas nicht, Bücher darüber vermitteln nützliches Wissen. Denn die Betroffenen sind halt nicht die Anderen, wir alle sind selbst nur kurze Schritte davon entfernt. Dies muss uns bewusst werden. Die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen muss aufhören. Denn wir alle sind eben diese Anderen.
„Toni & Toni“ wirft einen Blick auf Dinge, die in unserer Welt oft und gern ausgeblendet werden, und deshalb und wegen der echt gut gelungenen Zeichnung von Toni & Toni empfehle ich dieses Buch. Nun wird „Toni & Toni“ nicht jedem gefallen, man sollte schon eine gewisse Vorliebe für psychiatrische/psychologische Prozesse mitbringen.
Max Oravins Werk lässt sich schwerlich als klassischer Roman bezeichnen – vielmehr gleicht es einem Strom eines inneren Monologs, der sich unaufhaltsam über die Lesenden ergießt. Im Zentrum stehen zwei Tonis: eine verletzliche Tänzerin mit selbst zugefügten Narben und ein Philosophie-Absolvent, der sich dem Zen und Buddhismus verschrieben hat. Ihre Geschichte wird uns erzählt - in einem sprachlich dichten, oft fordernden Text.
Hat man sich einmal auf den Stil eingelassen, entfaltet das Buch eine eigentümliche Sogwirkung. Dennoch gerät man gelegentlich ins Straucheln: Die Zeitebenen wechseln abrupt, oft ohne klare Orientierung – Vergangenheit, Gegenwart, Erinnerung und Reflexion verschwimmen. Diese Unschärfe hat mich stellenweise aus dem Lesefluss gerissen. Insgesamt aber bleibt ein intensives, lohnendes Leseerlebnis zurück.
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