Max Porter

 3.9 Sterne bei 17 Bewertungen

Lebenslauf von Max Porter

Max Porter wurde 1981 geboren und studierte Kunstgeschichte. Als unabhängiger, leidenschaftlicher Buchhändler brachte ihm den Young Bookseller of the Year Award ein. Seit 2012 ist er Lektor bei Granta Books. Sein Roman "Trauer ist das Ding mit Federn" ist sein schriftstellerisches Debüt.

Neue Bücher

Lanny

Erscheint am 11.03.2019 als Hardcover bei Kein & Aber.

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Trauer ist das Ding mit Federn

Trauer ist das Ding mit Federn

 (9)
Erschienen am 16.04.2018
Lanny

Lanny

 (0)
Erschienen am 11.03.2019
Grief is the Thing with Feathers

Grief is the Thing with Feathers

 (8)
Erschienen am 25.08.2016

Neue Rezensionen zu Max Porter

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killmonotonys avatar

Rezension zu "Trauer ist das Ding mit Federn" von Max Porter

Rezension: Trauer ist das Ding mit Federn
killmonotonyvor 6 Monaten

Bei der Übersicht der neuen Kein & Aber Pockets ist mir ein Buch besonders ins Auge gefallen: Max Porters „Trauer ist das Ding mit Federn“. Dieser dünne Band mit dem ansprechenden Titel (und orangem Seitenschnitt!) zog nach Lektüre des Klappentextes bald bei mir ein. Es geht um eine Familie mit zwei Kindern, die nach dem plötzlichen Tod der Mutter wieder zurück in die Normalität, in den Alltag, finden müssen, und dazu müssen sie ihre Trauer hinter sich lassen. Eines Tages, nicht allzu lange nach dem Todesfall, klingelt es an der Haustür und der Vater wird überrumpelt von einer grausigen Gestalt, die bei genauerem Betrachten eine Krähe ist, die so lange bleiben will, bis die Familie ihre Trauer bewältigt hat. Von da an gestaltet sich der Tagesablauf der Familie recht ungewöhnlich, wohnt doch nun eine fluchende, derbe, makabere Krähe unter ihnen, die keine Gelegenheit auslässt, den Vater und die Zwillinge von ihrer Depression und Wut abzulenken, um sie ihnen im nächsten Moment mitten ins Gesicht zu reiben. In wechselnden Perspektiven erfahren wir, wie das Zusammenleben mit Krähe (ohne Artikel) abläuft und ob es auch tatsächlich funktioniert. Denn Krähe kann sich auf einen großen Erfahrungsschatz berufen, munter erzählt er (Ja, Krähe ist männlich) von anderen Trauernden, die ihr Schicksal weniger gut aufgenommen haben.

Nach-vorne-Schauen als Konzept ist für Deppen, denn jeder vernünftige Mensch weiß, dass Trauer ein Langzeitprojekt ist. Ich werde nicht überstürzen. Es bremse, beschleunige oder nehme niemand den Schmerz, den wir leiden.

Max Porters Debütroman zeichnet eine ganz besondere Sprache aus. In kurzen, stilistisch von poetisch oder beobachtend bis lyrisch wechselnden Kapitel lernen wir die vier Charaktere kennen und können ihre Heilung verfolgen. Während der Vater eher pragmatisch denkt und teilweise erschrocken über seine eigenen Gedanken ist, beispielsweise wenn er realisiert, dass er sich nun ab sofort bis in alle Zeit allein um die beiden Söhne kümmern muss, ist Krähe umso makabrer — wobei sein Ton stets diffus, direkt und oft auch ziemlich derb ist. (»VOGELFEDERN IN DEINER SPALTE, DEINEM SCHWANZAUGE, DEINEM MAUL […] Ich setzte meine Klaue auf seinen Augapfel und erwog Ausstechen, aus Jux oder Mitleid.«)

Ob Krähe ein physischer Charakter ist oder nicht, ist schwierig zu beurteilen, da er seine Gestalt verändern kann und an mehreren Passagen offenbar nicht von den Familienmitgliedern wahrgenommen wird. Aber Krähe überwacht „seine“ Familie, hat sie im Auge, schaut, dass sie ihre Trauer hinter sich lassen. Und auf jeden Fall ist Krähe einer der herausstechendsten literarischen Charaktere, die mir je begegnet sind. Sein Wahnsinn, sein Ekel-Faktor (s. Zitat oben), natürlich seine tierische Art (er ist und bleibt ja eine Krähe, so personifiziert er auch sein mag), seine Erzählungen und „Weisheiten“, die oftmals komplett sinnfrei sind und den Vater nur verwirren — Krähe ist ein wunderbar gezeichneter Charakter. So muss es sein! Trotz der Kürze des Buchs (126 Seiten) lag mir Krähe bereits nach wenigen Seiten am Herzen, und wenn man dann weiterliest, wird einem warm ums Herz bei den Dingen, die er für die Familie tut.

Die vollständige Rezension findet ihr auf dem Blog: https://killmonotony.de/rezension/max-porter-trauer-ist-das-ding-mit-federn

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The iron butterflys avatar

Rezension zu "Grief is the Thing with Feathers" von Max Porter

It asked a crumb - of me
The iron butterflyvor 7 Monaten

London. There are these two young boys, too young to face the depth and consequences of a final loss, but old enough to see, hear and feel the father suffer the grief over his own loss. There are too many doors, too many walls, to find a common way to feel sad, to cry or to give a smile to each other by sharing memories of their beloved mum and partner. It comes, Crow finds these grieving boys and dad and he grabs the chance of being the healer, the supporter, a babysitter and rough partner in crime againgst the deepest sadness.

Max Porters concept maybe deep black, playing with the readers’ point of pain, but it is written with a heart full of deep emotions, humour behind tears and a lot of hopefulness. A book to think & talk about.

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letusreadsomebookss avatar

Rezension zu "Trauer ist das Ding mit Federn" von Max Porter

Die Krähe als Trauertherapeut
letusreadsomebooksvor einem Jahr

Moving on, as a concept, is for stupid people, because any sensible person knows grief is a long-term project.

Als die Ehefrau des nur als Dad bekannten Protagonisten einen plötzlichen Unfalltod stirbt, bricht für ihn und seine beiden Söhne eine Welt zusammen. Doch schnell tritt ein anderes Wesen in ihr Leben: die Krähe. Sie bleibt bei der Familie und unterstützt sie in ihrer Trauer, bis sie die Krähe nicht mehr brauchen. Bis dahin erzählen abwechselnd der Vater, die Söhne sowie die Krähe aus ihrem gemeinsamen Alltag.

Once upon a time there was a demon who fed

on grief. The delicious aroma of raw shock and

unexpected loss came wafting from the doors and

windows of a widower’s sad home.

Trauer ist das Ding mit Federn von Max Porter ist mit 128 Seiten ein äußert kurzes literarisches Debüt, allerdings auch ein ganz besonderes. Es ist weder Roman noch eine ‚richtige‘ Erzählung. Kapitel aus der Sicht der Krähe, der Jungs und des Vaters reihen sich aneinander, sind manchmal beobachtend, mal poetisch bis lyrisch. Manchmal wird über den Tod philosophiert, ein anderes Mal über das Leben. Nicht immer ist sofort klar, ob es sich um Realität oder Traum handelt, besonders in den Kapiteln der Jungs. Die Krähe versucht sich gerne an Allegorien, die dann doch wenig hilfreich sind oder auch komplett aus dem Ruder laufen.

Die Krähe ist einer der wunderbarsten literarischen Charaktere, die mir in der letzten Zeit begegnet sind. Sie ist viel größer als eine normale Krähe, hat einen wirklich seltsamen Humor, liebt es, mit Worten zu spielen und ist, trotz ihrer Intelligenz und Weisheit, auch ziemlich verrückt. Als sie eines Abends an der Tür klingelt, kündigt sie an: I won’t leave until you don’t need me anymore. Das klingt erst einmal mehr nach einer Drohung als nach einem Versprechen. Doch nach und nach bemerken der Vater und seine Söhne, dass die Anwesenheit der Krähe ihnen dabei hilft, den Alltag ohne Mutter zu bewältigen, die Leere zu akzeptieren und mit ihrer Trauer zurechtzukommen.

I missed her so much that I wanted to build a

hundred-foot memorial to her with my bare hands. I

wanted to see her sitting in a vast stone chair in Hyde

Park, enjoying her view. Everybody passing could

comprehend how much I miss her. How physical

my missing is. I miss her so much it is a vast golden

prince, a concert hall, a thousand trees, a lake, nine

thousand buses, a million cars, twenty million birds

and more. The whole city is my missing her.

 

Eugh, said Crow, you sound like a fridge magnet.

Überwältigende Emotionen und der sehr spezielle Humor der Krähe liegen oft so nah beieinander, dass man gar nicht weiß, ob man nun weinen oder lachen soll, vielleicht beides nacheinander oder auch gleichzeitig. Die Krähe ist ein vielseitiges Symbol: sie ist ein Omen des Todes und der Veränderung, verkörpert aber auch den weisen Wanderer, der verirrten Wandersleuten (dem Vater und seinen Söhnen) den Weg weist. In der keltischen Mythologie überbringt die Krähe Botschaften aus der Anderswelt bzw. aus dem Jenseits. Im indianischen Horoskop steht die Krähe für Ausdauer, Spontaneität und Erfindungsreichtum – alles Eigenschaften, die auch die Krähe in dieser Geschichte vereint. Allen voran allerdings ist die Krähe eine Erfindung des englischen Dichters und Schriftstellers Ted Hughes, der einen Gedichtband namens Crow: From the Life and Songs of the Crow (1970) geschrieben hat. Porters Titel ist übrigens eine Modifikation von Emily Dickinsons Gedicht Hope is the thing with feathers (zu Deutsch: Die Hoffnung ist das Federding).

MAN I would be done grieving?

BIRD No, not at all. You were done being hopeless.

Grieving is something you’re still doing, and

something you don’t need a crow for.

Max Porter zeigt uns in seinem kurzen, aber dennoch bedeutungsvollen und emotionalen Roman Trauer ist das Ding mit Federn die verschiedenen Arten der Trauer und ihrer Bewältigung. Leben und Tod, Verzweiflung und Witz stehen sich direkt gegenüber. Vor allen Dingen der unglaublich kreative und gelungen konstruierte Charakter der Krähe sticht hervor und hindert durch seine Skurrilität das ein oder andere Mal die Tränen am Fallen – zumindest, bis sich das Weinen in der Schlussszene nicht mehr länger vermeiden lässt. Ein berührendes, trauriges, lustiges und im allerbesten Sinne merkwürdiges kleines Büchlein, das uns zeigt, dass auch Trauer und Schmerz ihre Zeit brauchen.

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