Max Porter Trauer ist das Ding mit Federn

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Inhaltsangabe zu „Trauer ist das Ding mit Federn“ von Max Porter

Eine junge Frau ist gestorben. Ihre Kinder, zwei kleine Jungen, und ihr Mann sind noch betäubt vom Schock, haben haufenweise Beileidsbekundungen und Lasagne zum Aufwärmen entgegengenommen, die notwendigen Dinge organisiert, und nun setzt die unerträgliche Leere ein. Da klingelt es an der Tür. Totenschwarz und gefiedert bricht es herein, packt den Vater und verkündet: "Ich gehe erst wieder, wenn du mich nicht mehr brauchst." Die überlebensgroße Krähe nistet sich rücksichtslos in der Familie ein, meldet sich mit drastischem Witz zu Wort und wird dabei zu einer Art subversivem Therapeuten, eine herrlich anarchische Mary Poppins. Max Porter ist ein bildmächtiges, wildes Buch über die Trauer gelungen.

Ein berührendes, trauriges, lustiges und im allerbesten Sinne merkwürdiges kleines Büchlein über Trauer und ihre Verarbeitung.

— letusreadsomebooks
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  • Die Krähe als Trauertherapeut

    Trauer ist das Ding mit Federn
    letusreadsomebooks

    letusreadsomebooks

    01. August 2017 um 14:31

    Moving on, as a concept, is for stupid people, because any sensible person knows grief is a long-term project. Als die Ehefrau des nur als Dad bekannten Protagonisten einen plötzlichen Unfalltod stirbt, bricht für ihn und seine beiden Söhne eine Welt zusammen. Doch schnell tritt ein anderes Wesen in ihr Leben: die Krähe. Sie bleibt bei der Familie und unterstützt sie in ihrer Trauer, bis sie die Krähe nicht mehr brauchen. Bis dahin erzählen abwechselnd der Vater, die Söhne sowie die Krähe aus ihrem gemeinsamen Alltag. Once upon a time there was a demon who fed on grief. The delicious aroma of raw shock and unexpected loss came wafting from the doors and windows of a widower’s sad home. Trauer ist das Ding mit Federn von Max Porter ist mit 128 Seiten ein äußert kurzes literarisches Debüt, allerdings auch ein ganz besonderes. Es ist weder Roman noch eine ‚richtige‘ Erzählung. Kapitel aus der Sicht der Krähe, der Jungs und des Vaters reihen sich aneinander, sind manchmal beobachtend, mal poetisch bis lyrisch. Manchmal wird über den Tod philosophiert, ein anderes Mal über das Leben. Nicht immer ist sofort klar, ob es sich um Realität oder Traum handelt, besonders in den Kapiteln der Jungs. Die Krähe versucht sich gerne an Allegorien, die dann doch wenig hilfreich sind oder auch komplett aus dem Ruder laufen. Die Krähe ist einer der wunderbarsten literarischen Charaktere, die mir in der letzten Zeit begegnet sind. Sie ist viel größer als eine normale Krähe, hat einen wirklich seltsamen Humor, liebt es, mit Worten zu spielen und ist, trotz ihrer Intelligenz und Weisheit, auch ziemlich verrückt. Als sie eines Abends an der Tür klingelt, kündigt sie an: I won’t leave until you don’t need me anymore. Das klingt erst einmal mehr nach einer Drohung als nach einem Versprechen. Doch nach und nach bemerken der Vater und seine Söhne, dass die Anwesenheit der Krähe ihnen dabei hilft, den Alltag ohne Mutter zu bewältigen, die Leere zu akzeptieren und mit ihrer Trauer zurechtzukommen. I missed her so much that I wanted to build a hundred-foot memorial to her with my bare hands. I wanted to see her sitting in a vast stone chair in Hyde Park, enjoying her view. Everybody passing could comprehend how much I miss her. How physical my missing is. I miss her so much it is a vast golden prince, a concert hall, a thousand trees, a lake, nine thousand buses, a million cars, twenty million birds and more. The whole city is my missing her.   Eugh, said Crow, you sound like a fridge magnet. Überwältigende Emotionen und der sehr spezielle Humor der Krähe liegen oft so nah beieinander, dass man gar nicht weiß, ob man nun weinen oder lachen soll, vielleicht beides nacheinander oder auch gleichzeitig. Die Krähe ist ein vielseitiges Symbol: sie ist ein Omen des Todes und der Veränderung, verkörpert aber auch den weisen Wanderer, der verirrten Wandersleuten (dem Vater und seinen Söhnen) den Weg weist. In der keltischen Mythologie überbringt die Krähe Botschaften aus der Anderswelt bzw. aus dem Jenseits. Im indianischen Horoskop steht die Krähe für Ausdauer, Spontaneität und Erfindungsreichtum – alles Eigenschaften, die auch die Krähe in dieser Geschichte vereint. Allen voran allerdings ist die Krähe eine Erfindung des englischen Dichters und Schriftstellers Ted Hughes, der einen Gedichtband namens Crow: From the Life and Songs of the Crow (1970) geschrieben hat. Porters Titel ist übrigens eine Modifikation von Emily Dickinsons Gedicht Hope is the thing with feathers (zu Deutsch: Die Hoffnung ist das Federding). MAN I would be done grieving? BIRD No, not at all. You were done being hopeless. Grieving is something you’re still doing, and something you don’t need a crow for. Max Porter zeigt uns in seinem kurzen, aber dennoch bedeutungsvollen und emotionalen Roman Trauer ist das Ding mit Federn die verschiedenen Arten der Trauer und ihrer Bewältigung. Leben und Tod, Verzweiflung und Witz stehen sich direkt gegenüber. Vor allen Dingen der unglaublich kreative und gelungen konstruierte Charakter der Krähe sticht hervor und hindert durch seine Skurrilität das ein oder andere Mal die Tränen am Fallen – zumindest, bis sich das Weinen in der Schlussszene nicht mehr länger vermeiden lässt. Ein berührendes, trauriges, lustiges und im allerbesten Sinne merkwürdiges kleines Büchlein, das uns zeigt, dass auch Trauer und Schmerz ihre Zeit brauchen.

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  • Abbild von Trauer

    Trauer ist das Ding mit Federn
    Farbwirbel

    Farbwirbel

    11. January 2016 um 11:37

    „Mir fehlte sie so sehr, dass ich ihr mit bloßen Händen ein dreißig Meter hohes Denkmal errichten wollte. Ich wollte sie auf einem gewaltigen Steinthron im Hyde Park sitzen und die Aussicht genießen sehen.Jeder, der vorbeiging, wüsste, wie sehr sie mir fehlt. Wie körperlich das Fehlen ist. Mir fehlt sie so sehr, dass es ein riesiger goldener Prinz ist, eine Konzerthalle, tausend Bäume, ein See, neuntausend Busse, eine Million Autos, zwanzig Millionen Vögel und mehr. Die ganze Stadt ist, wie sehr sie mir fehlt.“                 Pah, sagte Krähe, du klingst wie ein Kühlschrankmagnet.“ - S. 61 Eines Tages war sie tot. Die Mutter zweier Kinder und geliebte Ehefrau fiel um und war tot. Niemand hatte es erwartet, niemand konnte damit rechnen und niemand war darauf eingestellt. Der Vater und die zwei Söhne stehen schlagartig in einem großen, schwarzen Loch und vor allem der Vater weiß sich nicht, herauszuwinden. Eines Tages klingelt es und die Familie wird von Krähe überrascht. In Mary-Poppins-Manier umsorgt Krähe die Familie. Dieses Umsorgen steht oft in Verbindung mit vulgärer Sprache, harter Wahrheit und auch mit Täuschung. In über zwei Jahren schafft es Krähe aber, die drei Verlassenen wieder aufzupäppeln. Erst können die Kinder wieder lachen und helfen ihrem Vater, mit dem Tod der Mutter umzugehen. Später schafft es auch der Vater und Krähe geht wieder fort. Krähe war wie eine Medizin. „Bei Krähe gibt es ein faszinierendes Wechselspiel zwischen Natur- und Kulturwesen, zwischen Aasfresser und Philosoph, Ganzheitsgott und schwarzem Fleck, zwischen Krähe und Vogelsein. Mir scheint, dasselbe Wechselspiel findet zwischen Trauer und Leben statt, damals und heute. Ich könnte viel von ihm lernen.“ - S. 32 Das Buch ist wahnsinnig kurz und dennoch inhaltlich stark. Es handelt sich um einen dreigeteilten, lyrisch geschriebenen Roman. Aus der Perspektive des Vaters, der Krähe und der Jungs erhält man Einblick in die Verarbeitung des Verlusts. Teilweise sind die Worte und Bilder heftig, aber genau das macht es zu einem echten Roman über Trauer. Jeder, der den Verlust eines geliebten Menschen verarbeiten musste, weiß, dass Themen wie Trauer oder Tod von der Gesellschaft gemieden werden. Aus diesem Grund hat sich mit der Zeit ein Bild von Trauer entwickelt, welches sehr niederschmetternd, mit vielen Tränen bestückt und lähmend ist. Dem ist aber nicht immer so. Trauer ist etwas ganz Privates und Intimes. Jeder erlebt sie für sich. Genau darum wirkt das Buch so aufrichtig. Es erscheint mir wie das intime Abbild des Umgangs mit Trauer. Es ist ein echtes und berührendes Debüt. „ICH LIEBE DICH ICH LIEBE DICH ICH LIEBE DICH“ - S. 125

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  • Ein eigenwillig schönes und kräftiges Buch über den Tod und die Trauer

    Trauer ist das Ding mit Federn
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    09. December 2015 um 13:30

    Es gibt viele Bücher über den Tod. Romane, die erzählen von Verlust und Schmerz, von der unsäglichen Leere, die der Tod nahestehender Menschen verursacht, von Trauer und Orientierungslosigkeit und von dem verzweifelten Versuch von Menschen, sowohl den Verstorbenen in ihrer Erinnerung zu behalten, als auch erste Schritte der Neuorientierung zu tun in ein Leben ohne den geliebten Menschen. Auch in vielen Bilderbüchern wird das Thema für Kinder aufgearbeitet, die ihre Großeltern oder gar einen Elternteil verloren haben. Das hier vorliegende Buch des 1981 geborenen Buchhändlers Max Porter geht (durch eigene Erfahrungen geprägt?) dieses Thema auf eine Weise an, die ungewöhnlich und literarisch einzigartig ist. In knappen Texten erzählt er von einem Mann und seinen beiden Söhnen,  denen die Frau und Mutter von heute auf morgen weggestorben ist. Er erzählt von der Leere, dem Schmerz und auch der Wut, die sich einnisten ins Leben wie ein Geschwür. Max Porter erfindet eine überlebensgrosse Krähe, die wenige Tage nach dem Tod der Mutter vor der Haustür steht und sich ohne groß zu fragen Einlass nicht nur in das Haus verschafft, sondern sich in den Alltag der Familie einnistet. Sie tut das auf eine laute, regelrecht unverschämte und vulgäre Weise. Sie bringt damit Lebendigkeit in die Familie zurück und wird insbesondere für die beiden Jungs zu einem wahren Segen. Aber auch dem Vater zeigt sie wie eine Art subversiver Therapeut Wege und Möglichkeiten auf, nicht in der Trauer zu versinken. Am Ende-wie lange die Krähe zu Gast war bleibt unbestimmt- sind Vater und Söhne in der Lage, die Asche der Mutter zu verstreuen, und die Krähe verabschiedet sich mit den Worten:  "Bitte um Erlaubnis, wegtreten zu dürfen, ich bin hier fertig." Ihre Mission ist beendet. Das Leben gewinnt wieder Oberhand gegen den Tod. Wie Max Porter das erzählt, ist wild und ungezügelt, mit einer Sprache, der es gelingt, etwas einzufangen von der Verwirrung und dem Durcheinander, in die der Tod die Familie gestürzt hat, komisch an vielen Stellen und ohne Erbarmen mit dem Leser. Vielleicht steht die Krähe als literarisches Bild für Menschen, deren tatkräftige Unterstützung so nötig ist für andere, die in ihrer Trauer zu versinken drohen.

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  • Aktive Trauerarbeit der anderen Art

    Trauer ist das Ding mit Federn
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    27. November 2015 um 12:15

    Aktive Trauerarbeit der anderen Art Vielfach sind die Bezüge auf Werke anderer Autoren, die Max Porter in seinem schmalen Band über die Trauer und den (notwendigen) besonderen Beistand gegen diese im Buch aufgreift. An erster Stelle sei Ted Hughes mit seinem lyrischen Werk „Crow“ genannt. Aber in erster Linie sollte es keine sonderlich große Rolle spielen, im Text dem nachzugehen , wem Porter was entlehnt hat. Denn überaus eigenständig, in ganz besonderer, postmoderner Sprache führt der Autor in seinem Debüt den Leser mitten hinein in einend er privatesten Bereiche menschlichen Seins, dieser herzzerreißenden, kaum zu haltenden Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen. Und das durch jene Krähe, die mitten im frischen Verlust an der Tür der „Restfamilie“ klingelt in zunächst unangenehm und unangemessen wirkender, respektloser Sprache, letztlich aber in genau der richtigen Unverfrorenheit, die Dinge beim Namen zu nennen, auch die menschlich entblößenden Dinge. Eine Entwicklung, die damit in Gang gesetzt wird, die durch alle Gefühlslagen der akuten Trauer und, späterhin, der immer noch nicht gebannten, aber „nach hinten“ rutschenden Trauer führt. Und das bei allen Beteiligten. Eine Krähe, die dem Vater und den beiden Jungen Hilfestellung auf ihre Art geben will, die solange bleiben wird (sagt sie), bis das Leben wieder fließend möglich ist (und das wird dauern). Die auf „Monogamie“ genauso pocht (ein Witwer heiratet nicht mehr), wie auf „Vögeln“ (irgendwann muss der Mann sich ja wieder den körperlichen Freuden des Lebens hingeben). Die als Krähe im Abfall wühlt, Aas nicht unbedingt verschmäht, einen riesen Lärm manches Mal veranstaltet und dennoch ihr Ziel immer fest im Blick hält. Auch wenn Sie bei ihrem ersten Auftritt erst einmal die Bettdecke lüftet und den Schnabel gefährlich nahe an die Geschlechtsorgane des Mannes bringen wird. „Wir werden unser Haus mit Spielzeug und Büchern füllen und heulen wie nicht aus der Krippe abgeholte Kleinkinder“. Es sind solche Sätze, die dem Leser einen unvermittelten, hoch emotionalen Zugang zu jenem bedrückenden Feuerwerk an Emotionen ermöglichen, die in der Trauer losgetreten wurden. Emotionen, die Entwicklungen nehmen, bei denen man gar nicht entscheiden kann, ob der innerliche Kampf oder der manches Mal fast zynische Bearbeitungsprozess der beiden Kinder mehr beeindruckt. „Wo sind die Löschwagen? Wo ist der Lärm? Wo ist das Geschrei bei diesem Vorfalle“, jetzt, wo die beiden „andere Jungs“ geworden sind, „die tapferen neuen Jungs ohne Mum“. Was die Krähe keinesfalls in Melancholie stürzen wird, im Gegenteil. „Er war ein Unfallüberrest, und da wusste ich, der beste Gig überhaupt, ein Riesenspaß- Ich setzte meine Klauen auf einen Augapfel und erwog Ausstechen, aus Jux oder Mitleid“. Ein Gig. Unverfrorenheit. Ausgedrückt durch assoziativ-direkte Gedanken und Handlungen. Die zunächst beim „so trauert man richtig“ Vater auf Widerstand stoßen, aber dann, wie die Trauer selbst, die verschiedenen Gefühlsstadien durchläuft. Vom schreienden Aufbegehren gegen den Verlust über dumpfe Melancholie, vom hektischen „Tat-Ansatz“ (nun ein bester Vater werden zu müssen) hin zu Selbstmitleid hin zu Abarbeitung an der direkten, Wunden aufreißenden Art der Krähe bis zum tastenden, inneren Frieden mit dem Geschehen. Das Ganze auf in der deutschen Fassung in einer kongenialen Sprache und damit kongenialen Übersetzung ins Deutsche, die es dem Leser nie „einfach so“ zugänglich macht, was Wahn, was Albtraum und was reale Entfaltung ist. Eine Sprache, die die Holprigkeit der Trauer mit aufnimmt, in welcher die Figuren der Geschichte dem Leser mal nahe, mal sehr entfernt sind. Anspruchsvoll und literarisch nicht handzahm zugänglich, weder in der Form noch im Inhalt. „Ich hätte ihn auch rückwärts über den Stuhl biegen können und ihm intravenös saure Bulletins des realen einstündigen Sterbens seiner Freu zuführen können. Andere Vögel hätten es getan, es gibt kein gutes Böses im Königreich. Also los jetzt. Ich glaube an Heilmaßnahmen!“. Bis es hießt: „Trauern wirst Du weiterhin, aber dazu brauchst du keine Krähe“. Und der Leser am Ende der Geschichte auch. Wenn auch anders und mit anderem Ausgang versehen, als vorher gedacht.

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