Max Scharnigg

 3.9 Sterne bei 78 Bewertungen
Autorenbild von Max Scharnigg (© Julia Strauß)

Lebenslauf von Max Scharnigg

Kolumnist, Romanautor und Selbstversorger: Der Autor und Journalist Max Scharnigg wurde 1980 in München geboren, wo er noch heute lebt. Nach dem Besuch der Journalistenschule arbeitete er als Redakteur und Kolumnist bei jetzt.de. Außerdem schrieb er für NIDO und The Weekender. Für das SZ-Magazin und weitere Magazine, darunter Musikexpress, veröffentlichte Max Scharnigg diverse Texte. Als Redakteur der Süddeutschen Zeitung am Wochenende ist er seit 2014 tätig. 2010 erschien seine erste eigenständige Publikation „Hotel Fatal. Reisen mit Risiken und Nebenwirkungen“, die humorvoll von den Widrigkeiten des Hotelaufenthalts handelt. Die Kolumnensammlung „Das habe ich jetzt akustisch nicht verstanden!“ wurde ebenfalls 2010 veröffentlicht. Sein Romandebüt gab Scharnigg Anfang 2011: „Die Besteigung der Eiger-Nordwand unter einer Treppe“ ist die Geschichte über den Rückzug aus einer Liebe im Stil eines Bergsteigerromans. „Großartig komponiert“, loben die Kritiker. Bei einer solchen schriftstellerischen Begabung ist es nicht verwunderlich, dass ihm bereits 2009 das Münchner Literaturstipendium zuerkannt wurde. 2010 war er außerdem für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert. 2011 konnte sich Max Scharnigg gleich über zwei Auszeichnungen freuen: den Bayerischen Kunstförderpreis und den Mara-Cassens-Preis. Die Bücher „Feldversuch“ (2012) und die Anglerphilosophie „Die Stille vor dem Biss“ (2015) befassen sich mit Max Scharniggs Selbstversorgungsexperimenten.

Neue Bücher

Der restliche Sommer

 (5)
Neu erschienen am 09.06.2020 als Taschenbuch bei Heyne.

Alle Bücher von Max Scharnigg

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Cover des Buches Vorläufige Chronik des Himmels über Pildau (ISBN: 9783453418004)

Vorläufige Chronik des Himmels über Pildau

 (23)
Erschienen am 09.02.2015
Cover des Buches Der restliche Sommer (ISBN: 9783455404944)

Der restliche Sommer

 (9)
Erschienen am 14.03.2018
Cover des Buches Feldversuch (ISBN: 9783596188666)

Feldversuch

 (7)
Erschienen am 08.03.2012
Cover des Buches Der restliche Sommer (ISBN: 9783453423473)

Der restliche Sommer

 (5)
Erschienen am 09.06.2020
Cover des Buches Die Stille vor dem Biss (ISBN: 9783455700084)

Die Stille vor dem Biss

 (2)
Erschienen am 11.03.2015
Cover des Buches Hotel Fatal (ISBN: 9783451302596)

Hotel Fatal

 (1)
Erschienen am 04.03.2010

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Max Scharnigg

Neu

Rezension zu "Der restliche Sommer" von Max Scharnigg

Sprachgewaltiger Sommerroman
Islandvor 16 Tagen

"Der restliche Sommer" ist der dritte Roman des Münchener Autors und Journalisten Max Scharnigg.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen Paul, Anfang 40, der als eine Art Benimmpapst eine Kolumne in einer Zeitschrift schreibt und die etwas jüngere Sara, einst umschwärmte Schülersprecherin. Sara hat Paul kurz nach seiner Trennung von der Paartherapeutin Sonja auf einer Lesung angesprochen und wenig später startetenden sie eine Reise durch Südeuropa, die sie schließlich nach Tarifa am portugiesischen Atlantik führte. Dort leben sie mehr oder weniger in den Tag hinein von Pauls Ersparnissen und seinen Einkünften durch die Benimm-Kolumne. Zeitgleich landet Tin, der lange in Sara verliebt war und ihr in seiner Wohnung ein Zimmer angeboten hatte, nachdem sie am Ende einer unglücklichen Liebe vor seiner Tür stand, im Krankenhaus und ein Tumor muss aus seinem Darm entfernt werden und Pauls Exfrau Sonja gerät ins Visier der emanzipierter Frauen und der Medien, weil sie es geschafft hat, Paul, der einigen als Feinbild gilt, zu verlassen.


Die Geschichte hinter dem Roman und vor allem auch der Schreibstil haben mir sehr gut gefallen. Max Scharnigg findet sehr ungewöhnliche und zugleich auch total treffende sprachliche Bilder, um Situationen oder Gefühle zu beschreiben. Etwas unbefriedigt hat mich aber das doch sehr offene Ende der Geschichte zurückgelassen.

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Rezension zu "Das habe ich jetzt akustisch nicht verstanden" von Max Scharnigg

Unterhaltsam
-BuchLiebe-vor 17 Tagen

Das Buch sollte man nicht am Stück lesen, so wie man einen Roman liest sondern eher in Etappen. Sonst wird es schnell langweilig oder eintönig.


Ich zumindest habe es in Etappen gelesen und in kleinen Dosen ist das Buch ganz unterhaltsam. Manches kennt man auch von sich selbst sondern von Menschen im eigenen Umfeld. Das trifft sowohl auf bestimmte Sätze wie auch auf die dazugehörigen Texte zu. Manchmal hatte ich aber auch das Gefühl, dass der Text gar nicht zum eigentlichen Satz passt. Das da dann mehr über andere Dinge erzählt wird als über den eigenen Satz und ich mich gefragt habe: "Was hat das denn jetzt damit zu tun?" Bis es am Ende doch nochmal einen kurzen Schwank zum eigentlichen Satz gibt.

Allerdings ist das Buch nicht so richtig witzig, sondern mehr interessant und unterhaltsam. Also ich musste nicht lachen oder sowas. Wer wirklich ein zum Lachen witziges Buch erwartet wird hier vermutlich etwas enttäuscht sein.


Alles in allem ist es ein unterhaltsames Buch wenn man es in Etappen genießt. 😊


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Rezension zu "Der restliche Sommer" von Max Scharnigg

ein Sprachkunstwerk von existenzieller Skurrilität
Nissilivor 2 Monaten

Scharnigg gewährt uns einen tiefen Blick in die Psyche von vier Figuren mittleren Alters, die zwei Dinge gemeinsam haben: Sie stehen kurz vor einem tiefgreifenden Einschnitt in ihrem Leben, bei dem es bei den einen um Leben und Tod, bei den anderen beiden um eine neue berufliche Orientierung geht. Und zweitens haben alle vier einen großen Spleen und ein pathologisches Selbstkonzept.


Da wäre Paul Neulich, der seit zwanzig Jahren eine viel gelesene wöchentliche Zeitungskolumne über Stil und galantes Benehmen in aller Herren Länder schreibt und sich als „Benimm-Papst“ einen Namen gemacht hat. Privat versucht er sich an diesem äußerlichen Gerüst von richtigen Umgangsformen festzuhalten, um sein geringes Selbstwertgefühl zu verschleiern. Er hat die „Körpersprache eines umsichtigen Diplomaten“, der „zu höflich ist, um mit ihm zu streiten“. Die zweite im Bunde ist die bekannte Paartherapeutin Sonja Wilms, die sich vor einem Jahr von Paul getrennt hat. Während eines Interviews verliert sie ihre professionelle Fassung, als die Journalistin ihr die Frage stellt, wie sie mit ihrer eigenen Trennung von dem berühmten Kolumnisten umgegangen sei und gibt persönliche, Paul wenig schmeichelnde Details preis und bricht in feministische Tiraden aus. Das Interview geht um die Welt und Sonja wird zur neuen Ikone des Feminismus‘. Nummer drei ist Sara Almeida, die kurz nach Pauls Trennung von Sonja bei ihm auf der Matte steht, obwohl sie selbst noch mit Tin Hasenglock, einem Computernerd, in einer Beziehung steckt. Paul hat sie in einer Talkshow beeindruckt, weil er die ganze Zeit so gut wie nichts gesagt hat, während sich die anderen zerfleischten. Es ist ein Leichtes für sie, sich Paul auf seiner nächsten Lesung zu angeln, da sie von blendender Schönheit und extrovertierter Offenheit ist, sodass ihr kaum ein Mann widerstehen kann. In der Schule war sie der „unwahrscheinlichste Star [...], der je in dieser kleinen Stadt aus einer Zweizimmerwohnung mit alleinerziehender Mutter gekommen und in den Schulbus gestiegen“ ist. Sie hat ihrer Rolle gemäß Kunst in London studiert und hangelt sich als „diplomierte Performancekünstlerin mit eher wenigen Engagements“ durch Leben. Als sie Paul für Recherchen nach Portugal begleitet, bleiben sie an der Algarve hängen, was fatale Folgen hat, die hier noch nicht verraten werden sollen. Zuletzt ist da noch Tin (vor Sara: Martin) Hasenglock. Er ist mit der „erstbesten Idee“, einer Art Dating-Plattform namens harpf.com, „bis zu einem eigenen Gebäude im Kreativcampus [...], unendlich Pizza“ und ausreichend Geld gekommen, und übt sich seit der Trennung von Sara im Liegenbleiben, „denn Aufstehen gehörte schon unter normalen Umständen  nicht zu seinen Stärken.“ Aus angeblich beruflichen Gründen macht er sich auf den Weg nach Portugal, um Sara zu sehen, kommt dort allerdings nie an, da er auf dem Flughafen ohnmächtig wird und erst im Krankenhaus mit einem Loch im Bauch wieder aufwacht. Wie es dazu kommt, dürfen die Leser selbst entdecken. Tin hat dazu jedenfalls eine eigene hanebüchene Theorie. Neben diesen vier Hauptprotagonisten treten noch einige ebenfalls völlig aus der Norm geratene Figuren auf, über die sich die Leser köstlich amüsieren werden. Auffällig ist die Fülle an sprachlicher Virtuosität Scharniggs: Es wimmelt von kreativen Verknüpfungen, Vergleichen und Metaphern, die auch das Alltäglichste in poetische Höhen treiben. Zum Beispiel ärgert es Paul, dass sich zwei hessische Touristen in einer kleinen gemütlichen, eng besetzten Taverne in einer Lautstärke unterhalten, „als würden sie auf zwei Eisschollen auseinandertreiben“. Und überhaupt bewegten sich Urlauber in der Fremde mit „der Direktheit von Abrissbirnen.“ Sara hält Paul für einen besonderen „Fund“ und hätte dafür gerne eine „Bestätigung vom Amt für Denkmalpflege, dass sie mit Paul Neulich ein etwas angestaubtes, aber schützenswertes Objekt bezogen und dabei doch eine beachtliche Verliebtheit freigelegt“ hat. Auch Paul ist in Sara verliebt und sein „Laurel blüht“ nicht selten „kräftig“, doch er kann sich zurückhalten, denn zivilisierte Schönheit wiege mehr als ein paar anatomische Glücksmomente, weshalb ihm die Kolumne auch besser bekomme als jeder Besuch im Fitnessstudio. Trotz seines Stilbewusstseins kann er morgens im Bett gegen „seine dünnen hellen Haare“, die „wie etwas, das Ornithologen interessieren könnte [...] auf seinem Kopf zerknüllt“ liegen, nichts ausrichten. Das hält Sara aber nicht davon ab, ihre Hand über Pauls Rückseite wandern zu lassen, woraufhin er sich so zu ihr dreht, dass „diese kleine Wanderung einen für ihn denkbar günstigen Ausgang nehmen kann.“


 


Fazit: Wer eine ungewöhnliche Charakterdarstellung skurriler Figuren mit existenzielle Tiefe und in kreativer Sprachkunst lesen möchte, mit denen Scharnigg nicht zuletzt auch gesellschaftliche Zustände satirisch aufs Korn nimmt, der sollte „Der restliche Sommer“ lesen.

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