Sechs Koffer

von Maxim Biller 
4,0 Sterne bei3 Bewertungen
Sechs Koffer
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Bemerkenswerte Geschichte der jüdischen Familie des Autors. Sehr kunstfertig, ja meisterhaft erzählt. Kongenial vorgelesen.

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Inhaltsangabe zu "Sechs Koffer"

Ein Gerücht, dessen böse Kraft bis in die Gegenwart reicht

Eine russisch-jüdische Familie flieht von Ost nach West, von Moskau über Prag nach Hamburg und Zürich. Der Großvater des inzwischen in Berlin lebenden Erzählers wurde Opfer eines großen Verrats, einer Denunziation, und 1960 in der Sowjetunion hingerichtet. Unter Verdacht: die eigene Verwandtschaft. Eine Erzählung über sowjetische Geheimdienstakten, über das tschechische Kino der Nachkriegszeit, vergiftete Liebesbeziehungen und die Machenschaften sexsüchtiger Kultur-Apparatschiks – und zugleich über das Leben hier und heute, über unsere moderne, globalisierte Welt, in der fast niemand mehr dort zuhause ist, wo er geboren wurde und aufwuchs.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783839871133
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Audio CD
Verlag:Parlando ein Imprint von Argon
Erscheinungsdatum:08.08.2018
Das aktuelle Buch ist am 08.08.2018 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

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    sabatayn76s avatar
    sabatayn76vor 2 Monaten
    ‚Es gibt schlechten und es gibt guten Verrat.‘ (Bertolt Brecht: Flüchtlingsgespräche)

    Schmil Grigorewitsch wurde vom KGB verhaftet und hingerichtet. Wurde er von seiner eigenen Familie verraten? Möglich wäre das, denn einige der Familienmitglieder verhalten sich durchaus auffällig, z.B. Schmils Sohn Dima, der fünf Jahre im berühmt-berüchtigten Prager Gefängnis Pankrác einsaß - wo übrigens auch der Regimekritiker und spätere Staatspräsident Václav Havel seine Gefängnisstrafe abbüßte - und sich dort mit dem Geheimdienst einließ.

    Maxim Biller erzählt in seinem Roman ‚Sechs Koffer‘, der autobiografische Züge aufweist, von drei Generationen einer jüdischen Familie, die ursprünglich aus Russland stammt und deren Mitglieder in die halbe Welt emigrieren, u.a. in die Tschechoslowakei, nach Deutschland, in die Schweiz und nach Brasilien. Der rote Faden der Geschichte ist dabei der Verrat, der zum Tod des Familienoberhaupt, des Taten, geführt hat, und das damit verbundene Familiengeheimnis, das auch über Jahrzehnte hinweg wohlbehütet ist und nicht gelüftet wird.

    Mir fiel der Einstieg ins - von Christian Brückner exzellent gelesene - Hörbuch eher schwer, und ich habe den Anfang der Geschichte mehrmals gehört bzw. schließlich noch die Leseprobe gelesen, weil ich einfach keinen Zugang finden konnte und mich die Geschichte initial eher verwirrt hat.

    Nach diesem eher schwergängigen Einstieg hat mir ‚Sechs Koffer‘, übrigens meine erste Begegnung mit Biller, mit der anspruchsvollen Sprache und den Einblicken in ein Familienleben vor und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs jedoch gut gefallen.

    Erstaunlich finde ich, dass Biller auf so wenigen Seiten eine so komplexe und ausführliche Geschichte erzählen kann, auch wenn ich finde, dass die Protagonisten eher farblos geblieben sind.

    ‚Sechs Koffer‘ erzählt von Verrat und Integrität, von Wahrheit und Lüge, von Geheimnissen und dem Drang zu wissen und zu verstehen.

    Der Roman steht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2018.

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    Wedmavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Bemerkenswerte Geschichte der jüdischen Familie des Autors. Sehr kunstfertig, ja meisterhaft erzählt. Kongenial vorgelesen.
    Ein sehr lesenswerter Familienroman!

    „Sechs Koffer“ ist ein bemerkenswerter, spannender Roman, den ich sehr gern gehört habe. Maxim Biller erzählt die Geschichte seiner jüdischen Familie, dies spielt eine Rolle, die von St. Petersburg nach Prag und weiter nach Hamburg geflohen war. Die Schilderungen, im Stile des Realismus, entsprechen manchen historischen Ereignissen des 20. Jh.

    Diese Familiengeschichte ist sehr gekonnt, ja meisterhaft erzählt worden. Der Ausdruck ist schlicht, aber ergreifend, aussagestark, ohne den Anspruch, besonderen Eindruck hinterlassen zu wollen. Das tut das Ganze dann umso mehr.

    Alle Figuren, es gibt mehrere Familienmitglieder, die hier eine Rolle spielen, standen mir gleich lebendig vor Augen. Ich konnte sofort in diese längst vergangenen Zeiten eintauchen, die Schicksale dieser Menschen und ihre Gedanken gespannt verfolgen.

    Die Erzählperspektiven sind recht ungewöhnlich, es ist auch kein gewöhnlicher Familienroman, verwendet worden. Erst ist der Ich-Erzähler ein Junge mit sechs Jahren. Die Familie, die aus Sowjetrussland geflohen ist, lebt nun in Prag in den sechziger Jahren des 20. Jh. Der Vater arbeitet zu Hause als Übersetzer, die Mutter im Institut. Die Mutter ist unglücklich, weil ihr Mann mit Natalia, der Frau seines Bruders Dima, ausgegangen ist. Dima wird bald aus dem Knast entlassen. Alles ist in heller Aufregung, denn da stecken viele Geheimnisse, was der dumme Dima, so wird er oft genannt, getan haben mag. Später wird zum Ich-Erzähler mit 15 gewechselt. Der Junge ist in der Schweiz bei Onkel Dima zu Besuch und versucht, die alten Familiengeheimnisse zu lüften, u.a. warum ein weiterer Onkel, Lev, mit der Familie nicht mehr redet und warum der Großvater gestorben war und wer daran schuld ist. Zum Schluss liest erwachsener Mann vom Erzähler einen langen Brief seiner Tante Natalia. Sie beschreibt aus ihrer Sicht, was damals vorgefallen war. So erfährt man noch einiges mehr über sie und die Familie insg.

    Mehr sage ich nicht dazu, denn es ist besser, man geht möglichst unvoreingenommen an den Roman heran und gelangt zur eigenen Meinung.

    Christian Brückner hat kongenial vorgelesen. 5 Stunden 14 Minuten der ungekürzten Ausgabe waren mir ein Vergnügen.

    Fazit: Ein sehr lesens-/hörenswerter Familienroman über eine jüdische Familie in der damaligen Zeit, über das Fliehen und Ankommen und noch vieles mehr.

    Ein würdiger Kandidat für die Kurzliste des dt Buchpreises 2018.

    Kommentare: 1
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    monerls avatar
    monerlvor einem Monat

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