Maylis de Kerangal Die Lebenden reparieren

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Inhaltsangabe zu „Die Lebenden reparieren“ von Maylis de Kerangal

Simon lebt, jedenfalls schlägt sein Herz noch. Doch die Ärzte stellen den klinischen Tod des Neunzehnjährigen fest. Simons Eltern müssen nun entscheiden, ob sie seine Organe zur Spende freigeben wollen, ob ein anderer mit Simons Organen weiterleben darf.
In einer rasanten Folge von emotional aufwühlenden Szenen erzählt Die Lebenden reparieren von einem Tod mitten im Leben und der vielleicht schwersten Entscheidung, die Eltern treffen müssen. Ein spannender und bewegender Roman, der erschüttert und zugleich tröstet.
»Ein Roman, der buchstäblich unter die Haut geht.« Wolfgang Schneider, Deutschlandradio Kultur
»Ein spannender, anrührender, ein wichtiger Roman.« Niklas Bender, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»So also ist gloriose Literatur. Kein Journalismus, kein Film käme auch nur in die Nähe jener Zone, in der sie sich bewegt ...« Peter Praschl, Die Welt

keine leichte Lektüre, aber absolut empfehlenswert für Alle, die sich intensiv mit d. Thema Organtransplantation auseinander setzen möchten

— Devona

Dieses Buch drängt beim Lesen in jede Faser des Körpers und sollte in jedem Regal stehen. Absolute Leseempfehlung!

— muchobooklove

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    Die Lebenden reparieren

    Devona

    25. August 2016 um 19:24

    Der Buchtitel verweist auf ein Zitat aus einem Stück von Anton Tschechow: “Die Toten begraben und die Lebenden reparieren”. Maylis de Kerangal hat ein Buch geschrieben über 24 Stunden im Dasein von Organen: lebenswichtigen Organen zwischen Leben und Leben, flankiert vom Tod. Sie protokolliert mit teilweise schonungsloser Offenheit den Prozess der Organspende vom Hirntod des 19-jährigen Simon bis hin zum ersten Schlag des Herzens im Körper der 56-jährigen Claire, der ohne Simons Herz kaum mehr Zeit zum Leben bleibt, da ihr eigenes Herz durch eine Herzmuskelentzündung schwerst geschädigt ist. Die Autorin bedient sich einer kraftvollen, ruhigen, sehr poetischen Sprache und beginnt ihr Protokoll damit, wie sich drei junge Männer im Morgengrauen leise aus dem Haus schleichen, um Niemanden zu wecken und ihrem Hobby nachzugehen: der Wetterbericht hat die für Surfer perfekte Welle angekündigt. Man begleitet sie auf diesem Trip bis hin zu dem Moment, als einer von Ihnen, ermüdet durch die sportliche Anstrengung, auf der Rückfahrt die Kontrolle über das Auto verliert. Simon ist als Einziger nicht angeschnallt. Im Krankenhaus kann vom diensthabenden Arzt nur noch der Hirntod festgestellt werden. Es beginnt der “Transplantationsprozess”, viel Zeit bleibt nicht. Zunächst muss der Arzt Révol mit den Eltern Marianne und Sean sprechen, muss den im ersten, unfassbaren Schmerz versinkenden Menschen klar machen, dass ihr Sohn ein lebender Toter ist, eine “Blackbox”, angefüllt mit Organen, die das Leben anderer Menschen retten können. Mehrerer Menschen. Jede einzelne Zeile liest sich wahnsinnig intensiv, weil Maylis de Kerangal keinen Hauptprotagonisten definiert. Alle an diesem Prozess der Organverpflanzung Beteiligten sind nur ein kleiner, aber unabdingbarer Teil des großen Ganzen, ein Rädchen im Getriebe, aber jeder von ihnen wird dem Leser mit Teilen seines menschlichen Hintergrundes, Teil seiner Biografie im Jetzt und seiner Rolle im Prozess nahe gebracht: sei es die Krankenschwester der Intensivstation Cordélia Owl , die  wegen einer durchgefeierten Nacht und neu aufflammender Liebe zum Exlover übermüdet und emotional etwas neben sich ist und trotzdem ihren Job mit Hingabe und korrekt erledigt. Sie spricht mit dem komatösen Simon, während sie ihn versorgt. Oder der Intensiv-Krankenpfleger Thomas Rémige, der als Leiter der Koordinierungsstelle für Organentnahme vom Arzt informiert werden muss -der Prozess hat strenge Regeln, die einzuhalten sind- und von ihm übernimmt. Der Arzt, der den Hirntod feststellt, ist am Prozess nicht mehr beteiligt, mit Mitteilung an die Eltern ist sein Job erledigt. Thomas Rémige muss Überzeugungsarbeit leisten, die Eltern sollen, nein: müssen entscheiden. Schnell. Sofort. Im Hintergrund wurde die Datenbank bereits gefüttert: drei potentielle und vor Allem passende Empfänger für Leber, Nieren und Herz wurden gefunden. Sollten die Eltern eine Organentnahme verweigern, muss abgeblasen werden. Zitat: Doch so sehr die drei Individuen auch denselben Raum und dieselbe Zeit teilen, nichts auf diesem Planeten ist in dem Augenblick weiter voneinander entfernt als diese Eltern in ihrem Schmerz und der junge Mann, der sich ihnen gegenübersetzt hat mit dem Ziel – ja, mit dem Ziel- ihre Zustimmung zur Entnahme der Organe ihres Kindes zu bekommen. Da sind ein Mann und eine Frau , erfasst von einer Schockwelle, aus der Bahn geworfen, in einen Zustand versetzt, in dem die Zeit aufgehoben ist – Simons Tod hat die Kontinuität unterbrochen, aber sie geht weiter, wie eine Ente auf dem Bauernhof, die ohne Kopf weiter läuft, ein Irrsinn- einen Zustand, indem sich die Zeit in Schmerz auflöst, ein Mann und eine Frau, die die ganze Tragödie der Welt in sich vereinen, und da ist dieser junge Mann im weißen Kittel, engagiert und vorsichtig bereit, das Gespräch zu führen und dabei nichts zu überstürzen, der aber im Hinterkopf den Countdown gestartet hat, weil ihm bewusst ist, dass ein hirntoter Körper verfällt und es schnell geschehen muss – in diesem Dilemma steckt er. Die Autorin reiht Szene an Szene, schnappschussartig, von einer Person zur nächsten, minutiös dem Prozess folgend, nachdem Marianne und Sean ihre Zustimmung gegeben haben und nur die Entnahme von Simons Augen verweigern. Der Leser folgt diesen Szenen, gleichermaßen befremdet durch drei im offenen Körper von Simon um jeden Zentimeter Gewebe für das eigene Transplantat mit- und gegeneinander kämpfende Ärzte, wie auch irgendwie seltsam beruhigt durch die Tatsache, dass die da während ihres Tuns jovial über ihre Tätigkeit miteinander scherzen können: das Leben geht einfach weiter. Und irgendwo da draußen wartet Claire auf ein neues Herz. Schwankend zwischen Hoffen und Bangen, grübelnd über richtig und falsch und einen Toten, der ihr Leben rettet und von dem sie keine Details erfahren wird, sie wird sich bei Niemandem für das Geschenk ihres Lebens bedanken können. Thomas Rémige hat das den Eltern gegebene Versprechen gehalten und dem Öffnen der Adern des hirntoten Simon erst statt gegeben, als er ihm ein paar letzte Worte seiner Mutter ins Ohr geflüstert hatte. Und nachdem die Kunst der Ärzte Simons nunmehr leere, ausgestopfte Hülle in einen den Eltern zumutbaren optischen Zustand versetzt hat, bleibt Thomas mit dem Toten allein zurück. Zitat: Thomas ist jetzt allein. Er lässt seine Blicke einmal re Verwüstung, ein Chaos von Geräten und Kabeln, desorientierten Monitoren, benutzten Instrumenten, Berundum schweifen und was er sieht, erschreckt ihn: eingen von schmutziger Wäsche, der OP-Tisch verschmiert und der Boden blutbespritzt. Wer hier hereinschaute, würde im kalten Licht blinzeln und glauben, einen Kriegsschauplatz, einen Ort der Gewalt vor sich zu haben – Thomas schaudert und macht sich an die Arbeit. Maylis de Kerangal hat nicht nur einen emotional intensiven und nicht immer leicht zu ertragenden -letztendlich aber versöhnlichen- Roman über Leben, Sterben, Hoffnung, Verzweiflung geschrieben, sondern auch -zumindest ging mir das so- den reinen Transplantationsprozess im Detail begreifbar gemacht. Was geschieht wann, wo, wie, warum. Der Ein oder Andere mag danach auch über einen Organspendenausweis nachdenken oder zumindest darüber, mit Angehörigen zu besprechen, was im Falle des Falles mit seinen Organen passieren soll. Ich stelle mir das wie bei Sean und Marianne sehr schwer vor: es gab keinen Anhaltspunkt wie Simon entschieden hätte und genau das sollten sie tun. Nicht für sich entscheiden, sondern für ihren Sohn. Fazit: keine leichte Lektüre, aber absolut empfehlenswert für Alle, die sich intensiv mit diesem Thema auseinander setzen möchten und gleichermaßen poetische und brutal schonungslose Sprache und einen ungewöhnlichen Erzählstil vertragen können. “Die Lebenden reparieren” geht definitiv richtig tief unter die Haut.

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  • Die Toten begraben und die Lebenden reparieren

    Die Lebenden reparieren

    Buecherschmaus

    19. September 2015 um 17:15

    Eine der Urängste eines jeden Menschen: Der eine Anruf, der das ganze Leben erschüttert, der mitteilt, dass ein lieber Angehöriger, im schlimmsten Fall ein Kind, tödlich verunglückt ist.  Hier ist es der 19 jährige Simon, der nach einem winterlichen Surfausflug am frühern Morgen auf der vereisten Fahrbahn verunfallt.  Seine beiden Freunde werden nur leicht verletzt, er, nicht angeschnallt, ist hirntod. Irreversibles Koma, EEG-Nulllinie.  Aber seine jungen, gesunden Organe könnten bei einer Transplantation Leben retten. Eine eigentlich unzumutbare Entscheidung für die Eltern, die doch gerade erst von dem Unglück erfahren haben. Aber die Zeit drängt, die Organentnahme muss zeitnah geschehen, die medizinische Maschinerie in Gang gesetzt werden. Beginnend mit dem Aufbruch zum Surfausflug folgt der Roman dem Geschehen wie eine Art Protokoll über 24 Stunden.  Er erzählt von außen, distanziert, kommt aber gleichzeitig ganz nah an die jeweils im Fokus stehende Person heran, sei es der junge Surfer, seine Eltern, seine Freundin, die Ärzte und Pfleger, die Koordinatorin im Transplantationszentrum oder auch die todkranke Frau, deren letzte Hoffnung ein neues Herz ist.  Er zoomt auf bestimmte Befindlichkeiten, Gedanken, Gefühle, kommt oft schmerzlich, unerträglich nah. Die Perspektiven wechseln ständig, verlieren sich teilweise im Verlauf.  Dabei verwendet Maylis de Kerangal eine glasklare, sehr schöne, manchmal trotz des schonungslosen Textes nahezu poetische Sprache.  Sie ist voll der Empathie für ihre Personen, aber frei von jedem Pathos oder gar Kitsch. "Die Toten begraben und die Lebenden reparieren" ist ein Zitat aus einem Stück Anton Tschechows.  Und so steht am Ende dieses eindrucksvollen Romans, wenn alle Beteiligten ihre Arbeit müde beendet haben, die Eltern mit ihrem Schmerz zurückbleiben, doch die Hoffnung für vier andere Menschen auf eine Zukunft mit einem neuen Organ.  Und damit ist das Buch auch eine Ode an das Leben, seine Zerbrechlichkeit und seine Kostbarkeit.

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  • Die Toten begraben, die Lebenden reparieren

    Die Lebenden reparieren

    BubuBubu

    09. September 2015 um 21:10

    Der sportliche und lebenslustige Simon  hat einen schweren Verkehrsunfall.    Mit schweren Kopfverletzungen kommt der 19-Jährige  ins Krankenhaus. Diagnose: Hirntod. Es werden Entscheidungen getroffen, ein Leben endet, andere Leben werden gerettet. Wie reagieren Eltern auf den Tod ihres Kindes? Wie schnell müssen Entscheidungen getroffen werden wenn eine Organspende möglich ist? Geschichten kreuzen sich in „Die Lebenden reparieren“. Ärzte müssen schnell handeln und funktionieren, die rechtlichen Mechanismen müssen stimmen. Wer entnimmt die Organe und wer bekommt sie? Trotz diesem Schicksalsschlag geht das Leben der Betroffenen und Beteiligten weiter. Es werden 24 fesselnde Stunden beschrieben. Meine Meinung: Ich finde das Thema ist ziemlich gut umgesetzt und detailliert beschrieben. Allerdings muss man beachten, dass sich die Geschichte in Frankreich abspielt wo die Gesetze zur Organtransplantation noch etwas anders sind als in Deutschland. Es ist erstaunlich wie viele Personen an so einem Ereignis teilhaben. Nicht nur die trauernden Angehörigen werden beschrieben, sondern auch die Hintergründe und der Alltag der behandelnden Ärzte oder Krankenschwestern. Leider hatte ich das Gefühl, dass gegen Ende die Ärzte und Schwestern oder sogar dessen Partner eine gesonderte Stellung zugeordnet wurde und zum Beispiel die Gefühle von Simons Freundin fast ganz untergegangen sind. Das fand ich wirklich sehr schade.

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