Mehrnousch Zaeri-Esfahani

 4.4 Sterne bei 13 Bewertungen

Neue Bücher

33 Bogen und ein Teehaus

 (11)
Neu erschienen am 28.09.2018 als Taschenbuch bei Carlsen.

Alle Bücher von Mehrnousch Zaeri-Esfahani

33 Bogen und ein Teehaus

33 Bogen und ein Teehaus

 (11)
Erschienen am 28.09.2018
Das Mondmädchen

Das Mondmädchen

 (2)
Erschienen am 14.03.2016

Neue Rezensionen zu Mehrnousch Zaeri-Esfahani

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Rezension zu "33 Bogen und ein Teehaus" von Mehrnousch Zaeri-Esfahani

Eindrucksvoll und sehr empfehlenswert!
Lalevor 2 Monaten

Inhalt:

Die 14-jährige Mehrnousch muss alles aufgeben als ihre Familie beschließt, aus der Heimatstadt Isfahan zu fliehen. Doch das ist für sie nicht weiter tragisch, da so ihr Bruder dem Krieg entgeht und ihre Familie zusammen ein Abenteuer erleben kann. 
Aber die Flucht ist keineswegs einfach, Mehrnousch und ihre Familie muss sich auf eine harte Zeit gefasst machen und erlebt ein Gefühlschaos, in der Hoffnung und Verzweiflung eine große Rolle spielen...


Meine Meinung:

Eine berührende und eindrucksvolle Geschichte einer starken Familie.

Mehrnousch ist gerade einmal 14 Jahre alt als in Iran der Krieg ausbricht und ihrem älteren Sohn die Wehrpflicht droht. Ohne viel Zeit zu verlieren, beschließt die Familie zu flüchten. Die Kinder nehmen das alles zunächst als ein großes Abenteuer wahr, doch schon bald müssen sie feststellen, dass die Reise härter ist als gedacht.
In der Türkei angekommen, merkt die Familie schnell, dass sie in diesem Land keine Zukunft haben. Mehrnousch ist gar nicht begeistert, als die Reise weiter nach Deutschland gehen soll. Werden sie dort endlich eine neue Heimat finden?

Ihre Geschichte erzählt Mehrnousch direkt aus ihrer Perspektive, sodass man den Beginn der Flucht aus der Sicht eines Kindes miterlebt, das die Situation natürlich noch ganz anders wahrnimmt als ein Erwachsener. Doch gerade diese Tatsache, verleiht der Geschichte einen gewissen Charakter, denn statt der Angst und Verzweiflung, steht für die Kinder ein großes neues Abenteuer im Vordergrund.

Schlicht und ohne übertrieben viele Details und Ausschmückungen, erzählt das damalige junge Mädchen, dass noch ein Kind war - wie der Machtwechsel im Iran alles veränderte und ihr tägliches Leben beeinflusste und einschränkte. Die kindlische Unwissenheit und die Fähigkeit alles so zu nehmen, wie es ist, finde ich bewundernswert und lassen den Leser Vergleiche mit der eigenen Vergangenheit anstellen.

Sachlich und doch voller Eindruck und Gefühl, beschreibt Mehrnousch, wie die Familie alles für die Flucht aufgibt, in der Hoffnung eine neue Heimat zu finden. Absolut toll finde ich, dass ohne auf andere Beispiele einzugehen, verbreitete Klischees widerlegt werden, da man die Flüchtlingssituation auch auf heute übertragen kann. 

Auch das ewige Schwanken zwischen Hoffen und Verzweifeln drückte die Autorin bewegend aus, besonders die Situationen in der neuen Schule fand ich sehr eindrucksvoll. Hier hat man mal die Sicht des Schülers, der die Sprache nicht versteht und sich daraufhin so verhält, wie er - oder in dem Fall sie - sich eben fällt. Das sollte ein Anstoß für uns alle sein und uns jede Menge Stoff zum Nachdenken liefern! 


Fazit:
Eine berührende, einfach gehaltene Geschichte eines jungen Mädchens und ihrer Familie, die ihre Heimat aufgeben mussten. Ohne jegliche Wertung gibt uns die Autorin jede Menge Denkanstöße, die wir beherzigen sollten. 

Für jeden Menschen empfehlenswert, diese Geschichte und ein paar Denkanstöße kann jeder vertragen!

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Rezension zu "33 Bogen und ein Teehaus" von Mehrnousch Zaeri-Esfahani

Eine autobiographische Erzählung über eine Flucht aus dem Iran
Buchsensibelvor 9 Monaten

Eine autobiographische Erzählung aus der Sicht eines jungen Mädchens, das mit ihrer Familie aus dem Iran flieht.

33 Bogen und ein Teehaus ist ein Jugendbuch, das auf der wahren Geschichte der Autorin beruht. Dabei erzählt die junge Mehrnousch, wie sie in den 70er Jahren glücklich im Iran aufwächst.

Doch viele Menschen sind unzufrieden mit der ausschweifenden und teils ungerechten Staatsführung des Schahs. Die Hoffnung vieler Menschen liegt auf einem Regimewechsel und erste Proteste werden laut.

Aber als Ayatollah Chomeini, auf dem zuvor so viel Hoffnung lag, an die Macht kommt ändert sich plötzlich alles. Auf einmal müssen sich Frauen und Mädchen verhüllen und dürfen nicht mehr zur Schule gehen. Die Menschen werden ihrer Grundfreiheiten beraubt.

Als ihre Brüder dann auch noch als Kindersoldaten gegen den Irak eingezogen werden sollen, sieht die Familie keinen anderen Ausweg mehr, als zu fliehen. Doch ihre erste Wahl – die Türkei – macht es ihnen nicht leicht Fuß zu fassen.

Als sie den Tipp bekommen, über Ostberlin nach Westdeutschland einreisen zu können, macht sich die Familie erneut auf den Weg. Doch der Anfang in Deutschland ist schwierig und so werden sie zunächst von Flüchtlingsheim zu Flüchtlingsheim geschickt, bis sie endlich „ankommen“ können.

Das Buch liest sich sehr leicht und eignet sich daher auch gut als Schullektüre für jüngere Leser. Es ist spannend – beinahe poetisch geschrieben und bewegend.

 


 www.buchsensibel.de


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Rezension zu "33 Bogen und ein Teehaus" von Mehrnousch Zaeri-Esfahani

In sanfter Sprache beschreibt sie das Unbeschreibliche
Hundertmorgenwaldvor einem Jahr

Inhalt:

Es ist ein autobiografisches Buch über die Diktatur im Iran und die Flucht nach Deutschland im Jahre 1985.

Die Autorin wird 1974 in Isfahan, Iran geboren. Sie wuchs privilegiert auf.
Ihr Vater war Arzt, sie hatten Angestellte, ein Haus mit Pol.
Als kleines Mädchen erlebe sie die Revolution gegen den Schah, den selbsternannten Kaiser. Die Bevölkerung demonstriert, steigt jede Nacht auf die Dächer ihrer Häuser.
1979 ist es geschafft. Der König geht ins Exil, Ajatolllah Chomeini kommt wieder.
Nun wird alles besser, denkt die Bevölkerung, doch das Gegenteil ist der Fall.
Monatlich kommen neue Gesetze heraus.

"Nach der strengen Kleiderordnung für alle kam das Verbot weltlicher Musik. Im einzigen Fernsehprogramm liefen den ganzen Tag Korangesänge, Kriegslieder und Trauergedichte, rezitiert, gesungen und vorgetragen von Männerstimmen, denn Frauen durften nicht mehr ihre Stimmen einsetzen.
Spielfilme und Videos wurden verboten. Spiele auch. Schach war nicht mehr erlaubt, Kartenspiele, "Mensch ärgere Dich nicht" und andere Würfelspiele waren es ebenso wenig. Tanzen wurde bei Gefängnisstrafe verboten.
Am Zayandeh Rud sah man keine Verliebten mehr., Denn zu zweit spazieren zu gehen, ohne verheiratet zu sein, war auch verboten. Verliebt sein war ebenfalls verboten.
Viele Frauen verloren ihre Arbeit, weil bestimmte Tätigkeiten nur noch von Männern ausgeführt werden durften. Frauen durften sich nicht mehr schminken. Sie durften nicht mehr mit dem Fahrrad fahren und nicht rennen. [....]"

Als sie eingeschult wird, muss sie gegen ihren Willen ein Kopftuch tragen. Ihre Mutter und ihre Tante versuchen sie zu überzeugen, wie toll es ist, obwohl beide es selber nicht mögen.

1980 kommt der erste Golfkrieg.
Jungs im Alter von 13-14 Jahren wurden in der Schule überzeugt, wie toll es ist, in den Krieg zu gehen und einen Märtyrertot zu sterben.
Die Kinder wurden eingesetzt, um über die Minenfelder zu gehen und versteckte Minen mit ihren Körpern zur Explosion zu bringen.

Die Autorin hat zwei ältere Brüder. Der 14 jährige leidet schon sehr in der Schule, weil er sich nicht an der Waffe ausbilden lassen will.
Doch als das Gesetz rauskommt, dass zukünftig alle 15 jährigen eingezogen werden können, beschließt die Familie zu fliehen.

Über die Türkei reisen sie nach Ostdeutschland und von da in den Westen.
Mehrnousch erzählt, wie sie die Zeit wahrgenommen hat und wie das erste Jahr in Deutschland war.


Meine Meinung:

Grandios!

In einer so sanften Sprache beschreibt sie das Unbeschreibliche.
Sie war ein intelligentes, kleines Mädchen, das viel beobachtet hat und versuchte, sich einen Reim von dem Verhalten der Erwachsenen zu machen. Aber auch ihre Eltern waren weltoffene Menschen und bezogen die Kinder mit ein. Auch wenn ihre Geschwister nur am Rande vorkommen, habe ich sie genau so mit ins Herz geschlossen und mich gefreut, als ich gesehen habe, dass ihr Bruder das Buch illustriert hat.
Und es hat tief mein Herz berührt, dass für die Eltern sofort klar war, lieber fliehen sie in eine ungewisse Zukunft, als das Leben ihres Sohnes aufs Spiel zu setzen.

Mich hat das Buch wirklich tief berührt.
Einmal diese Grausamkeiten im Iran.
Wenn man sich das Zitat oben mal durchliest, da fällt einem doch nichts mehr zu ein. Das können wir uns, in unsere heilen Welt, gar nicht vorstellen.
Da macht mich einfach nur sprachlos und ich frage mich, wie Menschen es in einer Diktatur aushalten.
Und ja, ich schäme mich auch ein wenig, dass ich keine Ahnung von der Revolution und ihren Folgen hatte.
In so Situationen frage ich mich immer, warum die Presse uns eigentlich nie darüber aufklärt.

Es hat mich auch berührt, wie schlecht deutsche Flüchtlingshelfer sie zum Teil behandelt haben. Und unter welch schlimmen Bedingungen sie teilweise leben mussten. Und das war 1985. Da wurde mir flau im Magen und ich fragte mich, wie schlimm es erst heute sein muss, wo weit mehr Flüchtlinge weit länger in "Großraumbaracken" verweilen müssen.

Es ist erschütternd, weil es einen den Wahnsinn der Welt spüren lässt. Das was wir weit weg schieben, selbst wenn es vor unsere Haustür passiert.
Und doch ist es auf eine Art geschrieben, die einen nicht verschreckt. Mehr als einmal hatte ich das Bedürfnis, die kleine Mehrnousch an die Hand zu nehmen.

Einziger Kritikpunkt: Es wäre schön gewesen, wenn die Jahreszahlen auch im Buch vorgekommen wären und nicht nur in der Vita.

Für mich ist es ein All-Age-Buch.

Lest es Ihr Lieben, Ihr werdes es nicht bereuen.
Eine absolute Kaufempfehlung!

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