Mel Gordon Erik Jan Hanussen

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Inhaltsangabe zu „Erik Jan Hanussen“ von Mel Gordon

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  • Rezension zu "Erik Jan Hanussen" von Mel Gordon

    Erik Jan Hanussen
    TheSaint

    TheSaint

    20. March 2012 um 18:57

    Herschmann Chaim Steinschneider wurde 1889 in Wien Ottakring als hebräischer Junge geboren. Diese sehr kurzweilige und informative Biografie erzählt reichhaltig bebildert und mit vielen Plakatmotiven und Zeitungsausschnitten aus jener Zeit versehen vom Leben dieses Mannes als armer Bettler in Wiens Strassen, über seine Tätigkeiten auf Jahrmärkten, in Zirkussen und auf den Bühnen Europas und Amerikas als Hypnotiseur, Hellseher, als Wünschelrutengänger und parapsychologischer Berater verschiedenster Polizeidienststellen. Als sich Steinschneider für einige Tage unerlaubt als Soldat von seiner Truppe entfernt und in einem Zug nach Wien den Wiener Charakterschauspieler und etwas windigen Impressario Josef "Peppi" Koller trifft war "Erich Jan Hanussen", Hellseher aus Kopenhagen, geboren. Unter diesem falschen Namen würde man den Fahnenflüchtigen auf einer Bühne in Wien nicht erkennen... später wurde Erich zum nordischen Erik geändert. Aus dem Wiener Juden war ein dänischer Nobelmann geworden... Faszinierend ist es zu verfolgen, dass sich das Blatt des Steinschneider-Hanussen in den dunkelsten Momenten seines Lebens immer wieder zum Guten wandte und er schlußendlich zu einem extrem wohlhabenden Mann mit einem enorm großen Bekanntheitsgrad wurde. 1931 traf Hanussen auf den an schwarzen Künsten sehr interessierten Graf Wolf Heinrich von Helldorf, der seines Zeichens einer der höchsten Führer der SA in Berlin war. Helldorf wurde zu einem der größten Schuldner Hanussens, der sich mit der Geldverleiherei eine gesicherte Position schaffen wollte. Im Juni 1932 stellte Helldorf dann Hanussen dem Führer vor, der ebenso wie Helldorf sehr an Okkultem interessiert war. Hanussen profitierte von diesem Interesse und konnte durch seine Nazi-Kontakte und durch seine Hellsehershows und seine astrologische Zeitung großes Interesse auf sich ziehen und in Berlin schlußendlich den pompösen "Palast des Okkulten" errichten. In der Eröffnungsnacht des Palastes, am 26. Feber 1933, hypnotisierte Hanussen die tschechoslowakische Schauspielerin Maria Paudler, die in Hypnose "Da ist Feuer. Ich sehe ein großes Haus in Flammen stehen" ausrief. 20 Stunden später brannte der Reichstag. Widersacher und Neider Hanussens begannen eifrigst, die jüdische Abstammung Steinschneider-Hanussen's zu publizieren und so wurde der Mann für das Nazi-Regime ein Dorn im Auge. Die bei ihm schwer verschuldeten SA-Männer Karl Ernst, Wilhelm Ohst sowie Graf Helldorf distanzierten sich daraufhin freundschaftlich wie geschäftlich von ihm. Der "Mann, der niemals falsch liegt", der "Prophet des Dritten Reiches", welchem vermeintliche hellseherische Fähigkeiten und ein Sechster Sinn von anerkannten Wissenschaftern bescheinigt wurden (obwohl Steinschneider sie selbst oft als Bühnentricks erklärte), sah seinen Tod durch diese Männer nicht kommen. Am 23. März 1933 wurde Hanussen in seiner Privatwohnung verhaftet und in der Nacht des 24. März erschossen. Seine Leiche wurde Tage später, schlimm durch Wildfraß verunstaltet, in einem Waldgebiet südlich Berlins aufgefunden. Eine sehr lesenswerte Biografie und wunderbare geschichtliche Ergänzung rund um den Niedergang der Weimarer Republik und der dramatischen Götterdämmerung des Dritten Reiches.

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