Mela Hartwig

 4.2 Sterne bei 9 Bewertungen

Lebenslauf von Mela Hartwig

Mela Hartwig, geboren 1893 in Wien, war Schauspielerin, Malerin und Autorin. Nach den Veröffentlichungen des Novellenbands "Ekstasen" (1928) und des Romans "Das Weib ist ein Nichts" (1929) hatte sie Schwierigkeiten, als Jüdin von einem Verlag angenommen zu werden. 1938 emigrierte sie mit ihrem Ehemann Robert Spira nach England, wo sie in den Jahren 1946 bis 1948 den Roman "Inferno" schrieb, der zu Lebzeiten nie veröffentlicht wurde. 1967 starb sie in London. Bei Droschl wurden "Bin ich ein überflüssiger Mensch?" (2001), "Das Weib ist ein Nichts" (2002) und "Das Verbrechen" (2004) publiziert.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Mela Hartwig

Cover des Buches Bin ich ein überflüssiger Mensch?9783854205746

Bin ich ein überflüssiger Mensch?

 (3)
Erschienen am 01.01.2001
Cover des Buches Das Weib ist ein Nichts9783854208792

Das Weib ist ein Nichts

 (3)
Erschienen am 10.05.2012
Cover des Buches Inferno9783990590201

Inferno

 (2)
Erschienen am 10.08.2018
Cover des Buches Das Verbrechen9783854208808

Das Verbrechen

 (1)
Erschienen am 09.05.2012

Neue Rezensionen zu Mela Hartwig

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Rezension zu "Bin ich ein überflüssiger Mensch?" von Mela Hartwig

Das Extrem der Mitte
JayBrontevor einem Jahr

Hartwigs Roman ist zirka in den Jahren 

1929-1931 entstanden und wurde zu ihren 
Lebzeiten nicht publiziert da Ihr Verlag 
aufgrund des veränderten Lesegeschmacks
des Publikums kein Absatzpublikum für den 
Roman sah das dem damals modernen Bild 
der selbstsicheren Frau, Der Kraftquelle des
 heimischen Herds eine Neurotikern
 gegenüberstellt die sich über die Normen 
ihrer Zeit hinwegsetzt. 

Setzte Hartwig den Schwerpunkt ihrer
vorangegangen Schriften in der Auslotung von 
Gegensätzen wie gut und böse, 
schön und hässlich begibt Sie sich nun in die
Mitte der Gesellschaft. Wobei sie ihren
s ozialkritischen Blickpunkt erstmals in 
einen historischen Kontext einarbeitet  und auch
die sozialökonomischen Bedingungen der Zeit
des Geschehens einfließen lässt.

Das Übergeordnete 
Thema des Buchs ist die selbstdiagnostizierte 
'Durchschnittlichkeit' ihrer Protagonistin Aloisia.
Die sachliche und nüchterne Sprache der 
Ich-Erzählerin unterstreichen den inneren Kampf 
des Charakters die ihre Erinnerungen aufrollt
und jedes Indiz  ihrer eigenen 
Empfindungslosigkeit gnadenlos gegen ihr 
eigenes Schicksal richtet. Analytisch geht Sie 
mit sich selbst und Ihrer eigenen
 'Mittelmässigkeit' ins Gericht, reflektiert jede 
Vergangene Handlung und Gefühlsregung.
Jeder Verdacht  eigener Gefühlskälte ein
Beweis sich  Wiederstands- und 
Wiederspruchslos in das  eigene Schicksal zu 
fügen. Doch spiegelt sich  darin auch eine 
stumme Aufforderung des  Wiederspruchs von
aussen gegen die eigene  Überflüssigkeit. 
Der eigentlichen Unsicherheit der Protagonistin 
bezogen auf ihren eigenen Wert stehen
Situationen gegenüber in denen sie den eigenen
und fremd Erwartungen zuwiederhandelt.
Eine Art aufbegehren gegen das vorbestimmte
Schicksal. 

Ein mutiges Buch das in mir beim Lesen ein ums 
andere Mal die Frage aufwarf wie hoch der
A nspruch der Gesellschaft und des Individuums
an den einzelnen sein darf bevor er zerbricht.
Wieviel Anpassung an Normen verträgt die 
Persönlichkeit bevor sie zu einem Schatten wird.
Ist das Buch auch historisch in einen zeitlichen 
Kontext eingebunden so hat es doch an 
Aktualität nicht verloren. Die Autorin lässt die 
Frage nach dem weiteren Schicksal ihrer
Protagonistin unbeantwortet offen auf das jeder 
Leser die Frage nach Schicksal oder kein 
Schicksal selber beantworten kann und muss.


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Rezension zu "Inferno" von Mela Hartwig

Gewissensbisse
aus-erlesenvor 2 Jahren

Süße achtzehn ist Ursula. Die Schule hinter, das Leben vor sich. An der Kunstschule angenommen. Das Leben kann kommen. Die Straßen sind voller Eindrücke. Eindrücke, die ihr Leben beeinflussen. Das Offensichtliche jedoch bleibt Ursula noch verschlossen. Im Unterricht erschießt sich ein Mitschüler. Weil er es nicht mehr aushielt zu schweigen. Weil er kein Verräter sein wollte. Weil er nur diesen einen Ausweg sah.
Ursula bemerkt sehr wohl die Veränderungen um sie herum. Massen drängen auf die Straße, Uniformen bestimmen immer mehr das, was sie tagtäglich sieht. Auf der Straße, in der Schule, ja sogar zuhause. Häuser brennen. Menschen werden nicht einfach nur aus Versehen geschupst, sie werden verprügelt, geschlagen, ihnen die Klamotten vom Leibe gerissen. Es ist die Zeit des so genannten Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich. Wer nicht ins Bild passt, muss die Konsequenzen ziehen. Auch Ursula. Ihr Vater und ihr Bruder, besonders Letzter, tragen das Abzeichen, das sie zur neuen Elite zugehörig anzeigt. Ihr Bruder sieht die neuen Herren als Chance. Eine Chance zum Weiterleben. Ihr Vater hat schon aufgegeben, läuft mit. Besser man hält den Mund, denn die Wände haben Ohren. Und es werden immer mehr. 
Ursulas Freund anerkennt die neuen Herren nicht. Er ist einer derjenigen, die Widerstand leisten. Und er hat Glück im Unglück. Man ist ihm und seiner Gruppe schon auf der Spur. Im Geheimen treffen sie sich. Planen ihren Untergrund, ihre Aktionen. Doch Verräter gibt es allenthalben. Vorsicht ist für ihn mehr als eine Worthülse. So mancher hält dem Druck nicht Stand. Das weiß Ursula. Sie war dabei als einer zusammenbrach…
Mela Hartwig zeichnet ein detailliertes Bild einer Grauzone. Es gibt kein einfaches Schwarz-Weiß in der Familie Ursulas. Eher ein Braun-Weiß. Doch selbst der Bruder besinnt sich seiner Familie und warnt, denn der Vater wird argwöhnisch (der auch das Abzeichen trägt) beobachtet. Die Täter handeln aus verschiedenen Motiven. Opportunismus und Machtgetue liegen oft näher beieinander als man es sich selbst eingestehen will. 
Vor 85 Jahren begann dieses dunkle Kapitel. Vor 80 Jahren brannten die Feuer und beleuchteten dieses dunkle Kapitel für die Welt. Vor 70 Jahren schrieb Mela Hartwig diesen Roman. Und 2018 ist er endlich erschienen. Wein wird mit den Jahren immer besser, sagt man. Dieses Buch war von Anfang an ein Juwel. Doch nach dem Krieg waren auch die Verlage vorsichtig. Das Inferno der noch nicht lang zurückliegenden Zeit sollte nicht wieder aufgerüttelt werden. Und so schlummerte dieser Schatz jahrzehntelang in Archiven und wartete auf seine Entdeckung. Endlich wurde dieser Schatz gehoben. Ein mahnender Schatz, denn die Wortverdreher halten bereits wieder Hof und spitzen die Giftpfeile…

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