Melanie Fritz Chaos im Kessel

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Inhaltsangabe zu „Chaos im Kessel“ von Melanie Fritz

Seitdem der Otto und der Jakob im letzten Sommer den Mord an ihrem Kumpel aufgeklärt haben, ist für Otto einiges den Bach runtergegangen: Er hat kein Dach mehr überm Kopf, seine Ausbildung abgebrochen, kriegt Ärger mit der Polizei, und die Lorelei, die Liebe seines Lebens, ist stinksauer auf ihn, weil er ständig high ist. Zeit, sich am Riemen zu reißen!
Die Wende kommt mit einer Wette: Schafft der Otto den Entzug, winkt endlich die Gunst seiner Traumfrau. Das motiviert. Die Wette verselbständigt sich aber bald und der Freundeskreis teilt sich in ungebetene Helfer – darunter ein Hund – und aufdringliche Wettbetrüger – wie sein bester Freund Jakob –, die den Otto allesamt in den Wahnsinn treiben. Und dabei darf keiner wissen: Der Entzug hat Nebenwirkungen für den Otto, nämlich nicht ganz unwillkommene drogenrauschähnliche Halluzinationen!
Darüber hinaus kriegen der Jakob und der Otto als stadtbekannte Verbrecherjäger jetzt einen 'Fall' nach dem andern aufgehalst. Fahrraddiebstähle und Karnickel-Entführungen weisen die zwei Vollprofis natürlich zurück, das ist unter ihrer Würde. Doch plötzlich verschwindet die Margot spurlos. Da stellt sich heraus, dass die Erfahrungen bei ihrem ersten Fall den Otto und den Jakob zu Angsthasen gemacht haben und sie schnell merken, dass so etwas eine Kragenweite zu groß für sie ist. Jetzt brauchen die beiden Chaoten eine richtig gute Ausrede, um sich vor einer neuen Verbrecherjagd zu drücken …

Ungeschönt, anders und zum Schreien komisch.

— nicolecarina

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    Chaos im Kessel

    nicolecarina

    04. June 2014 um 09:01

    “Chaos im Kessel” ist ein Roman, der mich zuerst schwer irritiert, dann immer öfter zum Lachen gebracht hat: fürs schicke Stuttgart ungewohnt, ist Melanie C. Fritz’ Hauptdarsteller Otto massiv drogenabhängig und vorerst auch obdachlos. Seine Freundin bezirzt ihn mit Zahnlücke, er ist Dauergast bei der Sozialberatung und auch Kommissar “Seggl” Seggemann hat den Otto ziemlich auf dem Kieker. In Ottos Clique wird gekifft und gekokst und die meisten wetten, dass Otto es nicht schaftt, auf Ansage seiner Holden endlich clean zu bleiben. Und weil ich den ersten Roman über Otto und seine Freunde nicht gelesen habe, entnehme ich dem Klappendeckel, dass der ziemlich fertige und durchgeknallte Antiheld immer wieder unfreiwillig in Kriminalfälle verwickelt ist. Ständiger Begleiter ist übrigens ein namenloser und treu ergebener Stafford Terrier, mit dem Otto eines Morgens auf einem Haufen Bauschutt aufwacht.  Soviel zur Story, die vor allem von Ottos kleinen und größeren Alltagsdramen lebt und lange wenig rasant, aber nach einer kurzen Gewöhnungsphase zunehmend unterhaltsam dahinplätschert. Der Leser begleitet Otto zum Fußballspiel, auf WG-Zimmer-Suche, zur Physiotherapie und erlebt während seiner persönlich verordneten Entziehungskur ungeschönt alle Zusammenbrüche, komatösen Zustände, sagenhafte Halluzinationen, unappetitlichen Rülpser und Erbrecher mit. Zugegeben: für einen Unterhaltungsroman befremdlich, alles in allem aber auch ganz schön anders und nicht zuletzt deshalb fesselnd. Der eigentliche Clou an der Geschichte aber ist: alle Figuren schwätzed allerbroideschdes Schwäbisch und nur so funktioniert der Roman, denn die Pointen sind derb und furztrocken und die dahinter steckende Logig typisch für Menschen, die zwischen Ludwigsburg und Reutlingen leben. Schlechte Nachrichten also für Leser, die bereits mit Honoratiorenschwäbisch Schwierigkeiten haben, aber gut, dass die Autorin hier keine Kompromisse gemacht hat, denn sonst wäre “Chaos im Kessel” einfach eine oft ziemlich geschmacklose Reality-Soap in Buchform. Wo auch immer die Autorin ihre Einblicke her hat (und diese Frage stellte sich mir angesichts ungewohnt drastischer Schilderungen öfters): mit “Chaos im Kessel” zeichnet Melanie C. Fritz ein ziemlich mögliches, ungeschöntes und zum Schreien witziges Bild Stuttgarter Subkultur, die zwischen Breuninger und Daimlerstern gerne übersehen wird.

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