Melanie Mühl Die Patchwork-Lüge

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Inhaltsangabe zu „Die Patchwork-Lüge“ von Melanie Mühl

Im ganzen Land findet man sie, in guten und weniger guten Kreisen, und niemand regt sich mehr über sie auf: Patchwork-Familien. Patchwork ist Flickwerk, das klingt nett und harmlos. Aber taugt es als Muster für unser Leben, unsere Gesellschaft und die Ehe? Melanie Mühl sieht in Patchwork-Familien das Resultat einer weit verbreiteten Lebenshaltung, die Festlegungen scheut. Doch können wir auf Verlässlichkeit so einfach verzichten? Wollen wir in einer Gesellschaft leben, in der Vertrauen regelmäßig enttäuscht wird? Ein unzeitgemäßes Buch, das eine längst fällige Debatte auslösen wird.

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  • Rezension zu "Die Patchwork-Lüge" von Melanie Mühl

    Die Patchwork-Lüge

    Sokrates

    Melanie Mühl hinterfragt außerordentlich kritisch Patchwork-Familien, Scheidung und das moderne Selbstverständnis von Müttern und Vätern (und solchen, die es einmal werden könnten). Unsere Gesellschaft ist durcheinander, alte Wertestrukturen lösen sich auf, Selbstverwirklichung, Individualismus und Erfolgsstreben sind tonangebend. Ihnen kann sich kaum einer entziehen. Mühl stellt richtigerweise fest, dass – wer eine Familie gründen will – nicht gleichzeitig auf zwei Hochzeiten tanzen kann: der der eigenen Karriereoptimierung und der der Familie. Beides geht nicht, zumal schon die Kinder-betreuungseinrichtungen in ihrer Anzahl zu gering sind. Darüberhinaus kritisiert sie eine sehr weit verbreitete Einstellung zur Partnerschaft: nämlich die, wonach „jeder Mensch ersetzbar“ wäre, also Partner zu „Lebensabschnittsgefährten“ degradiert werden. Ein sich festlegen und „durchhalten“, marschieren durch gute und schlechte Zeiten, ist nur noch für wenige Paare ein Ideal. Lieber trennt man sich. Eherecht und gesellschaftlicher Konsens machen es auch moralisch einfach. Die leidtragenden sind die Kinder, die nachgewiesenermaßen ein vielfach erhöhtes Risiko haben, mangels „Nestwärme“ selbst einmal Problemkinder zu werden: charakterliche Defizite und gesundheitliche Problemkonstella-tionen (Depressionen etc.). Und da sich in unserer Gesellschaft bereits ein Wandel des Familienbildes in Gang gesetzt hat, stellt Frau Mühl richtigerweise fest, wie sehr sich die Werteordnung bereits verschoben hätte. Eine Patchwork-Familie wird nicht mehr als gescheitertes Modell verstanden, sondern als „Bereicherung“; unsere Bundespräsidenten-Familie geht mit gutem Beispiel voran. Nicht mehr Beständigkeit sind von Wert, sondern Bipolarität, Abwechslungsreichtum, Buntheit. Dass dabei Ruhe, Verlässlichkeit und Stabilität verloren gehen, wird konsequent ignoriert und allenfalls den Konservati-ven als negative – verharrende – Charaktereigenschaft zugesprochen, die primär als Kriterium eigener Angst aufgefasst wird. . Das Buch hat mir aus der Seele gesprochen. In vielerlei Hinsicht finden sich eigene Beobachtungen bestätigt. Melanie Mühl argumentiert nicht aus der Perspektive einer konservativen „Kulturkritikerin“, die das „Ende vom Abendland“ kommen sieht, sondern hinterfragt intelligent mittlerweile akzeptierte Änderungen, nämlich solche die eigentlich – wenn man sie einmal unvoreingenommen betrachtet – mehr den Zerfall der Gesellschaft anzeigen als deren Fortschritt.

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  • Rezension zu "Die Patchwork-Lüge" von Melanie Mühl

    Die Patchwork-Lüge

    WinfriedStanzick

    14. September 2011 um 08:51

    Die FAZ - Journalistin Melanie Mühl hat sich getraut und in einer „Streitschrift“ eine der wesentlichen und dramatischen Lebenslügen von immer mehr Menschen und einer ganzen Gesellschaft angegriffen. Sie nennt es die „Patchwork-Lüge“ und meint damit nicht nur das Schönreden und Idealisieren der sogenannten „Patchwork-Familien“, von denen sich viele redlich abmühen, sondern sie identifiziert das Flickwerk als Muster für das Leben vieler Menschen generell und für die Gesellschaft. Einer Gesellschaft, die sich in ihren Fernsehsendungen und Filmen schon gar nicht mehr traut, eine ganz normale Familie darzustellen. Eine Gesellschaft, die nicht wahrhaben will, welche schlimmen und meist lebenslangen Folgen die immer mehr zunehmenden Scheidungen von Ehen für die sogenannten Scheidungskinder hat. Eine Gesellschaft, deren Mitglieder in einer immer größeren Zahl einfach nicht erwachsen werden wollen: „Heute ist uns die Vorstellung davon, was Erwachsensein heißt, abhandengekommen. Erwachsen sein heißt, Entscheidungen zu treffen. Indem wir uns auf eine Option festlegen, schließen wir andere Optionen aus. Wir verzichten auf etwas und übernehmen für etwas Verantwortung, für einen Menschen zum Beispiel oder für eine Familie. Erwachsensein bedeutet, die banale Tatsache zu akzeptieren, dass sich nicht jeder Wunsch verwirklichen lässt und Lebensabschnitte einander abwechseln. Erwachsensein kann ein beruhigendes Gefühl vermitteln. Die Möglichkeitswelt ist kleiner geworden, sie erfordert keine permanenten Revision, weil man nicht fürchtet, Erlebnisse, Menschen oder irgendetwas sonst zu verpassen. Man ist angekommen.“ Doch diese Kulturleistung können und wollen viele Menschen nicht mehr erbringen. Ein immer weiter um sich greifender Jugendwahn, der bei Männern nicht weniger abstoßend und lächerlich daherkommt als bei Frauen, der dauernde Druck, Spaß haben zu wollen und Bedürfnisse sofort zu befriedigen, auch sexuelle, koste es, was es wolle, all das ist nicht Ausdruck, sondern die dramatische Folge einer schon lange sich zeigenden Entwicklung, die zum gesellschaftlichen Flickwerk wurde. Und sie hat lange wirkende und sich über die Generationen ausbreitende Wirkung: „Es wird immer unwahrscheinlicher, dass sich zwei Menschen aus zwei intakten Familien ineinander verlieben, weil es immer weniger intakte Familien gibt. Letzten Endes infizieren die Bindungsneurotiker die Übriggebliebenen mit dem Virus der Einsamkeit. Wie die Depression, ist die Einsamkeit eine Ansteckungserkrankung.“ Eine fürchterliche Vision, die jedoch realistisch ist. Denn „wir sitzen in einem gesellschaftlichen Experiment fest, das wir auf den Weg gebracht und über das wir die Kontrolle verloren haben. Wie es ausgeht, ist völlig ungewiss. Was wir allerdings wissen, ist, dass das Experiment eine verhängnisvolle Richtung eingeschlagen hat, das lässt sich belegen. Die Zahl der Scheidungs- und emotional vernachlässigten Kinder wächst kontinuierlich, wir ziehen immer mehr Narzissten und Egoisten heran, die im selben Atemzug verwöhnt werden wie Prinzen und gedrillt, als seien sie Militäranwärter. Das Trauma der Trennung, früher Liebesentzug, Überforderung, führen in die innere Emigration.“ Solche Menschenkinder, die ohne tiefe Bindung aufwachsen, können später ihren eigenen Kindern, wenn sie denn welche bekommen, niemals das geben, was sie selbst nie erfahren haben, und so geht das Spiel immer weiter. Man kann es in unseren Kindergärten und Schulen täglich beobachten, wie vielen unserer Kinder jegliches Gefühl für Empathie und Fürsorglichkeit abhanden gekommen ist. Statt sich zu vernetzen, wie es der Selbsterhaltungstrieb fordert, treiben die Generationen immer weiter auseinander. Und das ist ernst: „Wir sprechen nicht über ein paar Kindheitstraumata, die nur die Persönlichkeit Einzelner betreffen, wir sprechen über nicht weniger als den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Kinder, die in unverbindlichen Sozialkonstruktionen aufwachsen, die sich selbst überlassen werden, verlieren jedes Gefühl für Bindungen, für Freundschaft, Liebe und Solidarität. Sie sind Vagabundierende, an keinem Ort verankert, ohne feste Beziehungen, nicht einmal der zum eigenen Ich. Das macht sie zu tickenden Zeitbomben. Denn irgendwann werden die Kinder Erwachsene sein, und das psychische Profil einer ganzen Generation prägen.“ Wer sich über den aktuellen Stand der Bindungstheorie verständlich und anschaulich informieren möchte, den verweise ich auf: Eva Rass, Bindung und Sicherheit im Lebenslauf, Klett-Cotta 2011. Empfehlen möchte ich auch neben Melanie Mühls engagierter Streitschrift das nicht weniger engagierte Buch Ihrer Kollegin von der ZEIT, Susanne Gaschke, das unter dem Titel „Die verkaufte Kindheit“ soeben bei Pantheon erschienen ist.

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