Melinda Nadj Abonji

 3.6 Sterne bei 108 Bewertungen
Autorin von Tauben fliegen auf, Schildkrötensoldat und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Melinda Nadj Abonji

Melinda Nadj Abonji wurde am 22. Juni 1968 in Bečej, Serbien geboren. Sie ist eine ungarisch-schweizerische Schriftstellerin, Musikerin und Künstlerin. Sie wuchs in der Schweiz auf, nachdem ihre Familie aus dem damaligen Jugoslawien in die Schweiz emigrierte. 1997 schloss sie ihr Studium an der Universität Zürich mit dem Lizenziatsgrad ab und hat mittlerweile das Schweizer Bürgerrecht erhalten. In ihrem ersten Roman »Tauben fliegen auf« behandelt sie auch autobiografische Elemente und wurde mit dem »Deutschen Buchpreis 2010« sowie dem »Schweizer Buchpreis 2010« ausgezeichnet. Sie lebt bereits seit vielen Jahren in Zürich.

Alle Bücher von Melinda Nadj Abonji

Tauben fliegen auf

Tauben fliegen auf

 (87)
Erschienen am 01.02.2012
Schildkrötensoldat

Schildkrötensoldat

 (9)
Erschienen am 09.10.2017
Im Schaufenster im Frühling

Im Schaufenster im Frühling

 (6)
Erschienen am 01.10.2012
Tauben fliegen auf

Tauben fliegen auf

 (6)
Erschienen am 04.02.2011
Tauben fliegen auf

Tauben fliegen auf

 (0)
Erschienen am 28.01.2011

Neue Rezensionen zu Melinda Nadj Abonji

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tragalibross avatar

Rezension zu "Schildkrötensoldat" von Melinda Nadj Abonji

Ein besonderes kleines Buch, aber mit einer eigenwilligen Erzählweise.
tragalibrosvor 8 Monaten

Zoltán ist ein Außenseiter in einem kleinen serbischen Örtchen, kurz vor dem jugoslawischen Bürgerkrieg. Seit er als Kind vom Motorrad seines Vaters gefallen ist, hat er „Schläfenflattern“, wie er es selbst nennt. Als er 1991 zur Armee eingezogen wird, beginnt für ihn die schlimmste Zeit. Bei einem Gewaltmarsch kommt sein bester Freund zu Tode. Zoltán sucht verzweifelt nach einem Ausweg, ohne Gewalt, ohne Geschrei, ohne Leid…

Eigentlich war „Schildkrötensoldat“ ein Zufallsfund, als ich für die diesjährige Lovelybooks Themenchallenge nach Büchern suchte, die an meinem Geburtstag erschienen sind.
Bisher ist mir noch kein anders Buch der Autorin untergekommen, doch der Klappentext dieses Romans, hat mich sehr angesprochen.
Als ich anfing zu lesen, war ich erst irritiert und skeptisch, wegen der völligen Abwesenheit der wörtlichen Rede. Auch die Regeln der Groß- und Kleinschreibung hat die Autorin für ihr Buch, sagen wir, neu gestaltet. Dies wirkt anfangs sehr befremdlich, führt dem Leser aber den Geisteszustand des Protagonisten wunderbar vor Augen. Man kann, zwar zu Beginn nur mit etwas Mühe und Konzentration, den teils wirren Gedankengängen und Vergleichen des Hauptcharakters folgen, die sehr poetische Vergleiche enthalten, mit denen er seine Umwelt beschreibt.
Hier wird schnell deutlich, dass Zoltán ein sanftmütiger Charakter ist, der Gewalt und Streit ablehnend gegenübersteht.
Ergänzt werden die Ereignisse durch Zoltáns Cousine, die sich oft und sehr liebevoll an ihren Cousin erinnert.
Eine weitere Besonderheit dieses Romans ist es, dass der Leser häufig direkt angesprochen wird. („Wer sind Sie eigentlich?“, „…verstehen Sie?“) Dadurch fühlt man sich als Teil, als Beobachter in dieser Geschichte.

Und obwohl auch die Handlung selbst sehr rührend und tiefgründig ist, tue ich mich mit meiner Bewertung eher schwer.
Ich war unterhalten, ich habe schnell Sympathie zum Protagonisten aufgebaut und mich gleich zu Beginn in die Handlung eingelesen, aber der Schreibstil hat mich nach einer Weile angestrengt. Hier kam dem Buch allerdings die Kürze (etwas über 170 Seiten) zugute.

Ich vergebe drei Sterne. Das Buch war definitiv gut, hinterlässt bei mir einen wunderbaren Eindruck, ist aber sehr speziell in der Erzählweise und daher sicher nichts für jeden.

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smayrhofers avatar

Rezension zu "Schildkrötensoldat" von Melinda Nadj Abonji

Beeindruckendes Buch über einen Außenseiter
smayrhofervor 10 Monaten

Zoltán Kertész - genannt Zoli – lebt zusammen mit seinen Eltern in einem serbischen Dorf. Er hat ein schlichtes, friedfertiges Gemüt, gilt aber als verschlossen und geistig zurückgeblieben. Durch die in der Jugend erhaltenen Schläge vom Bäckermeister, wo er arbeitet, sowie durch einen Sturz vom Motorrad hat er bleibende Schäden davon getragen, die sich später zu Epilepsie entwickeln. Ansonsten liebt er seinen Garten, löst gerne Kreuzworträtsel und gibt Wörtern neue Bedeutungen. Gegen seinen Willen wird Zoli Soldat, und das mitten im schwelenden Jugoslawien-Konflikt Anfang der 90er Jahre. Auch bei der Armee wird Zoli sowohl von Vorgesetzten als auch von Kameraden angefeindet, nur der fettleibige Jenö hält zu ihm. Bei einem übertriebenen Trainingsmarsch spitzt sich die Situation zu…

„Schildkrötensoldat“ kommt zunächst als etwas sperriges Werk daher, nicht zuletzt aufgrund der speziellen Erzähltechnik: Zoli und seine in die Schweiz übergesiedelte Cousine Anna, mit der Zoli eine spezielle Freundschaft verbindet, wechseln sich mit dem Erzählen ab. Dabei zeigt sich bald, dass Zolis Erzählung quasi aus der Gegenwartsperspektive erfolgt, während Anna das Ganze rückblickend betrachtet. Und während Annas Erzählung von einer tiefen Traurigkeit durchsetzt ist, schreibt Zoli in seinem ganz eigenen Stil, orthographisch nicht immer korrekt, aber sehr direkt und kreativ. Darüber hinaus wird dadurch eindrücklich beschrieben, wie sensibel und verletzlich Zoli trotz seiner „Schildkrötentaktik“ ist. Und so kann man sich nach und nach in Zolis Welt hineinversetzen und ein Gefühl dafür bekommen, was der junge Mann und tragische Held alles erleiden muss. Letztendlich ist Anna die einzige Person in Zolis Leben, die ihn wirklich versteht.

Die Geschichte zeigt eindrücklich, wie man mit Außenseitern in der Gesellschaft umgeht (oder auch nicht) und beschreibt nebenbei auch noch die Sinnlosigkeit des Krieges, hier vor dem Hintergrund der ethnischen Probleme im sich auflösenden Vielvölkerstaat Jugoslawien. Ein beeindruckendes Buch, bei dem mir der Einstieg schwierig vorkam, aber das mich am Ende doch positiv überrascht hat. 

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SomeBodys avatar

Rezension zu "Schildkrötensoldat" von Melinda Nadj Abonji

Meine Meinung zu "Schildkrötensoldat" von Melinda Nadj Abonji
SomeBodyvor 10 Monaten

Der Grundgedanke in “Schildkrötensoldat” ist ganz sicher lesenswert, doch H-I-M-M-E-L!, was hat sich die Autorin nur dabei gedacht, als Stilmittel so konsequent die Regeln der Rechtschreibung zu missachten und so alles zu überlagern? Ellenlange Sätze, Kommas en masse, Kleinschreibung zu Beginn und fehlende Satzzeichen am Ende haben mir hier leider komplett das Vergnügen an der Lesezeit geraubt. Sehr schade, denn damit blieben mir Zoltán, Jenő und auch Anna unheimlich fremd. 

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Zusätzliche Informationen

Melinda Nadj Abonji wurde am 22. Juni 1968 in Bečej (Serbien) geboren.

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