Schildkrötensoldat

von Melinda Nadj Abonji 
3,2 Sterne bei9 Bewertungen
Schildkrötensoldat
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tragalibross avatar

Etwas Besonderes, aber sicher nichts für jeden.

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Beeindruckendes Buch über einen Außenseiter

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Inhaltsangabe zu "Schildkrötensoldat"

Erster Roman seit dem mehrfach ausgezeichneten Bestseller Tauben fliegen auf, für den Melinda Nadj Abonji 2010 sowohl den Deutschen als auch den Schweizer Buchpreis erhielt
Zoltán Kertész, blauäugiger Sohn eines »Halbzigeuners« und einer Tagelöhnerin mit ständig wechselnden Liebhabern, ist der Außenseiter in einem kleinen Ort in Serbien. Als Kind ist er dem Vater in voller Fahrt vom Motorrad gefallen, und der Bäcker, dem er die Mehlsäcke nicht schnell genug durch die Backstube schleppte, hat ihm den Kopf blutig geschlagen. Seither hat er das »Schläfenflattern«, sitzt am liebsten in seiner Scheune und löst Kreuzworträtsel. Als 1991 der jugoslawische Bürgerkrieg ausbricht, sehen das die Eltern als Chance für den Sohn: In der Volksarmee soll der »Taugenichts«, der »Idiot« zuerst zum Mann und dann zum Helden werden. Aber Zoltán passt auch dort nicht ins System, stellt die falschen Fragen und die auch noch stotternd. Als sein einziger Freund bei einem Trainingsmarsch in der Folge sinnloser Schleiferei tot zusammenbricht, verweigert sich Zoltán endgültig einer Ordnung, die alle Macht dem Stärkeren zugesteht.
Vom sanften Widerstand der Phantasie gegen die Beschränkungen eines Systems, das nur Befehl, Gehorsam und Unterwerfung kennt, erzählt Melinda Nadj Abonji in ihrem Roman Schildkrötensoldat – in einer schwingenden, musikalischen Sprache und in eindringlichen, die Kraft des vogelwilden Denkens beschwörenden Bildern.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518427590
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:173 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:09.10.2017

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Rezensionen und Bewertungen

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    tragalibross avatar
    tragalibrosvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Etwas Besonderes, aber sicher nichts für jeden.
    Ein besonderes kleines Buch, aber mit einer eigenwilligen Erzählweise.

    Zoltán ist ein Außenseiter in einem kleinen serbischen Örtchen, kurz vor dem jugoslawischen Bürgerkrieg. Seit er als Kind vom Motorrad seines Vaters gefallen ist, hat er „Schläfenflattern“, wie er es selbst nennt. Als er 1991 zur Armee eingezogen wird, beginnt für ihn die schlimmste Zeit. Bei einem Gewaltmarsch kommt sein bester Freund zu Tode. Zoltán sucht verzweifelt nach einem Ausweg, ohne Gewalt, ohne Geschrei, ohne Leid…

    Eigentlich war „Schildkrötensoldat“ ein Zufallsfund, als ich für die diesjährige Lovelybooks Themenchallenge nach Büchern suchte, die an meinem Geburtstag erschienen sind.
    Bisher ist mir noch kein anders Buch der Autorin untergekommen, doch der Klappentext dieses Romans, hat mich sehr angesprochen.
    Als ich anfing zu lesen, war ich erst irritiert und skeptisch, wegen der völligen Abwesenheit der wörtlichen Rede. Auch die Regeln der Groß- und Kleinschreibung hat die Autorin für ihr Buch, sagen wir, neu gestaltet. Dies wirkt anfangs sehr befremdlich, führt dem Leser aber den Geisteszustand des Protagonisten wunderbar vor Augen. Man kann, zwar zu Beginn nur mit etwas Mühe und Konzentration, den teils wirren Gedankengängen und Vergleichen des Hauptcharakters folgen, die sehr poetische Vergleiche enthalten, mit denen er seine Umwelt beschreibt.
    Hier wird schnell deutlich, dass Zoltán ein sanftmütiger Charakter ist, der Gewalt und Streit ablehnend gegenübersteht.
    Ergänzt werden die Ereignisse durch Zoltáns Cousine, die sich oft und sehr liebevoll an ihren Cousin erinnert.
    Eine weitere Besonderheit dieses Romans ist es, dass der Leser häufig direkt angesprochen wird. („Wer sind Sie eigentlich?“, „…verstehen Sie?“) Dadurch fühlt man sich als Teil, als Beobachter in dieser Geschichte.

    Und obwohl auch die Handlung selbst sehr rührend und tiefgründig ist, tue ich mich mit meiner Bewertung eher schwer.
    Ich war unterhalten, ich habe schnell Sympathie zum Protagonisten aufgebaut und mich gleich zu Beginn in die Handlung eingelesen, aber der Schreibstil hat mich nach einer Weile angestrengt. Hier kam dem Buch allerdings die Kürze (etwas über 170 Seiten) zugute.

    Ich vergebe drei Sterne. Das Buch war definitiv gut, hinterlässt bei mir einen wunderbaren Eindruck, ist aber sehr speziell in der Erzählweise und daher sicher nichts für jeden.

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    smayrhofers avatar
    smayrhofervor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Beeindruckendes Buch über einen Außenseiter
    Beeindruckendes Buch über einen Außenseiter

    Zoltán Kertész - genannt Zoli – lebt zusammen mit seinen Eltern in einem serbischen Dorf. Er hat ein schlichtes, friedfertiges Gemüt, gilt aber als verschlossen und geistig zurückgeblieben. Durch die in der Jugend erhaltenen Schläge vom Bäckermeister, wo er arbeitet, sowie durch einen Sturz vom Motorrad hat er bleibende Schäden davon getragen, die sich später zu Epilepsie entwickeln. Ansonsten liebt er seinen Garten, löst gerne Kreuzworträtsel und gibt Wörtern neue Bedeutungen. Gegen seinen Willen wird Zoli Soldat, und das mitten im schwelenden Jugoslawien-Konflikt Anfang der 90er Jahre. Auch bei der Armee wird Zoli sowohl von Vorgesetzten als auch von Kameraden angefeindet, nur der fettleibige Jenö hält zu ihm. Bei einem übertriebenen Trainingsmarsch spitzt sich die Situation zu…

    „Schildkrötensoldat“ kommt zunächst als etwas sperriges Werk daher, nicht zuletzt aufgrund der speziellen Erzähltechnik: Zoli und seine in die Schweiz übergesiedelte Cousine Anna, mit der Zoli eine spezielle Freundschaft verbindet, wechseln sich mit dem Erzählen ab. Dabei zeigt sich bald, dass Zolis Erzählung quasi aus der Gegenwartsperspektive erfolgt, während Anna das Ganze rückblickend betrachtet. Und während Annas Erzählung von einer tiefen Traurigkeit durchsetzt ist, schreibt Zoli in seinem ganz eigenen Stil, orthographisch nicht immer korrekt, aber sehr direkt und kreativ. Darüber hinaus wird dadurch eindrücklich beschrieben, wie sensibel und verletzlich Zoli trotz seiner „Schildkrötentaktik“ ist. Und so kann man sich nach und nach in Zolis Welt hineinversetzen und ein Gefühl dafür bekommen, was der junge Mann und tragische Held alles erleiden muss. Letztendlich ist Anna die einzige Person in Zolis Leben, die ihn wirklich versteht.

    Die Geschichte zeigt eindrücklich, wie man mit Außenseitern in der Gesellschaft umgeht (oder auch nicht) und beschreibt nebenbei auch noch die Sinnlosigkeit des Krieges, hier vor dem Hintergrund der ethnischen Probleme im sich auflösenden Vielvölkerstaat Jugoslawien. Ein beeindruckendes Buch, bei dem mir der Einstieg schwierig vorkam, aber das mich am Ende doch positiv überrascht hat. 

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    SomeBodys avatar
    SomeBodyvor 7 Monaten
    Meine Meinung zu "Schildkrötensoldat" von Melinda Nadj Abonji

    Der Grundgedanke in “Schildkrötensoldat” ist ganz sicher lesenswert, doch H-I-M-M-E-L!, was hat sich die Autorin nur dabei gedacht, als Stilmittel so konsequent die Regeln der Rechtschreibung zu missachten und so alles zu überlagern? Ellenlange Sätze, Kommas en masse, Kleinschreibung zu Beginn und fehlende Satzzeichen am Ende haben mir hier leider komplett das Vergnügen an der Lesezeit geraubt. Sehr schade, denn damit blieben mir Zoltán, Jenő und auch Anna unheimlich fremd. 

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    Cleo15s avatar
    Cleo15vor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Regt zum Nachdenken an
    Die Phaszination der Blumen

    Ich muss gestehen, dass ich das Buch nach den ersten Kapiteln zur Seite legen wollte, weil ich mit dem Stil von Frau Abonji nicht so recht warm wurde. Doch dann hat mich die Geschichte doch so sehr interessiert, dass ich das kleine Buch noch zu Ende gelesen habe.

    Inhalt:
    Zoli ist ein eigenartiger Junge. Nach einem Unfall ist er geistig in sich gekehrt und versteht seine Umwelt nicht mehr. Leider verstehen auch die Menschen in seiner Umgebung ihn nicht mehr. Er lebt für seinen Garten, seine Blumen. Allerdings reicht das seinen Eltern nicht. Sie wollen einen richtigen Helden zum Sohn, zumindest doch aber einen anständigen Mann. Und so muss Zoli zur Soldatenausbildung gehen, denn der Krieg steht vor der Tür.

    Charaktere:
    Mit Zoli hatte ich eine Art Zerwürfnis. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das nicht vielleicht auch am Schreibstil liegt. Er ist ein netter junger Mann, der sich viele Gedanken macht, die Welt aber leider nicht verstehen kann, da er geistig nicht mehr dazu in der Lage ist. Wenn man es andersherum betrachtet, ist er aber auch ein Philosoph, der neue Denkansätze vermittelt und den Leser dazu inspiriert, sich über die alltäglichen Gedanken hinwegzusetzen und weiterzudenken. Wegen seinem Charakter habe ich das Buch zu Ende gelesen, da er mich phasziniert hat.

    Dann gibt es noch Anna. Ihre Erzählsicht wechselt immer mit der von Zoli ab. Sie möchte mehr über das Leben und das Ende von Zoli, ihrem Jugendfreund herausfinden. Ihren Charakter habe ich nicht richtig fassen können. Ich habe ihren Beweggrund verstanden, doch nicht, weshalb sie so ist, wie sie ist. Sie ist innerlich zerfressen, doch kann ich mir nicht vorstellen, dass das alles von ihrer Kindheit kommen soll, von der sie sich auch schon vor so langer Zeit abgewendet hat und die sicherlich nicht so schlimm war.

    Schreibstil:
    Ich halte viel davon, wenn in einem Buch die allgemeinen Rechtschreibregeln beachtet werden. Es muss nicht pedantisch sein, aber dass Satzanfänge groß geschrieben werden, gehört für mich einfach dazu. Die Autorin hat bei den Abschnitten von Zoli lieber alles klein geschrieben. Das hat mich anfangs sehr verwirrt und auch etwas abgestoßen. Bis zum Schluss konnte ich mich nicht wirklich daran gewöhnen, was es nicht einfach gemacht hat. Ansonsten hat sie eine wunderschöne, detaillierte Sprache gefunden, die vieles im Dunkeln lässt und so die Geschichte interessant werden lässt, ohne mit viel Aufregung und Aktion um sich zu werfen.

    Fazit:
    Ich vergebe drei Sterne an den Schildkrötensoldaten.

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    Volponas avatar
    Volponavor 12 Tagen
    M
    Melanie_Sperlvor einem Monat
    A
    alphakingkongvor 4 Monaten
    ClaraOswalds avatar
    ClaraOswaldvor 5 Monaten
    Petriss avatar
    Petrisvor 10 Monaten

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