Inhalt: Jane kann ihr Glück kaum fassen: Sie ist auf die exklusive Halloweenparty in der am Fuße des Brocken gelegenen Villa Obscura eingeladen. Dort tummeln sich allerlei Gruselgestalten, das Buffet ist handverlesen und auch ein bekannter DJ legt auf. Doch ehe die Party ihren Höhepunkt erreichen kann, wird sie von zwei Personen in Morphsuits gekapert: Diese nehmen Jane und fünf weitere Gäste als Geiseln und führen sie einzeln zu dunklen Orten im Harz. Allerdings weiß keiner der Geiseln, worauf die Morphs es abgesehen haben…
Persönliche Meinung: “Villa Obscura” ist ein Jugendthriller von Anja Stapor und Melissa C. Hill. Erzählt wird die Handlung in kurzen Kapiteln aus den Perspektiven der sechs Geiseln. Dementsprechend häufig kommt es zu Perspektivwechseln, was gerade zu Beginn meinen Lesefluss störte: Einerseits brauchte man etwas, um die einzelnen Perspektiven voneinander trennen zu können, da einzelne Figuren eher oberflächlich gezeichnet werden, andererseits wird ein und dieselbe Szene stellenweise nacheinander aus zwei Perspektiven geschildert, sodass es zwangsläufig zu Wiederholungen kommt. Generell war das erste Drittel von “Villa Obscura” daher für mich zäh zu lesen - auch wenn hier schöne Halloweenparty-Vibes aufkommen. Nach dem ersten Drittel nimmt die Handlung aber Fahrt auf. So wird zunächst deutlich, dass jede der sechs Geiseln ein Geheimnis mit sich herumträgt, wobei diese nach und nach offenbart werden. Auch wird die Handlung insofern abwechslungsreicher, als dass die Geiseln an unterschiedliche, atmosphärisch beschriebene Orte im Harz geführt werden (z.B. die Rübeländer Tropfsteinhöhlen), wodurch Lokalkolorit in die Handlung tritt. Die große Frage, die über allem steht, ist dabei, warum die Morphs die Geiseln an diese Orte bringen. Der Grund soll hier natürlich nicht verraten werden, allerdings ist der Weg dorthin wendungsreich - es gibt mehrere Twist, die man kaum erahnen kann - sowie tragisch. Man braucht also bei “Villa Obscura” einen etwas längeren Atem, wird dann aber auf jeden Fall für das Durchhalten belohnt. Der Schreibstil von Anja Stapor und Melissa C. Hill wirkt aus einem Guss und ist anschaulich. Insgesamt ist “Villa Obscura” ein wendungsreicher Jugendthriller mit einem für mich eher schwachen Anfang, dafür aber mit einem umso stärkeren Mittelteil und Schluss. Insbesondere für Harz-Fans lesenswert!


























