Die Fortsetzung ist vom Plot her weiter auf Spannung getrimmt, was mich gut durch das Buch „gezogen“ hat. Auch die Welt ist - zwar etwas schablonenhaft nordisch vs venezianisch - aber gut entwickelt und schlüssig.
Bei den Charakteren bleiben bei mir jedoch starke Zweifel, ob Band 3 der Reihe noch gute Entwicklungen bringen kann. Der sich andeutende, modische „switch to evil“ nervt!
Der Fokus ausschließlich auf Amalia ist m.E. kein Vorteil an dieser Stelle. Zum einen wirkt es als hätte sie eine Transformation von der Idealistin zur kalt berechnenden Machtpolitikerin vor sich. Das Konzept des „switch to evil“ ist in den letzten Jahren in der Fantasy derart ausgelutscht worden, dass es mich nur noch ankotzt! Hier steht für Band 3 einiges zu befürchten.
Mit Kathe wird ein grundsätzlich spannender Charakter, der durchaus sympathisch ist eingeführt. Allerdings überzeugt mich das Konzept der politisch gewachsenen Zweckliebe nicht, zumal am Ende Kathe und Amalia beide auf ihre Art über Leichen gehen und bloß noch politische Figuren auf ihrem Schachbrett bewegen. Das entwertet jeden moralischen Ansatz der beiden, womit man wieder beim ätzenden „switch to evil“ ist.
Unterbelichtet bleiben dann auch die meisten anderen lieb gewonnenen Charaktere. Mehr hätte ich gerne über Marcello erfahren, der gute Ansätze im ersten Band hatte, aber hier schlicht aus „politischen Gründen“ und im Wesentlichen ohne moralisches Zögern zum irrelevanten Helferlein degradiert wird. Er spielt gelegentlich nur noch die Rolle des moralischen Naivlings.
Über seine Schwester Istrella hätte ich gerne mehr erfahren, denn sie ist ein faszinierender Forschercharakter, der aber trotz interessanten Ansätzen und einem spannenden Intrigenansatz völlig unterbelichtet bleibt.
Und Zaira? Auch sie wird hier zum bloßen Feuerzeug degradiert, das Amalia gnädig bedient, wenn es ihr in den Kram passt. Nachdem sie sich für die Liebe entscheidet ist sie dann auch bloß noch ein Add On für Amalia.
Kurz gesagt: Schöne Welt, Charaktere, die nicht grundsätzlich eindimensional sind, was gut ist. Allerdings alles für die Katz, weil zwanghaft der „switch to evil“ bzw. der Wandel Amalias vom moralischen Idealisten zur instrumentellen Machtpolitikerin vollzogen werden muss.
Sehr schade!