Melissa Scrivner Love

 4,1 Sterne bei 137 Bewertungen
Autorin von Lola und Capitana.
Autorenbild von Melissa Scrivner Love (©Becca Murray / Suhrkamp Verlag)

Lebenslauf von Melissa Scrivner Love

Die Schöpferin der Zuschauerlieblinge: Melissa Scrivner Love studierte an der New York University Englische Literatur. Nach ihrem Abschluss zog sie nach Los Angeles, wo sie begann, als Drehbuchautorin zu arbeiten. Sie schrieb Folgen großer und beliebter Fernsehserien wie beispielsweise „CSI Miami“ und „Person of Interest“. Für eines ihrer Drehbücher wurde ihr ein Edgar Award verliehen. 2017 veröffentlichte sie in Amerika ihren Debütroman „Lola“, der 2019 auch in deutscher Übersetzung erschien. Mit ihrer Familie lebt Scrivner Love heute auch noch in Los Angeles.

Alle Bücher von Melissa Scrivner Love

Cover des Buches Lola (ISBN: 9783518471159)

Lola

 (74)
Erschienen am 18.01.2021
Cover des Buches Capitana (ISBN: 9783518471944)

Capitana

 (63)
Erscheint am 17.01.2022

Neue Rezensionen zu Melissa Scrivner Love

Cover des Buches Capitana (ISBN: 9783518470503)W

Rezension zu "Capitana" von Melissa Scrivner Love

Facettenreich
wortzaubervor einem Monat

Achtung Spoiler!


Inhalt:

Lola Vasquez ist eine unscheinbare zierlich Person mit einem großen Herz für Ihre Mitmenschen. Von außer lässt sich nichts auf ihre dunkle Seite als Patin einer Gang im hart umkämpften Drogenmilieu schließen. Sie herrscht nach einem Deal mit der Staatsanwaltschaft über ihr eigenes Gebiet. Ihre Macht gerät ins Wanken, als sie ihres großen Herzens wegen einer schwangeren Frau einen Gefallen tut. Bevor sie sich versieht ist sie mitten in einem Drogenkrieg gefangen. Sie muss all ihre Kraft zusammen nehmen, um an allen Fronten zu kämpfen: Ihre Macht, ihre Liebe und ihr Leben. 


Eindruck:

Das Buch war ein angenehmes Lesevergnügen gepaart mit einer spannenden Geschichte. Besonders viele Leserinnen werden eine Zuneigung zu Lola entwickeln, die im Grunde eine kaltblütige Killerin ist. Auch wenn die Geschichte einem bekannt vor kommt - der Aufstieg eines kleinen Ganoven zum Paten - so wurde sie noch nie mit einer so coolen und im Grunde sympathischen Heldin besetzt. Man ist sogleich Feuer und Flamme für die Geschichte und fiebert mit Lola mit bis zum großen Finale. Ein rasantes Buch, dessen spannungsvolle Sprache perfekt übersetzt wurde. Ein tolles Lesevergnügen. 

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Cover des Buches Capitana (ISBN: 9783518470503)ulrikerabes avatar

Rezension zu "Capitana" von Melissa Scrivner Love

Leader of the Pack
ulrikerabevor 4 Monaten

Zwei Jahre ist es her, seit Lola Vasquez beinahe vom mexikanischen Drogenkartell Los Liones getötet wurde. Seither hat Lola ihr Leben neu geordnet, sich von ihrem Lebensgefährten getrennt, eine Geschäftsbeziehung mit einer neuen Partnerin bildet. Aber noch immer ist Lola die Capitana einer Straßengang, hält ihre Männer fest im Griff. Doch nun ist ein neues Kartell in Los Angeles aktiv, die Lolas Existenz bedroht. Ein weiterer Drogenkrieg eskaliert, der alle beruflichen und familiären Beziehungen Lolas in Frage stellt.


„Capitana“ ist nach „Lola“ nun der zweite rasant spannende Thriller aus der Feder der amerikanischen Schriftstellerin Melissa Scrivner Love. Lola ist immer noch die äußerste interessante und zwiespältige Protagonistin, wie ich sie schon aus dem ersten Band kannte. In diesem Thriller verschieben sich die Grenzen zwischen Gut und Böse bei jedem Szenenwechsel. Wer Freund, wer Feind ist, kann in diesem schmutzigen Geschäft um Drogen, Geld und Macht sehr schnell wechseln.


Lola – klein und zierlich – darf man nicht unterschätzen, sie ist wenn es darauf ankommt knallhart. Ihr Gangkodex lautet, nicht an Kinder zu verkaufen und schon gar nicht an weiße reiche Kids.


„Wenn die Crenshaw Six an weiße Kids verkaufen, während die Stadt wieder einmal das Drogenproblem bekämpft, wird es Lolas Gang hinter Gitter bringen, nicht die weißen Kids.“


Die Stadt – Los Angeles -  hat viele Probleme gleich auf welcher Seite man in dieser Stadt lebt. Ob in Huntington Park, Lolas Viertel, das fast ausschließlich von Latinos bewohnt wird, wo Armut, Arbeitslosigkeit und Straßenkriminalität auf der Tagesordnung stehen, oder in den besseren weißen Vierteln, in denen Menschen wie Lola niemals im Vordergrund sind. Ein Gefälle von Arm und Reich, Diskriminierung, Rassismus: eine explosive Mischung, vor allem wenn rivalisierende Drogenhändler sich an beiden Seiten bedienen.


Lola bewegt sich in diesen beiden Welten, in der einen souverän, in der anderen zögerlich.


„In Huntington Park hat Lola das Sagen. In der Westside ist Lola so etwas wie die „Andere“, eine ruhige Latina, der die meisten Eltern garantiert denken, dass ihre Tochter nur dank der Minderheitenquote und eines Stipendiums einen Platz in der Schule gekriegt hat.“


Lolas angenommene Tochter Lucy ist Lolas Achillesferse. Für Lucy nimmt sie alles in Kauf, für Lucy bringt sie auch schmerzhafte Opfer. Das macht Lola nicht nur angreifbar, sondern zeigt neben der skrupellosen Capitana ein ganz anderes Bild von Lola.


Es gibt in diesem Buch das Kapitel 8, das auf eine derart schockierende und eindringliche Art toxische männliche Gewalt zeigt, wie man es sich kaum vorstellen mag. Wie dieses Kapitel dann auch in die Geschichte passt, ist dramaturgisch fein ausgeführt.


Dieser Thriller kann etwas mehr als nur spannend zu unterhalten. Das Buch ist auch eine Milieustudie einer amerikanischen Großstadt, in der Recht und Ordnung durchaus auch nur Macht und Geld bedeuten kann. Es zeigt Menschen in prekären Situationen, Frauen und Kinder, die durch häusliche Gewalt traumatisiert sind, Menschen, die außerhalb der kriminellen Strukturen keine Platz in der „normalen“ Welt finden, weil sie dort niemand haben will.


Melissa Scrivner Love spart nicht mit gesellschaftspolitischer Kritik, wenn sich die Polizei nicht für eine Schießerei nur unter Latinos schert, wenn sie Lola darüber nachdenken lässt, dass ihre Tochter noch nie in einem weißen Haushalt war und damit auch noch nie gesehen hat, wie Angehörige ihrer eigenen Minderheit den Dreck anderer Leute wegputzen, wenn schon Kinder der Diskriminierung durch die gleichaltrigen Spielkameraden ausgesetzt werden, oder wenn Lola eine weiße Frau mit ihrem Hund vor einer Kugel rettet.


 „Eine Weiße mit einem Pudel, der Donald heißt. Scheißwelt, denkt Lola.“


Lola steht außerhalb jeglicher Konventionen: Leader of the Pack,  abgebrüht, verwerflich, verantwortungsvoll und  prinzipientreu. Eine Frau, die in einer Männerwelt dominiert. Damit setzt die Autorin einen schönen Kontrapunkt zum sonstigen Genre.


 

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Cover des Buches Lola (ISBN: 9783518471159)ulrikerabes avatar

Rezension zu "Lola" von Melissa Scrivner Love

Lolas Welt
ulrikerabevor 4 Monaten

South Central, Los Angeles. Ein gemütliches Barbecue unter Nachbarn, so scheint es. Die Männer scharen sich um Garcia, der den Grill bedient. Seine Frau Lola hält mit einer Gruppe junger Frauen ein Schwätzchen über Männer, Kinder und Kuchen. Alles harmlos. Natürlich sind nicht alle Nachbarn Mitglieder der Crenshaw Six, der Latino-Straßen-Gang, doch die meisten. Dann aber wird die Gartenparty vom Erscheinen des El Coleccionista - dem Eintreiber des Kartells- unterbrochen. In den täglichen Revierkämpfen rund um den Drogenverkauf gibt es einen neuen Mitbewerber. Der Auftrag des Eintreibers lautet nun, beim nächsten Deal des Newcomers die Übergabe zu sabotieren.

Lola ist tough, beherzt, folgt einem eigenen moralischen Index - und sie ist kriminell. Niemand weiß, dass nicht Garcia, sondern sie die Anführerin der Crenshaw Six ist. Und weil ihre Soldaten den Auftrag des Kartells in den Sand gesetzt haben, weil jetzt dem Kartell zwei Millionen Dollar und Heroin mit demselben Wert durch die Lappen gegangen sind, steht Lola nun auf der Abschussliste des Kartells. Doch davon unbekümmert geht sie ihren Geschäften nach, sorgt für ihre erweiterte Familie, straft ihren Bruder für sein Versagen bei der misslungenen Drogenübergabe, kümmert sich liebevoll um ihren Hund und die kleine Lucy. Dieses Mädchen weckt ihn Lola Erinnerungen an ihre Vergangenheit. So wie Lucy heute von ihrer drogensüchtigen Mutter für Drogen verkauft wird, erging es Lola mit ihrer Mutter Maria ebenso.

„Vielleicht bleiben Lola nur noch fünfundvierzig Stunden. Sie findet, dass es ein guter Punkt auf ihrer Löffelliste wäre, einen Pädophilen fertigzumachen.“

Mit Lola hat die amerikanische Schriftstellerin Melissa Scrivner Love eine Protagonistin ins Leben gerufen, der man sehr ambivalent gegenübersteht. Lola ist ein ungewöhnlicher Charakter, eine Antiheldin, die aus dieser vom Machismo geprägten Welt heraussticht. Eine Abführerin in einer Männerdomäne. Als junges Mädchen gerät Lola an den Leader einer Gang, wird seine Freundin, verabschiedet sich von ihren Plänen aufs College zu gehen und wird Mitglied der Gang, die sie später selbst übernehmen wird. Lola kennt den Unterschied zwischen Gut und Böse, sehnt sich manchmal nach einem normalen Leben.

„Sie stellt sich eine Welt ohne Verbrechen vor. Ohne Cops. Ohne Anwälte. Ohne Richter. Sie stellt sich vor, wie diese Leute verhungern mussten, wenn das Verbrechen sie und ihre Familien nicht ernährte.“  

Auf den Straßen von South Central herrscht Armut, Abhängigkeit und Arbeitslosigkeit. Eine Frau als Boss einer Straßengang ist selten und Lola behandelt ihre Soldaten hart, aber gerecht. Niemals würde sie Drogen an Kinder oder Alte verkaufen, das verbietet ihr Gangkodex. Doch auch wenn Lola absolut keine Skrupel hat, jemanden eine Kugel zwischen die Augen zu verpassen, hat sie einen wunden Punkt: ihre Vergangenheit und ihre Familie.

„Hier kriegt man keine zweite Chance, niemand kommt hier wieder auf die Beine. Für Comebacks hat keiner Zeit. Statt einer Minimalstrafe in einem Weißenknast gibt’s hier eine Kugel in den Kopf – als Opfer der Umstände oder als Kollateralschaden. Erfolgsgeschichten sind die Ausnahme, und noch seltener welche mit Happy End.“

Für die, die sie liebt ist bereit jedes Risiko einzugehen. Sie will überleben, um dem Kind, das sie aufgenommen hat, eine Zukunft zu geben. Das treibt sie an und so gerät sie in eine immer schneller drehende Spirale von Gewalt und dreckigen Geschäften. Die Handlanger des mexikanischen Drogenkartells, die Konkurrenz am Drogenmarkt, abhängige Informanten, korrupte Polizisten, eine undurchsichtige Staatsanwältin: eine gefährliche Mischung, und die Karten in diesem schmutzigen Spiel werden täglich neu gemischt. Während Lolas Zeit abläuft, muss sie mehrere Seiten bedienen, will sich aber auch nicht länger dem Diktat der befehlenden Männer beugen.

Melissa Scrivner Love hat eine erfrischend provokant weibliche Sprache. „Lola“ ist nicht nur ein Drogenthriller, sondern auch ein scharfer Blick auf die Verhältnisse, auf Missbrauch und Verwahrlosung und gleichzeitig auch eine clevere Bekundung zur Geschlechterfrage.

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