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Queenelyza

vor 5 Jahren

(60)

Ein Buch über Düfte, über magische Mixturen, das war klar, das musste ich lesen! Habe ich doch selbst eine Nase, die Dinge erriechen kann, die andere nicht mal ansatzweise wahrnehmen - besonders eben bei Parfums, mit denen ich mich selbst schon viel beschäftigt habe.

Und so kam ich zu diesem Buch, das mir, soviel mag ich schon mal verraten, einige vergnügliche bis atemlose Stunden bereitet hat. Vorhang auf für eine phantastische, olfaktorische Welt!

Zuerst allerdings fand ich es ein wenig schwierig, in die Geschichte hineinzukommen. Gleich von Anfang an werden mehrere Erzählstränge begonnen, die einfach zuerst etwas verwirrend daherkommen. Da sind Jac und Robbie, die Erben einer Parfumdynastie, die versuchen wollen, das Familienunternehmen zu retten. Da ist Xie. ein junger tibetischer Mönch, der im Exil Kalligraphie übt. Gilles wiederum hatte einmal eine Beziehung zu Jac und taucht ebenfalls wieder auf. Und im alten Ägypten wird eine Grabbeigabe gefunden, die ihresgleichen sucht. Und das sind noch gar nicht alle Gestalten und Erlebnisse, die für die Story wichtig sind! Verwirrend? In der Tat!

Die Fäden werden von der Autorin taktisch gut und spannend, wenn auch nicht immer absolut logisch verwoben. Mich hat das nicht gestört, da ich, wenn mich die Spannung davonträgt, solche Dinge nicht mehr als so wichtig erachte, da zählt für mich dann doch eher das Leseerlebnis. Was aber leider ein Manko des Buches ist, ist, dass die Autorin einfach zu viel will. Sie kann sich nicht entscheiden, ob sie eine eher schnulzige Liebesgeschichte, einen Thriller als Hommage an Dan Brown und Konsorten, eine Familiengeschichte oder einen historischen Roman schreiben will. Alles mischt mit, und aufgrund der unterschiedlichen Dichte der Zutaten lässt sich leider nicht alles homogen verweben. Zumindest nicht so, dass das Ergebnis zur Gänze überzeugt.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Hauptcharaktere und ihre Beweggründe seltsam blass und leblos bleiben. Jac und Robbie sind irgendwie nicht zu greifen, man weiß nicht, was man von ihnen halten soll, geschweige denn, ob sie einem sympathisch sein sollen oder nicht. Mich haben mehr die Nebenfiguren, die im Gegensatz zu dem Geschwisterpaar sehr interessant und liebevoll gezeichnet wurden, interessiert.

Was man der Autorin lassen muss, ist, dass sie die Geschichte zu einem interessanten, und gut abgerundeten Ende bringt. Es gibt keinen überraschenden Twist, aber es ist auch nicht so, dass man sich fragen muss: was war das denn bitte? Es passt irgendwie, jeder Faden wurde untergebracht und zumindet lose verknüpft, wenn auch nicht unbedingt mit Aha-Effekt. Bis dahin müssen wir allerdings, und das ist mein Hauptkritikpunkt, eine absolut unglaubwürdige, literarisch eher seichte Liebesszene überleben, an der ich hart zu knabbern hatte, weil sie einfach nur mies war. Sie war weder für die Story noch für die Entwicklung der Charaktere maßgeblich und hat mich einfach nur gestört.

Da ich aber einige wirklich kurzweilige Stunden mit dem Buch zubringen durfte, habe ich mich letztendlich doch für 4 Sterne entschieden. Es war spannende Unterhaltung mit mehr als nur einem interessanten Thema. Auch wenn das Thema Düfte für mich etwas zu kurz kam, hat mich das Buch überzeugt. Habe ich nicht irgendwo gelesen, es soll eine Fortsetzung geben? Ich bin auf alle Fälle mit dabei!

Autor: M. J. Rose
Buch: Das Haus der verlorenen Düfte

rumble-bee

vor 5 Jahren

Manche der Argumente kommen mir seltsam bekannt vor... ;-))
(nix für ungut, wir kennen uns wohl einfach schon sehr lange, und haben einen ganz ähnlichen Geschmack...)

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