Mely Kiyak

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Haltung

Neu erschienen am 01.10.2018 als Hardcover bei Bibliographisches Institut.

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Erschienen am 01.10.2018
Ein Garten liegt verschwiegen

Ein Garten liegt verschwiegen

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Erschienen am 14.02.2015
"Ein Garten liegt verschwiegen ..."

"Ein Garten liegt verschwiegen ..."

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Erschienen am 09.09.2011

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Rezension zu "Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an" von Mely Kiyak

Ein bewegender Roman über die Liebe, das Sterben und den Tod
WinfriedStanzickvor 5 Jahren

Herr Kiyak ist der Vater der bekannten Publizistin Mely Kiyak. Als er in Rente geht, denkt er: „Jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an.“ Doch er wird unerwartet krank. Ein Lungenkrebs zwingt ihn ins Krankenhaus und in eine Chemotherapie. Seine Tochter fährt ihre Arbeit zurück, um jeden Tag bei ihrem Vater in der Klinik zu sein.

 

Ihr Buch ist ein bewegendes Dokument der Auseinandersetzung einer Tochter mit dem bevorstehenden Tod des Vaters, den beide zunächst nicht wahrhaben wollen. Doch als Mely Kiyak ihren Vater, zunächst um ihn wohl abzulenken, bittet in seine Vergangenheit zurückzugehen und zu erzählen von der Familie in der Türkei, da knüpft der Vater ohne Probleme an eine Tradition an, die in seiner Heimat seit Generationen gepflegt wird: Geschichten sammeln und Geschichten erzählen.

 

Dem Buch ist auf jeder Seite abzuspüren, mit welcher Liebe und Achtung die Autorin, die schon immer zwischen den Traditionen der Einwanderer und denen ihrer neuen Heimat vermitteln wollte, ihrem Vater begegnet. Und man spürt ebenso den verzweifelten Versuch, aus einer Ausweglosigkeit zu entkommen, die sie in einem lyrischen Text ihrem Buch vorangestellt hat:

 

„Man stirbt.

Man steht morgens auf, macht seine Arbeit und stirbt.

Man träumt und stirbt.

Man gießt Blumen, geht einkaufen, schüttelt Decken aus und

stirbt.

Man liest. Man liebt. Man stirbt.

Vögel zwitschern, Narzissen springen mit einem leisen

Rascheln auf – was folgt ist Sterben.

Ob man es brauchen kann oder nicht, zwecklos sich damit

anzulegen, man stirbt.

Man stirbt. Man stirbt.“

 

Ein bewegender Roman über die Liebe, das Sterben und den Tod.

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Rezension zu "Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an" von Mely Kiyak

Lebensende oder neues Glück?
Clarivor 6 Jahren

„Man stirbt.

Man steht morgens auf, macht seine Arbeit und stirbt.

Man träumt und stirbt.

Man gießt Blumen, geht einkaufen, schüttelt Decken aus und stirbt.“

Mit diesem immer wiederkehrenden Refrain beginnt Mely Kiyak ihren Roman über die tödliche Krankheit ihres Vaters.

Man spürt, wie tief berührt sie ist, als der Vater unerwartet an Lungenkrebs erkrankt. Jeden Tag ist sie bei ihm im Krankenhaus und erlebt die Atmosphäre aus Krankheit und Unausweichlichkeit. Ihr Vater weint, und sie kann es nicht aushalten. Kann man denn nichts tun?

Sie kann ihren Vater motivieren, in die Vergangenheit einzutauchen und Geschichten über die Familie zu erzählen. Da gibt es Tanten, Onkels, Großväter und eine Vielzahl von Anverwandten. Das Landleben und lange geübte Gewohnheiten bestimmen das Leben der weitläufigen Verwandtschaft und Freunde. Die großen Sippen mit ihren zahlreichen Mitgliedern leben in Frieden oder im Krieg mit einander. Man wird mit gerissen in einen Strom von Trauer, Abschiedsgedanken und Erinnerungen. Die Türkei mit ihren großen Familienclans und die Gegenwart in einem sauberen, seelenlosen und nach westlichem Standard ausgerüsteten Krankenhaus bieten die Bühne, auf dem sich das Leben von Tochter und Vater zuletzt abspielt.

Mely Kiyak ist eine erfolgreiche Journalistin, die vorübergehend ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen kann. Ihre Sorge um den kranken Vater scheint alles zu überwuchern. Er schwebt lange Zeit zwischen Leben und Tod. Nur die Geschichten, die er erzählt, lenken aus dem grauen Krankenhausalltag ab.

In diesen Geschichten spielt seine Herkunft aus Anatolien  die bestimmende Rolle. Hier herrschen tradierte Lebensmuster, ein einfaches Leben ohne Komfort und ländliche Schlichtheit. Zum Westen der Türkei hin herrscht eine eher säkulare Welt, in der es gut besuchte Schulen und Universitäten gibt. Allerdings entwickeln Kinder aus benachteiligten analphabetisch geprägten Elternhäusern, die als Gastarbeiter nach Deutschland kamen, häufig ebenfalls ein aufgeklärtes und bildungsnahes Bürgertum.

Mely Kiyak ist eine liebevolle Tochter, die zwischen West und Ost zu vermitteln versucht. Sie hängt mit vollem Herzen an dem Mann, der hier als hilfloses Opfer der Medizin seinem Ende entgegen sieht. Er versteht vieles nicht und versucht sich dem abstrakten und wenig menschenfreundlichen Medizinbetrieb entgegen zu stemmen liebevoll betreut von Verwandten und Freunden.

Mely Kiyak schreibt emphatisch und mit Herzenswärme, wie sie die Zustände des Vaters miterlebt. Er wollte doch so gerne sein Rentnerdasein mit einer neuen Liebe genießen! Ob es ihm gelingen wird?

Das Buch geht zu Herzen. Es zeigt die innige Verbindung zwischen einem Vater und seiner Tochter. Die Autorin setzt ihm, den sie hoch achtet und liebt, ein lebendiges und lebhaftes Andenken. Sie bedenkt dabei sehr wohl, wie schwer es ist, sich aus alten Traditionen zu lösen und neue Formen zu finden. Stellvertretend für zahlreiche Mitbürger mit gleicher Vorgeschichte spricht sie von der Hoffnung und von dem Trost, mit dem die Heimkehrer ihr Lebensende zu Hause verbringen möchten. Nicht zuletzt erfährt man in einer der Erzählungen, wie auch der Vater die Tochter als kleines Kind dem Tod entreißt. Der Kreis hat sich geschlossen!

Mely Kiyak beweist sich als ausgezeichnete  Schriftstellerin, die reflektiert und sehr bewusst über sich und ihre Landsleute zu berichten weiß.

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