Die Ich-Person ist von Klara, die Mutter ihrer Schulfreundin angestellt worden für die Betreuung ihrer Mutter. Lili lebt zuerst mit ihrem Mann, Ernst in einem Pflegeheim. Ernst ist viel älter und stirbt am Anfang des Buches. Sie bleibt allein mit ihren Erinnerungen an ihrem alten Leben, das Leben vor Ernst zurück. Das Leben mit ihrem Freund Winter, der auch der Vater von Klara ist. Die Ich-Person besucht Lili fast täglich, hilft bei Besorgungen, begleitet sie in der Stadt usw. Und ist eigentlich nicht unzufrieden mit dem Job. Klara hat keine Zeit und hauptsächlich keine gute Beziehung zu ihrer Mutter. Als Sophie, die Schulfreundin, schwanger wird, entschieden die Freundinnen zusammen zu ziehen, in zwei Wohnungen im gleichen Haus und Eric zusammen gross zu ziehen. Für ihn sind es zwei Mütter, die er braucht und liebt. Fragen stellt er nicht. Als die kleine Schwester von „Ich“, Nuri, eine Wohnung braucht, zieht sie vorerst auch ins Haus ein. Sie hat schnell eine gute Beziehung zu Sophie und Eric, dass mal für Eifersucht bei der Ich-Person sorgt.
Dieser Job ist als Zwischenlösung für „Ich“ gedacht. Irgendwann muss sie sich entscheiden zwischen ihre eigene Träumen und ihre „Familie“. Sie möchte weiterziehen und einen Job, den zum Studium passt annehmen. Dafür muss sie in eine andere Stadt umziehen, das ihr Sorgen bereitet, weil wie sollte es dann weiter mit Sophie, Eric und Lili gehen. So weit kommt es nicht, erstens weil Sophie einen Freund trifft, zweitens weil Nuri eingezogen ist, und drittens weil auch Lili nicht ewig lebt.
Der Vater von „ich“ ist recht jung gestorben. Er hat sie immer motiviert um Gedichte zu schreiben. Nach seinem Tod hat sie nicht mehr geschrieben. Ihre Zweisprachigkeit schränkte ihr ein. Im Buch sagt Meral Kureyshi das sehr schön:
„ Ich lebe zwischen den Sprachen in meinem Kopf. Keine von ihnen begleitet mich mein Leben lang, was zur Folge hatte, dass ich in keiner zu Hause war.“ (s. 73)
Auf der einen Seite ist dieses Buch ein gemütliches zusammenleben von den beiden Freundinnen. Aber da ist auch noch die Pflege oder besser die Begleitung von Lili, die dir extrem klar macht, was es heisst älter zu werden und zunehmend abzubauen und abhängig zu werden. Dann erzählt sind noch die Schicksale den anderen Heimbewohnern. Sehr klar wird die Sinnlosigkeit, die ständige Wiederholungen und das Langweilen von einem Leben in einem Heim erzählt.
Das Buch ist lustig und traurig zur gleichen Zeit, oft mal im gleichen Satz, und das macht es sehr spezial. Der filigrane Schreibstil gefällt mir extrem gut. Die Geschichte ist aus Beobachtungen aufgebaut, oft sind es nur kleinere Szenen. Sie wiederholen sich und trotzdem haben alle eine Funktion in der Geschichte.
Nebenbei hat es noch ein paar andere Themen, wie z.B. In wie weit Frauen für ihren Lebenslauf verantwortlich sind, oder ihn beeinflussen können. Im Buch stehen viele Dialogen die alle sehr interessant sind. Sicher die mit Eric habe mich richtig Spass gemacht. Der kleine Mann sagt einfach das was gesagt werden sollte. Und ist vermutlich auch eine Projektionsebene für die Gedanken von „Ich“
Der Titel ist ein Satz von Lili, die mal am Meer war, aber nie im Meer. Am Ende vom Buch kommt das Meer nochmals vor.
Bei ihrer Lesung in Neuhausen am Rheinfall hat sie erklärt dass alles im Buch Beziehungen aus 3 Elementen oder Personen sind, die sie immer wieder dreht, um herauszufinden dass in der neuen Konstellation passiert. Interessant ist ihr Schreibprozess, wobei sie das Buch einfach sich selbst „schreiben“ lässt.
Für mich ist das Buch eine klare Empfehlung, sowohl von der Sprache, also auch von der Geschichte, die unterhaltsam ist und zum Nachdenken ansetzt. Kurz gesagt: ein Buch das im Gedanken bleibt.