Mercier LE TABLEAU DE PARIS

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  • Ein früher Journalist

    LE TABLEAU DE PARIS
    sKnaerzle

    sKnaerzle

    Mercier schreibt in den 1780er Jahren kleine Reportagen über eine große Stadt, ist dabei so modern, dass man ganz verblüfft ist, wenn man sieht, dass er eine Perücke trug. Ein moderner Reisejournalist würde nicht anders schreiben. Mercier läuft die Straßen ab (so sehr, dass er behauptet, er habe das Buch mit den Beinen geschrieben) und schildert, was er sieht - Eheanbahnung im Kleinbürgertum und Prostitution, Handwerkerehre und Leiden bei den verschiedensten Berufen, empört sich, dass die Kutschen der Adligen lebensgefährlich für Fußgänger sind, Gerüche und Geschmack, die Zollmauer um die Stadt, reiche Bettler und bedrängte Handwerker, schlechter Wein und opulente Festmähler. Dabei ist Mercier nichts weniger als Objektiv. Zwar hat er als Mensch der Aufklärung eine gewisse Sympathie für das einfache Volk, aber nur, solange er aus der ferne darüber philosophiert, von nahem betrachtet, erscheint es ihm doch eher laut, ungewaschen und unverschämt. Und von der Behauptung, die Pariser Bettler seien Teil eines großen und äußerst lukrativen Unternehmens, lässt er sich auch nicht abbringen. Und wenn er behauptet, die Lehrlinge der Frisöre und Drucker seien besonders unverschämt, dann weiß man zwar, wie Sebastian Mercier den Vortag verbracht hat, nicht aber, wie die damaligen Azubis sich wirklich benahmen. Richtige Böcke hat er geschossen. Weder seine Einschätzung, dass der Absolutismus einschließlich der willkürlichen Verhaftungen im Grunde eine gute Sache ist, noch dass man von den Parisern keine Aufstände mehr befürchten müssen, haben das Urteil der Zeit überdauert. Es ist die Vielfalt des bunten Lebens, die Merciers Schilderungen so interessant machen. Falls ein Schriftsteller um Stoff verlegen sein sollte, hier wird er bestimmt fündig. Manche von Merciers kleinen Skizzen vertragen es sicher, in eine längere Erzählung ausgedehnt zu werden, vielleicht sogar in einen Roman.

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