Merete van Taack

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Autor von Zar Alexander I., Liftboy Anka und weiteren Büchern.

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Zar Alexander I.

Zar Alexander I.

 (1)
Erschienen am 01.03.1991

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Rezension zu "Zar Alexander I." von Merete van Taack

Informativ, unterhaltsam, nett erzählt.
Wedmavor 4 Monaten

Diese Biographie von Alexander I. aus der Feder von Merete van Taack habe ich gern gelesen und kann sie gut weiterempfehlen.

Es ist, als ob man eine Zeitreise macht und in das Leben des russischen Hofes in 1777-1825 eintaucht. Das damalige Leben der High Society, die Kriege stehen einem lebendig vor Augen.

Man erfährt vieles, am Anfang auch über Alexanders Vater, u.a. warum er nur fünf Jahre auf dem Thron bleiben konnte, warum und wie er ermordet wurde, denn dies wurde Alexander noch lange von manchen bösen Zungen auf dem internationalen Parkett nachgetragen: Als Vatermörder käme er an die Macht usw. Über seine Mutter, deutsche Prinzessin Dorothea von Württemberg, steht da auch einiges, und nicht unbedingt Schmeichelhaftes. Hier kommt sie nicht so gut weg wie in ihrer Biographie von M. Butenschön, da hpts. als intrigant und machtgierig geschildert.

Auch von vielen Zeitgenossen von Alexander hört man so einiges, oft die gesamten Lebensgeschichten in Kurzform.  Von Talleyrand ist oft die Rede. Er soll Alexander gegen Napoleon gebracht haben, da die beiden, Napoleon und Alexander, erst doch so etwas wie gute Freunde waren.

Die Herleitung, wie es zum Krieg und den Geschehnissen von 1812 kam, ist recht griffig und bildhaft erzählt worden. Auch warum die Russen Napoleon soweit kommen ließen, das Abbrennen Moskaus, was Napoleon sagen ließ: „Ich besiege die Russen stets, das nutzt mir aber nichts.“

Metternich taucht hier und dort auf. Wiener Kongress wurde recht ausführlich geschildert.

Alexander selbst bleibt etwas blass. Es ist schon oft davon die Rede, wie er war, wie sein Familienleben aussah – für damalige Verhältnisse sehr freizügig. Mit seiner Frau hatte er keine gemeinsamen Kinder. Auch deshalb war sein jüngerer Bruder eine gute Wahl als sein Nachfolger. Innenpolitisch mochte Alexander I. nicht viel tun, dafür hatte er einen, mit ausgeprägten sadistischen Neigungen, der solche Arbeiten gern für ihn erledigt hatte. Alexander mochte gute, geistreiche Gespräche, die er allabendlich sowohl mit seinen Höflingen als auch mit den europäischen Politikern führte. Er war also sein eigener Außenminister.

Vllt liegt es einfach in der Natur Alexanders, dass er für die Nachwelt etwas rätselhaft bleibt. Besonders die Umstände seines Todes haben mich interessiert. In der Bio von Alexander II. von Henri Troyat habe ich gelesen, dass Alexander I. vergiftet wäre. Das konnte ich schwer glauben. Der Autor ist bei mir eh unten durch.

Merete van Taack präsentiert mehrere Versionen. Die letzte war mir wie die gelungene Überraschung zum Schluss und ließ an eine alte Legende denken, der nach der Begründer von Kiewer Rus, Fürst Oleg aus der Familie der Rürikiden, auch der Weise genannt, sich auch ähnlich aus dem öffentlichen Leben verabschiedet hatte. Gut möglich, dass Alexander diese Geschichte kannte. Nach 1815 war er sehr nachdenklich und religiös geworden, zog sich gern zurück.

Viel kann man noch über diese Bio erzählen, besser man liest sie selbst.

Und da es so schön und ich doch eine andere Meinung dazu einholen wollte, habe ich gleich eine andere Bio von Alexander I. bestellt. Bin gespannt, wie er dort dasteht.

Die Quellenangaben, insb. in der ersten Hälfte, sind nicht besonders sauber aufgeführt worden. Damals, das Buch ist in 1983 erschienen, war es wohl nicht die Sitte, in populärwissenschaftlichen Sachbüchern recht genau mit den Fußnoten zu arbeiten. In der zweiten Hälfte kam es schon öfter, dass die Autorin im Text aufgeführt hatte, aus welchen Quellen das eine oder andere stammte. Diese sind in der Bibliographie aufgeführt worden. Eine Zeittafel, wie paar Karten in s/w, sind auch dabei, wie auch ein Register.

Fazit: Von dieser Biographie habe ich insg. einen sehr guten Eindruck gewonnen. Oft musste ich denken: Diese älteren Werke! Sie bieten so viel Lesenswertes für so wenig Geld.

Das Ganze war auch nett erzählt. Ich habe mit diesem Buch einige erfüllte Lesestunden verbracht und mich dabei sehr wohl gefühlt. Die knapp fünfhundert Seiten waren zu schnell alle. Da war ich glatt versucht, das Buch von vorn wieder anzufangen.

Ein sehr lesenswertes Werk, das nicht nur informiert, sondern auch nett unterhält. Vier hell leuchtende Sterne und eine Leseempfehlung.

P.S. Da es bei LB das Cover fehlt, habe ich es selbst fotographiert und angehängt. Es ist wirklich Ausgabe 1983 und nicht 1991, wie bei LB aufgeführt, aber es gab nur diese hier im Katalog.

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