Achtung! Es handelt sich um den 2. Band einer Trilogie. Die einzelnen Bände der Reihe sind an sich unabhängig voneinander lesbar, weil in jedem Band andere Protagonisten im Vordergrund stehen. Dennoch könnte diese Rezension Spoiler zu Band 1 enthalten.
Inhalt:
May liebt ihr Zuhause in der Mulberry Mansion. Mit der Kürzung der Fördergelder wird es schwerer, die anstehenden Renovierungen zu bezahlen. Die einzige Lösung scheint ein Gespräch mit dem Sohn der Vizekanzlerin zu sein, um ihn zu bitten, sie umzustimmen. Doch das ist ausgerechnet Wesley Hastings, Mays Kommilitone, den sie aufgrund seiner Arroganz nicht ausstehen kann. Überraschenderweise lässt er sich schnell auf Mays Bitte ein, verlangt aber als Gegenleistung, dass sie ihm bei einem Projekt für die Uni hilft: Kann man jeden Menschen lieben?
Meine Meinung:
Es ist tatsächlich schon drei Jahre her, dass ich den ersten Band dieser Reihe gelesen habe. Ich habe mir immer vorgenommen, endlich weiterzulesen. Band 2 und 3 waren schnell bei mir eingezogen, weil mich vor allem der Schreibstil von Merit Niemeitz so beeindruckt hat. Jetzt habe ich es endlich geschafft, mir Band 2 vorzunehmen. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich dieses wundervolle Buch durch und werde Band 3 nun definitiv nicht nochmal so lange auf dem SuB liegen lassen.
In diesem zweiten Band stehen May Little und Wesley Hastings im Vordergrund. Beide studieren Psychologie und kennen sich flüchtig aus den gemeinsamen Kursen. May ist dabei sehr engagiert, fleißig und ehrgeizig, während Wesley eher entspannt bleibt, oft zu spät kommt und die Uni generell nicht so ernst zu nehmen scheint. Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Ich-Perspektive von May erzählt, sodass man ihre Gedanken und Gefühle sehr gut kennenlernt. Zwischendurch kommen noch einige Kapitel aus der Ich-Perspektive von Wes hinzu, wodurch er mehr an Tiefe gewinnt.
Auf den ersten Blick wirken beiden sehr unterschiedlich. Sie könnten gegensätzlicher kaum sein. Doch die Geschichte zeigt, dass es sich immer lohnt, genauer hinzuschauen und den Menschen hinter der Fassade besser kennenzulernen. Sowohl May als auch Wes haben Ängste und Zweifel in sich, die aus ihrer Vergangenheit stammen. Ich fand beide sehr authentisch dargestellt. Im Laufe der Geschichte erlebt man, wie sie sich Schritt für Schritt öffnen, sich ihren inneren Konflikten stellen und langsam lernen, sich selbst und einander zu vertrauen. Das Projekt bietet dabei einen Rahmen, ohne den diese Entwicklung vermutlich nicht passiert wäre.
Die Geschichte der beiden hat mich sehr berührt, vor allem die gemeinsame Entwicklung von May und Wes. Es fühlte sich sehr authentisch und glaubwürdig an, weil es voller kleiner, bedeutungsvoller Momente war, die durch den wunderschönen Schreibstil der Autorin sehr gut zur Geltung kommen. Ich bin beeindruckt von ihrer Sprache, die wie ein leiser Fluss aus Gedanken und Gefühlen wirkt. Man wird sanft mitgezogen und das nicht nur in den großen Momenten, sondern vor allem in den kleinen, leisen Zwischentönen. Es ist schon fast poetisch wie die Emotionen übermittelt werden. Man liest nicht einfach, man spürt.
Ich habe die Geschichte gefühlt und genau dadurch wurde sie so intensiv für mich. Für mich ist dieses Buch ein echtes Herzenswerk, das noch lange nachhallen wird. Ich freue mich jetzt auf Band 3.
































