Merlin Holland

 4.6 Sterne bei 26 Bewertungen
Autor von Das Oscar- Wilde- Album, Oscar Wilde im Kreuzverhör und weiteren Büchern.

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Oscar Wilde im Kreuzverhör

Oscar Wilde im Kreuzverhör

 (5)
Erschienen am 18.09.2003
Oscar Wilde im Kreuzverhör

Oscar Wilde im Kreuzverhör

 (3)
Erschienen am 07.01.2005

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Nespavanjes avatar

Rezension zu "Oscar Wilde im Kreuzverhör" von Merlin Holland

Oscar Wilde im Kreuzverhör - Ein Drama
Nespavanjevor einem Jahr

Als man am 18. Februar 1895 Lord Queensberry den Zutritt zu einem Club verweigerte, hinterließ der aufgebrachte Vater von Oscar Wildes Liebhaber Bosie (Lord Alfred Douglas), eine Visitenkarte mit einer persönlichen Nachricht für Wilde. Darauf stand sinngemäß: "Für Oscar Wilde - den posierenden Sodomiten." Allerdings war sie sehr unleserlich und mit einem Schreibfehler geschrieben (somdomite statt sodomite). Es gab zunächst sogar mehrere Interpretationen: "...To Oscar Wilde ponce and somdomite (Zuhälter und Sodomit), ...posing somdomite (posierender Sodomit) und ...posing as somdomite (der als Sodomit posiert), letztere Formulierung wurde vom Verfasser auch so gemeint, da er sie auch so autorisiert hat.


Bosies Vater wahr wohl so etwas wie ein wütender Irrer, der Oscar Wilde hasste und ihm bereits mehr als einmal aufgelauert und bedroht hatte. Und Oscar, der zwar sehr brilliant in seinem Schaffen war - ließ sich von Lord Alfred Douglas beinflussen und zu einem Verleumdungsprozess hinreißen. Der Ausgang ist hinreichend bekannt - es kam zur Gegenklage und damit auch zu zwei Jahren Haft für Oscar im Zuchthaus. Als er entlassen wurde war er Oscar Wilde gebrochener Mann. Verarmt und Vereinsamt starb er am 30. November 1900.


"Oscar Wilde im Kreuzprozess" ist von seinem Enkel Merlin Holland herausgebracht worden und enthält die erste vollständige Niederschrift des Queensberry-Prozesses. Sie offenbarten das Genie Oscar Wildes - man lauscht seinen Bonmots, seiner Schlag - und Sprachfertigkeit gegenüber seiner Ankläger und ehemaligen College-Freund Edward Carson. Man erkennt aber auch wie er nach und nach seine Gelassenheit und Fertigkeiten verliert, seine Naivität die zum Vorschein kommt und wie er sich gewissermaßen selbst auf die Anklagebank redete. Als Leser man möchte ihm zurufen: Oscarchen sei doch still. Rede dich nicht um Kopf und Kragen, aber genau das macht er.


Es ist eine Tragödie - wie Holland es in der Einleitung schreibt - denn Wilde war nicht nur wegen seiner sexuellen Orientierung angeklagt - sondern meiner Meinung auch wegen seiner ablehnenden Haltung gegenüber des viktorianischen Klassensystems und deren Moralvorstellungen und seinen ungezwungenen Umgang mit der Arbeitergesellschaft und "niederen Ständen". Das war in den Augen seiner Ankläger wohl sein größtes Verbrechen.

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TheSaints avatar

Rezension zu "Oscar Wilde im Kreuzverhör" von Merlin Holland

Oscar Wilde's fehlgeschlagener Kampf gegen Kleingeistigkeit
TheSaintvor 2 Jahren

Im Februar 1895 hinterließ der Marquis of Queensberry - Vater von Lord Alfred "Bosie" Douglas - in Oscar Wilde's Club seine Visitenkarte mit dem Text "Für Oscar Wilde, den posierenden Homosexuellen" (im Original lautete der Text: "For Oscar Wilde, posing as Somdomite[sic]").

Oscar Wilde befand sich am Zenit seines Schaffens und war der vorangegangenen Verbalattacken des 9th Marquis - John Douglas - müde und reichte gegen den Rat seiner Freunde eine Verleumdungsklage ein.
Der großartige Dramatiker und Schriftsteller wähnte sich unantastbar und siegessicher - doch diese Klage sollte ihn von seinem hohen Ross stürzen und ihn körperlich wie mental brechen.

Sein einziger Enkel Merlin Holland hat aus der kompletten Niederschrift dieser verhängnisvollen dreitägigen Gerichtsverhandlung (beginnend mit 3. April 1895) ein Buch gemacht, welches hier nun als Hörspiel der Verlagsgruppe "Random House GmbH" rezensiert wird.

Die unsympathischen Stimmen in diesem Hörspiel kosten dem Werk einen Stern... Marcus Kiepe liest Oscar Wilde unerträglich affektiert und zeichnet den Mann klischeehaft als versnobten Homosexuellen mit einem Hang für junge Männer aus dem Arbeitermilieu.

Die Präsentation der Verhandlung selbst ist sehr spannend und gut aufbereitet... Man schüttelt immer wieder den Kopf bei den Aussagen Wilde's, die ihn zielsicher weg von der Position des Anklägers hin in das Zuchthaus bringen. Unverständlich, wie dieser intelligente Mann sich zwar bei seinen sexuellen Eskapaden auf das Niveau der gesellschaftlich unter ihm Stehenden begeben konnte, jedoch nicht in der Lage war, sich in seinen Argumentationen und Ausführungen auf die gleiche Ebene der Justiz zu begeben. Seine hochgestochenen und überheblichen Äußerungen mussten logischerweise Anklage, Richter und neugieriges Volk gegen ihn aufbringen...
Man ruft mehrmals beim Hören auf und schlägt sich an den Kopf... diese 2er-CD lässt einen nicht unberührt und öfters an das Sprichwort "Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander" denken.

Bevor die Anklage mit dem Aufruf belastender Zeugen beginnen kann, zieht Wilde seine Klage zurück... Der Vater seines Liebhabers wird freigesprochen, doch für Wilde geht es nicht gut aus... er wird der Unzucht angeklagt und in einem zweiten Gerichtsverfahren im Mai des gleichen Jahres zu zwei Jahren Zuchthaus und schwerer Zwangsarbeit verurteilt.

Ein wichtiges und spannendes Zeitdokument... berührend und beklemmend. Es sollte noch bis 1967 dauern, ehe in England und Wales Homosexualität nicht mehr unter Strafe gestellt wurde.

Kommentare: 1
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Molkss avatar

Rezension zu "Das Oscar-Wilde-Album" von Merlin Holland

Rezension zu "Das Oscar-Wilde-Album" von Merlin Holland
Molksvor 8 Jahren

Eigentlich bin ich nicht der Fan von Biographien - ziehe eher Autobiographien vor. Aber in diesem Fall muss man ja beinahe enie Ausnahme machen. Der Enkel von Oscar Wilde erzählt über das Leben seines Großvaters und bietet eine unglaubliche Menge an Fotos und Auszügen aus Briefen.
Eine tolles Zusammenstellung wichtiger Fakten, unbekannter Details und tollen Bilder vom zauberhaften Oscar Wilde. Für Fans ein Muss, für Interessierte definitiv keine Zeitverschwendung.

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