Mervyn Peake Titus Groan

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Inhaltsangabe zu „Titus Groan“ von Mervyn Peake

Titus, heir to Lord Sepulchrave, has just been born, he stands to inherit the miles of rambling stone and mortar that stand for Gormenghast Castle. There are tears and strange laughter; fierce births and deaths beneath umbrageous ceilings; dreams and violence and disenchantment contained within a labyrinth of stone.
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  • Rezension zu "Titus Groan" von Mervyn Peake

    Titus Groan

    Steerpike

    23. September 2007 um 12:27

    Erzählt werden die ersten anderthalb Lebensjahre des 77. Earl of Gormenghast, Titus Groan, von seiner Geburt an bis zu seiner Investitur als neuer Herrscher über die kafkaeske Grafschaft von Gormenghast. Zum handelnden Subjekt - und zwar zum subversiv handelnden Subjekt - wird Titus dabei erst am Ende des Buches, als er die Insignien seiner Macht im See von Gormenghast versenkt und damit den cholerischen Zeremonienmeister Barquentine auf die Palme bringt. Doch im Grunde ändert sich die Welt schon bei seiner Geburt. Schuld daran ist ausgerechnet - und nur sehr mittelbar - der wortkarge Leibdiener von Lord Sepulchrave Groan, des 76. Earls of Gormenghast, Mr. Flay. Dieser bricht aus seiner täglichen Routine aus und sucht jemanden, dem er die frohe Kunde mitteilen kann, dass seinem melancholischen Herrn ein Stammhalter geboren wurde. Die Suche nach offenen Ohren führt ihn unter anderem in die Küche, in den Dunstkreis seines tödlichen Erzfeindes Abiatha Swelter, seines Zeichens Chefkoch auf Gormenghast. Dieses Auftauchen nutzt ein junger Küchengehilfe, aus der Küche zu entkommen; sein Name ist Steerpike und er wird mit seinem unbändigen Willen zur Macht alsbald das gesamte Schloss unterwandert haben. Dabei macht er sich die Eitelkeiten und die Berechenbarkeit der Schlossbewohner zunutze, vor allem der eineiigen Zwillingsschwestern von Lord Sepulchrave, die er dazu anstiftet, die geliebte Bibliothek ihres Bruders anzuzünden - ein Sabotageakt, der Gormenghast tatsächlich in vollkommen unvorhersehbarem Maße erschüttert. Das alles ist aber nur ein unwesentlicher Teil dieses ebenso gewaltigen wie eigenartigen Textes. Denn Mervyn Peake hat eine unheimliche und bewundernswerte Gelassenheit in Bezug auf den Plot, der passagen-, ja kapitelweise wirklich nur im Schneckentempo vorangetrieben wird. Peake nimmt sich Zeit für alles, für seine Figuren, für ihre Schicksale und vor allem für die Schilderung dieses archaischen Gebildes, das Gormenghast ist. Ein antediluviales, schwerfälliges Konstrukt, verkrustet von Riten, über die ein ebenso fossiler Zeremonienmeister strengstens wacht, die aber zu reinem bizarren Ornat erstarrt sind, als solches aber das gesamte Schlossleben imprägniert haben. Die Bewohner befinden sich in einer Art Lähmung, haben sich in ihre Rollen gefunden und basteln sich ihre Biotope in den unüberschaubaren Gebäuden, Winkeln und Fluren des völlig unübersichtlichen Schlosses. Erstaunt war ich, dass Peake als einer der Ahnherren der Fantasy-Literatur gilt, neben Tolkien wohl als der bedeutendste. Diese Einordnung ist nun aber - glücklicherweise - mehr als irreführend. Zweifelsfrei steht Peake in einer fantastischen Tradition, aber er tut es eher so wie Kafka. Dessen Texte sind diejenigen, die dem Schaffen Peakes am nächsten kommen, vielleicht noch einige der weniger hermetischen Geschichten Donald Barthelmes. Diese Form des halb alptraumhaften, halb grotesk-komischen Settings wird bei Peake zur Grundlage eines abstrakten Sittengemäldes von barocker sprachlicher Kraft. Es ist bedauerlich, das Peake nur 57 Jahre alt wurde und in seinen letzten Jahren von einer sehr früh einsetzende Parkinson-Erkrankung beeinträchtigt war. So hat er eigentlich nur zwei Bände der ursprünglich anscheinend auf etwa zehn Teile angelegten Saga um Titus Groan fertiggestellt. Ein dritter Teil wurde posthum ediert, außerdem existieren noch spärliche skizzenhafte Aufzeichnungen eines vierten Bandes. Mervyn Peake hat als Romancier und Illustrator einen neuen Fan. Die weiteren Bände stehen auf meiner nicht allzu fernen to-buy- und to-read-Liste.

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