Miřenka Čechová

 4,2 Sterne bei 10 Bewertungen

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Cover des Buches Tote Schwäne tanzen nicht (ISBN: 9783899984422)

Tote Schwäne tanzen nicht

(10)
Erschienen am 24.03.2025

Neue Rezensionen zu Miřenka Čechová

Cover des Buches Tote Schwäne tanzen nicht (ISBN: 9783899984422)
chiaralara36s avatar

Rezension zu "Tote Schwäne tanzen nicht" von Miřenka Čechová

chiaralara36
Der Weg zur Primaballerina und zur Zerstörung des Selbst

Eindringlich schildert die Autorin in Tote Schwäne tanzen nicht die Lebenswelt eines jungen Mädchens, das sich nichts mehr wünscht als professionelle Ballerina zu werden. Für diesen Traum lebt sie bereits seit dem Kindesalter im Internat in Prag und wird am dortigen Konservatorium ausgebildet - eine Auszeichnung als zukünftige Ballettelite des Landes.

In der anekdotenhaften Erzählung über 8 Jahre vermischen und potenzieren sich ganz alltägliche und alterstypische Gedanken und Sorgen immer wieder mit den sehr speziellen Anforderungen einer professionellen Tanzausbildung als Primaballerina. Ein Leben in Prag im Internat fernab der Familie bereits im Kindesalter, Schmerz und permanente Demütigungen durch Lehrpersonal, Erfolgsdruck, Konkurrenzkampf, Mobbing und Essstörungen. Ein ständiger Kampf gegen den eigenen Körper und das in einem Alter, in dem die Pubertät ohnehin herausfordernd ist.

Über die Protagonistin und ihr Umfeld erhält die Leserin auch immer wieder Einblicke in die postsozialistische tschechische Gesellschaft und eine Jugend in den 90ern. Für viele Mädchen ist die Ausbildung auch eine Flucht aus dem Herkunftsmilieu, das gerade auf dem Land wenig Raum für Träume lässt und kaum Perspektiven bietet.

Erzählt wird dieser Alltag in der Du-Form, was eine eigentümliche Distanz der Autorin vom Geschehen und gleichzeitig Nähe der Leserin zu diesem erzeugt. Die Autorin verarbeitet dabei ihre eigenen Erfahrungen und bereichert den Text immer wieder mit Tagebuchaufzeichnungen, die der Erzählung zusätzliche Authentizität verleihen.

Bedrückend wird so geschildert, wie verloren diese Mädchen und jungen Frauen sind, mit dem Ziel der Einrichtung ihren Willen zu brechen, sie ganz und gar unterzuordnen und als Objekt formbar zu machen. 

Welchen Preis muss man zahlen, für die Perfektion auf der Bühne? Und ist Druck, Demütigung und Schmerz tatsächlich wirkungsvoller und in dem Maße notwendig als und statt Zuwendung, Verständnis und Ermutigung? Welche Schäden, physische wie psychische, tragen junge Frauen davon, die diesen Weg gegangen sind und wer trägt die Verantwortung dafür? 

Etwas ärgerlich sind leider die zahlreichen Rechtschreib- und Grammatikfehler in der Übersetzung.

Für mich war dieser Einblick in die professionelle Ballettausbildung eindrucksvoll und authentisch erzählt! Ein Coming Of Age Roman der anderen Art, der mit einem 10 Jährigen Mädchen beginnt, das bereits mehr schultert als einige erwachsene Menschen und eine schmerzhafte, beeindruckende Wandlung durchmacht!


Cover des Buches Tote Schwäne tanzen nicht (ISBN: 9783899984422)
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Rezension zu "Tote Schwäne tanzen nicht" von Miřenka Čechová

ErikHuyoff
Interessante, aber teils etwas einseitige, Einblicke in die wunderbare Welt des Balletts

Vor kurzem habe ich auch "Tote Schwäne tanzen nicht" von Miřenka Čechová gelesen. Das Buch ist 2025 im Anthea Verlag veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2020 bei Nakladatelstvi Paseka s. r. o. unter dem Titel "Baletky". Der Roman ist als Gegenwartsliteratur einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Tschechischen zeichnet Julia Miesenböck verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ballerinen haben zwei Gesichter. Eines, das für das Publikum bestimmt ist. Und das andere, das niemand zu Gesicht bekommen soll – mit einem verblassenden Lächeln, das sich hinter den Kulissen zu einer Grimasse verzieht, gezeichnet von Erschöpfung und Schmerz, keuchend nach Luft. Wenn man diese Gesichter filmen würde, könnte man meinen, es handelt sich um eine erschreckende Enzyklopädie des menschlichen Leidens. Wie in einem militärischen Ausbildungscamp werden sie darauf trainiert, vor dem Publikum zu strahlen - so auch die Erzählerin dieser Geschichte. Sie ist noch keine vierzehn Jahre alt und schon Expertin für Abführmittel und Erbrechen, um das Gewicht zu halten. Der Traum, eine Primaballerina zu werden, verwandelt sich zunehmend in einen Albtraum. In den düsteren Ecken des Prager Nachtlebens der späten 1990er-Jahre sucht sie Ablenkung und flüchtet sich in die verführerische Welt von Partys, Drogen und ersten sexuellen Erfahrungen.

"Tote Schwäne tanzen nicht" ist ein lose auf privaten Erlebnissen und Tagebucheinträgen basierendes Porträt der tschechischen Ballettszene um die Jahrtausendwende von der Tänzerin und Choreografin Miřenka Čechová. Da das Buch nicht streng biografisch anmutet - und jegliche Information und Einordnung dazu fehlt, in welchen Punkten die Erinnerung verlassen und ausgeschmückt wurde, habe ich es als Roman der Gegenwartsliteratur zugeordnet - mit einem einordnenden Nachwort oder einer Klarstellung hätte man das Buch durchaus auch als biografisch/anekdotische Erzählung werten können.

So oder so beschreibt das Werk in losen Anekdoten und Tagebucheinträgen das Aufwachsen der jugendlichen Protagonistin in Prag, wo sie eine Ballettakademie besucht und fernab ihrer Familie in Internaten, Gastfamilien und später einer eigenen Wohnung lebt. Zwar stellt sich durch die fragmentarische Darstellung nie ein wirklicher roter Faden oder Lesefluss ein, insgesamt bleibt das Porträt der Jugend aber durchaus spannend, abwechslungsreich und aufregend, wenn auch sicherlich etwas einseitig und nicht verallgemeinernd.

Denn die Ballettausbildung wird - trotz der durchlebten Träume und kleinerer Erfolgsmomente - durchaus kritisch und schonungslos dargestellt - vom diktatorischen Zwang der Schulleitung bis hin zu sexuellen Übergriffen, dem dauerhaften Hungern und der totalen Selbstaufgabe, dem fehlenden Selbstbewusstsein, dem Abtauchen in die Drogen- und Nachtclubszene, in der ein Mindestalter von 18 Jahren auch nur eine Scheinvoraussetzung ist. Sicherlich ist dies kein Einzelschicksal - wie ja auch die angedeuteten "Karrieren" der Mitschüler:innen andeuten. In dieser dargestellten Allgemeingültigkeit ist dies aber, zumindest über das tschechische Ballett hinaus gesehen, so sicherlich auch nicht richtig.

Das Buch lässt nämlich etwas die Freude am Tanz vermissen, die Erfolgserlebnisse, das Zusammenwirken eines unterstützenden Umfelds mit einer pädagogisch wertvollen, ganzheitlichen und nicht gesundheitsschädigenden . Ausbildung, die es sicherlich auch gibt und die - vermutlich - sich in den letzten Jahrzehnten auch stärker ausgebreitet hat - allen hier präsentierten Horrorszenarien zum Trotz sicherlich auch in den osteuropäischen Raum. Und so verbleibt das Buch - so informativ und spannend, so aufrüttelnd und ehrlich - ein Mahnmal, wie man es nicht machen sollte, wie man weder dem wundervollen Ballett noch der Jugend gerecht wird.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind einige Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich, wenn man auch die Tagebucheinträge noch etwas mutiger hätte setzen können. Das Buch ist mit farbigen Coverinnenseiten und einer weiteren Illustration versehen, das Covermotiv setzt sich auf Buchrücken und Coverrückseite fort und sorgt für ein einheitliches Gesamtbild. Insgesamt ist der Buchumschlag aber eher eintönig und kein Eyecatcher, das Covermotiv sehr verwachsen und die Coverrückseite etwas textlastig und überfrachtet. Zuletzt merkt man der Übersetzung auch die Herkunft der Übersetzerin aus Österreich an, finden sich im Text doch vereinzelt dialektspezifische Begriffe wieder.

Mein Fazit? "Tote Schwäne tanzen nicht" ist ein unzweifelhaft interessantes Porträt des Aufwachsens in der Ballettszene, das in Teilen aber überzeichnet erscheint und sehr einseitig die Schattenseiten herausstellt. Für Liebhaber des Tanzes - und für Leser:innen ab 16 Jahren dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

Cover des Buches Tote Schwäne tanzen nicht (ISBN: 9783899984422)
AnjaKoenigs avatar

Rezension zu "Tote Schwäne tanzen nicht" von Miřenka Čechová

AnjaKoenig
beeindruckend

man hört ja immer wieder was leistungssport mit den menschen machen kann, hier erfährt man einiges aus erster hand und das ist natürlich nochmal beeindruckender. man sieht wie nah beieinander das ziel und der weg dahin liegen und wie viele opfer es kostet. extreme situationen und schlimme erlebnisse werden hier geschildert. ballett ist natürlich eine sehr extreme sportart finde ich, da es nach aussen so leicht und schön scheint, während es im hintergrund total herausfordernd ist. für mich eine sehr lesenswerte geschichte um mehr zu erfahren über das leben dieser frau und dadurch auch über andere in ähnlichen situationen.

Gespräche aus der Community

Ballerinen haben zwei Gesichter. Eines, das für das Publikum bestimmt ist. Und das andere, das niemand zu Gesicht bekommen soll. Wie in einem militärischen Ausbildungscamp werden sie darauf trainiert, vor dem Publikum zu strahlen - so auch die Erzählerin dieser Geschichte.

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88 BeiträgeVerlosung beendet
A
Letzter Beitrag von  AntheaVerlag

Hall zusammen,

vielen lieben Dank für eure rege Teilnahme an unserer Leserunde und für die bereits geteilen Rezensionen.
Schön zu sehen, wie euch unser Buch begeistern konnte!

Seid gerne auch bei einer der nächsten Leserunden wieder dabei, wir freuen uns auf euch :)

Beste Grüße
Euer Team von Anthea

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