Eindringlich schildert die Autorin in Tote Schwäne tanzen nicht die Lebenswelt eines jungen Mädchens, das sich nichts mehr wünscht als professionelle Ballerina zu werden. Für diesen Traum lebt sie bereits seit dem Kindesalter im Internat in Prag und wird am dortigen Konservatorium ausgebildet - eine Auszeichnung als zukünftige Ballettelite des Landes.
In der anekdotenhaften Erzählung über 8 Jahre vermischen und potenzieren sich ganz alltägliche und alterstypische Gedanken und Sorgen immer wieder mit den sehr speziellen Anforderungen einer professionellen Tanzausbildung als Primaballerina. Ein Leben in Prag im Internat fernab der Familie bereits im Kindesalter, Schmerz und permanente Demütigungen durch Lehrpersonal, Erfolgsdruck, Konkurrenzkampf, Mobbing und Essstörungen. Ein ständiger Kampf gegen den eigenen Körper und das in einem Alter, in dem die Pubertät ohnehin herausfordernd ist.
Über die Protagonistin und ihr Umfeld erhält die Leserin auch immer wieder Einblicke in die postsozialistische tschechische Gesellschaft und eine Jugend in den 90ern. Für viele Mädchen ist die Ausbildung auch eine Flucht aus dem Herkunftsmilieu, das gerade auf dem Land wenig Raum für Träume lässt und kaum Perspektiven bietet.
Erzählt wird dieser Alltag in der Du-Form, was eine eigentümliche Distanz der Autorin vom Geschehen und gleichzeitig Nähe der Leserin zu diesem erzeugt. Die Autorin verarbeitet dabei ihre eigenen Erfahrungen und bereichert den Text immer wieder mit Tagebuchaufzeichnungen, die der Erzählung zusätzliche Authentizität verleihen.
Bedrückend wird so geschildert, wie verloren diese Mädchen und jungen Frauen sind, mit dem Ziel der Einrichtung ihren Willen zu brechen, sie ganz und gar unterzuordnen und als Objekt formbar zu machen.
Welchen Preis muss man zahlen, für die Perfektion auf der Bühne? Und ist Druck, Demütigung und Schmerz tatsächlich wirkungsvoller und in dem Maße notwendig als und statt Zuwendung, Verständnis und Ermutigung? Welche Schäden, physische wie psychische, tragen junge Frauen davon, die diesen Weg gegangen sind und wer trägt die Verantwortung dafür?
Etwas ärgerlich sind leider die zahlreichen Rechtschreib- und Grammatikfehler in der Übersetzung.
Für mich war dieser Einblick in die professionelle Ballettausbildung eindrucksvoll und authentisch erzählt! Ein Coming Of Age Roman der anderen Art, der mit einem 10 Jährigen Mädchen beginnt, das bereits mehr schultert als einige erwachsene Menschen und eine schmerzhafte, beeindruckende Wandlung durchmacht!




