Mia Avelon

 3.8 Sterne bei 13 Bewertungen
Autor von Banalverkehr.

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Banalverkehr

Banalverkehr

 (13)
Erschienen am 08.08.2011

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Rezension zu "Banalverkehr" von Mia Avelon

Mutige Achterbahnfahrt in vollen Zügen
SelmaNentwigvor 4 Jahren

Schnurstracks bin ich eingezogen in eine wilde „Puppenstube“ und war überrascht vom flotten Schreibstil, infiziert von den verwirrten Gedanken der Hauptfigur und berührt von den Aktionen überspielter Einsamkeit in einer Großstadt (die mir durchaus vertraut sind). Immer häufiger wünschte ich der Autorin: Lass es um Himmels Willen keine Autobiographie sein! Nicht so. Nicht ohne Stoßdämpfer! Was Puppe erlebt, hinterlässt schmerzhafte Spuren, die man nur mit Humor verwischen kann. Galgenhumor. Was sie perfekt beherrscht. Sonst wäre das alles nicht auszuhalten. Zuweilen wurde die Geschichte SCHEINBAR (!) unter einem verträglichen Pegel Alkohol zu Papier gebracht. Kommt irgendwie übermütig rüber. Tollkühn! 
Worum geht´s?
Sie ist weg. Lene. Der einzige Fels in der Brandung der Puppe Stockmann. Eigentlich ist sie nicht wirklich weg. Nur nicht mehr da, wenn man sie braucht. Also immer, quasi. Puppe fühlt sich allein und ergibt sich in ein berauschtes Spitzenleben ohne Substanz. Betäubt ihren Schmerz mit Schmerz. So ähnlich wie bei Zahnweh, man beißt extra auf den wunden Punkt. Dann fühlt es sich gut an, wenn es weh tut. Vorübergehend.
Puppe gibt sich nicht wirklich Mühe vom Leser gemocht zu werden. Glänzt durch kindlich bockige Emotionalität, die man in ihrem Alter (29) nicht mehr so recht kapieren mag, aber doch irgendwoher kennt. Wer will schon erwachsen werden und wozu? Wer sich (wie ich) hin und wieder gegen eine gewisse Reife sträubt, erfüllt auf den ersten Blick nicht die besten Voraussetzungen für diese Lektüre (wegen der Rückfallquote). Aber auf den zweiten Blick gerade deshalb. Erschreckend ehrlich und aufwühlend. Man möchte unser Püppchen manchmal retten aus dem gefährlichen Strudel aus Alkohol, Sex und Betäubung. Sie wach rütteln. Gedanklich rennt man ihr mit einem Sprungtuch entgegen und schreit: Lass mich deine Lene sein! Doch das wäre fatal. Diese Rolle spielt schon das Schicksal. Nach Lene kommt Lückenfüller Lutz, wie ein wohliges Feuer daher. Ein Strohfeuer, denn mit dem Ende einer flüchtigen Schwangerschaft ist auch Lutz schon wieder Geschichte. Der Krapfen wandert zurück in die Schublade. The Show must go on! Life is a Party! Ein ewiges Delirium. Das geübte Leserauge ahnt: Ein Drama bahnt sich Weg. Wie ein Pulle Rotwein über cremefarbenen Satin. Dann kommt rechtzeitig Edo um die Ecke. Kein Typ für Organspende oder Broccoli-Auflauf. Doch dieser Edo riecht gut. Und verfügt über eine hübsche Hülle, ein Sushiröllchen! Das muss reichen! Puppe projiziert alles, was es vorgeblich wert ist sich an es zu klammern, auf ihn. Ihren Superhelden. Er fühlt sich gebraucht als Erlöser und Puppe sich als Gerettete. Fast dankbar verliebt schaut sie zu ihm auf. Was bleibt einem auch anderes übrig wenn man am Boden liegt?
Leidenschaft versteht sich in dieser Kombi von selbst, weil es ausreichend Leiden schafft. Klar. Auch Itsy spielt in dieser Phase eine tragende Rolle. Ihr Ende bleibt eine Mahnung. Ein trauriger herber Beigeschmack, der in seiner gnadenlosen Härte vielleicht Puppes eigentliche Rettung war.
Der Leser muss wissen, worauf er sich einlässt. Sprachlich begegnet uns hier kein poetischer Schnickschnack, wie etwa: „Wieder streut der Herbst ins Land seinen gold’nen Blätterregen.“
Stattdessen ein klares: „Der Sommer, der alte Loser, kämpft sich schwermütig durch den September.“ Super!
Ich kämpfte mich nicht schwermütig durch die Kapitel, sondern wollte begierig wissen wie es weiter geht. Der Abspann lässt einen nachdenklich versöhnt zurück. So soll es sein! Kein Buch von der Stange. Starker Humor, besondere Autorin. Für mich persönlich etwas zu viel Wiederholung in Mias Kopf. Insgesamt 4 Sterne. Empfehlenswert!

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Rezension zu "Banalverkehr" von Mia Avelon

Rezension zu "Banalverkehr" von Mia Avelon
RuthLaNuitvor 7 Jahren

Puppe Stockmann, deren Welt aus Feiern, Freundin Lene und unverbindlichen Männergeschichten besteht, was sie als ein "Spitzenleben" empfindet, wird zum Erwachsenwerden gedrängt. Die Freundschaft mit Lene zerbricht, ihre neue Freundin Itsy geht am "Spitzenleben" kaputt, die Not-Beziehung zu Lutz scheitert schmerzhaft und Edo, den sie liebt, liebt sie nicht. Puppe wird mit den Problemen der "Erwachsenenwelt" konfrontiert und mit sich selbst. Sie ist hin- und hergerissen, zwischen Mädchen- und FRausein und muss sich irgendwann für ihren Weg entscheiden.

Ihre Entwicklung ist nachvollziehbar und erlebbar, was mir sehr gut gefallen hat. Außerdem hätte ich nicht gedacht, dass man sich als Leser doch so an Puppe binden kann, wo sie anfangs alles andere als sympathisch wirkt. Die Kombination aus der Heldin, dem Schreibstil, der einfach Puppe ist, und dem ständigen Wechsel zwischen Humor und Tragik machen das Buch für mich zu etwas Besonderen. Ich bin froh, es gelesen zu haben, weil es anders ist, neu, unglaublich ehrlich, berührend und einfach wunderschön.
Herzlichen Glückwunsch, Mia!

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Rezension zu "Banalverkehr" von Mia Avelon

Rezension zu "Banalverkehr" von Mia Avelon
Soliferavor 7 Jahren

Auch wenn ich anfangs dachte, es würde sie hierbei um ein typisches "Chick-Lit"-Buch handeln, was seichtes, leichtes eben, wurde ich echt positiv überrascht.
Puppe Stockman, 29, hat - laut ihren eigenen Vorstellungen - ein Spitzenleben, mit ihrer besten Freundin Lene, immer Partys, Feiern und Männer. Es könnte immer so weitergehen, wenn Lene nicht nach Australien geflogen wäre und samt Freund und Baby im Bauch wiederkommt. Vorbei mit dem Spitzenleben. Lene bricht mit Puppe.
Die hat ja immerhin noch Lutz, der Puppe wahnsinnig gerne hat, aber sie will sich auf tiefer gehende Gefühle nicht einlassen, weil das ja nichts für sie ist. Doch als sie dann von ihm schwanger wird, fängt sie an umzudenken. Vielleicht ist ja so ein "gemütliches" Leben, wie Lene es hat, gar nicht so schlecht? Doch sie verliert ihr Baby, ihre "Erbse". Sie bricht mit Lutz, lernt Edo kennen. Und sie scheint zum ersten Mal ernsthafte Gefühle von Liebe zu empfinden. Edo allerdings sieht in Puppe nur eine Affäre. Dann wird sie schwanger, der Familie vorgestellt und es läuft alles irgendwie schief.
Der Schreibstil ist zwar EIN. WENIG. GEWÖHNUNGSBEDÜRFTIG. (abgehakte Sätze in dieser Art), aber gerade er macht die Geschichte auch sehr glaubwürdig und authentisch, weil es sich anhört, als würde Puppe gerade frei Schnauze drauf los erzählen.
Gibt es nicht doch vielleicht ein Stück vom großen Glück für Puppe? Inzwischen geläutert hätte sie es ehrlich verdient. Ein Buch das anders ist, erfrischend anders, berührend und poetisch, radikal und total krass zugleich.

love it

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Gespräche aus der Community

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frolleinavelons avatar
Puppe Stockmann hat ein Spitzenleben. Mit ihrer besten Freundin Lene aka „die linke Titte“ nimmt sie alles mit, was die Großstadt zu bieten hat, insbesondere Partys und Männer. Doch dann will Lene plötzlich „gemütlich“ werden, hat einen festen Freund und wird auch noch schwanger. Für Puppe ein absolutes zensiert: böses Schimpfwort. Aber natürlich will sie ihre Lene nicht verlieren, also… Das wird an dieser Stelle nicht verraten, denn ihr sollt ja fleißig lesen! Im August ist Puppes Geschichte nämlich unter dem Titel „Banalverkehr“ bei Heyne erschienen. Und jetzt die Frage: Was stellt ihr euch unter „Banalverkehr“ vor? Antworten könnt ihr bis Freitag, 23.09. – es gibt fünf Exemplare von „Banalverkehr“ zu gewinnen und direkt im Anschluss startet die Leserunde. Ich bin sehr gespannt auf eure Meinungen! XXX, Mia
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